William Heinesen

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William Heinesen. Weltweit bekanntester Schriftsteller der Färöer. Briefmarke von 1988
Der kleine Meermann
The temptations of saint antony

William Heinesen (* 15. Januar 1900 in Tórshavn; † 12. März 1991 ebenda) war der bedeutendste Dichter der Färöer. Darüber hinaus war er als bildender Künstler und Komponist bekannt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

William Heinesens Vater, der Reeder und Kaufmann Zacharias Heinesen, wurde in dem färöischen Ort Bøur auf der Insel Vágar geboren. Die Mutter Caroline Restorff war Tórshavnerin mit dänischen Wurzeln:[1] Ihr Großvater M. C. Restorff hatte sich 1848 auf den Färöern niedergelassen und begründete das gleichnamige Handelunternehmen, ihre Mutter stammte aus Kopenhagen. Die Familiensprache war Dänisch. Als Sechzehnjähriger kam Heinesen auf die Handelsschule in Kopenhagen, um eine kaufmännische Ausbildung zu durchlaufen – „stattdessen wurde er Dichter“[2]. Besonders bedeutsam war die Begegnung mit dem dänischen Autor Otto Gelsted. Bis Anfang der 1930er Jahre lebte Heinesen teils in Dänemark, teils auf den Färöern. 1932 kehrte er dauerhaft auf die Färöer zurück, heiratete Elise Susanne Johansen (1907–2002) und trat in das Unternehmen seines Vaters ein, das er nach dem Tod des Vaters 1944 bis 1954 weiterführte.[3]

Das literarische Werk Heinesens ist in Dänisch verfasst. „Kopenhagen und die dänische Sprache sind für Heinesen das Tor zur Welt“.[4] Dennoch gilt er unzweifelhaft als eine der führenden Persönlichkeiten der färöischen Nationalbewegung in ihrer kulturellen Dimension. Seine Bücher wurden in viele Sprachen übersetzt, das Werk umfasst sieben Gedichtsammlungen, sieben Romane und sieben Novellensammlungen.

Sein erster Roman Blæsende Gry erschien 1934, sein zweiter Noatun (1938) erschien 1939 in deutscher Übersetzung.

1965 erhielt Heinesen als erster Färinger den Literaturpreis des Nordischen Rates für Det gode håb. Er ist neben Rói Patursson der einzige Färinger, der diese Auszeichnung erhalten hat. 1980 wurde der Schriftsteller für sein Werk Her skal danses mit dem dänischen Kritikerpreis geehrt.

In der bildenden Kunst entwickelte er im hohen Alter eine Perfektion im Scherenschnitt. 2018 erschien ein umfassender Katalog über sein künstlerisches Werk.[5]

Der bildende Künstler Heinesen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine Bilderwelt ist ein Ausläufer seiner phantasievollen Geschichten, deren Motive vorzugsweise aus der Welt der Sagen, Abenteuer und Mythologie stammen, außerdem aus dem seinerzeit verschwundenen Garten von Eden. Die Inspirationen gründen sich auf Naturgefühl, überlegene Heiterkeit, Satire, robuste und ausgelassene Lebensfreude und einen ausgesprochenen Sinn für das Ornamentale und Dekorative.

In einem Geist, den man mit Bauer und Arosenius in Schweden - Kittelsen und Werenskjold in Norwegen vergleichen kann, führte William Heinesen eine Reihe Buchillustrationen aus, mit Themen aus der Welt der Sagen und Abenteuer.

In der Pastellmalerei schuf er nach dem Krieg und in den 1950er Jahren eine eigentümliche, zauberhafte beseelte Stimmung. Themen aus der unterirdischen Welt und Leben werden mehrdeutig und gleiten unmerkbar über in Satiren – die Züge von Politikern, Geschäftsleuten und heuchlerischen Verführern werden in liebenswürdigen Gnom-Physiognomien karikiert. In Zeichnungen von Männern und Frauen aus der Tórshavner Vergangenheit, kommt ein überschwänglicher Humor und ein ausgesprochener Sinn für die organische Arabeske des Striches zum Vorschein.

Die großen Wanddekorationen in der Aula der Tórshavner Volksschule mit Motiven der Sigurdlieder markieren einen Durchbruch zu dem dekorativen arkadischen Universum, dem er seine letzten Jahre widmete. Dichtungen standen immer in erster Reihe und ließen eine ausgesprochene zusammenhängende bildkünstlerische Entwicklung nicht zu, bevor William Heinesen Mitte der 1970er Jahre sich Papierkollagen widmete, mit denen er sich intensiv 10 Jahre lang beschäftigte. Die Jahre 1976–78 sind besonders produktiv. In diesen bahnbrechenden Collagen findet die dekorative Phantasie ständig neue Wege.

Heinesens üppiges, barockes Bilderuniversum hat die färöische Bildkunst mit einer markanten Dimension bereichert. Seine Produktion auf diesem Gebiet ist umfassend und imponierend – Wanddekorationen, eine Anzahl von 100 Bucheinbänden für den Verlag Bókagarður, Buchillustrationen, Plakate, Blattzeichnungen, Plattencovers usw.

Außerdem hat er als Organisator und Inspirator, Kunstkritiker und Ankündiger eine große Rolle in der Entwicklung der neuen Bildkunst auf den Färöern gespielt. Zum Beispiel organisierte er 1927 die erste Kunstausstellung zusammen mit Mikines.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hier wird getanzt! (Erzählungen), Guggolz Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-945370-17-9 (Übersetzung: Inga Meincke, Nachwort und Herausgabe: Verena Stössinger; Erzählungen aus: Det fortryllede lys 1957, Gamaliels besættelse 1960, Kur mod onde ånder 1967, Don Juan fra Tranhuset 1970, Fortællinger fra Thorshavn 1973, Her skal danses 1980, Laterna magica. Nye erindringsnoveller 1985 Ekskursion i Underverdenen 1998)
  • Zu Hause auf der Erde (Gedicht), in: Europa erlesen Färöer, hrsg. von Sven H. Rossel und Alexander Sitzmann, Wieser Verlag, Klagenfurt 2016, S. 34–35, ISBN 978-3-99029-083-5 (Übersetzung des 1961 veröffentlichten Gedichts Hjemme på jorden von Sven H. Rossel)
  • Meister Jakob und Jungfer Urd. Eine trostreiche Erzählung über den späten Eros, in: Mittsommerfeuer. Skandinavische Liebesgeschichten, hrsg. von Gabriele Haefs und Dagmar Mißfeldt, Droemer, München 2008 (Übersetzung: Christel Hildebrandt; Titel wiederabgedruckt in: Hier wird getanzt! 2018)
  • Die Dunkelheit spricht, Der weiße Mann, Heuernte am Meer (Gedichte), in: Frá Árstovubrøðrunum til Tórodd – føroysk yrking í hundrað ár / Von Djurhuus bis Poulsen – färöische Dichtung aus 100 Jahren, hrsg. von Paul Alfred Kleinert, Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2007, S. 39–43, ISBN 978-3-86703-546-0 (Nachdichtung von Günther Deicke der Gedichte Mørket taler til den blomstrende busk aus Panorama med regnbue 1972, Den hvide mand aus Hymne og harmsang 1961 und Høbjergning ved Havet aus dem gleichnamigen Gedichtband von 1924; Interlinearübersetzung Inga Meincke)
  • Nasse Heimat (Erzählung), in: „Von Inseln weiß ich …“ – Geschichten von den Färöern, hrsg. von Verena Stössinger und Anna Katharina Dömling, Unionsverlag, Zürich 2006, S. 7–17, ISBN 978-3-293-00366-8 (Übersetzung: Gisela Perlet; Titel des dänischen Originals: Våd hjemstavn, aus: Fortællinger fra Thorshavn 1973)
  • Don Juan vom Tranhaus (Erzählung), in: „Von Inseln weiß ich …“ – Geschichten von den Färöern, hrsg. von Verena Stössinger und Anna Katharina Dömling, Unionsverlag, Zürich 2006, S. 7–17, ISBN 978-3-293-00366-8 (Übersetzung: Gisela Perlet; wiederabgedruckt in Hier wird getanzt 2018; Titel des dänischen Originals: Don Juan fra Tranhuset, 1970)
  • Gäste vom Mond (Erzählung), in: Skandinavische Erzähler des 20. Jahrhunderts, hrsg. von Manfred Kluge, Wilhelm Heyne Verlag, München 1996, S. 35–38, ISBN 3-453-09244-9 (Übersetzung der Erzählung Gæster fra månen von Heinz Barüske)
  • Der Turm am Ende der Welt. Ein poetischer Mosaik-Roman über die früheste Jugend (Roman), Verlag Volk und Welt, Berlin 1991, 1. Auflage, ISBN 3-353-00814-4 (Übersetzung: A. O. Schwede; Titel der dänischen Originalausgabe: Tårnet ved verdens ende. En poetisk mosaik-roman om den yngste ungdom, 1976)
  • Das verzauberte Licht (Erzählungen), Verlag Volk und Welt, Berlin 1977, 2. erweiterte Auflage (Übersetzung: A. O. Schwede; Erzählungen aus: Det fortryllede lys 1957, Gamaliels besættelse 1960, Kur mod onde ånder 1967, Don Juan fra Tranhuset 1970, Fortællinger fra Thorshavn 1973)
  • Die Gute Hoffnung (Roman), Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 1968
  • Die „Gute Hoffnung“ (Roman), Verlag Volk und Welt, Berlin 1967 (Übersetzung: Ellen de Boor; Titel der dänischen Originalausgabe: Det gode håb, 1964)
  • Das verzauberte Licht (Erzählungen), Verlag Volk und Welt, Berlin 1966
  • Der schwarze Kessel (Roman), Verlag Volk und Welt, Berlin 1964 (Übersetzung: Emil Charlet; Titel der dänischen Originalausgabe: Den sorte gryde, 1949)
  • Die verdammten Musikanten. Roman von den Färöern, Carl Schünemann, Bremen 1952, 1.–5. Tsd. (Übersetzung: Ernst Harthern; Titel der dänischen Originalausgabe: De fortabte spillemænd, 1950)
  • Der schwarze Kessel (Roman), Kantorowicz, Berlin 1951
  • Die Leute von Noatun (Roman), Deuerlichsche Verlagsbuchhandlung, Göttingen 1939 (Übersetzung: Günther Ruprecht in Zusammenarbeit mit I. Sandmeier und S. Angermann; Titel der dänischen Originalausgabe: Noatun, 1938)

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sidsel Sander Mittet: Analyse: Heinesen, William. In: Litteratursiden. Bibliotheken in Dänemark, abgerufen am 15. September 2018 (dänisch).
  2. Eigil Søholm: William Heinesen. In: Den Store Danske. Gyldendal, 24. August 2017, abgerufen am 15. September 2018 (dänisch).
  3. Merete Harding, Erik Vagn Jensen: William Heinesen: William Heinesen. In: Dansk Biografisk Leksikon, 3. Ausgabe. Gyldendal 1979-1984, abgerufen am 15. September 2018 (dänisch).
  4. Bergur Rønne Moberg: Forfatteren, der snublede i starten. En litteratursociologisk undersøgelse af William Heinesens romanskitser og kampen for et gennembrud i 1920'erne og 1930'erne. In: www.idunn.no. EDDA Jahrgang 104, 2017, S. S. 390, abgerufen am 15. September 2018 (dänisch, mit englischer Zusammenfassung).
  5. Bárður Jákupsson: William Heinesen – billedmageren. TORGARD, Hedehusene 2018, ISBN 978-87-92286-95-6.
  6. Litteraturprisvindere 1962 - 2017. Nordisk Samarbeijde, abgerufen am 5. September 2018 (dänisch).
  7. Det Danske Akademi: Tidligere Medlemmer. Det Danske Akademi, abgerufen am 5. September 2018.