William Smith (Geologe)

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William Smith, 1837
Smiths geologische Karte von Großbritannien

William Smith [ˈwɪlɪəm ˈsmɪθ] (* 23. März 1769 in Churchill, Oxfordshire; † 28. August 1839 in Northampton) erstellte die erste geologische Karte für Großbritannien und gilt als Begründer der britischen Geologie und der Stratigraphie. 1831 erhielt er die erstmals verliehene Wollaston-Medaille.

Als Ingenieur bemerkte Smith beim Bau eines Kanals, dass manche Fossilien ausschließlich in bestimmten Schichten zu finden waren. Mit dieser Erkenntnis konnten er und andere Geologen weit voneinander entfernt ausstreichende Gesteinsschichten aufgrund ähnlicher Merkmale korrelieren, d. h., sie auf der geologischen Zeittafel stratigraphisch der gleichen Stufe zuordnen. Dies führte zu seinem Spitznamen Strata Smith („Schichten-Smith“).

Darauf basierend konnten Leopold von Buch und andere das Leitfossilprinzip formulieren. Sein größtes Werk war die geologische Kartierung Großbritanniens, die 1815 veröffentlicht wurde. Bereits 1799 veröffentlichte er eine Karte der Umgebung von Bath.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Smith war der Sohn eines Schmieds, der aus einer lokal angesehenen Landwirtsfamilie stammte. Nachdem er mit acht Jahren seinen Vater verlor wuchs er bei seinem Onkel auf, der auch William Smith hieß. Smith war im Wesentlichen Autodidakt, las viel und zeigte früh eine Neigung zum Zeichnen und für Mathematik. 1787 wurde er Assistent beim Vermesser Edward Webb aus Stow-on-the-Wold (Gloucestershire). Er machte in seiner Lehre schnell Fortschritte und wurde 1791 mit Vermessungsarbeiten in Sutton Court in Somerset beauftragt und verbrachte die nächsten acht Jahre in der Umgebung und wohnte in High Littleton (ein Dorf zwischen Bristol und Bath). Zunächst arbeitete er noch für Webb, dann für die Somersetshire Coal Canal Company (eine Gruppe von Unternehmern die diesen für den Kohletransport aus ihren Gruben bauen wollten, der Bau begann 1795). Bei Inspektion verschiedener Kohlegruben der Gegend und während seiner Arbeit bei der Beaufsichtigung des Kanalaushubs machte er seine ersten systematischen Beobachtungen und entwickelte seine Ideen zur Stratigraphie. Er erkannte (um 1793) die ähnliche Anordnung von Schichten an verschiedenen Orten, die mit Leitfossilien charakterisiert werden konnten. Die Beobachtungen setzte er auf Reisen in England in den Folgejahren fort. Bis 1799 war er Vermesser für die Canal Company (eingestellt vom Ingenieur John Rennie senior). Dann arbeitete er unter anderem für Landbesitzer (Vermessung, Entwässerungsarbeiten), so 1800 für Thomas Coke of Holkham in Norfolk und 1801 für den Herzog von Bedford in Woburn. Er veröffentlichte seine Erkenntnisse auch mit Bildern aus seiner Fossilsammlung, die besonders Formationen des Jura umfasste. Während er vorher nur Profile aufnahm, veröffentlichte er 1799 eine geologische Karte der Umgebung von Bath (Vorbild war eine farbige Bodenkarte bei der Somerset County Agricultural Society). 1801 folgte die erste grobe Skizze einer geologischen Karte von England, für die er Unterstützung von Joseph Banks erhielt. In dieser Zeit reiste er viel durch das Land als Prospektor für Mineralien. Von 1811 bis 1824 veröffentlichte er Einzelkarten der einzelnen Counties in England und Wales und 1815 folgte die Veröffentlichung einer Gesamtkarte (die auch Teile von Schottland umfasste). Sie erhielt einen seit 1802 ausgelobten Preis von 50 Guineen der Society for the Encouragement of Arts, Manufactures and Commerce für eine mineralogische Karte von England und Wales. Bis März wurden 250 Kopien an Subskribenten verschickt (insgesamt gab es wohl rund 400 Kopien, alle nummeriert und handkoloriert, weniger als hundert sind bekannt).[1] Ebenfalls 1815 veröffentlichte er eine Übersicht über die anzutreffenden Schichtfolgen (Strata) und 1816 bis 1819 folgte sein Buch Strata identified by organized fossils. 1817 veröffentlichte er ein geologisches Profil von Snowden nach London.

Um dieselbe Zeit kam er in finanzielle Schwierigkeiten. Er hatte Kredite aufgenommen und sich mit einem Steinbruch mit Sägemühle für Bausteine vertan, deren Qualität zu gering war. Obwohl er seine Fossiliensammlung für 700 Pfund an das British Museum verkaufte und war 1819 im Schuldgefängnis. Seine auf eigene Kosten gedruckten geologischen Veröffentlichungen brachten ebenfalls nicht den erhofften Profit und Anerkennung, obwohl er Kontakt zu bedeutenden Persönlichkeiten hatte. Er selbst gab freigiebig Informationen weiter und seine Arbeit fand so schnell Verbreitung. Nach der Entlassung aus dem Schuldgefängnis arbeitete er wieder als Vermesser im Norden Englands, wobei er keinen festen Wohnsitz hatte. Sir John Johnstone, ihn erkannte und erste Schritte einleitete um ihm Anerkennung zu verschaffen. 1824 bis 1825 hielt er in Yorkshire Vorlesungen mit seinem Neffen John Phillips (später Geologieprofessor in Oxford) und 1828 bot ihm ein Bewunderer, Sir John Johnstone in Hackness bei Scarborough einen Posten als Landverwalter an. Er blieb dort fünf Jahre und veröffentlichte 1832 eine geologische Karte der Hackness Hills. In Scarborough entwarf er ein im Auftrag von Johnstone 1829 errichtetes ein geologisches Museum, die Rotunda (ab 2008 William Smith Museum of Geology). 1831 fand er auch Anerkennung durch die Geological Society of London als erster Empfänger der Wollaston Medaille, wobei ihn Adam Sedgwick bei dieser Gelegenheit als Vater der englischen Geologie bezeichnete.[2] Bei einer Tagung der British Association in Dublin erhielt er 1835 die Ehrendoktorwürde des Trinity College. 1838 war er Mitglied der Kommission die den Baustein für den Palace of Westminster aussuchte. Er starb in Northampton und liegt dort in der St. Peter´s Church in Marefair begraben.

Das neue zentrale Dienstgebäude des British Geological Survey in Keyworth ist 2009 mit seinem Namen benannt worden.[3] Eine der geologischen Karten Großbritanniens von Smith ist in der Geological Society of London ausgestellt, die auch ein Ölgemäldeporträt (Fourau 1837) von ihm besitzt. Eine große Sammlung seiner Manuskripte ist im Besitz der Universität Oxford. Vor der Entdeckung der Manuskripte 1938[4] in Oxford war die Biographie seines Neffen John Phillips die Hauptquelle für seine Biographie.

Er war an technischen Entwicklungen seiner Zeit interessiert und korrespondierte mit Richard Trevithick über Dampfmaschinen.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • A delineation of the strata of England and Wales, with parts of Scotland, 1815
  • Stratigraphical system of organized fossils 1, London 1817
  • Strata idenfied by organized fossils, 4 Teile, London 1816–1819

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Joan Eyles: Smith, William, in: Dictionary of Scientific Biography
  • Joan Eyles: William Smith (1769–1839): A bibliography of his published writings, maps and geological sections, printed and lithographed, Journal of the Society for the Bibliography of Natural Sciences, Band 5, 1969, S. 87-109
  • Joan Eyles: William Smith, some aspects of his life and work, in: C. J. Schneer (Hrsg.), Toward a history of geology, Cambridge (Massachusetts) 1969, S. 142-158
  • T. Sheppard: William Smith, his maps and memoirs, Proc. Yorkshire Geological Society, Band 19, 1917, S. 75-253 (Nachdruck Hull 1920)
  • Simon Winchester: Eine Karte verändert die Welt: William Smith und die Geburt der modernen Geologie. München: btb Taschenbuch, 2003, ISBN 3-442-73089-9 (Engl. Orig.: The Map That Changed the World, 2001 ISBN 0-7524-1992-7)
  • The memoirs of William Smith, giving an account of the life and character of the 'Father of English Geology', by his nephew and pupil, John Phillips, London: Murray 1844

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eyles, Dictionary of Scientific Biography
  2. Würdigung in Proc. Geological Society, 1, 1834, S. 271
  3. Gebäudebeschreibung auf der Webpräsenz des BGS (englisch)
  4. L. R. Cox, New light on William Smith and his work, Proc. Yorkshire Geological Society, Band 25, 1942, S. 1-99