Winkel (Werkzeug)

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Flachwinkel
Anschlagwinkel für die Holzbearbeitung
hölzernes Gehrmaß für 45°-Winkel
Winkel und Zirkel: Symbol der Freimaurerei

Ein Winkel oder Winkelmaß ist eine Formlehre, die aus zwei rechtwinklig angeordneten Schenkeln besteht. Der Winkel wird bei der Holz-, Stein- und Metallbearbeitung sowie im Bauhandwerk verwendet.

Bauformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Je nach Anwendungsbereich existieren verschieden gebaute Winkel:

  • Der Flachwinkel besteht aus Flachstahl.
  • Beim Anschlagwinkel ist einer der beiden Schenkel als Anschlag gestaltet, mit dem er an geraden Kanten angelegt werden kann. In der Holzbearbeitung verwendete Anschlagwinkel bestehen aus Holz, oft in Kombination mit messingbelegten Kanten, während der zweite Schenkel aus Stahl gefertigt ist[1]. Der in der Metallbearbeitung eingesetzte Anschlagwinkel besteht üblicherweise ganz aus Werkzeugstahl.
  • Der Haarwinkel besteht aus speziellem Stahl für Lehren mit einer definierten Messkante auf beiden Seiten des längeren Schenkels. Die Messkante ist im Querschnitt wie eine Schneide spitz zulaufend geschliffen, der kurze Schenkel ist flach geschliffen. Die Messkante lässt im Gegenlicht geringfügige Abweichungen und Unebenheiten sichtbar werden.

Anwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Winkel hat zwei Hauptzwecke: Zum einen dient er dazu, Linien im rechten Winkel zu einer Bezugskante oder einer anderen Linie ein- oder anzuzeichnen. Auf Holz geschieht dies mit einem Bleistift, auf Metall mit einer Reißnadel. An der angezeichneten Linie wird das Material gekürzt, gebohrt oder auf eine andere Art bearbeitet. Zum anderen dient der Winkel zur Kontrolle der rechtwinkligen Lage von Kanten, Flächen oder Bezugslinien zueinander (z. B. der Mittellinie einer Lochreihe) nach der Bearbeitung.

Die Handhabung ist je nach Art des Winkels verschieden.

  • Beim einfachen Winkel wird die Innenseite eines Schenkels etwas schräg nach unten an der Kante des Materials angelegt.
  • Beim Anschlagwinkel für die Holzbearbeitung wird der dickere Schenkel an der Materialkante angelegt.
  • Beim Anschlagwinkel für die Metallbearbeitung wird der Anschlag an der Kante des Werkstücks angelegt.

Prüfung von Winkeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ob der Winkel tatsächlich einen exakten rechten Winkel liefert, wird durch „Umschlag“ geprüft: Ein Schenkel des Winkels (meist der kürzere) wird an eine gerade Kante angelegt/angeschlagen, während am längeren Schenkel ein Bleistiftstrich oder ein Riss mit der Reißnadel gezogen wird. Anschließend wird der Winkel „umgeschlagen“, d. h. der kürzere Schenkel des Winkels wird auf die andere Seite angelegt/angeschlagen. Der Bleistiftstrich bzw. Riss muss parallel zum längeren Schenkel verlaufen, wenn der Winkel „richtig“ oder „recht“ ist.[1]

Für die Holzbearbeitung ist die angestrebte Winkelgenauigkeit in der Regel etwas geringer als für die Metallbearbeitung.[2] In Deutschland sind Tischlerwinkel nicht genormt, sodass die Prüfung der Genauigkeit jedem Benutzer selbst überlassen ist.

Gehrmaß und Achtkante[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gehrmaß ist ein Anschlagwinkel, bei dem die Schenkel einen Winkel von 45° bilden. Es wird zum Anreißen und Prüfen von Gehrungen benutzt.[3] Manche 90°-Winkel können durch eine 45° stehende kurze Seite des Anschlagschenkels zusätzlich als Gehrmaß genutzt werden. Als Achtkante wurde ein Winkel bezeichnet, dessen Schenkel einen Winkel von 67,5° bildeten und der zur Zurichtung von Holzteilen für ein Achteck Verwendung fand.[4]

Der Winkel als Symbol[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die heute bekannteste symbolische Darstellung des Winkels findet sich im Symbol der Freimaurerei, das aus den beiden Werkzeugen Winkel und Zirkel besteht. Der Winkel wird dabei verschieden gedeutet, am häufigsten als Sinnbild für Geradlinigkeit und Ehrlichkeit. Frühere symbolische Darstellungen des Winkels umfassen u. a. den Thron des ägyptischen Gottes Osiris, verschiedene allegorische Darstellungen der Geometria im Mittelalter (als Bestandteil der Sieben Freien Künste) sowie mehrfach in der alchemistischen Symbolik der frühen Neuzeit.[5]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Winkel (Werkzeug) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Wolfgang Nutsch und andere: Fachkunde für Schreiner (12. Auflage), Verlag Europa Lehrmittel, Wuppertal 1980, Seite 231, ISBN 3-8085-4011-7
  2. vgl. Der Winkel – Geschichte, Bauformen und Verwendung
  3. Wolfgang Nutsch und andere: Fachkunde für Schreiner (12. Auflage), Verlag Europa Lehrmittel, Wuppertal 1980, Seite 232, ISBN 3-8085-4011-7
  4. Karl Karmarsch: Handbuch der mechanischen Technologie. Band 1, Helwing, Hannover 1857, S. 671
  5. Zur Herkunft von Winkelmass und Zirkel