Winterbergdenkmal

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Winterbergdenkmal vor der Kriegszerstörung (Stadtarchiv Saarbrücken)
Das Winterbergdenkmal auf einer Briefmarke aus dem Jahr 1956 nach dem Ende des teilsouveränen Saarstaates

Das Winterbergdenkmal war ein Kriegerdenkmal auf dem Winterberg in Saarbrücken. Das auf einem künstlichen Hügel errichtete insgesamt 30 Meter hohe Turmdenkmal mit umlaufender Wandelhalle erinnerte an den Sieg Preußens bei der Schlacht bei Spichern am 6. August 1870. Heute ist nur noch der rekonstruierte Sockel mit Treppe erhalten, der unter Denkmalschutz steht.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Königsstuhl von Rhens in seiner heutigen Gestalt, Vorbild der Denkmalshalle des Saarbrücker Winterbergdenkmals

Nach Ende des Deutsch-Französischen Krieges veranstalteten Bürger aus St. Johann und Saarbrücken eine Spendensammlung mit dem Ziel, auf dem Saarbrücker Winterberg, der höchsten Erhebung zwischen Spichern und Saarbrücken, ein großes Denkmal zur Erinnerung an die Ereignisse der durch den Krieg gegen Frankreich erreichten deutschen Reichseinigung von 1870/1871 zu errichten. Mit einer Spende von 2000 Talern des neuen Kaisers Wilhelm I. war die Finanzierung dieses Plans verhältnismäßig schnell gesichert.

In den Jahren von 1872 bis 1874 wurde unter Regierungsrat Otto Lieber (* 1825 in Düsseldorf, † 1897 ebd.) das bis zum Jahr 1939 weithin sichtbare Denkmal auf dem Winterberg errichtet. Lieber, der mit dem Eisenbahnbau an die Saar gekommen war, wurde im Jahr 1865 Kreisbaumeister in Mülheim an der Mosel und im Jahr 1869 Bauinspektor in Saarbrücken. Im Jahr 1873 kehrte er nach Düsseldorf zurück, wo er zunächst Regierungs- und Baurat, dann Geheimer Baurat wurde. Im Jahr 1892 ging er in den Ruhestand. Lieber hatte sich bereits im Jahr 1857 mit seinem aufwändig gestalteten neogotischen Entwurf zum Neubau des kleinen Bahnhofs Beckingen (Saar) einen Namen gemacht.[1]

Den unteren Teil des Denkmals bildete eine fünf Meter hohe, zehnseitige, von hohen neogotischen Bögen durchbrochene Halle nach dem Vorbild des Königsstuhls von Rhens. Die architektonische Bezugnahme auf das Rhenser Vorbild sollte an die mittelalterliche Tradition der Königswahlen des Heiligen Römischen Reiches erinnern. Die neogotische Halle des Winterbergdenkmals sollte die unverbrüchliche Einheit der deutschen Stämme symbolisieren.

Aus der Mitte dieser Halle erhob sich ein 20 Meter hoher Turm, der in einer gemauerten Spitze abschloss. Der Turm mit der Schildinschrift "Deutschlands Helden 1870-1871" zur nach Spichern gewandten Seite wurde als Symbol für die siegreichen Truppen Preußens verstanden. Das Winterbergdenkmal war das früheste Nationaldenkmal des Kaiserreiches. Auf halber Höhe trug der Turm ein Reliefband mit den Namen der deutschen Regimenter, die an den Kämpfen im Juli und August 1870 beteiligt gewesen waren.[2] In weiterer, pseudohistorischer Deutung wurde der Turm auch als ikonographische Reinkarnation der einstigen germanischen Irminsul, einem Heiligtum der Sachsen, das nach den Einträgen fränkischer Annalen zum Jahr 772 auf Veranlassung Karls des Großen von den Franken zerstört worden war, angesehen.[3]

Am 9. August 1874 wurde das Winterbergdenkmal bei Anwesenheit des preußischen Kriegsministers Georg von Kameke eingeweiht. Anlässlich der Einweihung des Winterbergdenkmals hatte der Trierer Regierungspräsident Arthur von Wolff den versammelten Gästen mitgeteilt, dass König Wilhelm I. von Preußen, seit 1871 Deutscher Kaiser, durch allerhöchste Kabinettsorder vom 29. Juli 1874 genehmigt hatte,

„dass die Städte Saarbrücken und St. Johann zur Erinnerung ihrer patriotischen und opferwilligen Haltung während des letzten Krieges fortan in ihrem Wappen die preußischen Farben führen dürfen.“

Die Wappen beider Städte zeigten seit dieser Zeit den preußischen Adler mit königlichen Insignien mit den jeweiligen Städtewappen als Brustschild.

Das Winterbergdenkmal entwickelte sich rasch zu einem Wahrzeichen der Stadt Saarbrücken und zierte Postkarten und Broschüren. Es wurde nicht nur deutschlandweit, sondern auch international als Wahrzeichen für das Land an der Saar konnotiert. Für Touristen gehörte seit den 1880er Jahren ein Besuch des Winterbergdenkmals, des Schlachtfeldes auf den Spicherer Höhen mit dessen Denkmalen und ein Besuch des Friedhofs im Ehrental zu den Hauptattraktionen Saarbrückens, die in Fremdenverkehrsbroschüren beworben wurden. Der politische Charakter des Denkmals als Monument des Sieges über den französischen „Erbfeind“ wurde verstärkt wieder in der Zeit vor und nach dem Ersten Weltkrieg zum Ausdruck gebracht. Dies geschah in besonderem Maße, als das Saargebiet nach den Bestimmungen des Versailler Vertrages für 15 Jahre vom Reichsgebiet abgetrennt worden war. Am 11. August 1929 wurde im Rahmen einer Verfassungsfeier im Saargebiet das Winterbergdenkmal in den Reigen der auf den Hügeln abbrennenden Höhenfeuer einbezogen. Auf Reichsgebiet nutzte der Bund der Saarvereine das Winterbergdenkmal als Vereinssymbol. Der Bund der Saarvereine war eine private propagandistische Vereinigung zum Zweck der Werbung für die Rückkehr des abgetrennten Saargebietes zu Deutschland. Er wurde von den jeweiligen Reichsregierungen finanziell und organisatorisch unterstützt. Anlässlich der Bundestagung der Saarvereine im Jahr 1934 auf der Koblenzer Festung Ehrenbreitstein wurde eine Brücke aus Schiffen über den Rhein gebildet, in deren Mitte ein Modell des Denkmals montiert war.

In einer Beschlussfassung der neu gegründeten Ortsgruppe in Gelsenkirchen-Neustadt hieß es:[4]

„Solange es noch Saardeutsche gibt, solange ein Winterbergdenkmal stolz hinab ins Saartal blickt als Sinnbild einst ruhmvoller Tage für die Bewohner und als Sinnbild der preußisch-deutschen Kraft, mit der vereint das Saargebiet zu Blüte und zu Wohlstand gelangt ist, solange wird kein echter deutscher Saarsohn seine deutsche Mutter verleugnen.“

Im Abstimmungskampf um die Rückgliederung des Saargebietes an das Deutsche Reich wurde das Winterbergdenkmal weiter zum nationalen Symbol der von den Nationalsozialisten beherrschten "Deutschen Front" stilisiert:[5]

„Und gerade in der Jahreszeit, da das Saargebiet erneut seinen schicksalsschweren Weg geht, soll uns dieses Ehrenmal mit neuer Kraft und neuem Mut erfüllen, auszuharren im Kampfe um die Rückkehr des Saarlandes, bis einstens wieder in schicksalsumwitterten Mauern die Stunde der Freiheit schlägt.“

Nach der für die NSDAP positiv verlaufenen Abstimmung vom 13. Januar 1935 und der Angliederung des Saargebietes an Hitler-Deutschland am 1. März 1935 wurde dem Winterbergturm als triumphierendes Siegeszeichen ein großes beleuchtetes Hakenkreuz aufgesetzt. Am 10. September 1939 wurde das Denkmal von der deutschen Wehrmacht gesprengt, um der feindlichen Artillerie im Zweiten Weltkrieg keinen Orientierungspunkt zu geben. Im Zusammenhang mit dieser Maßnahme wurden auch in Berus der Hindenburgturm, der Alexanderturm bei Böckweiler und mehrere saarländische Kirchtürme gesprengt.[6][7]

Nach dem Zweiten Weltkrieg und nach der zweiten saarländischen Volksabstimmung 1955 sowie der Eingliederung des Saarlandes in die Bundesrepublik Deutschland wurde in den Jahren 1957/1958 noch einmal ein symbolischer Bezug auf das Winterbergdenkmal versucht: Es wurde zum Emblem der Zeitschrift „Saarheimat“ und des Saarländischen Heimat- und Kulturbundes erhoben. Nach der Ablehnung des Europäisierungsabkommens des Saarstaates und dem damit zusammenhängenden Rücktritt der Regierung des saarländischen Ministerpräsidenten Johannes Hoffmann wurden von der neuen prodeutschen Regierung des Saarlandes zwischen den Jahren 1956 und 1958 saarländische Briefmarken herausgegeben, deren Zuschlag dem Wiederaufbau des Denkmals zugutekommen sollte.

Im Jahr 1975 rief ein „Kuratorium zum Wiederaufbau des Winterbergdenkmals Saarbrücken“ und der „Verband deutsches Afrika-Korps, Kreiskameradschaft Saarbrücken e.V.“ in der Zeitschrift Saarheimat zu Spenden für den Wiederaufbau des Denkmals auf. Mit den gesammelten Spenden konnte zumindest der Sockel des Winterbergdenkmals rekonstruiert werden.[8]

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Winterbergdenkmal (Saarbrücken) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Denkmalpflegebericht Saarland vom 17. Juli 2013, http://www.saarland.de/SID-EA0DC1C8-D1DDBE78/103901.htm, abgerufen am 14. Mai 2015.
  2. Saarbrücker Zeitung vom 11. August 1874.
  3. http://www.memotransfront.uni-saarland.de/pdf/winterbergdenkmal.pdf, abgerufen am 4. November 2014.
  4. http://www.memotransfront.uni-saarland.de/pdf/winterbergdenkmal.pdf, abgerufen am 4. November 2014.
  5. Gerhard Paul: Das Winterbergdenkmal, in: Klaus-Michael Mallmann, Gerhard Paul, Ralph Schock, Reinhard Klimmt (Hrsg.): Richtig daheim waren wir nie, Entdeckungsreisen ins Saarrevier 1815–1955, 3. Auflage, Saarbrücken 1995, S. 82-83.
  6. Rolf Wittenbrock: Die drei Saarstädte 1860-1908, in: Rolf Wittenbrock (Hrsg.): Geschichte der Stadt Saarbrücken, Bd. 2, Von der Zeit des stürmischen Wachstums bis zur Gegenwart, Saarbrücken 1999, S. 11-130, hier S. 28-29.
  7. Doris Seck: Es begann vor 40 Jahren, Saarländische Kriegsjahre, Saarbrücken 1979, S. 18.
  8. http://www.memotransfront.uni-saarland.de/pdf/winterbergdenkmal.pdf, abgerufen am 4. November 2014.

Koordinaten: 49° 13′ 14,83″ N, 7° 0′ 7,39″ O