Wotrubakirche

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Ostansicht mit Hauptportal
Gesamtanlage mit Nebenbau, Lift und Gedenkstein

Die Wotrubakirche, auch Kirche Zur Heiligsten Dreifaltigkeit, ist eine römisch-katholische Kirche aus Betonblöcken in Wien. Sie wurde von August 1974 bis Oktober 1976 nach Entwürfen des Bildhauers Fritz Wotruba und Plänen des Architekten Fritz Gerhard Mayr erbaut. Sie ist eine Rektoratskirche der Pfarrkirche Mauer.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wotrubakirche liegt auf 328 m ü. A. am Georgenberg im Stadtteil Mauer (Ecke Rysergasse/Georgsgasse) im 23. Wiener Gemeindebezirk Liesing auf dem Areal der ehemaligen Luftnachrichtentruppen-Kaserne. Nahe der Kirche befindet sich der Sterngarten, eine als Freiluftplanetarium dienende Betonplattform.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebäude entstand auf Initiative von Margarethe Ottilinger und nach einer Idee von Fritz Wotruba.

Wotruba wollte den für seine Arbeiten in Granit bekannten „Bildhauerpfarrer“ Josef Elter in Traunstein zur Mitarbeit gewinnen, jedoch scheiterte dieses Projekt an der Zustimmung der Bauherren.

Der Bildhauer Wotruba wollte nach eigenen Worten

„Etwas gestalten, das zeigt, dass Armut nicht hässlich sein muss, dass Entsagen in einer Umgebung sein kann, die trotz größter Einfachheit schön ist und auch glücklich macht.“[1]

Ottilingers Motiv war, in einem Europa, in dem der Glaube an Gott schwindet, die Menschen aufzurütteln und zu zeigen, dass „noch immer Kräfte wirksam sind, die dem Geist des Unglaubens widerstehen“.

Bereits vor der Fertigstellung wurde die heftig diskutierte Kirche zum Ausflugsziel von Neugierigen und Kunstinteressierten.

2018/2019 wurde ein Zubau mit einem barrierefreien Zugang zur Ober- und Unterkirche errichtet.

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innenraum mit Blick zur Altarwand
Gemeindesaal im Untergeschoss

Das Gebäude ist stilistisch dem Brutalismus zuzurechnen.[2] Es besteht aus 152 unverkleideten Beton-Blöcken zwischen 0,84 m3 (1,84 t) und 64 m3 (141 t); der höchste Block misst 13,10 Meter. Das Licht fällt durch einfache Glasscheiben, die in die unregelmäßigen Zwischenräume eingesetzt sind, woraus sich überschneidende Lichtbündel ergeben. An der Altarwand befindet sich ein Abguss des von Wotruba für die Hofkirche in Bruchsal geschaffenen Kreuzes.

Im Untergeschoß befindet sich ein fast 350 m² großer Gemeindesaal.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wotruba. Die Kirche in Wien-Mauer. Herder, Wien 1977, ISBN 3-210-24541-X. Mit Fotos von O. J. Erwin Reichmann; Margarethe Ottilinger: Eine Kirche entsteht; Fritz Gerhard Mayr: Baubeschreibung und Pläne; Abbildungen zu Vorarbeiten, Skizzen und Modelle; Rupert Feuchtmüller: Vom inneren Drama eines Bauwerks; Friedrich Heer: Fritz Wotruba und sein Jahrhundert; Alexander Unger: Eine Kirche als Kommunikationszentrum. Zur religiösen Bedeutung einer ästhetischen Erziehung; Leopold Ungar: Eine metaphysische Herausforderung.
  • Friedrich Kurrent: Die Wotruba-Kirche oder der fehlende Mut zur Unvollendeten. In: Friedrich Kurrent: Texte zur Architektur. Pustet, Salzburg 2006, ISBN 3-7025-0537-7.
  • Franz Loidl: Zehn Jahre Wotruba-Kirche auf dem St. Georgenberg Wien/Mauer 1986. Wiener Kath. Akademie, Wien 1987.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Wotrubakirche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Georgenberg / Wotrubakirche - Kirche zur Heiligen Dreifaltigkeit. Abgerufen am 25. Juni 2018.
  2. Wolfgang Pehnt: Lebendige Spur. Kirchen in Zeiten des Brutalismus. In: Oliver Elser, Philip Kurz, Peter Cachola Schmal (Hrsg.): SOS Brutalismus. Eine Internationale Bestandsaufaufnahme. Projekt des Deutschen Architekturmuseums und der Wüstenrot Stiftung. Park Books, Zürich 2017, S. 40–46, hier S. 42–44. Vgl. auch Wotrubakirche / Kirche zur Heiligen Dreifaltigkeit. SOS Brutalismus-Website, abgerufen am 1. Juni 2020.

Koordinaten: 48° 8′ 51″ N, 16° 15′ 13″ O