Brutalismus

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Corbusierhaus Berlin (1957)

Brutalismus ist ein Architekturstil der Moderne, der ab 1950 Verbreitung fand. Der Begriff findet seinen Ursprung im französischen béton brut (‚roher Beton‘), mit dem Le Corbusier seinen bevorzugten Werkstoff beschrieb. Als initiale Inspiration des Stils gelten die Wohnfabriken Unité d’Habitation, die ab 1947 gebaut wurden. Die Verwendung von Sichtbeton erfolgte in der Architektur bereits ab etwa 1910. Für den Brutalismus typisch ist zudem ein kompromissloses, ehrlich anmutendes Erscheinungsbild mit klaren geometrischen Körpern.

Neuer Brutalismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schulgebäude in der Grafschaft Norfolk in England

1953 wurde die Architektengruppe Team 10 gegründet, die später den Begriff Neuer Brutalismus als Abgrenzung von Le Corbusier prägte. Die erste Nennung erfolgte im Dezember 1955 in der Zeitschrift Architectural Review durch Reyner Banham. Trotz der Betonung des Betons erlaubt dieser Stil auch andere Materialien wie Metall, Ziegel oder Stein.[1][2] Als Beispiel für diesen Stil wird die Hunstanton School von Alison und Peter Smithson von 1949–1954 genannt, ein Ziegelbau mit sichtbaren Versorgungsleitungen. Als erstes Bauwerk des neuen Brutalismus gilt die Villa Göth in Uppsala, die 1950 fertig gestellt wurde. Ein weiteres genanntes Beispiel ist die Kirche Notre Dame du Haut in Ronchamp.

Charakteristik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Brutalismus verbreitete sich in den 1960er Jahren auf allen Kontinenten und blieb präsent bis in die 1980er Jahre. Die Vertreter dieser Bauart meinten, dass die modernen industrialisierten Gesellschaften eine möglichst kraftvolle Kunst benötigen. Sie sollten eine „geistige Befreiung erleben, zum Sehen gebracht werden, Sinnlichkeit statt Kommerz erfahren“. Das kommt in dem zugrundeliegenden französischen Wort „brut“ auch dadurch zum Ausdruck, dass es nicht nur „roh“ bedeutet, sondern auch „rau“, „grob“, „herb“ oder „ehrlich“.[2]

In den 1990er Jahren geriet der Baustil in Verruf, die Architekten und Stadtplaner verfolgten nun eine Art Wiedergeburt der bürgerlichen Stadt, der Brutalismus galt ihnen als „ästhetischer Vandalismus“. Dieser Eindruck wurde auch dadurch verstärkt, dass die entsprechenden Bauwerke wenig gepflegt erschienen, der Beton stärker als gedacht gegen Schmutz, Algenbewuchs oder Zerfall anfällig war.[2]

Universitäts- und Stadtbibliothek Köln (1964–1968)

Erst Anfang des 21. Jahrhunderts begann eine Phase der Wiederentdeckung des Brutalismus, insbesondere angesichts von Abrissen oder entstellender Umbauten.

„[...] Angesichts der vielen, beim Klopfen hohl klingenden, Granitfassaden der gierigen Postmoderne erscheint er nun als zwar raues aber eben ,ehrliches Gegenbild’, als die gebaute Erinnerung an den ausgleichenden sozialdemokratischen Wohlfahrtsstaat, in dem sozialer Egoismus als degoutant gilt.“

Die exakte Abgrenzung der Brutalismus-Gebäude von anderen Bauwerken in sehr ähnlicher Ausführung ist selbst den erfahrenen Architekturkritikern nicht immer möglich. Daher neigen viele dazu, grobe klotzige Gebäude mit Sichtbeton schnell dieser Stilrichtung zuzuordnen.

Beispiele aus verschiedenen Ländern und Kontinenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siedlungen und Baukomplexe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Typisches Gebäude der Siedlung Thalmatt

Nicht nur einzelne Bauwerke gehören zum Brutalismus, auch ganze Siedlungen oder Bildungskomplexe entstanden unter dem Einfluss dieser Stilrichtung.

Zu nennen sind hier:

Bilder (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Brutalismus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Reyner Banham: The New Brutalism. In: Architectural Review, 12/1955.
  2. a b c d e Nikolaus Bernau: Verliebt in Betonmonster, 3. Januar 2018; Printausgabe: Versprechen aus Beton. Drei Jahrzehnte verachtet, jetzt gefeiert: Der Brutalismus erlebt aus vielen Gründen eine Rehabilitation. In: Berliner Zeitung, 4. Januar 2018, S. 23.
  3. Brutal schön in Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 12. November 2017, S. 49.
  4. SOSBrutalism. Initiative des Deutschen Architekturmuseums und der Wüstenrot-Stiftung