Wright Flyer

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Wright Flyer
First flight2.jpg
Typ: Doppeldecker-Propellerflugzeug
Entwurfsland: Vereinigte Staaten 45Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Hersteller: Brüder Wright
Erstflug: 17. Dezember 1903
Produktionszeit: 1903
Stückzahl: 1

Der Wright Flyer (auch bekannt als Kitty Hawk Flyer, Wright Flyer I oder 1903 Flyer, die Wright-Brüder selbst nannten das Flugzeug The Whopper Flying Machine)[1] war das erste von den Brüdern Wright hergestellte Doppeldecker-Motorflugzeug und flog erstmals am 17. Dezember 1903 in Kitty Hawk, North Carolina. Es war das erste motorisierte Luftfahrzeug, das schwerer als Luft war und von einem Piloten gesteuert wurde.[* 1][* 2][2] Als Antrieb diente ein selbst konstruierter Vierzylinder-Ottomotor. Mit Kettenantrieben wurde die Kraft auf zwei gegenläufige Zweiblattpropeller übertragen.[2]

Der Wright Flyer war dabei Teil einer 1899 mit Modelldrachen begonnenen Entwicklung, die 1905 mit dem 1905 Flyer zum ersten auch praktisch verwendbaren Flugzeug führte.[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Schon als Kinder experimentierten Wilbur und Orville Wright mit einem von Gummiband angetriebenen Spielzeughelikopter. 1896 wurden die Brüder Wright, die eine Reparaturwerkstatt für Fahrräder betrieben, von der Arbeit des verstorbenen Maschinenbauers Otto Lilienthal inspiriert und fingen an, eigene Experimente mit Gleitflugzeugen zu machen.[2]

Mit Gleitflugzeugen gaben sich die Brüder jedoch nicht zufrieden, sondern setzten sich das Ziel, ein Motorflugzeug zu bauen. Als Antrieb verwendeten sie einen vollständig selbst konstruierten und mit Hilfe des Mechanikers Charles Taylor auch selbst hergestellten Vierzylinderreihenmotor mit einem Kurbelgehäuse aus Aluminiumguss, der lediglich 81 kg (179 lb) wog und statt der erwarteten acht sogar zwölf PS leistete. Taylor erklärte später in einem Interview, dass die damals verfügbaren Automotoren mehr wogen als der gesamte Flyer einschließlich des neu entwickelten Triebwerks.[1] Dieser wurde an einer zentralen Stelle eingebaut. Zwei Kettenantriebe konnten zwei gegenläufig rotierende Propeller antreiben.[2]

Ihren ersten Flugversuch führten die Brüder Wright trotz schlechter Wetterbedingungen bereits am 14. Dezember 1903 durch. Wilbur Wright übersteuerte dabei jedoch den sehr sensiblen Flyer und die Maschine landete relativ hart bereits nach vier Sekunden etwa 20 m nach dem Abheben. Dabei wurde sie leicht beschädigt. Am 17. Dezember fanden dann vier Flüge statt, die allgemein als die historischen Erstflüge angesehen werden. Der letzte Flug an diesem Tag dauerte 59 Sekunden, wobei eine Strecke von 260 m zurückgelegt wurde.[1]

Die Nachricht der Wright-Flüge verbreitete sich rasch. Sowohl die französische als auch die US-amerikanische Regierung waren von der Leistung beeindruckt. 1908 präsentierte Wilbur den Wright Flyer der französischen Regierung. Er eröffnete später in Pau die erste Pilotenschule weltweit.[2]

Orville Wright leitete zur gleichen Zeit Flugvorführungen vor der US-Army und baute 1909 das Wright Model A, das erste Militärflugzeug überhaupt. Das Flugzeug wurde von der Wright Company in Kleinserie hergestellt.[2]

Flüge vom 17. Dezember 1903[Bearbeiten]

Telegramm von Orville Wright in Kitty Hawk, North Carolina, an seinen Vater über vier erfolgreiche Flüge (17. Dezember 1903)

Um 10:35 Uhr hob Orville Wright zum ersten Mal an diesem Tag ab. Im Gegensatz zu dem ersten Flugversuch am 14. Dezember war die Startschiene nicht leicht bergab, sondern durchgehend horizontal verlegt. Orville flog 12 Sekunden lang. Dabei erreichte er eine Geschwindigkeit von 16 Kilometern pro Stunde und eine Entfernung von 37 Metern beziehungsweise 120 Fuß. Für die weiteren Flüge wechselten sich die Brüder Wright ab, wobei ein Rekord nach dem anderen gebrochen wurde: Nachdem Orville in 12 Sekunden 37 m weit flog, flog Wilbur in 13 Sekunden 53 m (175 Fuß) weit. Beim dritten Flug flog Orville in 15 Sekunden 61 m (200 Fuß) weit.[4]

Insgesamt wurden am 17. Dezember 1903 vier Flüge absolviert – je zwei von Orville und zwei von Wilbur. Beim letzten Flug legte Wilbur in 59 Sekunden 259,7 Meter (852 Fuß) zurück, was den Tageshöchstwert bedeutete.[2][4][5]

Verbleib[Bearbeiten]

Nach dem vierten und letzten Flug wurde der Flyer durch eine Windbö mit anschließendem Überschlag so stark beschädigt, dass ein Wiederaufbau nicht mehr durchgeführt wurde. Das Wrack wurde in Dayton eingelagert. Bei einem Hochwasser wurde es dort 1913 beinahe vollständig zerstört. In den nächsten zwei Jahrzehnten wurde es auf zahlreichen Ausstellungen gezeigt, 1928 aber infolge eines Streits zwischen Orville Wright und der Smithsonian Institution in das Science Museum nach London verbracht. Nach Beilegung des Streits und dem Tod von Orville Wright kehrte die Maschine 1948 in die USA zurück und wurde im Arts and Industries Building des Smithsonian in Washington, D.C. gezeigt. Seit der Eröffnung des National Air and Space Museums am 1. Juli 1971 bildet der Flyer das zentrale Ausstellungsstück der Sammlung.[6]

Konstruktion[Bearbeiten]

Der Wright Flyer war ein Doppeldecker mit doppelten Seitenleitwerken und doppelten Entenflügeln. Die Steuerung um die Längsachse erfolgte durch Flügelverwindung der Tragflächenenden. Der Flyer wurde von einem Motor angetrieben, der seine Kraft an zwei Propeller abgab. Die Propeller waren aus drei Lagen Fichtenholz selbst hergestellte Einzelstücke. Die nach einigen Versuchen gefundene lange und schmale Blattform sorgte dafür, dass ein Wirkungsgrad der Propeller von etwa 66 Prozent erreicht werden konnte. D. h. zwei Drittel der Motorleistung konnten für den Vortrieb eingesetzt werden.[7]

Die tragende Struktur des Flugzeugs stellte praktisch eine vergrößerte Weiterführung ihres Gleiters von 1902 dar. Wie dieser war der Flyer aus ofengetrocknetem Fichtenholz („West Virginia White Spruce“) hergestellt und die Tragflächen und Leitwerke mit einem „Pride of the West“ genannten Musselin bespannt.[8] Dieser feste Baumwollstoff trug mit zur Stabilität der Konstruktion bei. Untersuchungen des Flyers in den 1980er Jahren durch Howard S. Wolko vom „US National Air and Space Museum“ ergaben, dass die Struktur für die tatsächlich aufgetretenen Belastungen deutliche Festigkeitsreserven aufwies.[1]

Technische Daten[Bearbeiten]

Kenngröße Daten[1][2][3]
Besatzung 1
Länge 6,43 m
Spannweite 12,30 m
Höhe etwa 2,70 m
Profiltiefe 1,98 m
Flügelfläche 47,38 m²
Fläche der (Canard-)Höhenruder  4,46 m²
Fläche der Seitenruder 1,95 m²
Flügelstreckung 6,38
Leermasse etwa 275 kg
max. Startmasse 338 kg (mit Pilot)
Höchstgeschwindigkeit etwa 48 km/h
Triebwerke wassergekühlter Reihen-Vierzylinder (liegend) mit 3300 cm³ Hubraum
und einer Leistung von 8,25 bis 16 PS (12 PS beim ersten Flug)
Durchmesser der Luftschrauben 2,59 m

Galerie[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wright Flyer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Möglicherweise gelang Gustav Weißkopf bereits am 14. August 1901 der erste Motorflug. Er konnte dies jedoch nicht ausreichend dokumentieren.
  2. Möglicherweise gelang am 18. August 1903 Karl Jatho mit dem Jatho-Drachen der erste Motorflug. Er konnte dies jedoch nicht ausreichend dokumentieren.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Richard Hallion: The dream takes flight (The Wright Flyers Database), in Aeroplane Monthly Dezember 2003
  2. a b c d e f g h http://www.doppeladler.com/misc/wright.htm (23. Juni 2012)
  3. a b http://airandspace.si.edu/exhibitions/gal100/wright1903.html
  4. a b http://www.thewrightbrothers.org/fivefirstflights.html (23. Juni 2012)
  5. http://airandspace.si.edu/collections/artifact.cfm?id=A19610048000
  6. Richard P. Hallion: Wright Flyer survivors, in Aeroplane Monthly, Dezember 2003, S. 74
  7. Murson Kenneth: Flugzeuge, Falken-Verlag, Erich Sicker, Wiesbaden 1972, ISBN 3-8068-8003-4, Seite 4–5.
  8. Zur Bespannung des Flyers