Wurzelpeter

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WurzelPeter ist ein Kräuterlikör der Berliner BärenSiegel GmbH. Er wurde von einem Apotheker im 19. Jahrhundert entwickelt und wird seit 1949 industriell hergestellt. Die Spirituose enthält unter anderem Wurzeln, Rinde, Kräuter und Gewürze. Im Jahr 2009 wurden 1,3 Millionen Liter produziert.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Außenwerbung für Pöschke-Liköre am Firmensitz in Berlin-Mitte, etwa 1949/50 bis 2016

Der Berliner Apotheker Paul Pöschke aus der Chausseestraße entwickelte 1875 einen alkoholischen Trank, der die Kraft aus Wald und Wurzeln beinhalten sollte und zunächst als Heilmittel diente.[1][2] Die Namensgebung Secret! erfolgte laut Legende, weil dem Apotheker ein Waldgeist, der Wurzelpeter erschienen war, der ihm erzählte, dass die Trankmischung genau einem uralten Geheimnis entspräche. Der Geist forderte Pöschke daraufhin zur Geheimhaltung des Rezepts auf.[3]

Ab 1949 wurde der Kräuterlikör unter der Bezeichnung Wurzelpeter in der Firma Paul Pöschke Likörfabrik und Weingroßhandlung in der Chausseestraße 49 industriell produziert.[4] Der Produzent war auch zugleich Radsportanhänger und unterstützte entsprechende Veranstaltungen.[5] Die Likörfabrik und Weingroßhandlung Paul Pöschke hatte infolge der Aufteilung in Sektoren in Berlin-Kreuzberg, Anhalter Straße 7, eine Filiale eingerichtet.[6] Der Likörhersteller in der Chausseestraße trug aber den Namen Liköre und Trinkbranntweine Paul Pöschke weiter. Der in Berlin-Mitte angesiedelte Betrieb wurde nun von Max Finke gepachtet und weiter betrieben.[7]

Ab 1960 wurde die Wurzelpeter-Produktion zum damaligen VEB Bärensiegel Berlin in Berlin-Adlershof, Glienicker Weg verlagert. Dieser Betrieb hatte seinen Verwaltungssitz in Berlin-Lichtenberg, auf dem Gelände Josef-Orlopp-Straße, wo auch eine Produktionsfiliale bestand. Dort wurden bereits vor 1940 Spirituosen erzeugt (Spritrektifikation, Rittergutstraße 82).[8] In der DDR gehörte Wurzelpeter zur Bückware, die örtlich knapp oder nur durch Tausch erhältlich war. Wurzelpeter galt als ostdeutsches Pendant zum Jägermeister[9] und als Kultgetränk.[10] Die Beschaffung von Rohstoffen wie Alkohol, Kräuter- und Gewürzextrakten oder Verbrauchsmaterialien wie Flaschen, Etiketten und Kartonagen zählten zu den Hauptproblemen, mit denen das Unternehmen zu kämpfen hatte.

0,7-Liter-Flasche (Design 2004 bis 2014)

Nach der Wende stand das Produkt kurz vor dem Aus. Doch im Jahr 1990 übernahm das Weinunternehmen Franz Wilhelm Langguth Erben die Firma Berliner Bärensiegel und führt sie unter ihrem leicht abgewandelten bekannten Namen (BärenSiegel) als Tochterunternehmen weiter.[11] Der Produktionsstandort wurde in neue Hallen auf dem ehemaligen Bäsensiegel-Standort in der Josef-Orlopp-Straße verlegt, die Schreibweise des Kräuterlikörs in WurzelPeter leicht verändert. Auch andere traditionelle Liköre von Bärensiegel wie Thienelt Echte Kroatzbeere gehören weiterhin zum Firmensortiment.[1]

Alkohol- und Zuckergehalt von WurzelPeter wurden an den veränderten Geschmack der Verbraucher angepasst. Zu DDR-Zeiten enthielt der Likör 40 Prozent Alkohol, seit der Privatisierung sind es 30 Prozent; der Anteil an Kräuter- und Gewürzextrakten wurde erhöht. Das Design wurde modernisiert, unter anderem erhielten die Flaschen ein fluoreszierendes Etikett. Im Jahr 2012 konnten erste Kräuterliköre nach Asien exportiert werden, zunächst nach Korea, im Folgejahr auch nach China und Taiwan.[1] Heutzutage gilt WurzelPeter als Traditionsschnaps, er erreichte innerhalb eines Jahres einen Umsatzzuwachs von 30 Prozent in Deutschland. Der Kräuterlikör wurde lange Zeit mit dem Spruch „Früher oder später trinkt ein jeder Wurzelpeter“ beworben.[12] Der Spruch war insofern hintersinnig, dass er auch im Sinne von Machen Sie sich nicht so viele Gedanken, früher oder später liegen Sie sowieso in der Grube verstanden werden konnte.[13]

Abfüllungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wurzelpeter gibt es in verschiedenen Abfüllmengen: in Miniaturen mit 0,02 l und Miniflaschen mit 0,1 l Inhalt, als Flachmann mit 0,2 l, mit 0,5 l oder als Standardflasche mit 0,7 l.[14] Außerdem wurde 2004 die Geschmacksrichtung Bitter Orange neu auf den Markt gebracht.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wurzelpeter Original erhielt im Jahr 2005 beim 2. Internationalen Spirituosen-Wettbewerb eine Silbermedaille, die neue Geschmacksrichtung Bitter Orange setzte die Jury auf den Gold-Platz (eine von 52 vergebenen Goldmedaillen). An diesem Wettbewerb beteiligten sich mehr als 100 Unternehmen aus 31 Ländern mit insgesamt 427 Spirituosen. Die Sieger wurden durch eine Blindverkostung ermittelt.[15]

Im Jahr 2012 erhielt der Kräuterlikör das jährlich neu vergebene Goldene Siegel DLG-geprüft.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wurzelpeter ist eine der Karten im Kartenspiel um Ostprodukte Kost the Ost, das 1996 vom Eulenspiegel-Verlag aufgelegt wurde.[16]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Die Geschichte von Wurzelpeter aus Berlin auf www.wurzelpeter.berlin, abgerufen am 7. März 2017.
  2. Streifzug durch die Chausseestraße. Hier war Preußisch-Feuerland In: Der Tagesspiegel, 26. Juni 2014.
  3. Kurzdarstellung um den Original-Wurzelpeter, abgerufen am 9. März 2017.
  4. Anzeige im Berliner Fernsprechbuch von 1956. In: Berliner Adreßbuch, 1956, 1 (Unsere Spezialität - Wurzelpeter Kräuterlikör 40 %).
  5. Ronald Huster: Statt Wurzelpeter die erste Ostzonenrundfahrt 1949; aus Jutta Braun, Hans Joachim Teichler: Sportstadt Berlin im Kalten Krieg. Prestigekämpfe und Systemwettstreit, Christoph Links Verlag, 2016, S. 288; abgerufen am 9. März 2017.
  6. (West-)Berliner Telefonbuch, 1980/81
  7. Ausschnitt aus einem Dokument in der ZLB, Jahrgang 1957 mit dem Hinweis Wurzelpeter Kräuterlikör.
  8. Geschichte Bärensiegel, abgerufen am 13. März 2017.
  9. WAS IST … eigentlich WurzelPeter? In: Berliner Kurier. 7. April 2010, abgerufen am 16. Mai 2010.
  10. MANUFAKTUREN → WurzelPeter deutsche-manufakturenstrasse.de
  11. Wurzelpeter soll auch den Wessis schmecken, veröffentlicht am 4. Januar 2004 auf www.volksfreund.de.
  12. Elmar Schütze: Hochprozentiges: Wie eine alte Berliner Schnapsmarke wieder hip werden soll, Artikel über Mampe mit Erwähnung des Werbeslogans für Wurzelpeter. In: Berliner Zeitung, 12. Juli 2016, abgerufen am 6. März 2017.
  13. Schauspieler zu sein ist kein Glück. Interview mit Henry Hübchen auf www.planet-interview.de, vom 16. September 2013, abgerufen am 7. Februar 2017
  14. Neuheiten von der Köln-Messe (Produktinformationen zum Sortiment Wurzelpeter).
  15. Ausgezeichneter Geschmack – Wachsender Abverkauf (Memento vom 15. Mai 2007 im Webarchiv archive.is), Presseinformation vom 11. Juli 2007 zum Spirituosen-Wettbewerb.
  16. Spiele: Quartett mit Ostkäse. In: Der Spiegel. Nr. 47, 1996 (online18. November 1996).