Mampe

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Mampe Spirituosen Berlin GmbH

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Rechtsform GmbH
Gründung 1831
Sitz Berlin, Deutschland
Branche Spirituosenhersteller
Website www.mampe.com

Mampe ist ein deutscher Spirituosen-Hersteller, dessen Ursprünge auf die Entwicklung des Magenbitters Bittere Tropfen im Jahr 1831 zurückgehen. Von 1890 bis ca. 1980 genoss die Marke einen hohen Bekanntheitsgrad. Zur wirtschaftlichen Hochzeit des Unternehmens wurden 70 Sorten Liköre, Weinbrände und andere Spirituosen über 11.000 Verkaufsstellen vertrieben.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der geheime Sanitätsrat Carl Mampe Senior braute 1831 im pommerschen Stargard einen Magenbitter als Mittel gegen die zu der Zeit grassierende Cholera. Diese Bitteren Tropfen wurden fortan in Apotheken verkauft.[1] Mampe zog bald in die aufstrebende deutsche Hauptstadt Berlin.

Der 1899 verstorbene Carl Mampe fand seine letzte Ruhestätte auf dem Musikerfriedhof der Sophiengemeinde Berlin.[2]

Das Grab von Carl Mampe auf dem Friedhof der Sophiengemeinde II in Berlin.

Carl Mampe Junior und Ferdinand Johann Mampe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Rezept zur Herstellung der Bitteren Tropfen gab Carl Mampe Senior an seine beiden Stiefbrüder Carl Mampe Junior und Ferdinand Johann Mampe weiter. Diese errichteten eine jeweils eigene Fabrik zur Herstellung der Bitteren Tropfen: Ferdinand Johann Mampe 1835 in Stargard und Carl Mampe Junior 17 Jahre später in Köslin. Die im Jahre 1877 gegründete Carl Mampe AG mit Walter Aleith an der Spitze siedelte später nach Berlin über. Ferdinand Johann Mampes Unternehmen produzierte hingegen noch bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs in Stargard und verlagerte die Herstellung 1945 nach Hamburg.

Mampe Berlin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine tragende Rolle im Aufstieg der Berliner Mampe AG hatte Robert Exner.[3] Als Werbevertreter lernte er den Inhaber der Berliner Likörfabrik Carl Mampe kennen, wurde 1898 dessen Teilhaber und 1900 als Gatte der Witwe Alleininhaber. Mit dem Erwerb von Schutzrechten gelang es Exner, seine Firma zu einer der führenden Marken der deutschen Likörindustrie zu machen.[4] 1922 wurde das Unternehmen in eine Familien-AG umgewandelt und Exner zum Generaldirektor bestellt. Im gleichen Jahr erwarb er die älteste deutsche, 1784 gegründete Weinbrennerei H. Teichelmann und Schwinge. Im Jahr 1929 hatte Exner die Produktion der damals modernsten Weinbrennerei auf 78 Likör- und Weinbrandsorten gesteigert, die in alle Welt exportiert wurden. Zu dem wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens trugen darüber hinaus die als Musterbeispiel für Gaststätten-Ausstattung geltenden Mampe-Stuben bei, die 1951, nach dem Krieg, wiederaufgebaut wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg befand sich eine Produktionsstätte im damaligen Stadtbezirk Lichtenberg, Stadtteil Hohenschönhausen, Weißenseer Weg 80–88.[5] Diese Filiale in Ost-Berlin wurde wohl enteignet und danach noch bis Ende Juni 1959 treuhänderisch verwaltet, schließlich die Produktion an diesem Standort gänzlich aufgegeben, wie ein Dokument im Landesarchiv Berlin belegt: „Bis 30. Juni 1959 noch treuhänderisch, danach ist die Produktion einzustellen“. Das Erzeugnis Mampe Halb und Halb mit dem Schimmelgespann hat die Betriebsleitung von Kahlbaum in ihr Sortiment übernommen, das Warenzeichen (ohne den Zusatz ‚Mampe‘) wurde neu beantragt.[6]

Mampe Hamburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Firma F. J. Mampe KG nutzte seit ihrem Umzug nach Hamburg zwei Bruderschaft trinkende Mönche als Markenzeichen. Trotz großer Vertriebsanstrengungen blieb Mampe Hamburg im Schatten von Mampe Berlin.

Konkurrenzkampf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da beide Firmen ihre Produkte weltweit zu platzieren suchten, standen sie in Konkurrenz zueinander. Beispielsweise zweifelten Unternehmensvertreter die Echtheit des Konkurrenzproduktes an und warben mit Personen des öffentlichen Lebens, die sie zu ihrem Kundenstamm zählten. Anhaltende Rechtsstreitigkeiten waren die Folge. Die vom Gericht vorgeschlagene Fusion der Unternehmen wurde lange Zeit abgelehnt, bis sich im Jahr 1965 die seit 1964 dem Chef der Feinwaschmittelfabrik Rei-Werke, Willi Maurer, gehörende Carl Mampe AG, und die Hamburger F. J. Mampe KG auf eine Zusammenarbeit einigen konnten.

Krise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trotz der erfolgreichen Vermarktung[7] verlor das Unternehmen seit etwa 1980 den Anschluss an die wachsende internationale Konkurrenz und versäumte eine zeitgemäße und gezielte Platzierung der Erzeugnisse vorzunehmen, so dass sich die Firma auf wenige Produkte konzentrierte. Nach Veräußerung des Familienbesitzes musste zeitweise die Produktion eingestellt werden.

Seit 1990[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unmittelbar nach der deutschen Wiedervereinigung übernahmen zuerst die Doornkaat AG, dann die Berentzen-Gruppe und schließlich der Lufthansa Cocktail die Lizenz-Produktion der Mampe-Spirituosen.

Mampe-Stand auf der Craft-Spirit-Messe Destille Berlin 2017

Im Jahr 2012 kauften die Berliner Thomas „Tom“ Inden-Lohmar und Frank Zächel die Markenrechte vom Berentzen-Konzern und stellen seitdem selbst die Mampe-Produkte her, die sie ebenfalls selbst vertreiben.[7][8]

Marke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Markenzeichen von Mampe Berlin waren ein Schimmel-Gespann und seit 1951 der von August Rhades kreierte weiße Elefant im roten Kreis, der sich bis in die 1970er Jahre auf jedem Etikett befand. Zusätzlich zum Etikett ließ Mampe einen reliefartigen Mini-Elefanten aus weißem Plastik pressen, der jeder Flasche Halb und Halb um den Hals gebunden wurde. Diese kleinen Tierchen waren auch rasch ein beliebtes Sammel- oder Tauschobjekt.

Als F. J. Mampes Werk in Stargard produzierte, zierte jede Flasche ein Bild des berühmten Stargarder Mühlentors, während die Erzeugnisse nach dem Umzug nach Hamburg mit Brüderschaft trinkenden Mönchen warb. Danach wurde auch der später auf Auktionen Rekordpreise erzielende Whiskey Two Monks benannt. Zwischenzeitlich versuchte Mampe Hamburg einen Pudel als neues Logo. Dieser Markenzeichenwechsel erzielte jedoch nicht die erwünschte umsatzsteigernde Wirkung und wurde bald darauf eingestellt.

Der Anhänger eines Plastikelefanten ist seit den 2010er Jahren wieder an den Mampe-Flaschen zu finden.[9]

Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

David Bowie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

David Bowie trat in David Hemmings Film Schöner Gigolo, armer Gigolo von 1978 als Mampe-Flasche auf.

Mampes Gute Stuben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gab unter anderem in Berlin, Frankfurt am Main und Leipzig mehrere unter dem Namen Mampes Gute Stube firmierende Gaststätten. Diese wurden als Marketinginstrument genutzt und steigerten die Markenbekanntheit.

Das Berliner Lokal befand sich seit 1917 in der Erdgeschosszone des 1889 von Richard Beyme errichteten Mietshauses am Kurfürstendamm 14. In den 1920er Jahren trafen sich an dieser Stelle viele Literaten, darunter Joseph Roth, der dort seinen Roman Radetzkymarsch vollendete. Das Lokal wurde 1986 geschlossen. Eine Berliner Gedenktafel an dem denkmalgeschützten Haus erinnert an diese Historie. Die Räume, die teilweise noch das Original-Interieur der ehemaligen Mampe-Stube zeigen, übernahm zunächst die Restaurantkette Mövenpick, von 2011 bis Ende Oktober 2016 befand sich dort eine Filiale von McDonald’s. Die weitere Zukunft der Räumlichkeiten ist ungewiss, da das Gebäude saniert und umgebaut werden soll.

Sponsoring[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hertha BSC[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Fußball-Bundesligasaison 1978/79 war Mampe Trikot-Sponsor des Berliner Vereins Hertha BSC mit einem finanziellen Engagement von umgerechnet 90.000 Euro. Aufgrund der damals geltenden UEFA-Regularien durfte die Mannschaft, die das Halbfinale des UEFA-Pokals erreichte, nicht mit der Trikotwerbung auflaufen.

Motorsport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1977 bis 1979 unterstützte der damalige Eigentümer der Mampe AG, Willy Maurer, das Team Mampe-Ford-Zakspeed. Hans Heyer fuhr mit dem schwarz-gelben Ford Capri zu mehreren Rennsiegen. 1978 engagierte sich Mampe ebenfalls beim AMG Mampe Racing Team. Hans Heyer war auch hier der Fahrer.[10]

Berliner Zoo[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1924 bekam der Berliner Zoo als Attraktion von der Tierhandelsfirma Ruhe einen Elefanten namens Carl. 1926 folgte ein afrikanischer Waldelefant aus dem Tierpark Carl Hagenbecks aus Stellingen, der nach dem Nachnamen seines Sponsors Mampe genannt wurde. Mampe war ein Zwergelefanten und erreichte nur eine Größe von 1,76 m.[11]

Nach dem Zweiten Weltkrieg sponserte das Unternehmen einen weiteren Elefanten des Zoologischen Gartens, den Asiatischen Elefanten Mampe, der bis 1985 lebte.[12] Auch gab es Merchandise-Artikel wie eine Flasche in der Silhouette eines Elefanten, die mit einer Mampesorte nach Wunsch gefüllt war und einen abnehmbarem Rüssel besaß.

Produkte (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mampes bittere Tropfen im Museum des Dreißigjährigen Krieges

In einer Preisliste aus dem Jahr 1937 sind über 70 verschiedene Sorten von Mampe Berlin zu finden. Es gab praktisch keine alkoholische Spezialität, die nicht vom Hause Mampe hergestellt wurde. Dazu zählten:

Mampes Bittere Tropfen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ursprünglich als Medikament gegen Cholera entwickelten Bitteren Tropfen wurden aus Heilkräutern hergestellt. Berühmtheit erlangten sie, als der Großtierfänger Christoph Schulz, der in Zentralafrika den Totentanz des Baila-Volkes filmte, dem deutschen Magenschnaps sein Leben verdankte. Die vom Filmen wenig begeisterten Ureinwohner hatten dem Tierfänger Pflanzengift in seinen Tee gemischt, worauf er die Sprache verlor, unter Muskelkrämpfen und Lähmungen litt, die erst durch die von seiner Frau verabreichten Bitteren Tropfen geheilt werden konnten.

Mampe Lufthansa Cocktail[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Lufthansa Cocktail, aus Champagner und Orangen-Aprikosen-Likör zubereitet, war in den 1960er und 1970er Jahren beim Jetset so beliebt, dass er auch für den normalen Handel in Flaschen abgefüllt wurde, die an einen Cocktail-Shaker erinnerten. Wie das Fliegen verlor auch der Cocktail zunehmend seine Exklusivität und wurde später stillschweigend eingestellt. Im Jahr 2005 feierte er ein Comeback als Lizenzprodukt der Berentzen-Gruppe.

Mampe Halb & Halb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mampe Halb und Halb in der alten Flasche

Den höchsten Absatz erzielte der von Carl Mampe Junior 1894 entwickelte Mampe Halb und Halb, der seinen Namen den bis zu 160 Kräutern und Bitterorangen verdankt, aus denen er jeweils zur Hälfte hergestellt wurde und noch wird.

Mampe Gin und Mampe Wodka[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gin war eine der best verkauften Spirituosen des Berliner Unternehmens und wird im 21. Jahrhundert wieder angeboten, ebenso wie ein Wodka, der aus Weizen hergestellt und fünffach gefiltert ist.[13]

Volksmund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Vierzeiler

„Sind’s die Augen, geh’ zu Mampe,
gieß’ Dir einen auf die Lampe,
kannste allet doppelt sehn,
brauchste nich zu Ruhnke gehn.“

spielt auf den Optiker Carl Ruhnke an.[14]

Die in den 1960er Jahren verwendeten Werbeslogans „In diesem Falle braucht man ihn, Mampe Halb und Halb Berlin“ (1962) und „Mampe Halb und Halb ist eine ganze Sache“ (1969) verweisen offensichtlich auf den Berliner Mauerbau 1961 und die faktische Teilung der Stadt.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mampemuseum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Muskauer Straße 47 in Berlin-Kreuzberg gibt es seit 2007 ein von der Pädagogin Karin Erb betriebenes privates Museum, das sich mit der Marke, der Unternehmensgeschichte und der Produktrezeption beschäftigt. Hier lassen sich seltene Spezialitäten aus dem Mampe-Sortiment besichtigen sowie Exponate aus über 180 Jahren Mampe-Historie.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Likörfabrik Mampe auf www.heimatkreis-stargard.de; abgerufen am 8. März 2017.
  2. Kurzbiografie Carl Mampe, auf www.deutsche-biographie; abgerufen am 8. März 2017.
  3. Kurzbiografie Robert Exner, abgerufen am 8. März 2017.
  4. Anzeige von Carl Mampe Liköre ersten Ranges > Berlin Sw 11 (Berlin-Kreuzberg) > Hallesche Straße 17. In: Berliner Adreßbuch, 1920, IV, S. 284.
  5. Anzeigen im Berliner Fernsprechbuch > Liköre. In: Berliner Adreßbuch, 1956, 1.
  6. Vertrag zur Produktionsübernahme von ‚Mampe Halb und Halb mit dem Schimmelgespann‘ vom 30. April 1959 im Zusammenhang mit der Fusion von VEB Kahlbaum (Sitz in der Große-Leege-Straße in Hohenschönhausen) mit VEB Bärensiegel (Verwaltungssitz in der Josef-Orlopp-Staße in Berlin-Lichtenberg). In: Planung der Spirituosenbetriebe VEB Kahlbaum und Bärensiegel bzgl. einer Betriebszusammenlegung. Landesarchiv Berlin, C-Rep 148-05, Nr. 19.
  7. a b Nina Apin: Berliner Erfolgsprodukt mit Tradition. Herb und süß, mit Elefant, In: taz vom 11. Mai 2011.
  8. Jochen Knoblach: Die Bio-Brenner. In: Berliner Zeitung, 25. Juni 2018, S. 20.
  9. Hochwertige Schnäpse aus Berlin und Brandenburg in: Zitty, 2014.
  10. Kurzbiografie Hans Heyer.
  11. Elephant Carl im Berliner Zoo.
  12. Elefant Mampe im Berliner Zoo.
  13. Daniel Erk: Die Rückkehr der Mampe In: Der Tagesspiegel, 27. Januar 2013; abgerufen am 8. März 2017.
  14. Carl Ruhnke (Memento vom 10. Januar 2012 im Internet Archive) bei GBBB e. V., abgerufen am 21. März 2013.