XRechnung

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XRechnung ist ein XML-basiertes semantisches Datenmodell, das als Standard für elektronische Rechnungen eingeführt wird, die an die öffentlichen Verwaltungen in Deutschland gesendet werden. Der Standard XRechnung wurde in der 23. Sitzung des IT-Planungsrats für Bund und Länder festgelegt.[1] Mit dem Standard XRechnung setzt Deutschland die Vorgaben des Europäischen Komitee für Normung (CEN) für die in einer elektronischen Rechnung enthaltenen Daten um. Nach der Einführung der elektronischen Rechnung in Bund und Ländern in den Jahren 2018–2020 können elektronische Rechnungen bundesweit einheitlich nach dem Standard XRechnung an die öffentlichen Auftraggeber des Bundes und der Länder gesendet werden.[2]

XRechnung wurde im Rahmen der Vorgaben für den elektronischen Datenaustausch der öffentlichen Verwaltung (XML in der öffentlichen Verwaltung (XÖV)) entwickelt. XRechnung ist in der Version 1.2.0 (Fassung vom 18. Dezember 2018) veröffentlicht und konform zur europäischen Norm EN 16931-1.[3]

Europäische Vorgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Europäische Union fördert die Verbreitung elektronischer Rechnungen – also die schnelle und direkte elektronische Übertragung und Weiterverarbeitung der Rechnungsdaten wie Positionen, Beträge, Mehrwertsteuer usw. Damit dies europaweit und mit verschiedenen Software-Systemen möglich wird, bedarf es einer europaweit gültigen Norm für das semantische Datenmodell der Kernelemente, die in einer elektronischen Rechnung enthalten sind. Im Jahr 2014 beauftragte die Europäische Kommission das Europäische Komitee für Normung (CEN), eine solche Norm zu erarbeiten. Die Norm wurde am 17. Oktober 2017 im Amtsblatt der EU als EN 16931-1:2017 veröffentlicht.[4] Die Richtlinie 2014/55/EU vom 16. April 2014 über die elektronische Rechnungsstellung bei öffentlichen Aufträgen[5] verpflichtet alle öffentlichen Auftraggeber europaweiter Vergabeverfahren, spätestens 30 Monate nach der Veröffentlichung der Norm elektronische Rechnungen empfangen und verarbeiten zu können (am 17. April 2020 endet die Umsetzungsfrist für die Länder).

Die Richtlinie 2014/55/EU gibt einen Rahmen vor, lässt aber den Mitgliedsstaaten für die rechtliche, organisatorische und technische Ausgestaltung bei der Einführung der elektronischen Rechnung eigene Spielräume. Unter der Voraussetzung, dass die Ausgestaltung nationaler Standards nicht den Vorgaben der europäischen Richtlinie und Norm widerspricht, darf jeder Mitgliedstaat eigene Standards entwickeln. Elektronische Rechnungen, die konform zu den Standards eines Mitgliedstaats und damit konform zur CEN-Norm sind, können europaweit problemlos empfangen und weiterverarbeitet werden – die Norm soll die Interoperabilität der Systeme gewährleisten.

Entwicklung des Standards XRechnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Überführung der europäischen Norm in einen nationalen Standard in Deutschland übernahm federführend das Bundesministerium des Innern (BMI) zusammen mit der Koordinierungsstelle für IT-Standards (KoSIT) in Bremen. Dies geschah im Auftrag des IT-Planungsrats (also im Auftrag von allen Bundesländern und dem Bund). Dafür wurden drei Expertengruppen eingerichtet:[6]

  1. Expertengremium 1 (EG 1) zur rechtlichen Umsetzung für Bund und Länder (Federführung: Bundesministerium des Innern (BMI))
  2. Expertengremium 2 (EG 2) zur Ausgestaltung der Core Invoice User Specification (CIUS)[7] XRechnung auf Basis des europäischen semantischen Datenmodells (Federführung: Koordinierungsstelle für IT-Standards (KoSIT))
  3. Expertengremium 3 (EG 3) zur Ausgestaltung der Empfehlungen zur technischen Infrastruktur und zu Übertragungswegen (Federführung: Koordinierungsstelle für IT-Standards (KoSIT))

Da weder die EU-Norm noch XRechnung bislang branchen- und länderspezifische Erweiterungsanforderungen berücksichtigen, soll XRechnung in Deutschland vorerst als Mindeststandard gelten. Deutschland will sich an der Normierung auch in Zukunft beteiligen, um die Interessen der öffentlichen Verwaltung zu vertreten. Zur Verwaltung von Verbesserungsvorschlägen und zur kontinuierlichen Pflege des Standards gegenüber der EU-Norm und XRechnung soll ein nationales Change Management (ITIL) aufgebaut werden.[8]

Bestandteile des Standards XRechnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Standard XRechnung besteht aus folgenden Teilen:

  • Dokumentation des Standards XRechnung als PDF-Dokument
  • Technische Mittel zur Validierung der ergänzenden nationalen Geschäftsregeln als Schematron- und XSL-Dateien
  • Technische Repräsentation von Codelisten im OASIS-Standard „Genericode 1.0“
  • Open Source-Referenzimplementierung zur Prüfung eines XML-Dokuments auf Konformität zum Standard XRechnung
  • Testnachrichten
  • Technische Unterstützung zur Visualisierung

Die technischen Artefakte werden zusammen mit dem Standard ab Version 1.1 veröffentlicht.[9]

Konformität von Rechnungen und von IT-Verfahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die elektronische Rechnung ist konform zum Standard XRechnung, wenn sie in Form eines wohlgeformten XML-Dokuments ausgestellt, übermittelt und empfangen wird, und wenn sie ausschließlich die Informationselemente des semantischen Datenmodells des Standards XRechnung (entsprechend ihrer Spezifikation) verwendet. Eine elektronische Rechnung im Standard XRechnung ist ein strukturierter Datensatz. Eine Office-Datei, eine PDF-Datei oder eine PDF-Datei mit eingebettetem XML sind keine elektronische Rechnung im Standard XRechnung.[10]

Die Konformität einer Rechnung wird über zwei Schritte ermittelt:

  1. Die Konformitätsprüfung
  2. Die Konformitätsbewertung

Ist das Ergebnis der Konformitätsprüfung positiv, muss die Rechnung angenommen werden. Ist das Ergebnis negativ, kann im zweiten Schritt als Ergebnis einer Konformitätsbewertung entschieden werden, wie groß die Abweichung vom Standard ist, und ob die Rechnung trotzdem akzeptiert und weiterverarbeitet werden soll. Übersteigen die Abweichungen den definierten Akzeptanzrahmen, wird die Rechnung abgewiesen. Diese Konformitätsbewertung kann individuell eingestellt werden.[11]

Die Konformitätsprüfung zielt im Einzelnen auf folgende Eigenschaften ab:[12]

Die Rechnung kann eingebettete Objekte (rechnungsbegründende Unterlagen) enthalten, aber ist selbst kein eingebettetes Objekt. maschinell prüfbar
Die Rechnung ist eine valide Instanz der in der EN 16931-2 (Liste der Syntaxen, die die EN 16931-1 erfüllen) genannten XML-Schema-Definitionen. maschinell prüfbar
Die Rechnung ist valide hinsichtlich der durch den Standard XRechnung spezifizierten Geschäftsregeln und deren technischer Umsetzung. maschinell prüfbar
Die Rechnung verwendet alle Informationselemente entsprechend ihrer im Standard gegebenen semantischen Beschreibung. manuell zu prüfen

Ein IT-Verfahren kann als konform zum Standard XRechnung angesehen werden, wenn es elektronische Rechnungen hinsichtlich Ihrer Konformität prüfen und jede zum Standard XRechnung konforme Rechnung verarbeiten kann. Ein IT-Verfahren kann jedoch auch zusätzliche Datenformate elektronischer Rechnungen sowie diverse Übertragungswege unterstützen, ohne die Konformität zum Standard XRechnung zu verlieren. Somit wird Flexibilität bei der Nutzung verschiedener (zur CEN-Norm konformer) Standards erreicht, beispielsweise für den Fall, dass ein Lieferant aus einem anderen EU-Mitgliedsstaat eine elektronische Rechnung nach einem anderen Standard als XRechnung sendet.

Zeitplan[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Umsetzungsfrist für den Empfang elektronischer Rechnungen im Standard XRechnung ist der 27. November 2018 (für die obersten Bundesbehörden und die Verfassungsorgane des Bundes), der 27. November 2019 (für alle anderen Bundesbehörden, d. h. subzentrale öffentliche Auftraggeber, Sektorenauftraggeber und Konzessionsgeber) und 18. April 2020 für die Länder.[13][14] Ab dem 1. Januar 2019 wird die KoSIT den Betrieb des Standards XRechnung übernehmen und bis Mitte 2018 ein Betriebskonzept dafür vorlegen.[15]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Entscheidung 2017/22 - Umsetzung der Richtlinie 2014/55/EU (elektronische Rechnungsstellung - eRechnung). IT-Planungsrat, abgerufen am 23. März 2018. Der Bund hat dies für die Stellen des Bundes in der E-Rechnungsverordnung umgesetzt; siehe Verordnung über die elektronische Rechnungsstellung im öffentlichen Auftragswesen des Bundes (E-Rechnungs-Verordnung – E-Rech-VO). (PDF) Bundesministerium des Innern, abgerufen am 23. März 2017.
  2. Die Umsetzungsfrist für die Länder endet am 17. April 2020, 30 Monate nach der Veröffentlichung der europäischen Norm am 17. Oktober 2017; mehr siehe unten.
  3. XRechnung-Versionen. Freie Hansestadt Bremen - Koordinierungsstelle für IT Standards (KoSIT), abgerufen am 12. Februar 2018.
  4. ABl. L 266 vom 17. Oktober 2017, S. 19–21: Durchführungsbeschluss (EU) 2017/1870 der Kommission vom 16. Oktober 2017 über die Veröffentlichung der Fundstelle der europäischen Norm für die elektronische Rechnungsstellung und die Liste von Syntaxen gemäß der Richtlinie 2014/55/EU des Europäischen Parlaments und des Rates (Text von Bedeutung für den EWR.). Europäische Kommission, abgerufen am 23. März 2018. – Die Norm wurde am 28. Juni 2017 durch das Europäische Komitee für Normung bereitgestellt; siehe CEN TC 434 - Elektronische Rechnungsstellung - Veröffentlichte Normen. Europäisches Komitee für Normung, Technisches Gremium CEN TC 434, abgerufen am 23. März 2018.
  5. Richtlinie 2014/55/EU vom 16. April 2014 über die elektronische Rechnungsstellung bei öffentlichen Aufträgen. Europäische Kommission, abgerufen am 23. März 2018.
  6. Steuerungsprojekt eRechnung. Freie Hansestadt Bremen, Koordinierungsstelle für IT-Standards, abgerufen am 30. August 2017.
  7. Core Invoice User Specification (CIUS), eine von der Europäischen Kommission vorgesehene Methode zur Anpassung der europäischen Norm für die elektronische Rechnungsstellung an Bedingungen des jeweiligen Mitgliedstaats; siehe FAQ - Warum wurde Anfang 2016 mit der Entwicklung von XRechnung begonnen, wenn es in der Wirtschaft andere Formate bereits vorher gab? Freie Hansestadt Bremen - Koordinierungsstelle für IT-Standards, abgerufen am 6. September 2017.
  8. eRechnung Anlage 1 - Einführung der elektronischen Rechnung in Deutschland. (PDF) Bundesministerium des Innern und Bremen/KoSIT, abgerufen am 23. März 2018. Seite 5
  9. XRechnung-Versionen. Freie Hansestadt Bremen - Koordinierungsstelle für IT-Standards, abgerufen am 23. März 2018.
  10. Zu Testzwecken lassen sich konforme XRechnungen online erstellen, siehe XRechnungs-Generator. Schütze Consulting AG, abgerufen am 23. März 2018.
  11. eRechnung Anlage 1 - Einführung der elektronischen Rechnung in Deutschland. (PDF) Bundesministerium des Innern und Bremen/KoSIT, abgerufen am 30. August 2017. Seiten 9 f.
  12. XRechnung Version 1.1. Freie Hansestadt Bremen - Koordinierungsstelle für IT-Standards, abgerufen am 23. März 2018.
  13. Übersicht zu den gesetzlichen Regelungen zur eRechnung in Deutschland. Schütze Consulting AG, abgerufen am 7. September 2017. Am 17. April 2020 endet die Frist von 30 Monaten nach der Veröffentlichung der europäischen Norm.
  14. Inkrafttreten der E-Rechnungsverordnung (E-Rech-VO) für die Stellen des Bundes: siehe § 11 E-Rech-VO, Verordnung über die elektronische Rechnungsstellung im öffentlichen Auftragswesen des Bundes (E-Rechnungs-Verordnung – E-Rech-VO). (PDF) Bundesministerium des Innern, abgerufen am 23. März 2017.
  15. eRechnung Anlage 1 - Einführung der elektronischen Rechnung in Deutschland. (PDF) Bundesministerium des Innern und Bremen/KoSIT, abgerufen am 30. August 2017. Seite 14