Xianbei

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Die Xianbei (chinesisch 鮮卑, Pinyin Xiānbēi, W.-G. Hsien-pei) waren ein Stammesverbund aus dem mongolisch-mandschurischen Grenzgebiet mit anscheinend mehreren Untergruppen. Die ethnische Zusammensetzung ist unbekannt, wird aber von einigen Forschern als möglicherweise proto-mongolisch diskutiert.[1] Eine genaue Zuordnung ist allerdings aufgrund des Quellenmaterials kaum möglich.[2]

Territoriale Ausbreitung der Xianbei während des 1. bis 3. Jahrhundert, "Mongolian National Atlas" (2009)

Sie waren der nördliche Zweig der Donghu (东胡 / 東胡, Dōnghú), so wie die Wuhuan (烏桓 / 乌桓) deren südlicher Zweig waren. Sie werden das erste Mal Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. erwähnt, als sie eine Gesandtschaft zur chinesischen Han-Dynastie schickten.[3] Der Aufstieg der Xianbei fällt mit dem Niedergang der Xiongnu im 1. Jahrhundert zusammen. In den Jahren 87 und 93 besiegten und töteten sie zwei Shanyu der Xiongnu.

Der bedeutendste Herrscher der Xianbei war Tán Shíhuái (檀石槐; regierte Mitte des 2. Jahrhunderts bis 181), der die Xianbei einte und die Reste der (Nord-)Xiongnu westlich des Altai endgültig unterwarf. Mehrmals griff er auch chinesisches Gebiet an, was Vergeltungsaktionen der Han-Dynastie zur Folge hatte.[4] Die Söhne und Neffen hatten nicht seine Qualitäten und so löste sich die Xianbei-Konföderation etwa 233 auf.

Teile der Xianbei-Konföderation zogen von Liaodong nach Henan und vernichteten dort unter Murong Jun († 360) 352 das Reich der (Süd-)Xiongnu. Ihr dort gegründetes Reich (Frühe Yan-Dynastie) bestand aber bloß bis 370, wurde von einem ebenso kurzlebigen Reich eines tibetischen Eroberers (Fu Jian) ersetzt, das schließlich 386 den Tabgatsch (Wei-Dynastie, eine der Untergruppen der Xianbei) weichen musste.[5]

Die gesprochene Sprache in ihrem Siedlungsgebiet gehörte wahrscheinlich den mongolischen Sprachen an.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Albert E. Dien: A New Look at the Xianbei and Their Impact on Chinese Culture. In: George Kuwayama (Hrsg.): Ancient Mortuary Traditions of China. Papers on Chinese Ceramic Funerary Sculptures. Los Angeles County Museum of Art, Los Angeles CA 1991, ISBN 0-87587-157-7, S. 40–59.
  • Charles Holcombe: The Xianbei in Chinese History. In: Early Medieval China 19, 2013, S. 1–38.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. K.H. Menges: Altaic, in: Encyclopaedia Iranica (Onlineartikel); Wolfgang-Ekkehard Scharlipp: Die frühen Türken in Zentralasien. Darmstadt 1992, S. 10; John King Fairbank: China: A New History. New Haven 1992, S. 73: „… a nomadic proto-Mongol people known as the Xianbei …“
  2. Charles Holcombe: The Xianbei in Chinese History. In: Early Medieval China 19, 2013, S. 4.
  3. Charles Holcombe: The Xianbei in Chinese History. In: Early Medieval China 19, 2013, S. 3.
  4. Zu den ersten Vorstößen nach China siehe Charles Holcombe: The Xianbei in Chinese History. In: Early Medieval China 19, 2013, S. 7.
  5. Zu den Untergruppen der Xianbei vgl. Charles Holcombe: The Xianbei in Chinese History. In: Early Medieval China 19, 2013, S. 10 ff.