Zerebralisation

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Als Zerebralisation bezeichnet man die evolutionäre Entwicklung des Hirnvolumens und den Entfaltungsgrad des Gehirns von Wirbeltieren und des Menschen.[1] Speziell bei Säugetieren drückt dieser Begriff die Differenzierungshöhe verschiedener Arten aus. Ähnlich, aber deutlich davon zu unterscheiden, ist die evolutionäre Entwicklung der Großhirnrinde beim Menschen, als Enzephalisation oder Cortikalisierung bezeichnet.[1][2][3]

Schädel von Mensch, Schimpanse, Orang-Utan und Makake mit Angabe des mittleren Hirngewichts

Das Hirnvolumen des Homo sapiens liegt im Durchschnitt zwischen 1250 und 1350 g.

Vergleichsmaßstab[Bearbeiten]

Neben dem direkten Volumenvergleich dient der Enzephalisationsquotient (EQ) als Maß der Zerebralisation zu Vergleichen unterschiedlich großer Tiere. Der EQ gibt das Verhältnis von beobachtetem Gehirnvolumen zum für gegebenes Körpergewicht durchschnittlichen Hirnvolumen bei Säugetieren an.[4] Ein EQ von 1 zeigt, dass das Hirngewicht mit dem Durchschnitt der Säugetiere entsprechend ihrem Körpergewicht übereinstimmt. Der EQ des Menschen liegt bei 7,4 - 7,8, der des Schimpansen bei 2,2 - 2,5.

Ein Beispiel der Zerebralisation mit verschiedenen Phasen gibt die Hominisation:


Taxon Gehirnvolumen
in cm3
Schimpansen ca. 400 [5]
Sahelanthropus tchadensis 365 [6]
Ardipithecus ramidus 280–350 [7]
Australopithecus afarensis 458
(335–580) [6]
Australopithecus africanus 464
(426–502) [6]
Homo rudolfensis ca. 750 [8]
(501–950) [6]
Homo habilis 610 [9]
(544–674) [6]
Homo ergaster 764
(640–888) [6]
Homo erectus 1003
(956–1051) [6]
Homo antecessor ca. 1000 [6]
Homo heidelbergensis 1204
(1130–1278) [6]
Neandertaler 1426
(1351–1501) [6]
Homo sapiens 1478
(1444–1512) [6]

Folgen der Zerebralisation[Bearbeiten]

Da das Gehirn ein sehr energiezehrendes Organ ist, bedeutet Zerebralisation einen erhöhten Energiebedarf durch die Nahrung: Obgleich das Gehirn des Menschen nur 2 % des Körpergewichtes beinhaltet, beansprucht es etwa 20 % des Grundumsatzes.[1]

Als Anpassung an das vergrößerte Hirnvolumen der Neugeborenen geht eine Vergrößerung des Geburtskanals mit der Zerebralisation einher.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Sisela Grupe, Kerrin Christiansen, Inge Schröder und Ursula Wittwer-Backofen: Anthropologie. Ein einführendes Lehrbuch. Springer, 2005, S. 15 [1] ISBN 978-1-107-01995-9
  2. Henke und Rothe, 1998
  3. Storch et al., 2001
  4. Jerison, H.J.: Evolution of the Brain and Intelligence. Academic Press, 1973, ISBN 0123852501.
  5. Ronald M. Nowak: Walker’s mammals of the world. 6. Auflage. Johns Hopkins University Press, Baltimore 1999, S. 613
    Wolfgang Maier: Primates, Primaten, Herrentiere. In: Wilfried Westheide, Reinhard Rieger (Hrsg.): Spezielle Zoologie. Teil 2. Wirbel- oder Schädeltiere. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg/Berlin 2004, S. 573
  6. a b c d e f g h i j k Matthew M. Skinner und Bernard Wood: The evolution of modern human life history – a paleontological perspective. In: Kristen Hawkes und Richard R. Paine (Hrsg.): The Evolution of Modern Human Life History. School of American Research Press, Santa Fe 2006, S. 351, ISBN 978-1-930618-72-5. – Ausgewiesen ist jeweils das arithmetische Mittel und in Klammern das 95 %-Konfidenzintervall.
  7. Gen Suwa et al.: The Ardipithecus ramidus Skull and Its Implications for Hominid Origins. In: Science. Band 326, 2009, S. 68, 68e1–68e7, doi:10.1126/science.1175825
  8. G. J. Sawyer, Viktor Deak: Der lange Weg zum Menschen. Lebensbilder aus 7 Millionen Jahren Evolution. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, 2008, S. 79
  9. Friedemann Schrenk: Die Frühzeit des Menschen. Der Weg zum Homo sapiens, C. H. Beck, 1997, S. 70

Literatur[Bearbeiten]

  • Adolf Portmann: Einführung in die vergleichende Morphologie der Wirbeltiere, p. 141, Kapitel Cerebralisation, Basel 1976, 5. revidierte Auflage, Schwabe & Co, ISBN 3-7965-0668-2
  • Sally C. Reynolds und Andrew Gallagher (Hrsg.): African Genesis: Perspectives on Hominin Evolution. Cambridge University Press, New York, 2012 [2]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Zerebralisation – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen