Zollamt Rotersand

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Zollamt aus Richtung Rickmersstraße
Zollamt aus Richtung „Bürger“
Zollamt, Detail

Das Zollamt Rotersand in Bremerhaven-Lehe befindet sich an der Franziusstraße 1 / Ende der Rickmers- und der Bürgermeister-Smidt-Straße (damals Kaiserstraße) vor der Einfahrt zu den Häfen.

Geschichte[Bearbeiten]

Gebäude[Bearbeiten]

Von 1935 bis 1936 (nach Harry Gabcke 1934) wurde das Zollamt Rotersand gebaut. Der Grund waren die Olympischen Spiele in Berlin, zu denen eine große Menge ausländischer Gäste per Schiff erwartet wurden. „Das Tor zur Welt“, wie Bremerhaven auch genannt wurde, war schon zuvor für Millionen Menschen vor der Auswanderung nach Amerika die letzte Station in Deutschland.

Das zweigeschossige, repräsentative, rotsteinsichtige Gebäude am Eingang zum Zollbezirk der damaligen Kaiserhäfen, hatte eine große Schalterhalle im Inneren. Ein Wandgemälde zeigte die Stadtsilhouette von Bremen. Auch die modernen Einbauten aus jüngerer Zeit bewahren den ursprünglichen Gesamteindruck.

Die Architektur ist typisch für die Bauten in Hafenstädten der 1920er und 1930er Jahre. Das Zollamt Rotersand als Funktionsbau zeigt eine Reihe von modernen Gestaltungsmerkmalen der Zwischenkriegszeit, die bei solchen Bauten auch während der Zeit des Nationalsozialismus verwendet wurden. Modern und zeitgemäß ist die halbrunde Ausbildung eines Erkers an der Ecke zur Rickmersstraße oder die Zusammenfassung der Obergeschossfenster zur Franziusstraße durch eine horizontale Gliederung der Ausmauerung des Verblendmauerwerks. Das Gebäude ist mit einem damals üblichen, konservativen Walmdach versehen worden. Am Eingang von der Hafenseite zur Schalterhalle befindet sich an der Ecke die Keramik eines rechts blickenden Reichsadlers mit der Jahreszahl 1936.

Auf Grund von Staus bei der Abfertigung am Zolltor erfolgte 2010 ein Umbau des äußeren Bereichs der Zollabfertigung.

Zollanschluss[Bearbeiten]

Bremerhaven war wie Bremen nach der Gründung 1827 als unabhängiger Staat vom Zoll verschont. Die Unterweser war Zollausland. Auch nach dem 1833 gegründeten Deutschen Zollverein des Deutschen Bundes bildeten die Städte Hamburg und Bremen sowie Bremerhaven und Geestemünde ein Zollausschlussgebiet. Erst 1888 wurden diese Bereiche durch ein Reichsgesetz an das Zollinland des Reiches angeschlossen. Der vier Meter hohe Bretterzaun zwischen Bremerhaven und Lehe verschwand. Die Bremerhavener Häfen blieben weiterhin als Freihafengebiet Zollausland mit einer überwachten Zollgrenze und Zollämtern.

Name[Bearbeiten]

Roter Sand ist der Name eines Leuchtturms in der Nordsee, im Bereich der Außenweser auf der Sandbank Rotersand, der 1865 gebaut und nach dem die Zollstation benannt wurde.

Denkmalschutz[Bearbeiten]

2009 wurde das Zollamt Rotersand unter Denkmalschutz gestellt (siehe dazu Liste der Kulturdenkmäler in Bremerhaven).

Literatur[Bearbeiten]

  • Harry Gabcke, Renate Gabcke, Herbert Körtge, Manfred Ernst: Bremerhaven in zwei Jahrhunderten; Band I bis III von 1827 bis 1991. Nordwestdeutsche Verlagsgesellschaft, Bremerhaven 1989/1991, ISBN 3-927857-00-9, ISBN 3-927857-37-8, ISBN 3-927857-22-X.
  • Nils Aschenbeck und Dirk J. Peters: Zeit – Räume. Industriearchitektur zwischen Elbe und Weser 1840–1970. Bremerhaven 1997.

53.560588.56566Koordinaten: 53° 33′ 38,1″ N, 8° 33′ 56,4″ O