Zwölfbotentag

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Charles Gleyre: Die Trennung der Apostel (1845)

Der Zwölfbotentag, auch Aller zwölf Apostel Tag, Lateinisch divisio (XII) apostolorum ist im Kirchenjahr der Gedenktag der Aussendung der Apostel. Er wird am 15. Juli begangen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Feier dieses Apostelfests findet sich nur in der Westkirche. Ein früher Beleg ist die Sequenz Caeli enarrant gloriam, die Gottschalk von Aachen († nach 1099 bzw. 1107) zugeschrieben wird. Es ist ein Beleg, dass das Fest in seiner Amtszeit als Propst am Aachener Marienstift gefeiert wurde.[1] Durandus von Mende erwähnte es in seinem Rationale in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Im späten Mittelalter wurde das Fest der Dimissio, Dispersio oder Divisio Apostolorum in vielen Diözesen Europas begangen. Der Mönch von Salzburg verdeutschte die Sequenz als Uns künden all zwelfpoten gar.[2]

Spätestens seit der Tridentinischen Reform war das Fest nicht mehr im Calendarium Romanum Generale vertreten. Es wurde jedoch noch Anfang des 20. Jahrhunderts von Missionsorden begangen[3] und hielt sich bis zur Kalenderreform von Papst Pius X. in einigen Bistümern.

Im bäuerlichen Bereich (Landwirtschaft) wurde daraus der Tag, an dem die Schnitter ausgeschickt werden, um die Ernte einzuholen.

Volksglauben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im späten Mittelalter verzeichnen sogenannte Himmelsbriefe Aussagen dieser Art: „Vnd wer an ainem zwölffpotentag arbait der ist verbant vnd verflucht / vnd dz erdrich wirt sich auffthun vnd wirt sy verschlicken.“[4] (Und wer an einem Zwölfbotentag arbeitet, der ist verbannt und verflucht, und das Erdreich wird sich auftun und wird ihn verschlucken.)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hermann Grotefend: Handbuch der historischen Chronologie des deutschen Mittelalters und der Neuzeit. Hannover 1872, S. 85 s.v. Aposteltheilung
  • John Hennig: Zum Anfang und Ende der liturgischen Tradition der Divisio apostolorum. In: Archiv fur Liturgiewissenschaft 12 (1970), S. 302–311

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dispersion of the Apostles, abgerufen am 29. Oktober 2018
  2. Franz Viktor Spechtler (Hrsg.): Die geistlichen Lieder des Mönchs von Salzburg. De Gruyter, Berlin 1972 (= QF NF 51), ISBN 3-11-001847-0, S. 358ff
  3. Dispersion of the Apostles, abgerufen am 29. Oktober 2018
  4. Vgl. den nach 1500 in der Memminger Druckerei Albert Kunne gedruckten und inzwischen verlorenen Himmelsbrief (Einbl. 470), der abgedruckt ist in: Ursula Rautenberg: Warum Einblattdrucke einseitig bedruckt sind. Zum Zusammenhang von Druckverfahren und medialem Typus. In: Volker Honemann u. a. (Hg.): Einblattdrucke des 15. und frühen 16. Jahrhunderts. Tübingen 2000. S. 133.