Zwergenhöhle (Herrenstrunden)

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Verschlossener Eingang der Zwergenhöhle

Die Zwergenhöhle Herrenstrunden ist eine durch Steinbrucharbeiten angeschnittene Karsthöhle in der Paffrather Kalkmulde. Sie liegt im Strundetal auf dem Gemeindegebiet von Odenthal an der Straße von Herrenstrunden nach Spitze.

Geologische Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der bergischen Mundart heißt sie Quergskuhl (wörtlich übersetzt: Zwergenkaule). Die Zwergenhöhle befindet sich in einem mitteldevonischen Riffkalkstein, der sich hier vor 380 Millionen Jahren aus einem tropischen Flachmeer gebildet hat. Nach der Ablagerung der Kalksteine wurden die Gesteine in verschiedenen Erdzeitaltern zum Teil tiefreichend verkarstet. Während des Tertiär begann sich die Niederrheinische Bucht verstärkt einzusenken. Damit verbunden war unter subtropischen Klimabedingungen eine intensive Lösungsverwitterung des Kalksteins und eine Tieferlegung des Grundwasserspiegels. Vorhandene Trennflächen wurden durch Lösung von Karbonaten teilweise bis zu Höhlen erweitert. Ein reicher Formenschatz an Karsterscheinungen entstanden in der Umgebung von Bergisch Gladbach. Neben Höhlen sind häufig auch Ponore, Dolinen und Karstquellen anzutreffen.[1]

Schutzmaßnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Höhle ist dauerhaft verschlossen, damit hier Fledermäuse ungestört überwintern können.[2] In der Höhle wurden bisher überwinternde Braune Langohren, Große Mausohren und Wasserfledermäuse gefunden.[3]

Sagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seiner Sagensammlung hat Otto Schell unter dem Titel Die Quergskuhl bei Herrenstrundfen folgende Sage überliefert:

„Die Quergskuhl (Zwergengrube) bei Herrenstrunden ist dort jedermann bekannt. Unterirdische Gänge ziehen sich tief in den Berg hinein. Große Wölbungen, Höhlen, Nischen und lange Gänge ziehen sich tief in die Erde hinein.
Dort hausten ehemals die Querge oder Zwerge. Alte Leute haben mit ihnen regen Verkehr unterhalten. Sie liehen Kochgeschirre von ihnen und stellten sie ihnen, sauber geputzt, wieder zu. Diese Zwerge vermochten auch Feuer anzuzünden, ohne dass die Scheune brannte. Für einen Schuhmacher in der Nachbarschaft verfertigten sie regelmäßig nachts Schuhe und Stiefel. Lange ließ er sie ungestört bei der Arbeit. Eines Abends aber beschloss er, ihnen zu danken. Er verfertigte ein Paar zierliche Schuhe und stellte sie in die Werkstube. Als nun am Abend ein alter Zwerg kam, um in gewohnter Weise seine Arbeit vorzunehmen, gewahrte er die Schuhe. Er nahm sie und kam nie wieder.
Nach anderen Mitteilungen verließen die dortigen Zwerge die Gegend, als das Christentum eingeführt wurde, denn sie waren Heiden. Den Bauern der Gegend haben sie auch bis zu ihrem Abzuge in treuer Weise das Vieh gehütet.“

Nach mündlicher Überlieferung aufgezeichnet.[4]

Naturdenkmal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zwergenhöhle ist unter der Nummer OD_2.3-09 als Naturdenkmal in Odenthal im Landschaftsplan „Südkreis“ des Rheinisch-Bergischen Kreises eingetragen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Anton Jux: Die Johanniter-Kommende Herrenstrunden nebst Pfarrgeschichte, Bergisch Gladbach 1956

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Harald Frater: Geologische Streifzüge – Köln, Bergisch Gladbach und Umgebung, Köln 2004, ISBN 3-7616-1754-2, S. 120
  2. Reise zum verwunschenen Ort abgerufen am 13. Januar 2013
  3. Seite des Arbeitskreises Fledermäuse Leverkusen, abgerufen am 25. April 2016.
  4. Otto Schell: Bergische Sagen, gesammelt und mit Anmerkungen herausgegeben, Elberfeld 1897, S. 296

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Zwergenhöhle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 51° 0′ 42″ N, 7° 11′ 11,7″ O