Niederrheinische Bucht

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Die Niederrheinische Bucht im Satellitenbild

Die Niederrheinische Bucht ist eine von Norden in das Rheinische Schiefergebirge hineinreichende Tiefebene in Nordrhein-Westfalen. Naturräumlich stellt sie eine Haupteinheitengruppe dar, die sich nach Westen und, deutlich schmaler, nach Osten um die zentrale Ebene der Kölner Bucht bei Köln legt. Dabei wird der Begriff Kölner Bucht gelegentlich auch synonym für die gesamte Großlandschaft benutzt.

Die Niederrheinische Bucht umfasst eine Fläche von 3584,4 km².[1]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage und Grenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Niederrheinische Bucht grenzt im Osten an die Bergischen Hochflächen, die westliche Abdachung des Süderberglandes im historischen Bergischen Land. Im Süden schließt sich das Untere Mittelrheingebiet mit Pleiser Hügelland, Siebengebirge und Unterem Mittelrheintal an, im Südwesten die Eifel.

Nach Norden bildet die Lössgrenze eine Abgrenzung zum Niederrheinischen Tiefland.

Die Oberfläche der Landschaft ist flach oder weitspannig gewellt und durch überwiegend südost–nordwestwärts gestreckte tektonisch vorgegebene Höhenrücken und Täler gegliedert. Prägend ist auch die durch die vorherrschenden Westwinde aus dem Maas-Schotter herangetragende Löß-Bedeckung der westlich des Rheins gelegenen Landschaften und die mit den grobkörnigeren Sanden bedeckten ostwärts des Flusses gelegenen Heiden.

Naturräumliche Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Naturräumlich gliedert sich die Niederrheinische Bucht wie folgt in Haupteinheiten (dreistellig) und Untereinheiten (Nachkommastellen):[1][2][3]

Die Niederrheinische Bucht (55) mit der Kölner Bucht (551) im (östlichen) Zentrum

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klimatisch ist die Niederrheinische Bucht ein mitteleuropäischer Gunstraum. Sie hat eine Vegetationsperiode von 230 bis 250 Tagen, der durchschnittliche Jahresniederschlag beträgt 550 bis 600 mm im Windschatten der Eifel, sonst etwa 800 mm.

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Geologie der Niederrheinischen Bucht

In der Niederrheinischen Bucht wurden im Tertiär und Quartär bis zu 1.500 m Sedimente teils im flachen Meer, teils an Land abgelagert. Aus großen Küstensumpfmooren bildeten sich die großen Braunkohle-Lager, deren Abbau ein bedeutender Wirtschaftsfaktor im Rheinland ist.

Die geologische Struktur wird durch Verwerfungen überwiegend südost–nordwestwärts (herzynisch) streichend bestimmt, durch die der Untergrund seit etwa 30 Ma (Millionen Jahren) einer Absenkung unterliegt. Gegen das östlich gelegene Bergische Land und die Eifel wird die Niederrheinische Bucht im Südwesten durch Bruchlinien begrenzt. Nach Norden ist die Niederrheinische Bucht geologisch nicht deutlich gegen das Niederrheinische Tiefland abgrenzbar, im Süden überlappt die Füllung der Niederrheinischen Bucht die paläozoischen Gesteine des Rheinischen Schiefergebirges.

Die Grabenstruktur ist durch Verwerfungen in ihrem Innern in einzelne Bruchschollen zerlegt. Der geologische Halbhorst der Ville trennt die Kölner Bucht von der westlich gelegenen Erft-Scholle; im Norden sind die Krefelder, Venloer und Rur-Scholle ebenfalls durch große Bruchlinien voneinander abgegrenzt.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Lößdecken erlauben eine intensive Landwirtschaft in den Börden. Das im Lee der Ville gelegene Vorgebirge hat eine besonders dicke Lößbedeckung und wird deshalb, bedingt durch die nahen Absatzgebiete, durch intensiven Gemüseanbau genutzt, oft ist hier sogar Mischkultur mit Obstbau zu finden.

Von großer wirtschaftlicher Bedeutung für die Region sind die mächtigen Braunkohlelager, die in den drei ausgedehnten Tagebauen Garzweiler, Hambach und Inden abgebaut werden. Die Braunkohle wird zur Stromerzeugung in mehreren großen Braunkohlekraftwerken verwendet: Kraftwerk Niederaußem, Kraftwerk Neurath, Kraftwerk Weisweiler, Kraftwerk Goldenberg (Hürth-Knapsack, 171 MW) und Kraftwerk Frimmersdorf (voraussichtlich bis 2018). Die eigentliche Braunkohlenville ist mittlerweile ausgekohlt aber durch die bleibende Industrie des Rheinischen Braunkohlereviers und die rekultivierten künstlichen Landschaften geprägt.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Emil Meynen, Josef Schmithüsen: Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands. Bundesanstalt für Landeskunde, Remagen/Bad Godesberg 1953–1962 (9 Lieferungen in 8 Büchern, aktualisierte Karte 1:1.000.000 mit Haupteinheiten 1960).
  2. Karlheinz Paffen, Adolf Schüttler, Heinrich Müller-Miny: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 108/109 Düsseldorf/Erkelenz. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1963. → Online-Karte (PDF; 7,1 MB)
  3. a b c d e f g h i Ewald Glässer: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 122/123 Köln/Aachen. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1978. → Online-Karte (PDF; 8,7 MB)
  4. Der Begriff Schlebusch-Wahner Heide taucht nur im Original-Handbuch (6. Lieferung) auf und wird in den nachfolgenden Einzelblättern nicht mehr verwendet.
  5. a b c Flächenmessung der beiden Flächen ergibt für 550.0 etwa 177 km² (davon entfallen etwa 54 km² auf die Wahner Heide im engeren Sinne südwestlich der A3) und für 550.1 etwa 130 km²; der Landschaftssteckbrief des BfN weist für 550.0 nur 91 km² aus (und 550.1 gar nicht), was daran liegt, dass die Siedlungsflächen inclusive des Flughafens Köln-Bonn zum Kölner Verdichtungsraum gerechnet wurden, siehe:
  6. Adolf Schüttler, einer der drei Autoren von Blatt Düsseldorf-Erkelenz, rechnet die Hildener Sandniederterrasse ihrer Übersandung wegen zur Haupteinheit 550 (bzw. zu 550.1).