Doline

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Einsturzdoline des Neuen Eisinger Lochs mit anstehendem Muschelkalk in der Dolinenwand, Enzkreis, Baden-Württemberg

Als Doline (von slawisch dolina „Tal“) oder Karsttrichter bezeichnet man eine schlot-, trichter- oder schüsselförmige Senke von meist rundem oder elliptischem Grundriss in Karstgebieten. Ihr Durchmesser schwankt meist zwischen 2 und 200 Metern, kann aber auch mehr als einen Kilometer betragen. Ihre Tiefe reicht von 2 bis zu mehr als 300 Metern. Die nach Volumen größten sind die Sima Major des Sarisariñama-Tepui in Venezuela und Sótano del Barro in Mexiko. Die tiefste wassergefüllte Doline ist die Pozzo del Merro in Italien nahe Rom. [1]

Begriffsgeschichte und Definition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff Doline wurde durch den serbischen Geographen Jovan Cvijić im Jahr 1893 geprägt und fand zügig Eingang in die geomophologische Terminologie. Jedoch war die Definition dieses Begriffes nie einheitlich. Einige bezeichnen nur oberflächliche Lösungstrichter als Dolinen, andere fassen auch durch Einsturz unterirdischer Karsthöhlen zustande gekommene Hohlformen unter dieser Bezeichnung zusammen.

Entstehung von Dolinen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dolinen entstehen immer durch Lösungsvorgänge in verkarstungsfähigen, d.h. in Grund- oder Oberflächenwasser relativ leicht löslichen Gesteinen (siehe auch → chemische Verwitterung). Dies sind Evaporite (vor allem Steinsalz und Gips) und Karbonate (Kalkstein und Dolomit). Da flüssiges Wasser für den Lösungsprozess zwingend erforderlich ist, entstehen Dolinen vorwiegend in humiden, tropisch bis gemäßigten Klimaten.

Vor allem bei den schwerer löslichen Karbonaten wirkt sich eine starke Klüftung oder das Vorhandensein zahlreicher Verwerfungen im Gestein begünstigend auf die Dolinenbildung aus, weil dies den Verwitterungslösungen eine größere Angriffsoberfläche bietet.

Lösungsdoline[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hierbei wird das Gestein von der Geländeoberfläche her aufgelöst. Lösungsdolinen (auch Korrosionsdolinen genannt) sind zumindest in humiden Regionen auf Karbonatkarst beschränkt, da Evaporite, insbesondere Steinsalz, bereits im Untergrund aufgelöst werden, bevor sie überhaupt an der Erdoberfläche großflächig freigelegt werden könnten. Auch entstehen Lösungsdolinen selten in zu stark abschüssigem Gelände, da der Oberflächenabfluss des Wassers hier in der Regel zu schnell geschieht, als dass chemische Lösungsprozesse in Gang gesetzt werden könnten.

Sackungs- und Einsturzdolinen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Mechanismus für die Entstehung von Sackungs- und Einsturzdolinen ist Subrosion, das heißt die Lösung verkarstungsfähiger Gesteine im Untergrund, einhergehend mit Höhlenbildung. Die Doline wird schließlich durch das Nachbrechen (eines Teils) der Höhlendecke erzeugt, was sich an der Erdoberfläche entweder nur in Form einer trichterförmigen Senke oder aber die Schaffung eines hochgelegenen Höhleneingangs äußern kann. Bei Sackungsdolinen ist das Deckgestein selbst nicht verkarstungsfähig bei Einsturzdolinen ist es verkarstungsfähig. Sackungs- und Einsturzdolinen werden auch unter der Bezeichnung Erdfalldolinen zusammengefasst. Sie können mit weit verzweigten Höhlensystemen in Verbindung stehen. Mittlerweile gilt auch die ursprünglich regionale, für Karstlöcher auf der Halbinsel Yucatan verwendete Bezeichnung Cenote als Synonym für Einsturzdoline.

Schwemmlanddolinen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Schwemmlanddolinen (auch Alluvialdolinen oder Erosionsdolinen genannt) brechen nicht relativ alte verfestigte Deckschichten in einen Hohlraum nach, sondern junge unverfestigte Sedimente werden über eine bereits im verkarsten Untergrund vorhandene Wegsamkeit ausgeschwemmt. Das Nachrutschen von Lockersediment erzeugt dabei einen Senkungstrichter an der Geländeoberfläche.

Ein Spezialfall der Schwemmlanddoline ist die Ponor­doline. Über sie läuft ein Oberflächengewässer direkt in ein unterirdisches Höhlensystem ab. Ein eher ungebräuchlicher Terminus für Ponordoline ist daher Aufsuchungsdoline, der sich darauf bezieht, dass die Doline von einem Fließgewässer „aufgesucht“ wird.

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dolinen als typische Karstformen kommen überall vor, wo genügend mächtige verkarstungsfähige Gesteine im Untergrund vorhanden sind. In Europa sind sie charakteristisch für die Kalksteingebirge der westlichen Balkanhalbinsel, speziell in Kroatien und Bosnien und Herzegowina, der Typusregion des Karstes und der Karstforschung. Eine der beeindruckendsten Dolinen ist hier die vor etwa zwei Millionen Jahren bei Imotski eingebrochene Rote Doline, der Rote See, der 280 Meter tief ist. In ihrer Nähe liegt die Blaue Doline, die bei stark schwankendem Wasserspiegel bis zu 100 Meter tief ist. Dolinen gibt es aber auch in allen anderen Mittelmeerländern wie zum Beispiel Griechenland, Frankreich (z. B. Gouffre de Padirac), auf Sardinien (Su Suercone) und in Spanien. In den rumänischen Westkarpaten existiert ein Nationalpark des Karstes mit einem 200 Meter tiefen Komplex aus drei Einsturzdolinen (Cetatile Ponorului). Dort treffen zwei unterirdische und ein oberirdischer Wasserlauf zusammen.

Zahlreiche Dolinen bildeten sich auch in Mitteleuropa, in Österreich oder Deutschland, wie etwa im Toten Gebirge, in der mittleren Schwäbischen Alb, das Grünloch bei Lunz am See in Niederösterreich, im Kraichgau (sowohl Einbruchs- als auch Lösungsdolinen: Dolinenfelder Eisinger Loch, Neulinger Berg u. a.), im sauerländischen Hemer (Felsenmeer), im südlichen Harzvorland, die „Wolfsgrube“ bei Flintsbach am Inn Oberbayern, in Tschechien (Macocha) und im Schweizer Jura.

Ausgedehnte Dolinenvorkommen sind auch aus anderen Kontinenten und Ländern bekannt, so etwa aus Mexiko, den USA oder China.

Besonderheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die teilweise erhebliche Tiefe ist der Luftwechsel mitunter signifikant eingeschränkt, was zur Ausbildung von spezifischen Mikroklimata führen kann. So herrscht beispielsweise in der schwäbischen Doline Weidenwang (Gemeinde Sonnenbühl) an mehr als 220 Tagen im Jahr Frost, da die kalte Luft nicht entweichen kann. In der Doline Grünloch bei Lunz am See in Niederösterreich wurde 1932 mit minus 52,6 Grad Celsius die niedrigste in Mitteleuropa dokumentierte Temperatur gemessen.[2]

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ernst Klann: Dolinenbegriffs-ABC – Kleines Fachwörterbuch zur Karsthohlform Doline. Dolinenkataster Nordbayern (PDF 9,2 MB)
  • Valentin Binggeli, Heinz Oertli, Hans Müller: Karst: Dolinen, Höhlen, Quellen und die Menschen in der Karstlandschaft. Eine Materialsammlung für Volks- und Mittelschulen. In: Schweizer Realbogen. Band 130, Haupt-Verlag, Bern 1976, ISBN 3-258-02428-6 (Schulbuch).
  • Helmut Blume: Das Relief der Erde. Ein Bildatlas (Gebundene Ausgabe). 2., durchgesehene Aufl. Enke-Verlag, Stuttgart 1994, ISBN 3-432-99242-4, S. 4–5, 63.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Doline – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Dolinen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dr. Giorgio Caramanna: Il pozzo del Merro Raggiunti i -392 al pozzo del Merro
  2. Manfred Dorninger: Das Grünloch. Institut für Meteorologie und Geophysik, Universität Wien, Präsentation zu einem Vortrag vom 29. November 2003 (PDF; 1,89 MB)