Ökoterrorismus

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Der Begriff Ökoterrorismus bezeichnet politisch dimensionierte Rechtsübertretungen, die im Zusammenhang mit der Umwelt (Ökologie) stehen. Nach verschiedenen Verständnissen bezeichnet man damit entweder

  • Handlungen mit dem Ziel, der Umwelt zu nutzen beziehungsweise sie vor Schaden zu bewahren oder
  • Taten mit erheblichem Schaden für die Umwelt.

Die Wortschöpfung geht auf verschiedene Berichte zur Sicherheitslage in den Vereinigten Staaten von Amerika des Federal Bureau of Investigation (FBI)[1] beziehungsweise auf Reaktionen verschiedener Umweltschützer zurück und bezieht sich in erster Linie auf Aktivitäten der Ökobewegung.

Unterschiedliche Begriffsauffassungen[Bearbeiten]

Ökoterrorismus wurde geprägt durch das US-amerikanische Federal Bureau of Investigation (FBI) als:

“Domestic [eco-]terrorism is the unlawful use, or threatened use, of violence by a group or individual based and operating entirely within the United States (or its territories) without foreign direction, committed against persons or property to intimidate or coerce a government, the civilian population, or any segment thereof, in furtherance of political or social objectives.”

„…die illegale Verwendung oder die Androhung von Gewalt durch eine politisch oder sozial motivierte Gruppe beziehungsweise einen einzelnen Bürger der Vereinigten Staaten gegen Personen oder Eigentum, mit dem Ziel, eine Regierung, die Gesellschaft oder eine Gruppe einzuschüchtern beziehungsweise unter Druck zu setzen.“

FBI 2002[1]

Umweltschützer sehen ihn als einen Propagandabegriff, der von den Strafverfolgungsbehörden zur Kriminalisierung ihrer weitestgehend legalen Proteste genutzt wird. Nach ihrer Auffassung versucht man damit, die Öffentlichkeit zu täuschen, Einzelfälle herauszustellen und der inhaltlichen Auseinandersetzung auszuweichen.

Einige vertreten den Standpunkt, der Begriff sei das genaue Gegenteil des Verständnisses der amerikanischen Behörden. Nach deren Auffassung trifft das Wort Ökoterrorismus zu, wenn sich Personen, Unternehmen und Regierungen ökologisch verantwortungslos verhalten.

Beispiele für die unterschiedliche Verwendung[Bearbeiten]

Allgemein wird der Begriff Ökoterrorismus verwendet bei Sabotageaktionen[2] gegen Industrieanlagen oder Personen. Beispiele sind neben dem simplen Einschlagen von Metallgegenständen in Bäume[3] um deren Rodung zu behindern, auch Angriffe auf gentechnisch veränderte Pflanzen[4] oder gar Brandanschläge.[5]

Umweltschützer verstehen unter dem Begriff Ökoterrorismus zum Beispiel den Kahlschlag von Urwäldern,[6] den hohen CO2-Ausstoß der Industrienationen, die Belastung der Umwelt mit Chemieabfällen, den allgemeinen Raubbau an der Natur. Der Kanadier David Suzuki hatte 2005 den Premierminister Australiens, John Howard, wegen seiner Mitverantwortung für das Scheitern des Kyoto-Protokolls, als Ökoterroristen bezeichnet.[7]

Zahlen[Bearbeiten]

Die Schäden der Sabotage in den USA durch Ökoterrorismus in den Jahren von 1980 bis 1999 werden auf 42,8 Millionen US-Dollar geschätzt.[8] Seit 2003 hat das FBI den Ökoterroristen Sachschäden im Wert von 200 Millionen US-Dollar zugeschrieben.[9]

Die Schäden durch „Umweltzerstörung und die Verschwendung an den Ressourcen“ in der Volksrepublik China bezifferte deren Regierung (SEPA) auf 200 Mrd. US-Dollar pro Jahr. Das sind 10 Prozent des Bruttosozialprodukts und entspricht dem jährlichen Wirtschaftswachstum.[10]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b James F. Jarboe: The Threat of Eco-Terrorism FBI, 12. Februar 2002.
  2. Im Englischen ist dafür der Begriff der „Ecotage“ gebräuchlich.
  3. S.E. Smith: What is Tree Spiking? Wisegeek.com.
  4. Christel Lauterbach: „Geplante und gezielte Angriffe“ auf unabhängiges Forschungsprojekt Informationsdienst Wissenschaft, 6. Juni 2006.
  5. Paul-Anton Krüger: Öko-Brandstifter – Feuer und Flamme für die Natur Süddeutsche Zeitung, 17. Mai 2010.
  6. Tropischer Regenwald Brasilien.de
  7. Wendy Frew: PM dubbed eco-terrorist The Sydney Morning Herald, 26. Mai 2005.
  8. Why Animal Experimentation Matters: The Use of Animals in Medical Research (2001), Jeffrey Paul und Ellen Frankel Paul, S. 11
  9. Brent Baldwin: Wade's War Styleweekly.com, 6. Februar 2008.
  10. Harald Maass: Zerstörendes Wachstum Taz.de, 7. Juni 2006, abgerufen am 10. Oktober 2012.

Weblinks[Bearbeiten]