Abū Yūsuf

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Dieser Artikel behandelt den Mitbegründer der hanafitischen Rechtsschule des sunnitischen Islam; für den marokkanischen Meriniden-Sultan, siehe Abu Yusuf Yaqub.

Abū Yūsuf Yaʿqūb ibn Ibrāhīm ibn Habīb al-Kūfī arabisch ‏أبو يوسف يعقوب بن إبراهيم بن حبيب الكوفي‎, DMG Abū Yūsuf Yaʿqūb ibn Ibrāhīm ibn Ḥabīb al-Kūfī (* 729 oder 731; † 798), war ein Schüler von Abū Hanīfa und Mitbegründer der hanafitischen Rechtsschule des sunnitischen Islam.

Er studierte bei Mālik ibn Anas in Medina und anderen Gelehrten Fiqh und Traditionswissenschaften (Hadith). In Bagdad war er unter dem Abbasiden-Kalifen Hārūn ar-Raschīd Qādī. Wahrscheinlich al-Mahdi – anderen Berichten zufolge Hārūn ar-Raschīd – ernannte ihn zum ersten Oberqādī in Bagdad. Er maß den Hadithen und den Traditionen nach den Prophetengefährten (sahāba) größere Bedeutung bei als dem Analogieschluss (qiyās) oder dem Konsens der Gelehrten (idschmāʿ). In seiner Rechtsfindung folgte er dem Ra'y, der eigenen opinio und stand somit während seines gesamten Wirkens in der hanafitischen Rechtstradition.

Aḥmad ibn Ḥanbal, Begründer der hanbalitischen Rechtsschule, war anfangs ein Schüler des Abu Yusuf.

Werke[Bearbeiten]

  • Kitāb al-Ḫarāǧكتاب الخراج ‎ / ‚Das Buch über Grundsteuer‘, das neben Grund- und Bodensteuer auch strafrechtliche Themen zum Inhalt hat, verfasste Abu Yusuf auf Wunsch des Kalifen Hārūn ar-Raschīd und versah es mit einer längeren an den Kalifen gerichteten Einleitung. Das Buch wurde 1921 von dem französischen Orientalisten Edmond Fagnan übersetzt.
  • Kitāb al-Ḥiyalكتاب الحيل‎ / ‚Das Buch über Rechtskniffe‘ ist nicht im Original, sondern im gleichnamigen Werk seines Schülers asch-Schaibānī in Auszügen erhalten.
  • Adab al-qāḍīأدب القاضي‎ / ‚Verhaltensregel der Richter‘ ist in einer relativ späten Abschrift in der Nationalbibliothek von Tunis erhalten, aber noch nicht publiziert worden.
  • Kitāb ar-Radd ʿalā Siyar al-Auzāʿīكتاب الرد على سير الأوزاعي ‎ / ‚Die Widerlegung des Kriegsrechts von al-Auzāʿī‘ hat asch-Schāfiʿī in sein monumentales K. al-Umm aufgenommen; der Orientalist Joseph Schacht hat diese Schrift in seinen rechtshistorischen Untersuchungen ausgewertet. Abu Yusuf argumentiert aus der Sicht der Hanafiten gegen die Rechtsauffassung des syrischen Gelehrten al-Auzāʿī, der als Erster in der islamischen Rechtsgeschichte das Kriegsrecht (siyar) schriftlich zusammenfasste und somit als Begründer des islamischen Völkerrechts gilt.
  • Kitāb al-Āṯār. In diesem Buch referiert Abū Yūsuf einige der Lehrauffassungen von Abū Hanīfa zu kriegsrechtlichen Fragen, gestützt auf Erzählungen und Lehrauffassungen von dessen Vorgängern.[1]

In diesen Schriften steht das überlieferte Hadithmaterial mehr im Mittelpunkt als im Rechtsdenken seines Lehrers Abū Hanīfa. Zweifelsfrei ist die Entwicklung und Festigung der sogenannten „irakischen Rechtsschule“ mit dem Zentrum Kufa dem Wirken des Abu Yusuf zu verdanken, dessen Werke von Vertretern der Hanafiten mehrfach kommentiert worden sind.

Literatur[Bearbeiten]

  • Joseph Schacht: The Origins of Muhammadan jurisprudence. Oxford 1950.
  • Fuat Sezgin: Geschichte des arabischen Schrifttums. Bd. 1. Qur'anwissenschaften, Hadit, Geschichte, Fiqh, Dogmatik, Mystik. Brill, Leiden 1967 (S. 419–421)

Belege[Bearbeiten]

  1. Vgl. Majid Khadduri: The Islamic Law of Nations: Shaybānī's Siyar. Baltimore: The Johns Hopkins Press 1966. S. 25f.