Abd al-Aziz bin Abdullah Al asch-Schaich

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Abd al-Aziz bin Abdullah Al asch-Schaich (arabisch ‏عبد العزيز بن عبد الله آل الشيخ‎ ʿAbd al-ʿAzīz bin ʿAbdullāh Āl asch-Schaich, DMG ʿAbd al-ʿAzīz b. ʿAbdullāh Āl aš-Šayḫ; * 10. Februar 1943 in Riad) bekleidet in Saudi-Arabien das Amt des obersten Muftis (Großmufti) und des stellvertretenden Justizministers. Ebenfalls ist er Präsident der Religionspolizei in Saudi-Arabien mit Sitz in Riad.

Ausbildung und Karriere[Bearbeiten]

Mit 12 Jahren erlangte er den Status des Hafiz, d.h. er kann den ganzen Koran auswendig. Des Weiteren kann er die Sahih Hadith aus den Al-Kutub as-sitta auswendig, die sechs Hadith-Bücher des sunnitischen Islams. Im Jahre 1961 wurde er blind. Er beendete sein Studium 1963 in Mekka. Die Funktionen eines Imam und eines Chatib, später auch eines Alim nimmt er seit 1970 wahr. Von 1971 bis 1991 unterrichtete er an der Scharia-Fakultät in Riad (seit 1974 Imam Muhammad ibn Saud Islamic University). Er ist seit 1986 Mitglied des Hohen Ulama-Rat Saudi-Arabiens und gehört seit 1991 dessen Ständigen Komitee für Rechtsfragen an. Er wurde 1995 Stellvertreter von Abd al-Aziz ibn Baz und trat 1999 dessen Nachfolge an.[1][2] Er ist ein Nachfahre von Muhammad ibn Abd al-Wahhab und gehört zum Stamm Al asch-Schaich, die traditionell die religiösen Autoritäten des saudischen Königreichs stellen.[3] Seit 1993 beantwortet er Anruferfragen bei der Radiosendung Noorun 'alad-Darb. Der Mufti tritt im Fernsehen, bei dem 2003 gegründeten religiösen Sender Al Majd TV auf.

Anfang 2009 wurde der ehemalige Präsident der Religionspolizei, Ibrahim Bin Abdullah Al-Ghait auf Anordnung von König Abdullah, vom stellvertretenden Justizminister Abd al-Aziz bin Abdullah Al asch-Schaich ersetzt, dieser gilt als moderater und offener für Reformen.[4] Er berfürwortet die Arbeit der Behörde mit "milden" Mitteln und ohne Gewalt.

Positionen[Bearbeiten]

In einer Fatwa im Jahre 2000 verbot er in Saudi-Arabien Barbiepuppen, da diese eine Hetze gegen den Schleier darstellten, und verbot gleichzeitig Pokémonspielkarten, da diese zum Glücksspiel verleiten würden. Er empfahl auch allen Muslimen weltweit, sich nicht an Aprilscherzen zu beteiligen, da diese eine Sünde seien, da Muslime auch aus Spaß nicht lügen sollen.

In einer Fatwa vom März 2004 forderte der Großmufti ein vollständiges gesetzliches Verbot des Miteinanders von Männern und Frauen außerhalb der Familie. Dabei bezog er sich auf eine Konferenz, die saudische Wirtschaftsexpertinnen im Wirtschaftsclub von Dschidda abgehalten hatten, bei welcher Frauen und Männer teilweise gemeinsam im selben Raum teilgenommen hatten. In der Fatwa erklärte er: „Unverschleierte Frauen öffnen das Tor zum Bösen und zum Schlechten. (...) Mich schmerzt es, dass ein solches schamloses Verhalten ausgerechnet in Saudi-Arabien geschehen ist, dem Land der Zwei Heiligen Moscheen, dessen Führer immer die Scharia ohne Furcht vor Kritik der Ungläubigen befolgt haben.“ Seit diesem Vorfall wird er von lokalen, westlich orientieren Medien als ein Gegner der Frauenemanzipation in Saudi-Arabien bezeichnet, die Frauenarbeit außerhalb des Hauses hat er oft als „verhängnisvollen Boden“ bezeichnet.

Bei der Haddsch im Jahre 2004 hat der Mufti zur „gnadenlosen Erdrückung" des im Namen des Islam begangenen Terrors aufgerufen. Der Islam verbiete jegliche Art von Gewalt in all ihren Formen, er verbiete die Entführung von Flugzeugen, Schiffen und anderen Verkehrsmitteln, des Weiteren verbiete er alle Handlungen, die die Sicherheit der Gesellschaft untergraben.[5]

In einer Fatwa im April 2005 erklärte er die Zwangsehe für verboten und forderte eine schärfere Kontrolle und Bestrafung durch die Justiz, da die Zwangsehe gegen den Islam verstoße[6] und der Prophet Muhammed einem Hadith zufolge eine Zwangsehe annullieren ließ.[7]

2006 bezeichnete er das Papstzitat von Regensburg als Lügen, die zeigten, dass eine Versöhnung der Religionen unmöglich sei.[8]

Im März 2008 setzte er sich öffentlich dafür ein, mehr Posten in der Justiz an Frauen zu vergeben; in der Justiz könne jeder arbeiten, der qualifiziert genug sei; eine Diskriminierung von Frauen liege nicht im Interesse der Gesellschaft und verstoße gegen die Gesetze des Islam. Des Weiteren gab er bekannt, Rechtsberatungsstellen eigens für Frauen einrichten zu wollen. Man müsse einen Weg finden, wie Frauen Richter erreichen können, ohne mit Männern in Kontakt zu kommen.[9]

In einer Fatwa im März 2012 forderte der oberste Mufti, den Bau neuer Kirchen auf der arabischen Halbinsel zu verbieten sowie bereits existierende Kirchen zu zerstören in der Beantwortung einer Anfrage kuwaitischer Parlamentarier zur Rechtmäßigkeit eines kuwaitischen Gesetzes, das den Bau neuer Kirchen in Kuwait untersagen soll. Er beziehe sich dabei auf ein Hadith, das die parallele Existenz mehrerer Religionen auf der arabischen Halbinsel strikt ablehne.[10][11][12]

Im Januar 2012 wurde von König Abdullah im Rahmen der gestarteten Reformen eine „moderate“ Gangart der islamischen Religionspolizei in Saudi-Arabien angekündigt. Abd al-Aziz bin Abdullah Al asch-Schaich verbot in diesem Zusammenhang den Einsatz von Freiwilligen im Dienst. Im April 2012 erließ er eine Anweisung, die es Religionspolizisten untersagt, Bürger zu belästigen. Gleichzeitig wurden entschlossene Maßnahmen gegen aufdringliche und gewalttätige Religionspolizisten angekündigt. Die Aufgabe der Religionspolizei sei es lediglich, auf Vergehen hinzuweisen. Frauen legte er nahe, aufdringliche Religionspolizisten bei der regulären Polizei anzuzeigen. Nur diese habe die Befugnis, rechtliche Schritte gegen Bürger einzuleiten.[13] [14]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Fatwa-online: Biografie
  2. `Abdul-`Aziz ibn `Abdullah ibn Muhammad Al Al-Shaykh Member Scholars of the Permanent Committee for Ifta’
  3. Nawaf E. Obaid (Sept. 1999). The Power of Saudi Arabia's Islamic Leaders". Middle East Quarterly VI (3): 51–58.
  4. BBC:Major reshuffle in Saudi Arabia
  5. SAUDI MUFTI CALLS FOR CRUSHING TERROR, EXHORTS WOMEN TO MODESTY Financial Times, January 31, 2004
  6. Women in Saudi Arabia - Grand Mufti Pronounces End of Forced Marriages qantara.de 21. April 2005
  7. cwis.usc.edu.
  8. «Hässliche, unglückliche Äußerungen»: Erdogan fordert Entschuldigung des Papstes, Netzeitung, 17. September 2006
  9. "Women to Work in Saudi Courts: Justice Minister", Arabnews, 31. März 2008 Abgerufen am 1. April 2008.
  10. Fatwa zur Zerstörung aller Kirchen, Badische Zeitung, 27. März 2012; abgerufen am 27. März 2012
  11. Kommentar zur Fatwa im arabischen Al-Jazeera online, arabisch ‏انتقاد مفتي السعودية لفتواه بهدم الكنائس‎ (dt.: Kritik am Mufti Saudi-Arabiens wegen seiner Fatwa zur Zerstörung von Kirchen); abgerufen am 27. März 2012
  12. Destroy all churches in Gulf, says Saudi Grand Mufti, Artikel in arabianbusiness.com, abgerufen am 28. März 2012
  13. Saudi Arabia religious police chief announces new curbs
  14. Saudi Arabia Crawls Forward: Women Can Now Serve On Religious Police Force Saudi Arabia religious police chief announces new curbs