Adam Lonitzer

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Adam Lonitzer 1582

Adam Lonitzer (Lonicerus) (* 10. Oktober 1528 in Marburg; † 29. Mai 1586 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Naturforscher, Arzt und Botaniker. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „Lonitzer“.

Leben[Bearbeiten]

Der Sohn des Marburger Altphilologen Johannes Lonicer wurde bereits im Alter von 13 Jahren Baccalaureus und studierte anschließend an der Universität Marburg Philosophie und Medizin. 1545 erwarb er den Magister artium. Anschließend unterrichtete er für ein Jahr am städtischen Gymnasium in Frankfurt unter dem Rektor Jakob Micyllus, danach in Friedberg alte Sprachen.[1] Von 1545 bis 1553 wandte er sich medizinischen Studien in Frankfurt und Mainz zu und wurde 1553 zum Dr. med. promoviert. Im selben Jahr wurde er an der Universität Marburg Professor für Mathematik und 1554 Stadtphysikus in Frankfurt am Main. Ebenfalls 1554 heiratete er Magdalena, die Tochter des Frankfurter Buchdruckers Christian Egenolff.[2]

Titelillustration des Kreüterbuchs

Ab 1550 beschäftigte sich Lonitzer mit Kräuterbüchern, wobei er die Pflanzen vor allem unter medizinisch-pharmazeutischen Aspekten beschrieb. Er stellte aus älteren Kräuterbüchern Abbildungen zusammen und beschrieb die Arten, so unter anderem ihre Erkennungsmerkmale und für verbreitete einheimische Pflanzenarten auch Standorte. Gedruckt wurden Lonitzers Bücher erst von seinem Schwiegervater bzw. nach Egenolffs Tod von dessen Erben.[2]

Zu vielen der Pflanzen und Pilze, die er beschrieb, gibt es Hinweise zu praktischen Anwendungen. Im Kräuterbuch Lonitzers findet sich unter anderem die erste Darstellung von Claviceps-Sclerotien (Mutterkörner). Unter anderem beschrieb er auch Geräte und Verfahren etwa zum Destillieren von Branntwein, die er wiederum einem Buch von Hieronymus Brunschwig entnahm.[3]

Sein 1557 erstmals erschienenes Kreuterbuch in der Tradition des Gart der Gesundheit wurde bis 1783 in 27 Auflagen gedruckt.[4] Als Faksimile ist heute insb. die Ausgabe von 1679 verbreitet.[5]

Taxonomische Ehrung[Bearbeiten]

Charles Plumier benannte ihm zu Ehren eine Gattung Lonicera[6]. Carl von Linné übernahm später diese Gattung nicht, sondern stellte sie zur Gattung Loranthus der Pflanzenfamilie der Riemenblumengewächse (Loranthaceae).[7][8]

Linné benannte nach ihm die Gattung Lonicera[9] der Pflanzenfamilie der Geißblattgewächse (Caprifoliaceae).

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Friedrich Wilhelm Strieder, Grundlage zu einer Hessischen Gelehrten- und Schriftsteller-Geschichte, seit der Reformation bis auf gegenwärtige Zeiten. 8. Bd., Kassel 1788, (Leu-Meur.), S. 86
  2. a b Karl Eugen Heilmann: Kräuterbücher in Bild und Geschichte. 2. Auflage, Verlag Konrad Kölbl, München-Allach 1973. S. 31f. und S. 220ff.
  3. Siehe: Brunschwig, Hieronymus: Das distilierbuch. Das Buch der rechten kunst zu Distilieren unnd die wasser zu brennen. Straßburg: J. Grüninger 1515. CXXX Blätter, Titelholzschnitt, 239 Textholzschnitte. 4. Ausgabe.
  4. Johannes Gottfried Mayer: Die Wahrheit über den Gart der Gesundheit (1485) und sein Weiterleben in den Kräuterbüchern der Frühen Neuzeit. In: Sabine Anagnostou, Florike Egmond und Christoph Friedrich (Eds.): A passion for plants: materia medica and botany in scientific networks from the 16th to 18th centuries. (= Quellen und Studien zur Geschichte der Pharmazie, Bd. 95) Stuttgart 2011. ISBN 978-3-8047-3016-8 S. 119-128
  5. u.a. Verlag Konrad Kölbl, Grünwald bei München 1962.
  6. Charles Plumier: Nova Plantarum Americanarum Genera. Leiden 1703, S. 26
  7. Carl von Linné: Critica Botanica. Leiden 1737, S. 93
  8. Carl von Linné: Genera Plantarum. Leiden 1742, S. 151
  9. Carl von Linné: Genera Plantarum. Leiden 1742, S. 75