Adelheid von Saldern

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Adelheid von Saldern

Adelheid von Saldern (* 28. Dezember 1938 in München) ist eine deutsche Historikerin. Sie lehrte von 1978 bis 2004 als Professorin für Neuere Geschichte am Historischen Seminar der Leibniz Universität Hannover.

Leben[Bearbeiten]

Adelheid von Saldern studierte von 1957 bis 1963 Geschichte und Literaturwissenschaften an den Universitäten München und Mainz. Sie promovierte 1964 bei Franz Schnabel in München über den Reichsfinanzminister Hermann Dietrich. Von 1967 bis 1970 hatte sie einen Forschungsauftrag der Deutschen Forschungsgemeinschaft, 1970/71 einen Lehrauftrag an der Universität Hannover. Auf der Basis des DFG-Projektes habilitierte sie sich 1972 an der Universität Hannover mit dem Buch: Vom Einwohner zum Bürger. Zur Emanzipation der städtischen Unterschicht Göttingens 1890–1920. Ab 1972 war sie Universitätsdozentin, ab 1977 Professorin am Historischen Seminar der Universität Hannover. Sie unternahm empirische Forschungsarbeiten vor allem zu Mittelstandsproblemen, Arbeiterorganisationen und kommunalgeschichtlichen Fragestellungen im späten 19. und 20. Jahrhundert.

In den Jahren 1989, 1994 und 1998 verbrachte von Saldern jeweils mehrere Monate als Gastprofessorin an der Johns Hopkins University in Baltimore, an der University of Chicago und im Center for European Studies an der Harvard University. Sie gehörte zum Gründerkreis der Gesellschaft für Stadtgeschichte und Urbanisierungsforschung (stellvertretende Vorsitzende, 2000–2004) und der Zeitschrift Werkstatt Geschichte. Seit Beginn der Zeitschrift Zeithistorische Forschungen (Zentrum für Zeithistorische Forschungen, Potsdam) im Jahre 2003 ist sie Mitglied des Beirats. Sie gehört ferner zum Herausgeberkreis der Docupedia-Zeitgeschichte (ebenfalls ZZF, Potsdam). In den Jahren 2000 bis 2006 war sie Vorsitzende des Beirats der Forschungsstelle für Zeitgeschichte an der Universität Hamburg und Mitglied des Kuratoriums der Hansestadt Hamburg (2000–2007).

Adelheid von Saldern hat zahlreiche Schriften über politische, ökonomische, sozialgeschichtliche und historiographische Themen des 19. und 20. Jahrhunderts verfasst. Besondere Berücksichtigung fanden die Arbeiterbewegung, die Geschlechtergeschichte sowie die Wohnungspolitik inkl. Sozialrationalisierung. Ihre neueren Forschungsschwerpunkte liegen auf dem Gebiet der Mediengeschichte, Kulturgeschichte sowie auf der Stadtgeschichte und der transatlantischen Geschichte.

Sie war mit Manfred von Saldern (1921–2011) verheiratet, die beiden hatten mehrere Kinder.

Wissenschaftliches Wirken[Bearbeiten]

„Adelheid von Saldern is one of the most interesting historians currently working in Germany.” (S. IX) „During the 1980s and 1990s, she became one of the best practitioners of the approaches Alltagsgeschichte helped to pioneer, in ways that both realized some of their best purposes and pushed them into new and exciting terrain”. (S. XV) Adelheid von Saldern has become one of the most challenging and experimental twentieth-century historians currently working in Germany: Social History, Popular Culture, and Politics in Germany is delighted to bring this excellent historian’s work into wider circulation.“

Geoff Eley[1]

„Gerade mit der Vielfalt und Offenheit ihrer Forschungen könnte man sie weit genauer beschreiben als sie mit Etiketten zu versehen.“

Inge Marßolek, Michael Wildt[2]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

Monographien[Bearbeiten]

  • Amerikanismus. Kulturelle Abgrenzung von Europa und US-Nationalismus im frühen 20. Jahrhundert, Stuttgart 2013.
  • Netzwerkökonomie im frühen 19. Jahrhundert. Das Beispiel der Schoeller-Häuser, Stuttgart 2009.
  • The Challenge of Modernity. German Social and Cultural Studies, 1890–1960, Ann Arbor 2002.
  • Häuserleben. Zur Geschichte städtischen Arbeiterwohnens vom Kaiserreich bis heute, Bonn 1995, 2. Aufl. Bonn 1997.
  • Adelheid von Saldern: Neues Wohnen. Wohnungspolitik und Wohnkultur im Hannover der zwanziger Jahre, in der Reihe Hannoversche Studien, Band 1, herausgegeben im Auftrag der Landeshauptstadt Hannover, Hannover: Hahn, 1993, ISBN 3-7752-4951-6
  • Auf dem Wege zum Arbeiterreformismus. Parteialltag in sozialdemokratischer Provinz, Göttingen l870 bis l920, Göttingen 1870–1920, Frankfurt a.M. l984.
  • Mittelstand im Dritten Reich. Handwerker, Einzelhändler und Bauern, Frankfurt a.M./New York 1979, 2. Aufl. 1985.
  • Vom Einwohner zum Bürger. Zur Emanzipation der städtischen Unterschicht Göttingens 1890–1920. Eine sozial- und kommunalhistorische Untersuchung, Göttingen l890–l920, Berlin 1973.
  • Hermann Dietrich. Ein Staatsmann der Weimarer Republik, Boppard a.R. 1966.

Sammelbände[Bearbeiten]

  • Zeithistorische Forschungen / Studies in Contemporary History: Themenheft Fordismus (als Hg. zus. mit Rüdiger Hachtmann/Jan-Holger Kirsch), 6 (2009), H. 2.
  • Stadt und Kommunikation in bundesrepublikanischen Umbruchszeiten, Stuttgart 2006.
  • Inszenierter Stolz. Stadtrepräsentationen in drei deutschen Gesellschaften (1935–1975), Stuttgart 2005.
  • Inszenierte Einigkeit. Herrschaftsrepräsentationen in DDR-Städten, Stuttgart 2003.
  • Radiozeiten. Herrschaft, Alltag Gesellschaft, Potsdam 1999 zus. mit Inge Marßolek).
  • Zuhören und Gehörtwerden, Bd. 1: Radio im Nationalsozialismus. Zwischen Lenkung und Ablenkung, Tübingen 1998, (zus. mit Inge Marßolek; Mitarbeiterinnen: Daniela Münkel. Monika Pater, Uta C. Schmidt).
  • Zuhören und Gehörtwerden, Bd. 2: Radio in der DDR der fünfziger Jahre. Zwischen Lenkung und Ablenkung, Tübingen 1998 (zus. mit Inge Marßolek; Mitarbeiterinnen: Daniela Münkel. Monika Pater, Uta C. Schmidt.
  • Amerikanisierung. Traum und Alptraum im Deutschland des 20. Jahrhunderts, Stuttgart 1996 (zus. mit Alf Lüdtke/Inge Marßolek).
  • Stadt und Moderne. Hannover in der Weimarer Republik, Hamburg 1989.
  • Ulfert Herlyn, Adelheid von Saldern, Wulf Tessin (Hrsg.): Neubausiedlungen der 20er und 60er Jahre. Ein historisch-soziologischer Vergleich. Frankfurt/New York 1987

Literatur[Bearbeiten]

  • Inge Marßolek/Michael Wildt, Einleitung, in: Adelheid von Saldern, Politik – Stadt – Kultur. Aufsätze zur Gesellschaftsgeschichte des 20. Jahrhunderts, Hamburg 1999, S. 7–14.
  • Rüdiger Hohls/Konrad H. Jarausch (Hg.), Versäumte Fragen. Deutsche Historiker im Schatten des Nationalsozialismus, Stuttgart/München 2000, S. 342–357.
  • Geoff Eley, Foreword, in: Adelheid von Saldern (Hg.), The Challenge of Modernity. German Social and Cultural Studies, 1890-1960, Ann Arbor 2002, S. IX–XX.
  • Daniela Münkel/Jutta Schwarzkopf, Einleitung, in: Dies. (Hg.), Geschichte als Experiment. Studien zu Politik, Kultur und Alltag im 19. und 20. Jahrhundert, Frankfurt/M. 2004, S. 1–14.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Geoff Eley: Foreword, in: Adelheid von Saldern (Hg.): The Challenge of Modernity. German Social and Cultural Studies, 1890–1960. Ann Arbor 2002, S. IX–XX, hier: S. XX.
  2. Inge Marßolek, Michael Wildt: Einleitung, in: Adelheid von Saldern, Politik – Stadt – Kultur. Aufsätze zur Gesellschaftsgeschichte des 20. Jahrhunderts. Hamburg 1999, S. 7–14, hier: S. 11.