Agenais

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Agenais oder Agenois ist eine ehemalige Provinz Frankreichs.

Im antiken Gallien war es die Heimat der Nitiobrogen mit Aginnum, dem heutigen Agen, als Hauptstadt.[1] Im 4. Jahrhundert bildete es die Civitas Agennensium als Teil der römischen Provinz Aquitania secunda.[2] In der Zeit der Merowinger und Karolinger gehörte Agenais zu Aquitanien, und wurde danach eine erbliche Grafschaft als Teil der Gascogne.

1038 wurde die Grafschaft von den Herzögen von Aquitanien und Grafen von Poitou erworben. Die Hochzeit von Eleonore von Aquitanien und Heinrich Plantagenet brachte Agenais 1152 unter englische Herrschaft. Als deren Sohn Richard Löwenherz 1169 seine Schwester Johanna mit Raimund VI., Graf von Toulouse, verheiratete, war Agenais Teil der Mitgift der Braut. Mit den übrigen Gebieten der Grafschaft Toulouse kam Agenais dann 1271 an die französische Krone.[3]

Bereits 1279, als der französische König die älteren Rechte des englischen Königs Eduard I. anerkennen musste, wurde Agenais an die englische Krone zurückgegeben.[4] Während des Hundertjährigen Kriegs (1337–1453) wechselte das Gebiet mehrmals den Besitzer, und erst der Rückzug der Engländer 1453 brachte es friedlich in den Besitz der Franzosen.[3]

Ab jetzt war Agenais nur noch ein Verwaltungsbegriff. 1572–1615 war die Grafschaft Apanage der Marguerite de Valois, der Ehefrau König Heinrichs IV..[5] Am Ende des Ancien Régime war es Teil der Provinz Guyenne[6] und wurde in der Französischen Revolution (1789–1799) in das neu geschaffene Département Lot-et-Garonne eingegliedert, dessen Hauptbestandteil es nun ist.[7]

Der Titel eines Comte d’Agenais, der im Mittelalter unter den englischen Königen außer Gebrauch geraten war, wurde im 17. Jahrhundert von den französischen Königen wiederbelebt. Er wurde von der Familie Plessis-Richelieu geführt.[8]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jules Andrieu: Histoire de l’Agenais. Agen 1893, (Neudruck Laffitte, Marseille 1976), OCLC 3397019.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Xavier De Planhol, Paul Claval: An Historical Geography of France. In: Paul Claval (Hrsg.): Cambridge Studies in Historical Geography Series. 21, Cambridge University Press, 1994, ISBN 0-521-32208-1, S. 179 (englisch, online).
  2.  Peter Landau, Uta-Renate Blumenthal, Anders Winroth (Hrsg.): Canon Law, Religion, and Politics: „Liber Amicorum“ Robert Somerville. Catholic University of America Press, 2012, ISBN 978-0-8132-1975-2, S. 74 (latein, online, abgerufen am 23. November 2012).
  3. a b L’histoire d’Agen. Le Moyen Age. Office de Tourisme d’Agen, abgerufen am 23. November 2012 (französisch).
  4. Benoît Cursente: Guyenne. In: Lexikon des Mittelalters (LexMA). Band 4, Artemis & Winkler, München/Zürich 1989, ISBN 3-7608-8904-2, Sp. 1807–1809.
  5.  Michel Moisan: L’exil auvergnat de Marguerite de Valois. Éditions Creer, 1999, ISBN 2-909797-42-2, S. 31 (französisch, online).
  6. La Guyenne (anct Guienne). une province avortée. In: valleedudropt.com. Abgerufen am 23. November 2012 (französisch).
  7.  Claire Tylor: Heresy In Medieval France: Dualism In Aquitaine And The Agenais 1000–1249. In: Royal Historical Society (Hrsg.): Royal Historical Society Studies. 46, Boydell & Brewer, 2005, ISBN 0-86193-276-5, S. 47 (englisch, online).
  8.  Jean Baptiste Pierre Jullien de Courcelles: Histoire généalogique et héraldique des pairs de France. des grands dignitaires de la couronne, des principales familles nobles du royaume, et des maisons princières de l’Europe, précédée de la généalogie de la maison de France. 8, 1827, S. 360ff (französisch, online).