al-Aqsa-Märtyrer-Brigaden

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Die al-Aqsa-Märtyrer-Brigaden (arabisch ‏كتائب شهداء الأقصىKatāʾib Schuhadāʾ al-Aqṣā) sind eine palästinensische Untergrundorganisation, die als bewaffneter Arm der Fatah dienen.[1]

Die Brigaden begannen im Jahre 2002 mit einer Reihe von Angriffen auf zivile Ziele in israelischen Städten. Im März 2002 wurde die Gruppe nach einem tödlichen Selbstmordattentat in Jerusalem vom US-amerikanischen Außenministerium in die Liste der ausländischen Terrororganisationen aufgenommen und auch die Europäische Union führt die Organisation als terroristische Vereinigung.[2][3]

Sie war eine der aktivsten Gruppierungen in der 2. Intifada und entstand kurz nach ihrem Beginn. Ursprünglich hatte die Gruppe gelobt, sich auf einen Guerillakampf gegen die israelische Armee zu beschränken und nur israelische Soldaten und Siedler im Westjordanland und dem Gazastreifen angreifen zu wollen.

Die Brigaden nennen sich nach der al-Aqsa-Moschee, einer der heiligsten Stätten des Islam und ein Symbol für die palästinensische Unabhängigkeitsbewegung. Nach dem Tod Arafats im November 2004 verkündeten die Brigaden, von nun an den Namen Brigaden des Schahid Yasir Arafat führen zu wollen. Sie fertigte außerdem eine Rakete an, die sie nach Jassir Arafat benannten. Die über bis zu 18 Kilometer Reichweite verfügende, nicht steuerbare Rakete sollte der Organisation zufolge „die Liebe und Bewunderung“ gegenüber ihrem historischen Führer symbolisieren.[4]

Die Mitglieder der Brigaden rekrutieren sich vornehmlich aus den Fatah-Tanzim, einer militanten Jugendgruppe innerhalb der Fatah. Israel kritisierte, dass weder die Fatah noch die Palästinensische Autonomiebehörde Versuche unternommen haben, die Angriffe der Brigaden zu stoppen. Im April 2002 verhaftete Israel Marwan Barghuthi, einen Führer der Gruppe, und verurteilte ihn im August für fünffachen Mord, Verschwörung zum Mord und Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation zu fünfmal lebenslänglich und 40 Jahren Gefängnis. Barghuti war auch Generalsekretär der Fatah im Westjordanland.

Im Oktober 2005, als der Präsident des Iran Mahmud Ahmadinedschad sagte, dass das Besatzerregime Geschichte werden müsse (von den Medien fälschlicherweise übersetzt in: „Israel von der Landkarte radieren“)[5], veröffentlichten die Brigaden eine Stellungnahme, in der sie davon sprachen, dass sie sich „mit den Positionen und Erklärungen des iranischen Präsidenten, der in ehrvoller Weise dazu aufrief, Israel von der Landkarte zu streichen, identifizieren und sie vollkommen unterstützen“.[6]

Beziehung zu Arafat und der Fatah[Bearbeiten]

Die Beziehung zu Arafat war aufgrund von widersprüchlichen Informationen von Führern der Gruppe lange Zeit nicht klar. Offiziell wurde die Gruppe etwa 2002 nicht von Arafat und der Fatah unterstützt, obwohl Mitglieder der Brigade auch Mitglieder von Arafats Fatah zu sein pflegen. Maslama Thabit, einer der Führer der Gruppe, meinte jedoch zu USA Today: „Wir erhalten unsere Instruktionen von der Fatah. Unser Kommandeur ist Yasir Arafat selbst.“ Nur Tage nach der Aussage Thabits sagte jedoch Nasir Badawi der New York Times, dass die Brigaden „[ihren] Führer respektieren“, die Entscheidungsgewalt, „Angriffe auszuführen, verbleibt [aber] der Führung der al-Aqsa-Märtyrer-Brigaden“. Badawi fügte hinzu, dass Arafat zu diesem Zeitpunkt die Gruppe noch nie darum gebeten habe, die Selbstmordattentate zu stoppen, die Arafat in der Öffentlichkeit verurteilte.

Im November 2003 deckte ein Journalist der BBC eine Fatah-Zahlung von monatlich 50.000 Dollar an die Brigaden auf. Daneben veröffentlichte Israel Dokumente, von denen behauptet wurde, sie seien in der Muqataa gefunden worden. Die Dokumente schienen ebenfalls zu beweisen, dass Arafat die terroristischen Angriffe der Organisation finanzierte. US-Präsident George W. Bush benutzte diese Dokumente später als Argument für seinen Aufruf, Arafat zu entmachten.

Im Juni 2004 erklärte schließlich auch Ahmad Qurai, damals Ministerpräsident der PA, die Brigaden seien Teil der Fatah, die ihr verpflichtet sei und volle Verantwortung für sie trage.[7] Im Juli 2004 sagte Qurai auch, dass die al-Aqsa-Märtyrer-Brigaden, der militärische Flügel der Fatah, nicht aufgelöst werden würden und dass die Fatah generell niemals ihren militärischen Flügel auflösen würde.[8]

Konsequenterweise hatte am 18. Dezember 2003 die Fatah die Führer der Brigaden eingeladen, Mitglied im Rat der Fatah zu werden, womit sie die Organisation offiziell als Teil der Fatah anerkannte.

Aktivitäten[Bearbeiten]

Die Brigaden sind für Dutzende Selbstmordanschläge verantwortlich. Außerdem haben sie auf israelische Fahrzeuge im Westjordanland geschossen. Bekannte Attentate waren:

  • 2. März 2002: Beit Jisra'el, Jerusalem - 11 Tote.
  • 5. Januar 2003: Südliche zentrale Busstation in Tel Aviv - 22 Tote.
  • 29. Januar 2004: Rechawija, Jerusalem, Buslinie 19 - 11 Tote.
  • 14. März 2004: Hafen von Aschdod - 10 Tote. (zusammen mit der Hamas)

Am 16. Oktober 2005 zeichneten die Brigaden für einen Feuerangriff am Gusch-Etzion-Übergang verantwortlich, bei dem drei Israelis getötet wurden und drei weitere verletzt wurden.

Für einige Angriffe der Brigaden wurden Kinder verwendet. Am 24. März 2004 wurde ein palästinensischer Jugendlicher namens Hussam Abdu an einem Checkpoint der israelischen Streitkräfte mit einem umgeschnallten Sprengstoffgürtel aufgehalten. Daraufhin wurde eine militante Zelle der Brigaden in Nablus aufgedeckt und verhaftet. Am 23. September 2004 wurde wieder ein 15-jähriger Selbstmordattentäter von der israelischen Armee verhaftet.[9]

Zu den Opfern der Brigaden gehören außer Israelis auch Palästinenser. In den ersten Monaten des Jahres 2004 wurde die Gruppe für eine Reihe von Angriffen auf Journalisten im Westjordanland und dem Gazastreifen verantwortlich gemacht. Ein Angriff auf die Büros des arabischen Fernsehsenders al-Arabiyya wurde von Männern ausgeführt, die sich selbst als Mitglieder der Brigaden bezeichneten. Daraufhin kam es am 9. Februar zu einem Generalstreik der palästinensischen Journalisten, um gegen die zunehmende Gewalt zu protestieren. Neben Gegnern von Arafat, Journalisten, Moderaten und angeblichen Kollaborateuren hat sie auch den Bruder Ghassan Schakaas', des Bürgermeisters von Nablus, getötet. Schakaas erklärte daraufhin aus Protest gegen die mangelnden Maßnahmen der PA gegen die Randale der bewaffneten Truppen in der Stadt seinen Rücktritt aus dem Amt.

Die Brigaden waren auch prominent an den Aufständen im Gazastreifen im Juli 2004 beteiligt, bei denen ein palästinensischer Offizier gekidnappt wurde und das Sicherheitshauptquartier der PA und palästinensische Polizisten von bewaffneten Männern angegriffen wurden. Diese Aufstände führten dazu, dass das palästinensische Kabinett den Notstand ausrief. Einige Medien bezeichneten darauf die Situation in den palästinensischen Autonomiegebieten als chaotisch und anarchisch.

Die Brigaden haben mehrere Aktionen zusammen mit der islamistischen Hamas ausgeführt; dies vor allem im Gazastreifen. Andere Gruppen, mit denen sie zusammenarbeiteten, waren der Palästinensische Islamische Dschihad, die Volkswiderstandskomitees, die Abu-Ali-Mustafa-Brigaden und im Westjordanland sogar die Hisbollah.

Die Anwohner der Qassam-Raketen-Abschussstellen im Gazastreifen sind oft gegen diese Aktionen von Hamas und al-Aqsa-Märtyrer-Brigaden, weil Israel regelmäßig mit militärischen Aktionen gegen die Abschussorte antwortet. Am 23. Juli 2004 wurde ein 15-jähriger arabischer Junge von palästinensischen Terroristen getötet, als er und seine Familie verhindern wollten, dass ihr Hausgrundstück für einen Abschuss missbraucht werde. Vier weitere Personen wurden bei dem Zwischenfall verletzt.[10][11]

Zuletzt bekannten sich die Brigaden zu dem Mord an einem jüdischen Ehepaar und deren Kindern in der Siedlung Itamar, der sich in der Nacht vom 11. zum 12. März 2011 ereignete. Dabei verschaffte sich der Täter nachts Zutritt zu dem Haus der Familie und erstach fünf der acht Familienangehörigen (darunter einen Säugling). Da sich die Brigaden allerdings bereits häufiger zu Anschlägen bekannten, welche sie nicht verübt hatten, ist nicht auszuschließen, dass eine andere Gruppierung oder Einzeltäter für die Tat verantwortlich sind.[12]

Liste von Mitgliedern[Bearbeiten]

  • Nayif Abu Scharah: Lokaler Kommandeur in Nablus (von den israelischen Streitkräften getötet)
  • Marwan Barghuti: Oberbefehlshaber (von den israelischen Streitkräften verhaftet und anschließend zu lebenslanger Haft für das Töten von israelischen Zivilisten verurteilt)
  • Sirhan Sirhan: tötete fünf Menschen, einschließlich einer Mutter mit ihren zwei Kindern im Kibbutz Metzer (nicht mit dem Attentäter auf Robert F. Kennedy zu verwechseln)
  • Zakariya Zubaidi: lokaler Kommandeur in Dschenin, bekannt für seine angebliche Beziehung zu der Israelin Tali Fahima.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. „Der Grüne Prinz“ im Interview. „Jeder muss Opfer für Frieden bringen“, Der Standard, 12. Juli 2010
  2. europa.eu: EU-Liste zur Bekämpfung von Terrorismus vom 15. Juli 2008 11. Januar 2008
  3. Durchführungsverordnung (EU) Nr. 1375/2011 des Rates vom 22. Dezember 2011 (PDF) eur-lex.europa.eu. 23. Dezember 2011. Abgerufen am 19. März 2012.
  4. El-Aksa-Märtyrer bauen „Arafat“-Rakete, Focus, 26. Dezember 2004
  5. Katajun Amirpur: Der iranische Schlüsselsatz, Süddeutsche Zeitung, 26. März 2008
  6. Ynetnews Al-Aqsa: We identify with Iranian remark 20. Juli 2005
  7. eufunding.org: Fatah committed to Aksa Martyrs 20. Juni 2004
  8. imra.org.il Arafat Blames Israel for Tel Aviv Bombing 14. Juli 2004
  9. Haaretz: Heightened alert set for Yom Kippur; Afula attack thwarted 4. September 2004
  10. BBC: Teen dies in Palestinian clash 23. Juli 2004
  11. israelnn.com: Attempted Kassam Launch Leads to the Death of an Arab Child 23. Juli 2004
  12. Al-Jazeera: Five Israelis killed in West Bank 12. März 2011. Abgerufen am 14. März 2011