al-Kamil

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Kaiser Friedrich II. (links) trifft Sultan al-Kamil (1229)
Der heilige Franz von Assisi versucht Sultan al-Kamil zu bekehren. Darstellung aus dem 15. Jahrhundert.

al-Kamil Muhammad al-Malik (arabisch ‏الكامل محمد الملك‎, DMG al-Kāmil Muḥammad al-Malik; * um 1180; † 6. März 1238) war der vierte Sultan der Ayyubiden in Ägypten (1218–1238). Er gilt als einer der bedeutendsten mittelalterlichen islamischen Herrscher des Orients nach seinem Onkel Saladin.

Leben[Bearbeiten]

Frühe Jahre und Damiettekreuzzug[Bearbeiten]

Nach dem Tod seines Vaters al-Malik al-Adil I. (dritter Sultan der Ayyubiden in Ägypten 1200–1218) trat al-Kamil dessen Nachfolge in Ägypten an. Die Regierung in Syrien und Obermesopotamien musste er seinen Brüdern al-Mu'azzam bzw. al-Aschraf überlassen. Zunächst musste sich al-Kamil mit den in Ägypten gelandeten Kreuzfahrern auseinandersetzen. Als diese im November 1218 die Festung Damiette eroberten, bot al-Kamil den Kreuzfahrern Verhandlungen an, die aber vom päpstlichen Legaten und den italienischen Seerepubliken abgelehnt wurden. Vor allem Venedig, Pisa und Genua erhofften sich nach einem Sieg der Kreuzfahrer die Ausweitung ihres Einflusses in Ägypten. Als die Kreuzfahrer 1221 nach Kairo vorstießen, wurden sie aber von den vereinigten Ayyubiden bei al-Mansura aufgehalten und durch die eintretende Nilschwemme zum Rückzug gezwungen.

Kaiser Friedrich II. im Heiligen Land[Bearbeiten]

Allerdings wurde das Ayyubidenreich bald erneut bedroht, als Kaiser Friedrich II. zum Kreuzzug (1228–1229) aufbrach. Da al-Kamil vor allem um die Ausweitung seiner Macht in Syrien bemüht war, trat er vor dessen Kreuzzug schon in Verhandlungen mit Friedrich II., dessen diplomatisches Geschick sowie seine große Sympathie zu Islam und orientalischer Welt seinen Anteil daran hatte, dass am 18. Februar 1229 der Frieden von Jaffa auf zehn Jahre geschlossen wurde. In diesem wurde ein Großteil Jerusalems an das Königreich Jerusalem abgetreten, dessen Souveränität damit durch den Ayyubiden-Herrscher bestätigt wurde. Die Stadt durfte von den Kreuzfahrern allerdings nicht befestigt werden. Nach diesem weltgeschichtlich einmalig dastehenden Friedensvertrag in der Geschichte zwischen Orient und Okzident kam es zur Intensivierung des materiellen und kulturellen Austausches mit Europa. Innenpolitisch war dieser Vertrag von arabischer und von christlicher Seite sehr angegriffen worden, da man keinerlei Erfolg für eine der beiden Seiten darin sah und da die damalige Kreuzzugsgeschichte noch keinen Kreuzzug ohne Blutvergießen kannte.

Letzte Jahre[Bearbeiten]

Nach diesem Frieden konnte al-Kamil mit al-Aschraf aus Obermesopotamien Damaskus erobern, nachdem sein Bruder al-Muazzam 1228 gestorben war. Während al-Aschraf das zentrale Syrien erhielt, kontrollierte al-Kamil Nordsyrien und konnte das Reich der Ayyubiden in Kurdistan weiter ausdehnen. Nachdem er mit den Rum-Seldschuken die Choresmier besiegt hatte (1230), scheiterte ein Feldzug nach Anatolien (1234).

Zunehmend wuchs der Widerstand der ayyubidischen Führungsschicht unter seinem Bruder al-Aschraf gegen die Zentralisierungspolitik von al-Kamil. Zwar gelang ihm die Eroberung von Damaskus (1238), sowie die Entmachtung von al-Aschraf, doch starb al-Kamil am 6. März 1238, so dass die Bildung eines Zentralstaates nicht verwirklicht werden konnte. Nachfolger von al-Kamil wurde sein Sohn al-Adil II..

Nachkommen[Bearbeiten]

Er hatte mindestens drei Söhne und drei Töchter:

  • al-Mas'ud Yusuf († 1229), Gouverneur von Jemen
  • al-Adil II. († 1248), 1238–1240 Sultan von Ägypten
  • as-Salih Ayyub († 1249), 1238–1239 und 1245–1249 Sultan von Damaskus, 1240–1249 Sultan von Ägypten
  • Fatima Khatun, ∞ 1231 al-Aziz Muhammad, Emir von Aleppo
  • Ghazia Khatun, ∞ 1229 al-Muzaffar Mahmud, Emir von Hamah
  • Aschwara († nach 1237)

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Eberhard Mayer: Geschichte der Kreuzzüge. 8. verbesserte und erweiterte Auflage. W. Kohlhammer, Stuttgart u. a. 1995, ISBN 3-17-013802-2 (Kohlhammer-Urban-Taschenbücher 86).
  • Steven Runciman: Geschichte der Kreuzzüge. Sonderausgabe in 1 Band ohne Quellen- und Literaturangabe. H. C. Beck München 1978, ISBN 3-406-02527-7 (Beck'sche Sonderausgaben).

Weblinks[Bearbeiten]