Alwin Mittasch

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Alwin Mittasch (1928)

Paul Alwin Mittasch (obersorbisch Pawoł Alwin Mitaš; * 27. Dezember 1869 in Großdehsa, heute zu Löbau (Lausitz) in Sachsen; † 4. Juni 1953 in Heidelberg) war ein deutscher Chemiker sowie naturwissenschaftlicher Historiker, der vor allem durch seine bahnbrechenden und systematischen Forschungen (u.a. Katalysatorentwicklung) zur Ammoniak-Synthese nach dem Haber-Bosch-Verfahren zu großem Ansehen gelang.

Leben[Bearbeiten]

Alwin Mittasch wurde 1869 als Sohn eines Lehrers im sorbisch geprägten Dorf Großdehsa in der Oberlausitz geboren. Er war eines von fünf Geschwistern (ein Bruder sowie drei Schwestern). Zunächst besuchte er in seinem Heimatdorf Großdehsa die Volksschule. Danach wechselte er an ein Internat in Bautzen wo er 1889 das Lehrerseminar beendete. Danach schlug er wie sein Vater eine Laufbahn als Lehrer ein, in dem er als Hilfslehrer an der Volksschule zu Klix bei Guttau arbeitete. 1892 zog er nach Leipzig um und begann dort nebenberuflich an der Universität Leipzig mit dem Studium zahlreicher Fächer, zu denen Geschichte, Philosophie, Psychologie aber auch die Naturwissenschaften zählte. Nach und nach verschrieb er sich allerdings der Chemie. 1901 promovierte er daher im Fach Chemie in der Abteilung von Wilhelm Ostwald im Fachbereich der Pysikochemie. Max Bodenstein wurde sein Doktorvater. In seiner Dissertation beschäftigte sich Mittasch mit Nickelcarbonylen. Trotz Vollzeitanstellung als Lehrer beendete er diese nach anderthalb Jahren mit summa cum laude. Die grundlegenden Ergebnisse dieser Arbeit fanden u.a. Verwendung bei der Entwicklung des Mond-Langer-Carbonylverfahrens zur Nickelgewinnung. Noch Jahrzehnte später wurden seine Forschungsergebnisse von Fachleuten zu Rate gezogen. Nach wie vor beschäftigte er sich aber auch intensiv mit der Philosophie. Eine Habilitation konnte Mittasch nicht anstreben, da er kein Abitur vorzuweisen hatte. Somit schlug er den Weg in die Industrie ein. Zuerst verschlug es ihn nach Stolberg bei Aachen als Analytischer Chemiker in AG für Bergbau, Blei- und Zinkfabrikation. Es folgte eine Stelle als Assistent von Carl Bosch sowie die Leitung eines Forschungslabors der BASF. Nachdem er durch den Tod seines ältesten Sohnes Heinz Mittasch 1932 frühzeitig in den Ruhestand eintrat, siedelte er nach Heidelberg um und widmete sich dem Schreiben und der Musik. Zudem hatte er sich der Gartenarbeit verschrieben. Mittasch war kein politischer Mensch; zwar gab er wohl 1933 seine Stimme für den Nationalsozialismus ab, war aber nie ein ideologischer Anhänger. 1953 verstarb Alwin Mittasch in Heidelberg. Er hinterließ seine Frau Dora Martha Mittasch (geb. Jäger) und seinen jüngeren Sohn Helmut Mittasch.

Wirken[Bearbeiten]

Seine Karriere begann Mittasch zunächst 1903 in Stolberg bei der Blei- und Zinkfabrikation. Nach kurzer Zeit erhielt er dort schon dank seiner Kenntnisreichheit eine leitende Funktion im Metallhüttenwesen. Nach nur einem Jahr wechselte er allerdings auf Empfehlung seines damaligen Doktorvaters zur BASF, wo er seine Tätigkeit als Assistent von Carl Bosch aufnahm. Dabei nahm er an Versuchen teil, bei denen Stickstoff über Metallnitride sowie Metallcyanide fixiert werden sollte. Im Jahr 1909 begann Mittasch mit der systematischen Suche nach einem Katalysator zur Ammoniak-Herstellung auf der Basis von Eisenoxid, in deren Folge ca. 20.000 Versuche zur Optimierung durchgeführt wurden. Der gefundene Katalysator (Eisen(II/III)-Oxid Fe3O4, K2O, CaO, Al2O3 und SiO2) ermöglichte die großtechnische Ammoniaksynthese und ist bis heute nahezu unverändert in Gebrauch. Durch seine großen Erfolge wurde Mittasch 1918 Forschungsleiter des damals neugegründeten Ammoniaklaboratoriums der BASF. Nicht nur das Einsetzen des effizienten Katalysators zu Ammoniakgewinnung geht auf Mittasch zurück, sondern auch die katalytische Ammoniakoxidation zur Salpetersäureherstellung, die Hochdruckmethanolsynthese (mit Matthias Pier 1923) mit Mischoxidkatalysatoren (Zn(II)-Oxide und Cr(III)-Oxide), sowie die Hochdruckcarbonylprozesse zur Gewinnung von reinsten Metallen wie z. B. Nickel. Die Ergebnisse seiner Arbeiten sind in 85 Patenten festgehalten, welche er zumeist mit seinen Mitarbeitern anmeldete. Für seine Erkenntnisse und sein Engagement erhielt zahlreiche Ehrungen für seine Arbeiten, u. a. die Ehrendoktorwürde der Universitäten TH München und LwH Berlin, sowie die Ernennung zum Professor durch die Regierung von Baden-Württemberg. Alwin Mittasch zu Ehren vergibt die DECHEMA regelmäßig den Alwin-Mittasch-Preis (früher Alwin-Mittasch-Medaille) für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Katalyseforschung. Nach Beendigung seiner Karriere als Chemiker schrieb er viel über die Geschichte der Chemie sowie über die Philosophie der Naturwissenschaften, wofür er auch von hochrangigen Personen wie Theodor Heuss Anerkennung erhielt. Ab dem Spätjahr 1944 begann er außerdem an der "Chronik meines Lebens" zu schreiben.

Werke[Bearbeiten]

  • Chemische Dynamik des Nickelkohlenoxyds (Dissertation). In: Zeitschrift für physikalische Chemie. 1902, 40, S. 1–88.
  • mit E. Theis: Von Davy und Döbereiner bis Deacon. Ein halbes Jahrhundert Grenzflächenkatalyse. 1932.
  • Kurze Geschichte der Katalyse in Praxis und Theorie. 1939.
  • Lebensprobleme und Katalyse. (1947)
  • Von der Chemie zur Philosophie. Ausgewählte Schriften und Vorträge. 1948. (mit Autobibliographie)
  • Geschichte der Ammoniaksynthese. Verlag Chemie, Weinheim 1951.
  • Salpetersäure aus Ammoniak. 1953.
  • Erlösung und Vollendung. Gedanken über die letzten Fragen. 1953.

Ehrungen[Bearbeiten]

  • Alwin-Mittasch-Straße Maxdorfer BASF-Siedlung
  • Alwin-Mittasch-Platz in Ludwigshafen
  • Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universitäten TH München und LwH Berlin
  • Ernennung zum Professor durch Baden-Württembergische Regierung 1949.

Literatur[Bearbeiten]

  • Rudolf Heinrich: Mittasch, Alwin. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 17, Duncker & Humblot, Berlin 1994, ISBN 3-428-00198-2, S. 574–576 (Digitalisat).
  • Wunder der Katalyse. In: Die Rheinpfalz. 11. März 1950.
  • Alwin Mittasch. In: Chemische Berichte. 1957, 90, S. XLI-LIV. (mit Bibliographie)
  • A. von Nagel: Alwin Mittasch. In: Ludwigshafener Chemiker. 1958, S. 137–170.
  • ABC Geschichte der Chemie. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie, Leipzig 1989, ISBN 3-342-00118-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Alwin Mittasch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien