Amanda Todd

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Amanda Michelle Todd (* 27. November 1996; † 10. Oktober 2012 in Port Coquitlam, British Columbia) war eine kanadische Schülerin, die wegen Cyber-Mobbings Suizid beging. Als 12-Jährige hatte sie in einem Chat per Webcam vor einem Fremden ihren Oberkörper entblößt und wurde von diesem Mann später erpresst. Der Täter veröffentlichte und verbreitete ihr Bild, weshalb sie in der Schule gemobbt wurde. Es folgten Schulwechsel, Selbstverletzungen und ein gescheiterter Suizidversuch. Im Alter von 15 Jahren beging sie Suizid. Vor ihrem Tod veröffentlichte sie ein neunminütiges Video, in dem sie über ihre Geschichte schweigend mit handgeschriebenen Zetteln berichtete.[1]

Hintergrund und Suizid

Am 7. September 2012 veröffentlichte Amanda Todd ein Video, in dem sie mittels handgeschriebener Zettel von ihrer Geschichte berichtet. Demnach[2] hatte sie als Siebtklässlerin einen Videochat genutzt, um neue Leute kennenzulernen. Ein fremder Chatpartner hatte sie dabei überredet, ihren Oberkörper zu entblößen. Ihr Gegenüber speicherte ein Video und begann später, sie damit zu erpressen: Er forderte weitere Handlungen Todds und drohte mit der Veröffentlichung des Videos. Später informierte die Polizei Todd darüber, dass das Foto im Internet kursiere. Aufgrund der damit verbundenen sozialen Probleme zog Todds Familie in eine andere Stadt.

Etwa ein Jahr später wurde auf Facebook ein Profil erstellt, in dem das angefertigte Foto zu sehen war. Zugleich wurden Klassenkameraden ihrer neuen Schule gezielt auf dieses Profil aufmerksam gemacht. Im weiteren Verlauf wechselte Todd ein zweites Mal die Schule. Dort wurde sie von mehreren Mädchen einer Affäre mit dem Freund eines der Mädchen beschuldigt, beleidigt und niedergeschlagen. In diesem Zusammenhang beging Todd einen Suizidversuch; durch rechtzeitige ärztliche Maßnahmen überlebte sie.

Als Todd aus dem Krankenhaus entlassen wurde, zog die Familie erneut in eine neue Stadt, doch das Mobbing über die sozialen Netzwerke hielt an. Todds psychischer Zustand verschlechterte sich trotz der Einnahme von Antidepressiva weiter, sie verfiel selbstverletzendem Verhalten. Am 10. Oktober 2012 beging sie Suizid.

Reaktionen

Polizeiliche Ermittlungen

Die kanadische Organisation cybertip.ca, die Hinweise zu sexueller Ausbeutung von Kindern sowie Kinderpornographie entgegennimmt, wurde im November 2011 eigenen Angaben zufolge auf das im Internet kursierende Bild aufmerksam gemacht. Diese Information wurde den Strafverfolgungsbehörden übergeben.[3]

Nach Todds Suizid wurden polizeiliche Ermittlungen durch die Royal Canadian Mounted Police und British Columbia Coroners Service aufgenommen. 20 Ermittler waren dafür angesetzt.[4] Insbesondere sollen Inhalte von sozialen Netzwerken im Fokus der Ermittler liegen, um den Urheber der Veröffentlichungen des ehrverletzenden Fotos zu ermitteln. Die Polizei richtete eine E-Mail-Adresse ein, an die die Bevölkerung Hinweise zu dem Foto sowie den Umständen der Veröffentlichung senden konnte. Innerhalb von 24 Stunden gingen über 400 Hinweise ein.[5]

Im April 2014 wurde ein 35-jähriger Mann in den Niederlanden als mutmaßlicher Täter verhaftet. Ihm wird vorgeworfen, ähnliche Taten mit Dutzenden weiteren Mädchen vollzogen zu haben. Die kanadische Regierung hat seine Auslieferung beantragt.[6]

Mediale Reaktionen

Todds Suizid erlangte schnell große mediale Beachtung, insbesondere durch die Verbreitung ihres Videos: Innerhalb einer Woche nach Veröffentlichung wurde es rund 1,6 Millionen Mal angesehen. Am 19. Oktober 2012 wurden Vigilfeiern zum Andenken an Amanda Todd abgehalten, außerdem gab es vielerorts Schweigeminuten, insbesondere in Schulen. In verschiedenen Reden gingen Persönlichkeiten wie Magic Johnson, Demi Lovato und die Premierministerin von British Columbia, Christy Clark, auf die Geschehnisse ein.[7]

Reaktion durch Anonymous

Die Hackergruppe Anonymous behauptete kurz nach Todds Suizid, den Erpresser ausfindig gemacht zu haben, und veröffentlichte Namen, Anschrift und Foto eines 31-jährigen Mannes aus British Columbia. Begünstigt durch die starke mediale Präsenz des Vorfalles kam es anschließend zu diversen Beschimpfungen und Bedrohungen, auch Morddrohungen, dieses Mannes durch Online-User.[1] In einem Interview mit CBC News gab der Mann an, mit Todd gechattet zu haben, bestritt aber die weiteren Vorwürfe. Die kanadische Polizei warnte vor zu schnellen Schlüssen. Einige Tage später stellte sich heraus, dass der von Anonymous Beschuldigte nicht der Erpresser war und auch die veröffentlichte Adresse mit dem Fall nichts zu tun hatte.[8][9]

Amanda Todd Trust

Amandas Mutter gründete im November 2012 den Amanda Todd Trust, der sich für junge Menschen mit psychischen Problemen einsetzt.

Musikalische Würdigung

Am 24. Oktober 2012 veröffentlichte die kanadische Singer-Songwriterin Elise Estrada über das Label XOXO Entertainment die Single Wonder Woman, die Amanda Todd gewidmet ist.[10] Die Einkünfte aus dem Verkauf über iTunes gehen dabei vollständig an The Amanda Todd Legacy Fund, der damit Anti-Mobbing-Kampagnen und Programme zur Suizid-Prävention unterstützt.[11]

Es wurden außerdem zwei Versionen eines Musikvideos gedreht. Eine Version verwendet ebenfalls das Stilmittel handgeschriebener Zettel, auf denen der Songtext zu sehen ist.[12] Die andere Version beinhaltet neben Aufnahmen der Interpretin auch kurze Videoclips und Fotos von Amanda Todd sowie Fotos von Personen aus aller Welt, die Zettel mit der Aufschrift „Just Like Wonder Woman“ in Richtung der Kamera halten.[13]

Einzelnachweise

  1. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatSabine Lorenz: Anonymous will Amanda Todd rächen. Frankfurter Rundschau, 19. Oktober 2012, abgerufen am 4. Januar 2013.
  2. Video auf YouTube
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatJoyanne Pursaga: Group got tip about Amanda Todd before teen's suicide. Toronto Sun, 16. Oktober 2012, abgerufen am 4. Januar 2013 (englisch).
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatTormenters target Amanda Todd’s online memorials amid police probe. CTV News, 13. Oktober 2012, abgerufen am 4. Januar 2013 (englisch).
  5. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatAmanda Todd's death draws over 400 tips from around the globe for RCMP investigators. The Vancouver Sun, 14. Oktober 2012, abgerufen am 4. Januar 2013 (englisch).
  6. Helmut Hetzel: Polizei fasst mutmaßlichen Cyber-Mobber nach Tod von Amanda Todd. Der Westen, 22. April 2014, abgerufen am 26. August 2014.
  7. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatWe Day: In wake of Amanda Todd tragedy, anti-bullying message defines 20,000-strong event. Global BC, 18. Oktober 2012, abgerufen am 4. Januar 2013.
  8. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatCybermobbing lässt sich nicht allein im Netz bekämpfen. Die Zeit, 25. Oktober 2012, abgerufen am 4. Januar 2013.
  9. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatRCMP debunk rumours about Amanda Todd case. cnews, 16. Oktober 2012, abgerufen am 4. Januar 2013.
  10. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatiTunes Veröffentlichungsdatum "Wonder Woman". iTunes, 24. Oktober 2012, abgerufen am 19. Januar 2013.
  11. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatiTunes Erlös geht an "The Amanda Todd Legacy Fund". The SONiC Nation, 24. Oktober 2012, abgerufen am 19. Januar 2013.
  12. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatYoutube Video "Elise Estrada - Wonder Woman (Dedicated to Amanda Todd) Cue Card Version". Youtube, 12. Oktober 2013, abgerufen am 2. November 2013.
  13. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatYoutube Video "Wonder Woman" (Official Music Video) ELISE ESTRADA (Re-upload). Youtube, 8. Januar 2013, abgerufen am 19. Januar 2013.

Weblinks