Amenemope (Sohn des Kanacht)

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Amenemope, Sohn des Kanacht in Hieroglyphen
M17 Y5
N35
G17 M17 Q3 X1
O45

Imenemipat
(Imen em ipat)
Jmn m jp3.t
Der im Harem des Min ist

Amenemope, Sohn des Kanacht war vermutlich ein altägyptischer hoher Beamter der 19. Dynastie (Neues Reich). Die wenigen Informationen zu seiner Identität und seinem Privatleben stammen aus seinem berühmten Werk „Wie man ein guter Mensch wird“. Seine Identität und Existenz werden von verschiedenen Forschern hinterfragt und sogar in Zweifel gezogen.[1]

Die Lehren des Amenemope[Bearbeiten]

Berühmt wurde Amenemope durch sein Werk „Wie man ein guter Mensch wird“, das sich in demotischer Schrift auf dem Papyrus British Museum (B.M.) 10474 erhalten hat und von dem zeitgenössische Abschriften auf weiteren Papyri, auf Schreibtafeln sowie diversen Ostraka existieren. Der Papyrus befindet sich heute im Britischen Museum von London, die Abschriften befinden sich heute jeweils in Stockholm, Turin, Paris und Moskau.

Die Lehren des Amenemope richten sich an seinen jüngsten Sohn, Hor-em-ma'a-cheru („Horus ist bestätigt“), der in Panopolis zum Priester des Min ernannt wurde und nun hochrangige Titel wie „Ausgießer der Libationen des Min-Kamutef“ sowie „Aufseher über die schwarzen Rinder auf der Terrasse des Min“ führt.

In genau 30 Kapiteln, die ungewöhnlicherweise durch Zahlen (statt durch Rubra) aufgeteilt werden, lehrt Amenemope seinen Sohn, wie er zu leben und zu wirken habe, damit dieser „guter Mensch vor allen Anderen“ werde. Die Lehren sind von Tiefgründigkeit, Subtilität und Moral gekennzeichnet und beinhalten gehobene Metaphern, die heute teilweise schwer nachzuvollziehen sind. Unter Anderem rät Amenemope in Kapitel 4 dazu, Mitmenschen nicht zu betrügen, sich ihnen gegenüber nicht arrogant aufzuführen und/oder sie zu benachteiligen. In Kapitel 25 ruft er außerdem dazu auf, Verkrüppelte, Minderwüchsige und Blinde nicht zu hänseln und/oder über geistig behinderte Menschen zu lachen und Mitmenschen zur Toleranz anzuhalten: „Lache nicht über einen Blinden und spotte nicht über einen Zwerg! Erschwere nicht das Befinden eines Krüppels! Verspotte nicht den Mensch, der in der Hand Gottes (geistig behindert) ist!“. Damit offenbaren sich in den Lehren des Amenemope soziale wie gesellschaftliche Wertstellungen, die für seine Zeit vielleicht nicht mehr selbstverständlich waren. Die Lehren des Amenemope gelten heute als Meisterwerk der geschriebenen Prosa und der Philosophie.

Fragen zur Person[Bearbeiten]

Gemäß zeitgenössischen Dokumenten war Amenemope ein hochrangiger Verwaltungsbeamter. Er beschreibt sich selbst als „Aufseher über das Getreide“, „Nahrungsmittelverwalter“, „Gerechtfertigt in Ta-Wer“ und „Gerechtfertigt in Ipu“. Er war nach eigenen Angaben mit einer Dame namens Tausret verheiratet. Diese war „Sistrumspielerin des Schu und der Tefnut“ und „Vorsingerin des Horus“. Er scheint mehrere Söhne gehabt zu haben, da er Hor-em-ma'a-cheru als seinen „jüngsten Sohn“ bezeichnet.

Im Laufe der Forschung um Amenemopes Person wurde wiederholt die Frage aufgeworfen, ob er tatsächlich existiert hat, oder ob sein Name ein Pseudonym für einen oder mehrere Autoren war, die ihre Identität nicht preisgeben konnten, wollten oder durften. Hintergrund der Annahme ist bereits die Nennung eines Autors in einem altägyptischen Schriftwerk. Für gewöhnlich waren literarische Werke anonym, sodass heute in den meisten Fällen keinerlei Rückschlüsse auf jegliche Autorenschaft geschlossen werden können. Ein anschauliches Beispiel anonymer Werke ist der Papyrus Westcar (vermutlich 13. Dynastie), der zwar gehobene Literatur enthält, dessen Autor aber nicht signiert hat. Bestärkt wird die Vermutung der fiktiven Identität von Amenemope unter Anderem dadurch, dass „Amenemope“ im Neuen Reich ein sehr häufiger Name war und nicht auffiel. Auch der Name von Amenemopes vorgeblichen Vater, Kanacht („Starker Stier“) war sehr häufig anzutreffen. Hinzu kommt das Unauffindbarbleiben von Amenemopes Grabanlage. Laut dem Papyrus soll Amenemope in Senut, der Nekropole von Panopolis, bestattet worden sein, doch konnte bis heute kein Grab ausfindig gemacht werden, das einem Besitzer namens „Amenemope, Sohn des Kanacht“ gehört.[1]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Miriam Lichtheim: Ancient Egyptian Literature: A Book Of Readings: The New Kingdom (= Ancient Egyptian Literature, 2. Band). 2. Neuauflage, University of California Press, Berkeley CA 2006, ISBN 0520248430. S. 146–152.
  • Ivar Lissner, Gerhard Rauchwetter: Der Mensch und seine Gottesbilder. Walter, Freiburg im Breisgau 1982, ISBN 3530527092, S. 37–53.
  • Molefi Kete Asante, Abu Shardow Abarry: African Intellectual Heritage: A Book of Sources. Temple University Press, Philadelphia PA 1996, ISBN 1566394031, S. 312–316.
  • James Roger Black: The Instruction of Amenemope: A Critical Edition and Commentary Prolegomenon and Prologue. University Press, Wisconsin-Madison 2002, S. 226 & 227, 274-276, 396–400.
  • William K. Simpson: “The” Literature of Ancient Egypt: An Anthology of Stories, Instructions, Stelae, Autobiographies, and Poetry. Yale University Press, Yale 2003, ISBN 0300099207, S. 225 & 238.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b James Roger Black: The Instruction of Amenemope. S. 226 & 227, 274-276, 396–400.