Stockholm

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Stockholm
Wappen von Stockholm
Stockholm (Schweden)
Stockholm
Stockholm
Basisdaten
Staat: Schweden
Provinz (län): Stockholms län
Historische Provinzen (landskap): Uppland
Södermanland
Gemeinde (kommun): Stockholm
Koordinaten: 59° 20′ N, 18° 3′ O59.32518.0515Koordinaten: 59° 20′ N, 18° 3′ O
Einwohner: 868.141 (31. März 2012)[1]
Fläche: 187 km²
Bevölkerungsdichte: 4.642 Einwohner je km²
Höhe: 15 m ö.h.
Telefonvorwahl: +46-8
Postleitzahl: 100 12 – 164 92
Die Insel Riddarholmen, dahinter Stockholms Altstadt Gamla stan und andere Merkmale Stockholms

Stockholm [stɔkːɔlm]?/i (stock: Stock, Baumstamm; holm: kleine Insel) ist die Hauptstadt Schwedens und mit 868.141 (Gemeinde Stockholm), 1,4 Millionen (tätort[2] Stockholm) beziehungsweise 2,1 Millionen Einwohnern (Groß-Stockholm) die größte Stadt in Skandinavien.[1][3] Sie hat eine mehr als sieben Jahrhunderte zurückreichende Besiedlungsgeschichte. Seit 1643 ist Stockholm Residenz des Königs.

Die Stadt ist sowohl Sitz des schwedischen Parlamentes als auch der schwedischen Regierung. Sie ist ebenso das kulturelle Zentrum des Landes und Bischofssitz.

Geographie

Geographische Lage

Lage der Stadt in der Provinz Stockholm
Älvsjö Bromma Enskede-Årsta-Vantör Farsta Hägersten-Liljeholmen Hässelby-Vällingby Kungsholmen Kungsholmen Kungsholmen Norrmalm Norrmalm Norrmalm Östermalm Östermalm Rinkeby-Kista Skärholmen Skarpnäck Södermalm Södermalm Södermalm Södermalm Södermalm Spånga-Tensta
Lage der Stadtbezirke von Stockholm

Das Landschaftsbild Stockholms hat sich in der Geschichte der Stadt aufgrund der skandinavischen Landhebung stark verändert. Teile, die heute zum Festland gehören, waren vor einigen hundert Jahren noch Inseln.

Ein Meerbusen der Ostsee umschließt die Stadt im Osten mit zahlreichen Buchten, Landzungen sowie etwa 24.000 größeren und kleineren Inseln (Schären). Dieses Gebiet wird Schärengarten (Skärgården) genannt.

Stockholm liegt am Ausfluss des Sees Mälaren in die Ostsee, dem Riddarfjärden. Der See erstreckt sich 120 Kilometer nach Westen ins Landesinnere. Slussen, eine Schleuse mitten in Stockholm, trennt das Süßwasser des Mälarsees vom Salzwasser der östlich liegenden Ostsee.

Wasser macht etwa 30 Prozent der Stadtfläche aus. Die Stadt bezieht ihr Trinkwasser aus dem Mälaren und die hohe Wasserqualität erlaubt es, mitten in der Innenstadt Lachse zu angeln. Die Stadt erstreckt sich über 14 Inseln, die durch 53 Brücken verbunden sind. Ein großer Teil der Stadt besteht aus Waldregionen.

In nord-südlicher Richtung zieht sich eine eiszeitliche Kiesmoräne, die vom Ausfluss durchbrochen worden war. Die Inseln im Strom sind Reste dieses Rückens.

Stadtgliederung

Die Gemeinde Stockholm gliedert sich seit dem 1. Januar 2007 in 14 Stadtbezirke.

Innenstadt Süden Westen

Tätort Stockholm und Metropolregion Stockholm

Zum „tätort“ (zusammenhängendes, dicht bebautes Gebiet) Stockholm gehören neben dem Territorium der Gemeinde Stockholm auch die umliegenden Gemeinden Solna und Sundbyberg (vollständig) sowie Teile der neun Gemeinden Botkyrka, Danderyd, Haninge, Huddinge, Järfälla, Nacka, Sollentuna, Tyresö und Upplands Väsby.[4]

Die Metropolregion „Groß-Stockholm“ (schwedisch Stor-Stockholm oder Storstockholm) umfasst nach Definition der schwedischen Statistikbehörde SCB seit 1. Januar 2005 die gesamte Provinz Stockholm (Stockholms län).[5] Zuvor wurden die südlich gelegenen Gemeinden Nykvarn, Nynäshamn und Södertälje sowie die im Norden der Provinz gelegene Gemeinde Norrtälje nicht dazu gezählt.

Klima

Stockholm befindet sich in der gemäßigten Klimazone. Die Jahresmitteltemperatur beträgt 6,6 Grad Celsius und die durchschnittliche Jahresniederschlagsmenge etwa 539 Millimeter.

Der wärmste Monat ist der Juli mit 17,5 Grad Celsius im Mittel, der kälteste der Februar mit durchschnittlich −3 Grad Celsius. Der meiste Niederschlag fällt im Monat Juli mit 72 Millimeter im Mittel, der geringste im März mit durchschnittlich 26 Millimeter.[6]

Stockholm
Klimadiagramm
J F M A M J J A S O N D
 
 
39
 
-1
-5
 
 
27
 
-1
-5
 
 
26
 
3
-3
 
 
30
 
9
1
 
 
30
 
16
6
 
 
45
 
21
11
 
 
72
 
22
13
 
 
66
 
20
13
 
 
55
 
15
9
 
 
50
 
10
5
 
 
53
 
5
1
 
 
46
 
1
-3
Temperatur in °C,  Niederschlag in mm
Quelle: WMO
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Stockholm
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) −1 −1 3 9 16 21 22 20 15 10 5 1 Ø 10,1
Min. Temperatur (°C) −5 −5 −3 1 6 11 13 13 9 5 1 −3 Ø 3,6
Niederschlag (mm) 39 27 26 30 30 45 72 66 55 50 53 46 Σ 539
Sonnenstunden (h/d) 1,3 2,4 4,9 6,5 8,8 10,2 8,9 7,6 5,4 3,1 1,6 1,0 Ø 5,2
Regentage (d) 18 15 13 11 11 12 15 14 15 14 17 18 Σ 173
Wassertemperatur (°C) 3 2 2 3 6 11 16 17 14 9 6 3 Ø 7,7
Luftfeuchtigkeit (%) 87 86 80 73 64 66 71 78 81 85 88 89 Ø 79
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
−1
−5
−1
−5
3
−3
9
1
16
6
21
11
22
13
20
13
15
9
10
5
5
1
1
−3
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
e
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s
c
h
l
a
g
39
27
26
30
30
45
72
66
55
50
53
46
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Quelle: WMO

Geschichte

Stockholm 1642, gilt als älteste handgezeichnete Karte
Ansicht Stockholms im Jahr 1690 (aus Suecia Antiqua et Hodierna von Erik Dahlberg)
Georg Biurmans Charta Öfwer Stockholm, 1750
Umgebung Stockholms um 1888
Stockholm um 1888

Die Entstehung der Stadt

Die Stelle, an der heute Stockholm steht, wird zum ersten Mal vom isländischen Dichter und Sagenschreiber Snorri Sturluson (1179–1241) erwähnt: Er beschreibt in der Ynglingasaga eine Pfahlbarriere über die heutige Wasserstraße Norrström, die er Stokksunda[7] nannte. Bei Ausgrabungen in den späten 1970er-Jahren kamen Überreste von Wasserpfählen zum Vorschein, die aus dem 11. Jahrhundert stammen und diese Aussage stützen. Außerdem wird von Snorri auch ein Befestigungsturm aus dem 12. Jahrhundert erwähnt, der sich dort befunden haben soll, wo seit 1580 das königliche Schloss steht.

Ein Schutzbrief für das Fogdö-Kloster, ausgestellt im Juli 1252, ist das älteste überlieferte Dokument, in dem Stockholm erwähnt wird, wörtlich als Stokholm. In der Erik-Chronik (schwedisch: Erikskrönikan), die zwischen 1320 und 1335 kompiliert wurde, steht, dass der Gründer Stockholms, der Regent Birger Jarl, um das Jahr 1250 eine Festung bauen wollte, um den Mälarsee vor Piratenplünderungen zu schützen.

Es gibt keine historischen Belege für eine Existenz Stockholms vor der Mitte des 13. Jahrhunderts. Eventuell gab es ältere Verteidigungsanlagen zur Sicherung der Einfahrt in den Mälarsee. Eine Besiedlung kann jedoch nicht nachgewiesen werden.

Zunächst beschränkte sich das besiedelte Gebiet auf die Insel Stadsholmen, der heutigen Gamla stan. Die Insel selbst war um ein Drittel kleiner als heute, und die Ströme wesentlich weiter.

Unter der Regierung Birger Magnussons und des Königs Magnus Ladulås entwickelte sich Stockholm in den folgenden Jahrzehnten zu einer wichtigen Handelsstadt, was vor allem durch Verträge mit der Hansestadt Lübeck gefördert wurde. Die Hanse kontrollierte den schwedischen Überseehandel vom 13. bis ins 17. Jahrhundert. Um 1270 wurde Stockholm in Dokumenten als Stadt bezeichnet und, obwohl Stockholm nicht wie viele schwedische Städte schon Anfang des 13. Jahrhunderts entstand, wurde es 1289 in einem Dokument als die bevölkerungsreichste Stadt des Königreiches beschrieben. Die ersten gesicherten Annahmen zur Größe der Stadt beziehen sich auf die Mitte des 15. Jahrhunderts, als Stockholm etwa tausend Haushalte, also ungefähr fünf- bis sechstausend Einwohner hatte. Aus demselben Jahrhundert (1436) stammt auch der erste Privilegienbrief.

Im Mittelalter bestand ein erheblicher Teil der Stockholmer Bürgerschaft aus Deutschen und von 1296 bis 1478 wurde der 24-köpfige Rat der Stadt paritätisch aus deutschsprachigen und schwedischsprachigen Stadtbürgern besetzt. Trotz seiner Größe und günstigen Lage war Stockholm noch nicht die Hauptstadt, denn der König, wie auch sein Sohn, Magnus Ladulås, hatten noch keinen festen Regierungssitz.

Der hauptsächliche Grund für die rasche Entwicklung der Stadt war ihre strategische Lage. Stockholm beherrschte die Zufahrt zum Mälarsee, der seinerseits eine aufgrund der Landwirtschaft und Eisenherstellung wirtschaftlich wichtige Region erschloss.

Die Kalmarer Union

Die strategische und wirtschaftliche Bedeutung der Stadt machte Stockholm zu einem wichtigen Machtfaktor in den Auseinandersetzungen zwischen den dänischen Königen der Kalmarer Union und der nationalen Unabhängigkeitsbewegung im 15. Jahrhundert. So erfocht am 14. Oktober 1471 Schweden unter Sten Sture in der Nähe der Stadt am Brunkeberg (heute ein Teil des Stadtbezirkes Norrmalm) mit Unterstützung der Stockholmer Bürgerschaft einen Sieg über den dänischen König Christian I., der versuchte, Schweden an sich zu reißen. Dessen Enkel Christian II. belagerte die Stadt 1518 vergebens, nahm sie aber 1520 nach einer neuen Belagerung durch Verrat ein. Am 8. November 1520 kam es in Stockholm im Rahmen der Krönungsfeierlichkeiten zu einer Massenhinrichtung von Oppositionellen am Stortorget (mehr als 80 Adlige wurden hingerichtet), dem Stockholmer Blutbad. Der junge Adlige Gustav Eriksson konnte entkommen, hatte gegen Ende des Jahres eine Armee zusammengestellt und konnte Christian II. aus Schweden vertreiben. Am 6. Juni 1523, dem heutigen schwedischen Nationalfeiertag, wurde er unter dem Namen Gustav Vasa zum König gewählt.

Die Wasa-Zeit

Mit dem Einzug Gustav Wasas 1523 und dem Aufbau einer starken Königsmacht entwickelte sich Stockholm auch zu einer wichtigen Residenzstadt. Neben dem Bürgertum begann nun auch der königliche Hof, das Stadtbild zu prägen. Die Stadtinsel bot nicht mehr genug Platz, und 1529 wurden Södermalm und Norrmalm unter die Herrschaft Stockholms gestellt. Die Stadt wuchs und erreichte um 1600 eine Einwohnerzahl von 10.000 Einwohnern.

Das 17. Jahrhundert

Im 17. Jahrhundert stieg Schweden zur Großmacht auf. Dies spiegelte sich auch in der Entwicklung der Stadt Stockholm wider – von 1610 bis 1680 versechsfachte sich die Einwohnerzahl. Ladugårdslandet, das heutige Östermalm, und die Insel Kungsholmen wurden eingemeindet. 1634 wurde Stockholm offiziell zur Hauptstadt des schwedischen Reiches. Nach dem politischen Aufstieg folgte diesem Ereignis bald auch der wirtschaftliche Aufstieg der Stadt. Stockholm erhielt das Stapelrecht und damit das Monopol für den Handel zwischen dem Ausland und Svealand, Norrland und Österbotten (heutiges Finnland).

In dieser Zeit entstanden auch einige der großen Bauten und Paläste, die die Macht des Landes und seines Adels symbolisieren sollten, wie zum Beispiel Riddarhuset, das Oxenstiernasche Palais, das Tessinsche Palais und die alte Reichsbank. Auf den eingemeindeten Inseln und in Östermalm entstanden Stadtviertel in einem rechtwinkligen Straßennetz.

Das 18. Jahrhundert

Kungsträdgården um 1895
Stockholmer Ausstellung 1897 (Stockholmsutställningen 1897)

In den Jahren 1713 bis 1714 wurde Stockholm von der Pest heimgesucht. Nach dem Ende des Großen Nordischen Krieges und der damit verbundenen Gebietsverluste im Jahre 1721 stagnierte die Entwicklung der Stadt. Die Bevölkerung wuchs kaum mehr und die wirtschaftliche Erholung ging nur sehr langsam vor sich. Stockholm behielt aber seine Rolle als politisches Zentrum des Landes und entwickelte sich unter Gustav III. auch zum kulturellen Zentrum. Das Stockholmer Schloss und die Königliche Oper sind architektonischer Ausdruck dieser Epoche, in die auch die Gründung der Svenska Akademien zur Förderung der schwedischen Sprache und Literatur fällt.

Das 19. Jahrhundert

Mit Beginn des 19. Jahrhunderts nahm die wirtschaftliche Bedeutung Stockholms weiterhin ab. Norrköping wurde zur größten Manufakturstadt und Göteborg entwickelte sich aufgrund seiner günstigen Lage am Kattegat zum wichtigsten Exporthafen Schwedens. Erst in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts übernahm Stockholm wieder eine führende Rolle in der Wirtschaft des Landes. Einerseits wurde eine Reihe wichtiger Industriebetriebe gegründet, andererseits entwickelte sich Stockholm zu einem wichtigen Handels- und Dienstleistungszentrum sowie zu einem Verkehrsknotenpunkt.

Auch die Bevölkerung wuchs in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch Zuwanderung stark an. Gegen Ende des Jahrhunderts waren nicht einmal 40 Prozent der Einwohner in Stockholm geboren. Die Besiedlung griff über die Stadtgrenzen hinaus und es entstand eine Reihe von Elendsvierteln, aber auch Villenviertel im Grünen und an der Küste.

Stockholm baute auch seine Position als Kulturzentrum weiter aus. Man bemühte sich darum, höhere Bildungseinrichtungen nach Stockholm zu bekommen. Im 19. Jahrhundert bekam Stockholm mehrere wissenschaftliche Institute, wie beispielsweise das Karolinische Institut und das Technologische Institut, das 1877 eine Technische Hochschule wurde. 1878 wurden auch die ersten Lehrveranstaltungen an der neu gegründeten Stockholmer Hochschule abgehalten, aber es sollte beinahe 100 Jahre dauern, bis sie zur Universität erhoben wurde.

20. Jahrhundert

Stockholmsutställningen 1930, Das Hauptrestaurant Paradiset
Norrmalmsregleringen, die fünf Cityhochhäuser im Bau 1964

Nach 1910 kam es zur Eingemeindung großer Gebiete, die verkehrstechnisch durch Straßenbahnlinien an die Stadt angeschlossen wurden. Im Anschluss daran entstanden Vororte, Gartenstädte und Gebiete mit Freizeithäuschen.

In den 1930er Jahren fassten funktionalistische Ideen Fuß in Schweden. Auslöser war die Stockholmer Ausstellung 1930 (schwedisch Stockholmsutställningen 1930), eine nationale Ausstellung für Architektur, Design und Kunsthandwerk.

Wirtschaftlich kam es in den 1940er und 1950er Jahren zu einer Umstrukturierung. Arbeitsintensive Unternehmen in Niedriglohnbranchen gingen ein, während kapitalintensive Unternehmen und Unternehmen im Hochtechnologiebereich wuchsen. Ein Beispiel dafür ist der Stadtbezirk Kista, der sich in den 1990er Jahren zum IT-Zentrum Schwedens entwickelte. Schweden orientierte sich früh am amerikanischen Beispiel, so auch in Sachen Motorisierung. Es verfügte, für ein bevölkerungsarmes Land eher ungewöhnlich, um die Mitte des 20. Jahrhunderts über zwei kapitalkräftige Automobilkonzerne und es kam im Zentrum Stockholms schon 1931–1935 zur Schaffung des damals weithin berühmten Kleeblatts von Slussen sowie in den 1950er Jahren zu weiteren Initiativen im Sinne einer „autogerechten Stadt“.

Bis in die 1970er Jahre wurde der zentrale Stadtteil Nedre Norrmalm, mit Bausubstanz aus dem 17. bis 19. Jahrhundert, im Rahmen der Sanierung von Norrmalm (Norrmalmsregleringen), einem großflächigen Abriss und Umbau unterworfen. Die Folgen dieser technokratischen Modernisierungspolitik, teilweise auf Basis der Enteignungsmöglichkeiten der Lex Norrmalm von 1953, wurden allerdings ab etwa 1960 zunehmend kontrovers diskutiert. Dies betraf schon die 1959 fertiggestellte, längs des Riddarholm Kanales und des Riddarhuset geführte zentrale Nord-Süd-Verbindung mit dem Charakter einer Stadtautobahn, vor allem aber den ab 1952 durchgezogenen großflächigen Umbau von Norrmalm, gegen den zuletzt ein – vergeblicher – öffentlicher Appell von 39 Kulturschaffenden ergangen war. Als Resultat verbreiteter Kritik wurde zunächst die Altstadt (Gamla stan) 1965 als ganzes unter Denkmalschutz gestellt. 1971 kam es im Zusammenhang mit Bürgerinitiativen zum so genannten Ulmenkrieg, der um die Erhaltung einer Baumgruppe im Kungsträdgården geführt wurde. Der Stockholmer Flächenwidmungsplan von 1974 kann mit seiner geänderten Planungsphilosophie als Erfolg der altstadt- und grünfreundlichen Proteste gesehen werden. Bei der „postmodernen“ Umgestaltung des früher stark industriell geprägten Stadtteils Södermalm in den 1980er Jahren wurde im Vergleich zu Norrmalm eine durchgrüntere und weniger monotone urbane Gestaltung angestrebt.

Ab den 1950er Jahren nahm die Beschäftigungsquote der Industrie ab. Sie liegt heute bei ungefähr 10 Prozent. Dagegen wuchs der Dienstleistungsbereich weiter an.

Bereits 1936 gab es eine Art U-Bahnverbindung zwischen Slussen und Medborgarplatsen, die mit gewöhnlichen Straßenbahnwagen betrieben wurde. 1950 wurde dann die erste U-Bahnlinie in Stockholm eröffnet. Längs der U-Bahn-Linien und an deren Endpunkten entstanden in den 1950er Jahren Satellitenstädte, sogenannte ABC-Vororte (A für Arbete ‚Arbeit‘, B für Bostad ‚Wohnung‘ und C für Centrum ‚Zentrum‘), wie Vällingby und Farsta, und seit der Mitte der 1960er bis zur Mitte der 1970er Jahre die im Rahmen des Millionenprogrammes gebauten Großsiedlungen wie Rinkeby, Tensta, Sollentuna und andere. Trotz eines heute relativ hohen Anteils eingewanderter Mitbürger in diesen Stadtteilen (über 40 Prozent der Einwohner in Tensta, Rinkeby oder Sollentuna kommen aus dem außereuropäischen Ausland), kann man nicht von einer Ghettoisierung sprechen, auch wenn die durchaus vorhandenen Segregationstendenzen seit Ende der 1990er Jahre deutlicher spürbar sind.

Panorama von Stockholm, Blick vom Turm des Stadshuset

Von 1909 an hatten die Sozialdemokraten zusammen mit den Liberalen die Mehrheit im Stockholmer Gemeinderat. In den ersten Kommunalwahlen nach dem allgemeinen Wahlrecht 1919 erreichte die politische Linke eine Mehrheit im Gemeinderat, die sie bis in die 1950er Jahre behielt. Anfang der 1920er Jahre erhielt Stockholm eine neue politische Organisation, die in ihren Grundzügen auch heute noch gilt. 1923 übersiedelte die Stockholmer „Regierung“ in das neugebaute Rathaus (Stockholms stadshus). 1967 wurde Stockholm in die Verwaltungsprovinz Stockholms län eingegliedert.

Im Jahr 1986 wurde Premierminister Olof Palme auf offener Straße, dem Sveavägen, erschossen, der Mord wurde nie geklärt. Im September 2003 wurde Außenministerin Anna Lindh im Kaufhaus NK (Nordiska Kompaniet) von einem Messerattentäter tödlich verletzt.

Die Europäische Union ernannte Stockholm im Jahr 1998 zur Kulturhauptstadt Europas.

21. Jahrhundert

Im Mai 2013 ereigneten sich in Vororten von Stockholm teils gewalttätige Unruhen. Jugendliche zündeten mehrere Autos und eine Polizeiwache an.[8] [9] [10]

Einwohnerentwicklung

Am 31. Dezember 2005 zählte die Stadt Stockholm (Tätort) 1.252.020 Einwohner. Davon lebten 770.809 Menschen in der Gemeinde Stockholm und 481.211 in weiteren zehn umliegenden Gemeinden der Provinz Stockholm. Bis 31. März 2011 stieg die Einwohnerzahl der Gemeinde Stockholm auf 851.155. Die Metropolregion hat 2.063.945 Einwohner (Stand 31. März 2011).

Per 1. Januar 2004 waren 70.584 Einwohner der Stadt Ausländer (das entspricht etwa 9 Prozent). Ungefähr 80 Prozent der Bevölkerung waren Mitglieder der Schwedischen Kirche. Das Ausbildungsniveau der Bevölkerung liegt deutlich über dem Landesdurchschnitt: Nur 13 Prozent der Bevölkerung zwischen 20 und 64 Jahren haben keinen Gymnasialabschluss (Reichsschnitt 19 Prozent), aber 48 Prozent der Bevölkerung haben eine postgymnasiale Ausbildung (Reichsschnitt: 32 Prozent).

Die offene Arbeitslosigkeit in Stockholm betrug Ende 2003 etwa 3,8 Prozent, was deutlich unter dem Reichsschnitt von über 5 Prozent war.

Nachfolgend sind die Einwohnerzahlen der Gemeinde Stockholm nach dem jeweiligen Gebietsstand aufgeführt.

Entwicklung der Einwohnerzahl Stockholms
        Jahr         Einwohner
1570 9.100
1610 8.900
1630 15.000
1650 35.000
1690 55.000
1730 57.000
1750 60.018
1770 69.000
1800 75.517
1810 65.474
1820 75.569
1830 80.621
1840 84.161
1850 93.070
1860 113.063
1870 136.016
        Jahr         Einwohner
1880 168.775
1890 246.454
1900 300.624
1910 342.323
1920 419.429
1930 502.207
1940 590.543
1950 745.936
1960 808.294
1970 740.486
1980 647.214
1990 674.452
2000 750.348
2005 771.038
2010 847.073

Politik

Stockholm hat die größte Einwohnerzahl der 290 schwedischen Gemeinden und liegt in der Provinz Stockholms län. Die kommunale Tätigkeit der Stadt Stockholm ist politisch wie folgt organisiert:

Stadtparlament

Das höchste beschlussfassende politische Organ ist das alle vier Jahre gewählte Stadtparlament (schwedisch kommunfullmäktige), das aus 101 Abgeordneten besteht.

Partei Wahl 2002 Wahl 2006 Wahl 2010
Moderate Sammlungspartei 27 41 38
Liberale Volkspartei 17 10 10
Christdemokraten 5 3 1
Zentrumspartei 0 1 3
Grünen 6 10 16
Sozialdemokratische Arbeiterpartei 35 27 25
Linkspartei 11 9 8

Stadtregierung

Straße in der Stockholmer Altstadt

Die Stadtregierung (schwedisch kommunstyrelse), die aus 13 Mitgliedern besteht (sechs Moderate, vier Sozialdemokraten, ein Liberaler, ein Grüner, ein Vertreter der Linkspartei), wird nach dem Verhältniswahlprinzip gewählt, das heißt, dass die im Stadtparlament vertretenen Parteien auch in der Stadtregierung repräsentiert sind.

Die Beschlüsse der Stadtregierung werden vorbereitet und durchgeführt von der Stadtratskommission (schwedisch borgarrådsberedningen), die aus zwölf Stadträten (schwedisch borgarråd) besteht, die alle vier Jahre vom Stadtparlament gewählt werden. Dabei unterscheidet man zwischen regierenden Stadträten (schwedisch styrande borgarråd) und oppositionellen Stadträten (schwedisch oppositionsborgarråd). Die jetzige Stadtratskommission besteht aus acht regierenden Stadträten (fünf Moderate, zwei Liberale und ein Christdemokrat), die gleichzeitig Leiter von Abteilungen (schwedisch rotel) sind, und vier oppositionellen Stadträten ohne Portefeuille (zwei Sozialdemokraten, ein Vertreter der Linkspartei und ein Grüner). Der Finanzstadtrat ist in der Regel gleichzeitig Vorsitzender der Stadtratskommission und der Stadtregierung – also Bürgermeister. Dies ist seit 2008 Sten Nordin von den Moderaten.[11]

Bezirksausschüsse

Ein großer Teil der Verantwortung für die Wahrnehmung der kommunalen Aufgaben liegt bei den Bezirksausschüssen (schwedisch stadsdelsnämnd). Diese Aufgaben wurden am 1. Januar 1997 im Zuge der Stadsdelsnämndsreformen den damals 24 Bezirksausschüssen übertragen und sollten den Einwohnern die Möglichkeit geben, direkter an der kommunalen Politik teilzuhaben. Die Bezirksausschüsse, die je nach Größe des Stadtbezirkes aus elf oder 13 Mitgliedern bestehen, werden vom Stadtparlament ernannt und sind dem Stadtparlament direkt unterstellt. Nach den Wahlen 1998 wurde die Zahl der Bezirksausschüsse mit Wirkung zum 1. Januar 1999 auf 18 reduziert und nach den Wahlen 2006 eine weitere Reduzierung auf 14 Ausschüsse beschlossen und zum 1. Januar 2007 umgesetzt.[12]

Fachausschüsse

Gewisse übergreifende Tätigkeitsbereiche werden von zentralen Fachausschüssen (schwed. facknämnd) abgedeckt, wie z. B. dem Bildungsausschuss, dem Sportausschuss oder dem Wahlausschuss.

Städtische Unternehmen

Ein Teil der kommunalen Dienstleistungen wurde in Aktiengesellschaften ausgelagert, in denen die Stadt die Aktienmehrheit besitzt. So werden etwa die Gemeindewohnungen, die Wasserversorgung, das Stockholmer Stadttheater und anderes von Aktiengesellschaften verwaltet, die unter einer Konzernleitung, der Stockholms Stadshus AB, zusammengefasst sind.

Städtepartnerschaften

Das Wappen Stockholms

Wappen

Blasonierung des Stadtwappens von Stockholm: „In Blau ein goldenes hersehendes gekröntes Manneshaupt.“ Das Haupt stellt den Kopf König Eriks IX., des Heiligen, dar, auch Erik Jedvardsson genannt, König von 1156 bis 1160. Die Darstellung basiert auf dem mittelalterlichen Siegel der Stadt Stockholm.

Kultur

Sergels torg mit Kulturhuset

Theater

In Stockholm gibt es eine Reihe von Theatern, darunter die Königliche Oper (Kungliga Operan), das Königliche Dramatische Theater (Dramaten) und das Stockholmer Stadttheater (Stadsteatern) sowie Privattheater wie die Volksoper (Folkoperan), das Moderne Tanztheater (Moderna dansteatern), das China-, Göta Lejon-, Mosebacke-, Oscar-Theater und viele andere Bühnen. Das Orion Theater besteht als größte Avantgardebühne der Stadt bereits seit 1983 und präsentiert mehrere Theaterstücke jährlich, die nicht selten mit Live Musik ergänzt werden.

Museen

Unter den zahlreichen Museen in Stockholm gibt es nationale Museen wie das Architekturmuseum, das dem Modernen Museum angegliedert ist, das Biologische Museum, das Ethnografische Museum Stockholm, das Historische Museum, das Seehistorische Museum, das Museum für Moderne Kunst (Moderna museet), das Nationalmuseum, das Naturhistorische Reichsmuseum, das Technische Museum, das Vasa-Museum und andere. Die Geschichte und Gegenwart Stockholms wird im Mittelaltermuseum (Medeltidsmuseet), im Stockholmer Stadtmuseum und im Stockholmer Länsmuseum pädagogisch aufbereitet. Im Stockholmer Schloss befinden sich mehrere Museen zur Geschichte der Könige.

Sport

Von den sportlichen Einrichtungen ragen das Olympiastadion Stockholm und die Globen Arena heraus. Beide werden auch für Konzertveranstaltungen genutzt.

Nationale Meisterschaften im Männerfußball konnten bisher drei der Vereine aus Stockholm gewinnen. Von diesen hat Djurgårdens IF elf Meistertitel, AIK zehn und Hammarby IF einen Titel. International am erfolgreichsten war der Frauenverein Djurgårdens IF/Älvsjö, der 2005 bis ins Finale der UEFA Women’s Champions League vordringen konnte.

Die Eishockeyabteilung von Djurgårdens IF, die ihre Heimspiele zum Teil im Globen austrägt, konnte bisher 16-mal die Schwedische Meisterschaft gewinnen, zuletzt 2001. Die Mannschaften Hammarby IF und AIK Ishockey, die im neben der Globen Arena gelegenen Hovet spielen, wurden bisher acht- bzw. siebenmal Schwedischer Meister.

Erfolgreich im American Football sind die nationalen Rekordmeister Stockholm Mean Machines.

Im Juni findet der Stockholm-Marathon statt, Skandinaviens größter Marathon.

Sehenswürdigkeiten

Das königliche Schloss und die Storkyrkan (links)
Stockholm: Übergang vom Süßwasser enthaltenden Mälarsee in die Ostsee. Im Hintergrund das Reichstagsgebäude
Das Reichstagsgebäude Riksdagshuset
Hötorget, der Heumarkt
Schiff Vasa im Vasa-Museum
Stockholms Skansen um 1895

Das Stockholmer Stadtbild und seine Architektur sind geprägt von der besonderen Lage der Stadt an den Ufern des von Westen nach Osten verlaufenden Ausflusses des Mälaren, dem in nordsüdlicher Richtung verlaufenden Höhenrücken der Gletschermoräne und der zentralen Stadtinsel mitten im Strom.

Im Stadtgebiet gibt es zahlreiche kleine Parks.

Nachfolgend werden einige Inseln der Stadt genauer beleuchtet. Hierbei bleibt die politische Gliederung der Stadt in Stadtbezirke unberücksichtigt.

Stadsholmen, Gamla stan

Hauptartikel: Gamla stan

Die Altstadt auf der Stadtinsel (Stadsholmen) weist noch immer das mittelalterliche Straßennetz mit den von Nord nach Süd über die Insel verlaufenden Straßen (Österlånggatan und Västerlånggatan) und schmalen, zum Wasser abfallenden Gässchen auf. Mittendrin befindet sich die deutsche Kirche (Tyska kyrkan). Einen anderen Eindruck machen im Norden der Insel die Paläste der Großmachtszeit wie das Ritterhaus und das Bondesche Palais im Norden zum Wasser hin gelegen, das Oxenstiernasche Palais und das Tessinsche Palais in der Nähe der Storkyrkan, dem Stockholmer Dom, und natürlich das Königliche Schloss, dessen mittlere Achse auf die Norrbro (Nordbrücke) weist, die die Altstadt über die Insel Helgeandsholmen mit Norrmalm, dem nördlichen Ufer, verbindet. Ein Großteil der Altstadt ist autofrei.

Helgeandsholmen und Riddarholmen

Die Insel Helgeandsholmen (Heiliggeist-Insel) beherbergt nur zwei Institutionen, das Medeltidsmuseum (Mittelaltermuseum) und das Reichstagsgebäude, Sitz des schwedischen Reichstags (der auch das ehemalige Gebäude der schwedischen Reichsbank in Anspruch nimmt).

Die Insel Riddarholmen im Westen der Stadtinsel ist eine stille Ecke mitten in der Stadt. Sie ist heute Justizzentrum des Landes, Sitz insbesondere des Regeringsrätt sowie des Svea hovrätt. Im Wrangelschen Palais und den anderen Gebäuden befinden sich verschiedene Gerichte. Daneben befindet sich auch die Riddarholmskirche, Grabkirche vieler schwedischer Könige.

Norrmalm

Hauptartikel: Norrmalm

Vom Königlichen Schloss aus blickt man über Helgeandsholmen hinweg auf Norrmalm und sieht Rosenbad, den Regierungssitz der schwedischen Regierung, das Sagersche Haus, die Dienstwohnung des Premierministers, das Palais des Erbfürsten (Arvfurstens palats), heute Außenministerium, und die Königliche Oper mit dem berühmten Restaurant Operakällaren.

Doch dahinter beginnt die Innenstadt, das moderne Stockholm, das in den 1950er bis 1970er Jahren entstand, nachdem man über 400 Gebäude des Viertels Klara abgerissen und durch ein nach damaligem Geschmack modernes Zentrum ersetzt hatte. Achtzehnstöckige Gebäude wurden errichtet, in der Mitte wurde der Sergels torg (Sergelsplatz) als Symbol des modernen Wohlfahrtsstaates auf zwei Ebenen errichtet. Manchen mag er heute als Schandfleck erscheinen, andere sehen in ihm den Versuch gesellschaftlichen Visionen architektonischen Ausdruck zu verleihen. An seiner Seite befindet sich das Stockholmer Kulturhaus mit dem Stadttheater. Die Drottninggatan ist eine moderne Einkaufsstraße mit modernen Kaufhäusern.

Nicht selten hört man sogar von Schweden den etwas sarkastischen Spruch: „Schweden hat keine Bombenteppiche benötigt, um seine schöne Hauptstadt zu zerstören. Das hat man auch so geschafft.“ Ähnliche Umbaupläne wie für Norrmalm existierten auch für die Altstadt Gamla Stan. Allerdings wurden diese nie umgesetzt.

Der Kungsträdgården ist Treffpunkt für junge Leute. Hier finden im Sommer häufig Konzerte statt, im Winter kann man mitten in der Innenstadt in Schlossnähe Schlittschuhlaufen.

Östermalm

Östlich von Norrmalm erstreckt sich Östermalm, geprägt vom rechtwinkeligen Straßennetz der schwedischen Großmachtszeit. Vor allem die Wasserfront, der Strandvägen, war und ist Stockholms repräsentativste Adresse, was die Gründerzeithäuser in historistischem Stil zeigen. Wo der Strandvägen beginnt, liegt das Königliche Dramatische Theater (Dramaten). Vor dem Theater liegt der Berzelius-Park, in dem sich das Berns, Theater und Restaurant, befindet, dessen rotes Zimmer durch Strindbergs Roman Das rote Zimmer berühmt geworden ist. In der Nähe befindet sich der Königliche Hofstall. In Östermalm liegen der sternförmige Karlaplan, der Östermalms torg (Östermalmsplatz) mit der Markthalle Östermalms Saluhall und die Hedwig-Eleonora-Kirche.

Djurgården

Skansens Haupteingang 2012
Gröna Lunds Haupteingang 1963

Vom Karlaplan führt der Narvavägen über die Djurgårdsbrücke auf die Halbinsel Djurgården, die auch heute noch vorwiegend ein Naturpark und Ausflugs- und Erholungsgebiet für die Stockholmer ist. Über die Brücke kommt man entlang dem Djurgårdsvägen zu einer Reihe von Museen, wie z. B. dem Vasamuseum, dem Nordischen Museum, Thielska galleriet und Liljevalchs konsthall, Vergnügungsstätten, wie z. B. Gröna Lund und Circus, und Gasthäusern aus dem 19. Jahrhundert, wie das in der Literatur verewigte Hasselbacken. In der Nähe des Hasselbacken befindet sich auch der Haupteingang zu Schwedens erstem und größtem Freilichtmuseum Skansen. Südlich von Gröna Lund befindet sich der historische Stadtteil Djurgårdsstaden mit Bebauung aus den 17. und 18. Jahrhundert. Auf der Landzunge Waldemarsudde liegt die Villa des Prinzen Eugen, die heute Museum ist und Bilder des Prinzen und seiner Zeitgenossen zeigt und damit einen feinen Überblick über die schwedische Malerei der Jahrhundertwende (1900) gibt. Von Djurgården führt eine Fähre zurück auf die Stadtinsel.

Djurgården ist Teil des Ökoparks (schwedisch: Ekoparken), es handelt sich hierbei um den ersten Nationalstadtpark (schwedisch: Nationalstadsparken) der Welt, der 1994 ins Leben gerufen wurde.

Blasieholmen, Skeppsholmen und Kastellholmen

Stockholms Stadshus 2006

Zwischen der Stadtinsel und Djurgården liegen Blasieholmen, Skeppsholmen und Kastellholmen. Auf Blasieholmen befinden sich das pompöse Grand Hotel, dessen Hauptfassade zur Stadtinsel weist, und das schwedische Nationalmuseum. Skeppsholmen und dessen Anhängsel Kastellholmen beherbergten früher Einrichtungen der Kriegsmarine, die im 20. Jahrhundert von Museen (beispielsweise Ostasiatisches Museum, Modernes Museum, Architekturmuseum) übernommen worden sind.

Kungsholmen

Wendet man sich auf der Stadtinsel nach Nordwesten, sieht man den östlichen Spitz der Insel Kungsholmen mit dem Stockholmer Rathaus (Stockholms stadshus), in dessen Blauer Halle alljährlich das Nobelfest stattfindet – das Bankett zu Ehren der Nobelpreisträger im Anschluss an die feierliche Verleihung der Nobelpreise im Konzerthaus.

Kungsholmen beherbergt Parks und Badeplätze.

Södermalm

Am südlichen Ende der Stadtinsel befindet sich Slussen, die Schleuse, über die man mit dem Boot vom Mälaren in die Ostsee kommt. Slussen verbindet auch Stadsholmen mit der Insel Södermalm (im Volksmund Söder), die sich hier über 50 Meter aus dem Wasser erhebt. Mit dem 38 Meter hohen Katarinahissen kommt man von Slussen zum Mosebacke torg, an dem sich zwei Theater befinden. In der Nähe liegt die Katarinakirche, ein Meisterwerk aus dem 17. Jahrhundert. Im Osten der Insel auf den Hügeln Åsöberget und Vita bergen mit der Sofiakirche gibt es noch kleine Holzhäuser, wie sie für die Besiedlung des 17. und 18. Jahrhunderts typisch waren.

Das Innere der Insel ist mit Wohnblöcken aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und der Jahrhundertwende bebaut – in dieser Zeit entstand auch St. Erik, heute katholische Bischofskirche für ganz Schweden –, während der südliche Teil Bebauung aus dem 20. Jahrhundert aufweist. Ein völlig neuer und architektonisch interessanter Stadtteil wurde Ende der 1980er Jahre im Gebiet des Bahnhofs Stockholm Södra (westlich des Medborgarplatzes) errichtet.

Im südlichen Teil Södermalms befindet sich das Szeneviertel SoFo (South of Folkungagatan).

Wirtschaft und Infrastruktur

Der Hauptbahnhof Stockholm C
Essingeleden Richtung Süden
Ringled Stockholm, Planung von 1992

Verkehr

Stockholm ist wichtigster Knotenpunkt des schwedischen Eisenbahnnetzes. Hier befindet sich mit Stockholm C der größte Bahnhof des Landes. Es gibt einen zentral gelegenen Regionalflughafen im Stadtteil Bromma. Der nächstgelegene internationale Flughafen ist der Flughafen Stockholm-Arlanda, der 40 km nördlich von Stockholm liegt. Die beiden Flughäfen bei Stockholm-Skavsta (Nyköping) und Stockholm-Västerås befinden sich etwa 100 km südlich bzw. westlich von Stockholm, benutzen aber trotzdem den Namen Stockholm.

Stockholm ist eine wichtige Fährhafenstadt mit Verbindungen nach Helsinki, Mariehamn, Sankt Petersburg, Turku und Tallinn.

Dem öffentlichen Verkehr dienen die U-Bahn (Tunnelbana), S-Bahn-ähnliche Vorortzüge (Pendeltåg, Saltsjöbanan, Roslagsbanan), verschiedene Buslinien, die Stadtbahnlinien Tvärbanan, Lidingöbanan und Nockebybanan in den Außenbezirken sowie die historischen und modernen Straßenbahnwagen auf der Djurgårdslinie zum Djurgården. Die Tunnelbana, die Stadtbahn, die Straßenbahn und die Buslinien werden durch die AB Storstockholms Lokaltrafik (SL) betrieben.

Wenn man im 16. Jahrhundert von Stockholm aus nach Süden reisen wollte, war der Göta landsväg die älteste und einzig existierende Straße. Diese Wegverbindung hatte Ahnen bis zurück ins Mittelalter (in Skandinavien ca. 1100 bis 1500 n. Chr.), vermutlich war hier schon zur Bronzezeit (in Skandinavien ca. 1800 bis 550 v. Chr.), lange bevor Stockholm existierte, ein Weg entstanden.

Die Hauptverkehrsader der modernen Zeit ist der Essingeleden, ein Teil der Autobahn E4, er führt westlich des Stadtzentrums vorbei und wurde 1966 eingeweiht. Ein großer Teil des Autoverkehrs soll in den nächsten Jahrzehnten unter die Erde gelegt werden. So wurde im Oktober 2004 ein 4,6 Kilometer langer Tunnel (Södra Länken) südlich des Stadtkerns eingeweiht. Ein gleichartiges Projekt im Norden (Norra Länken) ist im Bau und soll im Jahr 2015 fertig sein. Eine östliche Umgehungsautobahn (Österleden), die den Autobahnring um Stockholm (Ringled Stockholm) komplett machen würde, wird seit den 1950er Jahren diskutiert.

Seit dem 1. August 2007 muss für das Ein- und Ausfahren mit dem Auto in die Innenstadt eine Straßenbenutzungsgebühr entrichtet werden. Der Gebührenzeitraum ist werktags zwischen 06.30 Uhr und 18.30 Uhr, wobei zu den morgendlichen und abendlichen Hauptverkehrszeiten ein höherer Betrag zu entrichten ist. Die so genannte Trängselskatt („Gedrängel-Steuer“) ist Teil eines Verkehrsentwicklungskonzepts, mit dem Ziel der Verkehrsreduzierung und Umweltverbesserung, mit der Maßnahme einher geht daher auch eine Kostenumlegung der Gebühren zu einer Angebotsverstärkung des öffentlichen Nahverkehrs.

Neben London und Singapur ist Stockholm eines der bedeutendsten internationalen Projekte einer Innenstadtmaut. Vor der Einführung des Systems wurde im Jahr 2006 ein siebenmonatiger Testbetrieb durchgeführt, im Anschluss stimmten die Einwohner Stockholms in einem Referendum mit 51,3 % für die dauerhafte Einführung.

Sendeeinrichtungen

Ansässige Unternehmen

Hochtechnologiezentrum Kista

Stockholm ist Schwedens Dienstleistungszentrum. 85 Prozent aller Beschäftigten arbeiten im öffentlichen und privaten Dienstleistungsbereich, aber nur 10 Prozent in der Herstellungsindustrie. Dennoch gehört Stockholm zu den größten Industriegebieten Schwedens. Die fehlende Schwerindustrie lässt die Stadt zu einer der saubersten Metropolen der Welt werden.

Die steigende Zahl von Unternehmen im Hochtechnologie-Bereich wog in den letzten Jahrzehnten die Abwanderung traditioneller Industriebetriebe auf. Zu den großen Industrieunternehmen in der Region zählen heute Ericsson, IBM Svenska AB und Electrolux, der Arzneimittelhersteller AstraZeneca, graphische Betriebe des Bonnier-Konzerns und andere. Im Norden der Stadt (Kista) entstand im letzten Jahrzehnt eines der größten IT-Zentren Europas.

Stockholm ist auch das Medienzentrum des Landes mit vier überregionalen Tageszeitungen und einer Reihe kleiner Zeitungen, Verlagen (unter anderem dem Bonnier-Konzern), Sitz des staatlichen Rundfunks (SR) und der öffentlich-rechtlichen Fernsehgesellschaft SVT sowie weiterer Medienunternehmen.

Auch die schwedischen Banken (so zum Beispiel Swedbank, Handelsbanken und Skandinaviska Enskilda Banken, die zu den zehn größten Unternehmen in Stockholm gehören) haben ihren Hauptsitz in Stockholm, wo sich auch die Börse Stockholm befindet. Zusammen mit den Hauptsitzen der Versicherungsgesellschaften (Skandia und andere) und von Investmentunternehmen machen sie Stockholm zum wichtigsten Finanzzentrum Schwedens.

Insgesamt befinden sich die Hauptsitze von über 40 Prozent aller schwedischen Unternehmen mit mehr als 200 Angestellten in Stockholm. Aber nicht nur Unternehmenszentralen, sondern auch die Zentralbehörden der staatlichen Verwaltung sowie die nationalen politischen Institutionen (wie Regierung und Reichstag) in Stockholm machen die Stadt zum Machtzentrum des Landes.

In den letzten Jahren ist auch der Tourismus zu einem wichtigen Wirtschaftszweig geworden. Seit 1991 ist die Anzahl der Übernachtungen um 80 Prozent von vier auf über sieben Millionen gestiegen. Festivals wie das Stockholm Waterfestival und große Sportveranstaltungen wie der Stockholm-Marathon sind wichtige Attraktionen.

Seit 2005 hat das Europäische Zentrum für Seuchenprävention ECDC seinen Sitz in Stockholm.

Damit sich die Wirtschaft präsentieren und weitere Kontakte knüpfen kann, hat Stockholm auch eine Messe (Stockholmsmässan).

Bildung

Konstfack am Telefonplan in Stockholm
Der Fachbereich Mathematik, Universität Stockholm

In Stockholm gibt es 16 Hochschulen und Universitäten. Von herausragender Bedeutung sind hierbei die Universität Stockholm (Stockholms universitet) mit ihren etwa 35.000 Studierenden (Stand 2004) und die Königlich Technische Hochschule Stockholm (Kungliga Tekniska Högskolan), die wohl größte technische Hochschule Skandinaviens.

Nachfolgend sind daneben alle weiteren Hochschulen genannt.

Neben den Forschungseinrichtungen der Hochschulen und Universitäten gibt es eine Reihe weiterer staatlicher und privater Forschungsinstitutionen in Stockholm. Insbesondere ist in diesem Zusammenhang die Kungliga Biblioteket (Königliche Bibliothek) mit ca. fünf Millionen Bänden zu nennen. Die Bibliothek hat aufgrund der immensen schwedischen Kriegsbeute im Dreißigjährigen Krieg nicht nur eine hervorragende Sammlung frühneuzeitlicher Bücher, sondern seit 1661 auch den staatlich verbrieften Auftrag alles in Schweden gedruckte Material zu sammeln. Die Bibliothek verwaltet auch das zum Weltkulturerbe zählende Archiv der schwedischen Kinderbuchautorin Astrid Lindgren.

Stockholm ist ebenfalls Sitz der Schwedischen Akademie, der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften, der Königlichen Akademie für Literatur, Geschichte und Antiquitäten, der Nobel-Stiftung und weiterer kultureller und wissenschaftlicher Institutionen.

Persönlichkeiten

Hauptartikel: Liste von Persönlichkeiten der Stadt Stockholm

Zu den in Stockholm geborenen bekannten Persönlichkeiten gehören unter anderem der Sänger, Musiker und ABBA-Mitglied Benny Andersson, der DJ, Remixer und Musikproduzent Avicii, der Dichter Carl Michael Bellman, die Sängerin Neneh Cherry, der Feldmarschall Erik Dahlberg, die Autorin und Aktivistin Lizzy Lind-af-Hageby, der Entdeckungsreisende Sven Hedin, die Schauspielerin Greta Garbo, die Politikerin Anna Lindh, die Kinderbuchautorin Barbro Lindgren, der Chemiker und Erfinder Alfred Nobel, die Dichterin H. C. Nordenflycht, der zweimalige schwedische Premierminister Olof Palme, die Autorin Maj Sjöwall, der Komponist, Pianist und Dirigent Wilhelm Stenhammar sowie der Wissenschaftler und Mystiker Emanuel Swedenborg.

Literatur

  • Der National Geographic Walker Stockholm. Mairdumont, 2004, ISBN 3-936559-09-0. (Reiseführer mit praktischen Karten)
  • Gudrun Schulte: Stockholm selbst entdecken. Regenbogen, 2000, ISBN 3-85862-153-6. (Beschreibt die Stadt im Fließtext)
  • Ingrid Bohn: Kleine Geschichte Stockholms. Pustet-Verlag, Regensburg 2008, ISBN 978-3-7917-2121-7. (Beschreibt die historische Entwicklung bis zur Gegenwart)

Siehe auch

Weblinks

 Wiktionary: Stockholm – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Stockholm – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikiquote: Stockholm – Zitate

Einzelnachweise

  1. a b Folkmängd i riket, län och kommuner 31 december 2011 och befolkningsförändringar 2011 (schwedisch)
  2. http://www.scb.se/Pages/PressRelease____317009.aspx
  3. Tätorternas landareal, folkmängd och invånare (MS Excel; 615 kB)
  4. Tätorter 2010 (PDF; 3,0 MB), Informationsschrift des schwedischen Statistikamts SCB (schwedisch)
  5. SCB: Sveriges storstadsområden (schwedisch; PDF; 123 kB)
  6. World Meteorological Organization (englisch)
  7. Ynglinga saga
  8. spiegel.de: Schweden: Fünfte Krawallnacht in Stockholm
  9. sueddeutsche.de: [Schweden: Fünfte Krawallnacht in Stockholm Aufstand der Hoffnungslosen ]
  10. faz.net: Brennende Polizeistation - fünfte Krawallnacht in Stockholm
  11. Stockholms stads webplats: Stadens ledning. Archiviert vom Original am 1. Februar 2009, abgerufen am 10. Juli 2012 (schwedisch).
  12. Stockholms stads webplats: Stadsdelsnämndsreformen. Archiviert vom Original am 14. Oktober 2007, abgerufen am 10. Juli 2012 (schwedisch).
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Dieser Artikel wurde am 1. April 2005 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.