Ammern

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Ammern (Begriffsklärung) aufgeführt.
Ammern
Rohrammer (Emberiza schoeniclus), oben Männchen, unten Weibchen.

Rohrammer (Emberiza schoeniclus), oben Männchen, unten Weibchen.

Systematik
Unterstamm: Wirbeltiere (Vertebrata)
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Familie: Ammern
Wissenschaftlicher Name
Emberizidae
Vigors, 1831

Ammern (Emberizidae) sind eine artenreiche Familie von Vögeln, die mit den Finken (Fringillidae) nahe verwandt sind. Es handelt sich um kleine, sowohl Samen und Früchte als auch Insekten verzehrende Singvögel mit einem finkenartigen konischen Schnabel. Die meisten europäischen Arten der Ammern gehören zur Gattung Emberiza. Es handelt sich überwiegend um Zugvögel, die bevorzugt im offenen Gelände mit Büschen, Bäumen und exponierten Singwarten nisten. Ihre Nester befinden sich meistens am Boden in niedriger Vegetation. Insgesamt werden etwa 200 Arten unterschieden.

Merkmale[Bearbeiten]

Ammern sind kleine bis mittelgroße Vögel, die eine Länge von zehn bis 24 Zentimeter (Gattung Pipilo) erreichen. Die meisten Arten erreichen eine Körperlänge von 15 Zentimeter. Männchen sind für gewöhnlich etwas größer als die Weibchen. Beide Geschlechter ähneln sich in der meist braunen oder grauen Grundfarbe, allerdings sind die Männchen fast immer kontrastreicher gezeichnet. Insgesamt weisen die Arten dieser Familie einen sehr ähnlichen Körperbau und ähnliche Proportionen auf. Obwohl es überwiegend boden- und überwiegend baumbewohnende Arten geben, ist die Größe der Beine und Füße bei allen Arten vergleichbar.[1] Als Samenfresser haben Ammern konische Schnäbel, die spitz zulaufen.

Verbreitung und Lebensraum[Bearbeiten]

Ammern kommen, mit den Ausnahmen von Australien und der Antarktis, auf allen Kontinenten vor. Ihren größten Artenreichtum erreichen sie in Nordamerika. Generell bevorzugen sie offene Habitate wie Grasland, Wüsten, Buschland, Feuchtgebiete, Waldränder, landwirtschaftlich genutzte Flächen und Stadtränder. Die einzige Art, die auch in lichten Wäldern anzutreffen ist, ist die Hainammer (Aimophila aestivalis)

Mindestens 39 Arten kommen in der Paläarktis, Afrika und Südasien vor. 21 Arten sind in Afrika vertreten, davon sind acht allein auf dem afrikanischen Kontinent zu finden. Andere Arten finden sich nur während des Winterhalbjahres auf dem afrikanischen Kontinent ein und brüten hier nicht.[2]

Lautäußerungen[Bearbeiten]

Männliche Ammern singen, um ihr Territorium kenntlich zu machen und um Weibchen anzulocken. Weibchen singen selten. Der Gesang einiger Arten ist nur einfach, andere, z. B. die Goldammer, haben melodischere Gesänge. Gesungen wird von einem hervorragenden Platz des Territoriums, einige Arten singen auch im Flug. Paare kommunizieren untereinander und mit ihren ausgeflogenen Jungen mit einem Signalruf.

Ernährung[Bearbeiten]

Ammern sind Allesfresser, die im Sommer vor allem Insekten und während des Winters Sämereien fressen. Die Singammer (Melospiza melodia), die in Nordamerika auch an den Küsten lebt, frisst auch Weichtiere und kleine Krebstiere. Die Nahrung wird vor allem am Boden gesucht.

Fortpflanzung[Bearbeiten]

Die meisten Ammern sind monogam, einige Arten auch polygam. Brutzeit ist die Jahreszeit mit dem größten Angebot von wirbellosen Tieren, um die Jungvögel zu füttern, in den gemäßigten Zonen die Sommermonate, bei tropischen Arten die Regenzeit. Viele Arten brüten mehr als einmal im Jahr. Die meist offenen Nester werden eher in Bodennähe bis in einer Höhe von einem Meter, maximal bis in einer Höhe von sechs Metern gebaut. Die Weibchen legen drei bis fünf Eier. Diese haben eine helle Grundfärbung und sind manchmal gefleckt und gekleckst. Bei den meisten Arten weisen die Eier jedoch Schnörkel, Kritzel und sehr feine Linien auf. Normalerweise brütet allein der weibliche Elternvogel, der während der Brutzeit vom Männchen mit Futter versorgt wird.[3] Die geschlüpften Jungen werden vor allem mit Insekten gefüttert und sind neun bis zwölf Tage nach dem Schlupf flügge.

Systematik[Bearbeiten]

Ammern gehören zur Ordnung der Sperlingsvögel (Passeriformes) und zur Unterordnung der Singvögel (Passeri). In der Vergangenheit wurden sie als Unterfamilie der Finken (Fringillidae), der Tangaren (Thraupidae) oder der Kardinäle (Cardinalidae) geführt. Heute gelten sie als eigenständige Familie. Ihre nächsten Verwandten sind die Tangaren, die Kardinäle, die Waldsänger (Parulidae), der Zuckervogel (Coereba flaveola) und die Stärlinge (Icteridae). Die Ammern entwickelten sich wahrscheinlich in der Neuen Welt, wo sie auch heute noch ihre größte Diversität haben, und breiteten sich über die Beringstrasse nach Asien und Europa aus.

Gattungen und Arten (Auswahl)[Bearbeiten]

Leconte-Ammer (Ammodramus leconteii)
Schwarzkehlammer (Amphispiza bilineata)
Rainammer (Chondestes grammacus)
Goldammer (Emberiza citrinella)
Wiesenammer (Emberiza cioides), Männchen
Singammer (Melospiza melodia)
Rötelgrundammer (Pipilo erythrophthalmus), Weibchen
Schwirrammer (Spizella passerina)
Morgenammer (Zonotrichia capensis)

Literatur[Bearbeiten]

  • Einhard Bezzel: Vögel. BLV Verlagsgesellschaft, München 1996, ISBN 3-405-14736-0
  • C. Hilary Fry und Stuart Keith (Hrsg): The Birds of Africa – Volume VII., Christopher Helm, London 2004, ISBN 0-7136-6531-9
  • Collin Harrison und Peter Castell: Jungvögel, Eier und Nester der Vögel Europas, Nordafrikas und des Mittleren Ostens. Aula Verlag, Wiebelsheim 2004, ISBN 3-89104-685-5

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ammern – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelbelege[Bearbeiten]

  1. Fry et al., S. 564
  2. Fry et al., S. 565
  3. Harrison et al., S. 440