Anakreon

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Marmorstatue des Anakreon vom Monte Calvo, Italien, 2. Jhdt. n. Chr.

Anakreon (griechisch Ἀνακρέων Anakréōn; * um 575/570 v. Chr. in Teos in Ionien, heute Sıgacık in der Türkei; † 495 v. Chr. in Athen) war ein griechischer Lyriker, der zum Kanon der neun Lyriker gezählt wird.

Leben[Bearbeiten]

Anakreon wurde in der ionischen Stadt Teos geboren, deren Einwohner um 540 v. Chr. vor der drohenden persischen Herrschaft ins thrakische Abdera übersiedelten. Auch Anakreon emigrierte dorthin, als die Perser seine Heimat unterwarfen.

Sein unstetes Leben führte ihn schließlich an den Hof des Tyrannen von Samos, Polykrates. Hier wurde er hoch geehrt und verbrachte als angesehener Hofdichter den größten Teil seines Lebens. Nach dem Tod des Polykrates 522 v. Chr. ging er an mehrere andere Fürstenhöfe wie zum Tyrannen Hipparchos nach Athen, der ihn zu sich rief.

Von Anakreons Leben nach dem Sturz der Peisistratiden weiß man nichts Sicheres. Der athenische Feldherr Xanthippos, Sieger in der Seeschlacht bei Mykale, soll sein Freund gewesen sein.

Der Legende nach starb er im Alter von 85 Jahren, nachdem er sich an einer Weinbeere verschluckt hatte.

Werke[Bearbeiten]

Liebe, Wein und heitere Geselligkeit waren die Hauptthemen seiner im weichen ionischen Dialekt verfassten Lieder, die durch ihre Schönheit und Anmut bekannt waren. Als Lyriker besang er die Liebe, den Wein und die Rosen in anmutigen, leichten Versen, die zahlreiche Nachahmer fanden. (siehe Anakreontik) Anakreon beschrieb die erotischen Gefühle als Ausdruck der psychē.

Von seinen Gedichten sind nur drei vollständig und einige fragmentarisch erhalten.

Ikonographie[Bearbeiten]

Die Ny Carlsberg Glyptotek in Kopenhagen beherbergt eine antike Statue des Anakreon (1835 in Monte Calvo gefunden und 1891 aus der Sammlung Borghese erworben).[1]

Rezeption[Bearbeiten]

Auf der Akropolis in Athen stand direkt neben einer Statue seines Freundes Xanthippos seine Bildsäule, die ihn als einen vom Wein seligen, greisen Sänger darstellte, wie er überhaupt bei den Griechen als Typus eines noch im Alter dem Wein und der Liebe huldigenden Dichters galt.

Anakreons Lyrik erfreute sich nach ihrer Wiederentdeckung im 18. Jahrhundert großer Beliebtheit, und so gestaltete Lorenzo da Ponte den Text von Leporellos Registerarie in Don Giovanni nach der Vorlage von Anakreons Gedicht XXXII Auf seine Mädchen[2], eine Anspielung, die dem damaligen Opernpublikum natürlich bewusst war.

Theodor Bergk, Johann Wilhelm Ludwig Gleim, Eduard Mörike, Karl Wilhelm Ramler, Johann Peter Uz u. a. übersetzten Gedichte Anakreons. Mit Nachahmungen dieser Art von Lyrik aus verschiedener, zum Teil später Zeit und von verschiedenem Wert bereiten neben Bergk auch Friedrich Mehldorn und Valentin Rose der Anakreontik den Weg.

Die Melodie der Nationalhymne der USA stammt aus einem populären englischen Trinklied um 1800 von John Stafford Smith (To Anacreon in Heaven), das einst der Nationalhymne Luxemburgs unterlegt und das Clublied der von 1772 bis 1792 bestehenden Anacreontic Society in London war.

Ausgaben und Übersetzungen[Bearbeiten]

  • Hermann August Junghans: Anakreon. Reclam, Leipzig 1873 (Digitalisat)
  • Giovanna A. Braghetti: Anakreon. Edition und Kommentar. Dissertation, Universität Freiburg 1994.
  • Eduard Mörike: Trinkend rühr' ich gern die Leier. Lieder vom Wein und von der Liebe des frühgriechischen Dichters Anakreon. Offizin der goldenen Kanne, Weilrod 2004.
  • Karl W. Ramler: Achtzehn Lieder aus dem Anakreon. Klotz, Eschborn 1992.
  • Martin L. West (Hrsg.): Carmina Anacreontea. Teubner, Stuttgart 1973, ISBN 3-8154-1025-8.
  • Johann Nikolaus Götz: Die Gedichte Anakreons und der Sappho Oden aus dem Griechischen übersezt (sic!), und mit Anmerkungen begleitet. Carlsruhe 1760 (Reprint Stuttgart 1970; Digitalisat in der Google-Buchsuche).

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der sogenannte „Anakreon“. Skulpturhalle Basel, Juni 2009
  2. Die Gedichte Anakreons und der Sappho Oden. Carlsruhe 1760, S. 76-77, 88-89 (XXXII. Auf seine Mädgens. Bei: Zeno.org.).

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Anakreon – Quellen und Volltexte
 Commons: Anacreon – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien