Anatoli Iwanowitsch Lukjanow

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Anatoli Iwanowitsch Lukjanow (russisch Анатолий Иванович Лукьянов; * 7. Mai 1930 in Smolensk) ist ein ehemaliger sowjetischer Politiker.

Politische Karriere[Bearbeiten]

Michail Gorbatschow förderte Lukjanows Aufstieg in die Machtzentrale. Er war vom 23. April 1985 bis 1988 Abteilungsleiter und ab Juli 1987 Sekretär des Zentralkomitees der KPdSU, und er leitete die Allgemeine Abteilung – also die Kaderabteilung – des ZKs. 1988 bis 1990 war er Erster Stellvertretender Vorsitzender des Präsidiums des Obersten Sowjets, also Stellvertreter von Gorbatschow im Amt des Staatsoberhauptes. Zugleich war er auch vom 30. September 1988 bis zum 14. Juli 1990 Kandidat des Politbüros, also Kandidat im höchsten politischen Gremium der KPdSU. Nachdem das neue Amt eines Präsidenten der Sowjetunion eingerichtet wurde und Gorbatschow dieses Amt übernahm, war Lukjanow vom 15. März 1990 bis zum 28. August 1991 dann Vorsitzender des Obersten Sowjets. Bis Anfang 1991 unterstützte er den von Gorbatschow eingeschlagenen politischen Kurs der Konzepte von Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umstrukturierung) für Partei und Staat. Erst mit der Sitzung des Obersten Sowjets unter Leitung von Lukjanow vom 17. Juni 1991 versuchten er und Ministerpräsident Walentin Pawlow erfolglos die Position Gorbatschows zu schwächen.

Der Augustputsch[Bearbeiten]

Zusammen mit Verteidigungsminister Marschall Dmitri Jasow, Innenminister Boris Pugo, Ministerpräsident Walentin Pawlow, KGB-Chef Wladimir Krjutschkow, Vizepräsident Gennadi Janajew sowie den ZK-Sekretären Waleri Boldin, Oleg Schenin und Oleg Baklanow war Lukjanow Mitinitiator des Augustputsches gegen Gorbatschow im August 1991. Am 19. August 1991 meldete die sowjetische Nachrichtenagentur TASS eine angebliche Erkrankung Michail Gorbatschow und dass Janajew die Amtsgeschäfte übernommen habe. Der Versuch der Putschisten, Gorbatschow zum Rücktritt zu bewegen, misslang. Nach drei Tagen war der Putsch vorbei, bei dem sich vor allem Boris Jelzin als Hauptfigur des Widerstands hervortat. Ergebnis der Verschwörung war, dass Gorbatschows Macht schwand, die KPdSU und Ende 1991 auch die UdSSR aufgelöst wurde. Lukjanow bekannte später: „Dieses Abenteuer war eine Verschwörung und ein absolut rechtswidriger Akt… Ich habe unablässig auf die Rechtswidrigkeit der Handlung der Putschisten hingewiesen.“ [1] Er und seine Mitputschisten wurden zu Haftstrafen verurteilt, 1993 erfolgten Haftverschonungen und Amnestien.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Michail Gorbatschow: Erinnerungen, S. 1090. Siedler, Berlin 1995