Annuario Pontificio

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Annuario Pontificio
Beschreibung Staatskalender
Fachgebiet Schematismus vatikanischer bzw. römisch-katholischer Personen, Behörden und Organisationen
Sprache italienisch
Verlag Libreria Editrice Vaticana (Vatikanstaat)
Erstausgabe 1860
Erscheinungsweise jährlich
Herausgeber Segreteria di Stato, Libreria Editrice Vaticana
Weblink libreriaeditricevaticana.com
ZDB 370-0

Annuario Pontificio (AnPont, AnnPont) ist das auf Italienisch erscheinende Päpstliche Jahrbuch, eine Art Staatskalender.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Annuario Pontificio erscheint jährlich seit 1860;[1] von 1872 bis 1911 lautete der Titel La gerarchia cattolica bzw. La gerarchia cattolica e la famiglia pontificia[2] (GCFP). Als Vorläufer erschienen von 1716 bis 1859 die Notizie bzw. Notizie Pontifice (NotPont) bei Chracas (oder Cracas).[3]

Inhalt[Bearbeiten]

Das Annuario enthält unter anderem:

Für die Zusammenstellung aller statistischen Angaben ist das „Zentralamt für kirchliche Statistik“ verantwortlich.

Das Buch mit seinem roten Gewebeeinband umfasst in der Regel über 1000 Seiten (2002 z.B. 2062 Seiten) und kann im vatikanischen Buchhandel erworben werden.

Zitate[Bearbeiten]

„Jeder, selbst jeder ungetaufte Interessierte, kann … im ‚Annuario Pontificio‘ (dem ‚who is who‘ der Weltkirche) jeden Bischof samt Lebenslauf und Telefonnummer nachschlagen.“

Die Tagespost[4]

„Das wichtigste Buch im Vatikan, das Buch der Bücher im Kirchenstaat, wiegt mit 1320 Gramm schwerer als die meisten Bibeln, hat mehr Seiten – nämlich 2397 – und ist ein Wunderwerk an Präzision und Vollkommenheit. … Es ist das ‚Annuario Pontificio‘, das … Kompendium des Vatikans, zugleich Telefonbuch, Dienststellenverzeichnis, Chronik, statistisches Jahrbuch, kuriale Gebrauchsanweisung und offizielles ‚Who is Who‘ … Das Werk ist für 65 Euro bei der Vatikanischen Verlagsbuchhandlung zu erhalten und ist in kardinalrotes Leinen gebunden, mit Lesebändchen und goldenem Wappen auf dem Einband.

Hier drin sind alle wichtigen Adressen, Telefonnummern und E-Mail-Adressen aufgeführt. Der handliche Wälzer beginnt mit einem unterzeichneten Tiefdruckfoto des Papstes und endet mit der kokettierenden Aufforderung, etwaig notwendige Korrekturen dem Staatssekretariat mitzuteilen. Selbstverständlich kommt das praktisch nie vor. Immerhin gibt es das Buch schon eine Weile. Die Erstauflage war 1716. Damals hatte die römische Druckerfamilie Cracas die Idee, ein Jahrbuch herauszugeben, in dem die ehrwürdigsten Exponenten der katholischen Hierarchie aufgelistet waren.“

Alexander Smoltczyk: Spiegel Online[5]


„Wer indes geglaubt hatte, mit der Namenswahl des Heiligen Vaters [Johannes XXIII.] und der offiziellen Ausmerzung des mittelalterlichen Gegenpapstes seien alle Numerierungsprobleme der Papst-Geschichte gelöst, mußte sich durch das jüngst herausgegebene ‚Päpstliche Jahrbuch für das Jahr 1961‘ ("Annuario Pontificio") eines Besseren belehren lassen.

Dieses Buch weist nicht 22, sondern nur 20 echte Vorgänger des jetzigen Papstes auf, die sich des Namens Johannes bedient haben:

Schon frühere Jahrbücher hatten auf diese Numerierungsschwierigkeiten in der Johannes-Reihe hingewiesen. […] Genaugenommen wäre der jetzige Heilige Vater erst der 21. Johannes. Im Vatikan bezweifelt man allerdings, daß … die Rechenfehler seiner Namensvorgänger korrigiert werden.

Gegen eine solche Korrektur spricht vor allem, daß die Jahrbuch-Redakteure nur ungern an ihrer Papst-Folge rütteln lassen und sich meist erst nach Jahrhunderten zu Änderungen bereit finden.

Im Jahrbuch von 1946 wurde beispielsweise noch ein Kletus als dritter Papst genannt (78 bis 90). Als fünften Papst führte dieses Jahrbuch einen Anakletus (100 bis 112) auf. Das ‚Annuario‘ von 1947 vereinte jedoch beide Päpste zu einer Person: Der dritte Papst hieß nun je nach Wunsch Anakletus oder Kletus und thronte von 76 bis 88 auf dem Heiligen Stuhl.

Ein ähnliches Problem lösten die Geschichtsschreiber des Vatikans jetzt für eine andere Papstreihe: Stephan II., der am 23. März 752 zum Papst gewählt worden war, aber schon drei Tage später, noch vor der Weihe, starb, wurde aus der Stephan-Reihe gestrichen, weil zu jenen Zeiten nicht die Wahl, sondern erst der Amtsantritt für die Papstnachfolge maßgebend war. Die Päpste der Neuzeit hingegen werden – darüber sind sich ‚Annuario‘-Redakteure und Historiker einig – bereits am Tage ihrer Wahl in die Liste der Nachfolger Petri eingereiht.“

Der Spiegel, 1961[6]


„Weniger gefügig gab sich der Vatikan lange Jahre, wenn es darum ging, Grenzen anzuerkennen: Die römische Zentrale notierte die ehemals deutschen Ostgebiete in ihrem offiziellen ‚Päpstlichen Jahrbuch‘ unter den deutschen Diözesen.

Aber auch das änderte sich, seit der Papst im vergangenen Jahr den fünf Bischöfen der Bundesrepublik, deren Diözesangebiete in die DDR hineinragen, die Jurisdiktion über deren DDR-Teile entzog. Die in diesen Gebieten eingesetzten bischöflichen Kommissare unterstellte er direkt dem Vatikan, indem er sie zu Apostolischen Administratoren ernannte.

Im ‚Päpstlichen Jahrbuch 1974‘ sind die Änderungen nachzulesen: Die Apostolischen Administratoren Heinrich Theissing (Schwerin) und Johannes Braun (Magdeburg), die jeweils die ostdeutschen Teile der westdeutschen Bistümer Osnabrück und Paderborn verwalten, werden ohne jeden Bezug nur unter ihren Titularsitzen Mina und Puzia di Bizacena aufgeführt: Unter Paderborn oder Osnabrück fehlt jeder Hinweis.

Ähnlich wird der Apostolische Administrator von Erfurt und Meiningen, Hugo Aufderbeck, nicht mehr, wie noch im Vorjahr, als Weihbischof von Fulda genannt. Auch der Bischof von Meißen, Gerhard Schaffran, wirkt nicht mehr, wie im ‚Annuario Pontificio 1973‘, in Deutschland, sondern in der DDR. Die theologische Fakultät Wroclaw (Breslau) stand bereits im letzten ‚Annuario‘ unter Polen, ebenso das Bistum Gdansk (Danzig).“

Der Spiegel, 1974[7]

Ausgaben (Auswahl)[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. dispatch.opac.ddb.de abgerufen 27. August 2011.
  2. dispatch.opac.ddb.de abgerufen 27. August 2011.
  3. dispatch.opac.ddb.de abgerufen 28. August 2011; Siegfried M. Schwertner: Theologische Realenzyklopädie. Abkürzungsverzeichnis. 2. Aufl. Berlin u. a. 1994, S. 372.
  4. Stephan Baier: Ein absurdes Theater. Ein Kommentar zu den „Priesterinnenweihen“. In: Die Tagespost, ohne Datum, zitiert nach kath.net am 27. August 2011.
  5. Alexander Smoltczyk: Who is who im Himmelreich. In: Spiegel Online, 3. April 2008, abgerufen 28. August 2011.
  6.  Johannes XXIII. (XXII.). In: Der Spiegel. Nr. 15, 1961, S. 59f.; hier S. 60 (online).
  7.  Vatikan intim. Die Manager des Papstes Paul / 2. Fortsetzung. In: Der Spiegel. Nr. 45, 1974, S. 158–177; hier S. 169 (online).