Antonio Cornazzano

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Antonio Cornazzano (* um 1430 in Piacenza; † 1484 in Ferrara) war Tanzmeister und Tanztheoretiker, Choreograf, Poet und Literat. Neben Guglielmo Ebreo war Antonio Cornazzano (in deutschsprachigen Texten vielfach auch Cornazano geschrieben) ebenso ein Schüler des italienischen Tanzmeisters Domenico da Piacenza.

Inhaltsverzeichnis

Leben[Bearbeiten]

Antonio Cornazzano studierte von 1443 bis 1448 Jura an der Universität in Siena. Spätestens ab 1454 ist er am Hof von Francesco Sforza in Mailand nachzuweisen, wo er die Sforziade schrieb. In diesem Epos wird Francesco Sforza und dessen Familie verherrlicht. Francescos Tochter Ippolita Maria Sforza ist der Tanztraktat Libro sull'arte del danzatore (ca. 1455) gewidmet. Weiter verfasste er eine Sammlung von Sonetti e canzone sowie die Vita della gloriosissima Vergine Maria, ein Buch über das Leben der glorreichen Jungfrau Maria. Cornazzano war für Francesco Sforza auch als Botschafter tätig. So wurde er nach Frankreich gesandt, um dem französischen König Ludwig XI. zur Thronbesteigung zu gratulieren. Cornazzano wendet sich in seinem Werk De florentinae urbis laudibusan die Medici in Florenz (geschrieben in italienisch).

Nach dem Tod von Francesco Sforza und dessen Ehefrau Bianca Maria Visconti suchte er in Venedig um Asyl an, wo er De fide et vita Christi vollendete, in welches er eine Panegyrik an die Serenissima eingebaut hat.

Von 1468/69 bis 1475 lebte er am Hofe von Bartolomeo Colleoni auf der Burg von Malpaga. Cornazzano war von Colleoni beauftragt worden, dessen Biographie zu verfassen. So entstand das umfangreiche Werk Commentarium liber de vita et gestis invictissimi bello principis Bartholomeo Colei, per Antonium Cornazzanum ad clarissimam Bergomensem Republicam. Dieses Werk ist weniger aufgrund seines historischen bzw. literarischen Gehalts wichtig (ist also nicht mit Petrarcas De viris illustribus zu vergleichen), sondern gilt vielmehr als eindrucksvolles Zeugnis vom Leben des Condottiere Bartolomeo Colleoni, auf dessen Burg in Malpaga (in der Nähe von Bergamo) Cornazzano von 1468/69 bis 1475 lebte.

Kurz nach dem Tod von Colleoni kam er an den Hof von Ercole d’Este nach Ferrara. In der Abgeschiedenheit des ferrarensischen Hofes schrieb er De Herculei filli ortu et de urbis Ferrariae periculo ac liberatione sowie die Schrift über die Kriegskunst De re militari, welches neben dem Tanztraktat zu seinen auch heute noch bekannten und rezipierten Schriften zählt. Ebenfalls in Ferrara entstand das Borso d’Este gewidmete De excellentium virorum principus, welches in Latein und Italienisch verfasst ist.

Cornazzanos Werk ist ein typisches Beispiel für einen Hofschreiber, der keine literarischen Spitzenleistungen vollbringt, jedoch als guter Höfling – ganz im Sinne von Baldassare Castigliones Libro del Cortegiano – dem Auftrag seines Herren gemäß stets gründliche Arbeit leistete, welche es ihm erlaubt, an vielen Höfen seiner Zeit zu bestehen. Dabei war sowohl im Stil, als auch in der gewählten Sprache (Latein, Italienisch) sowie auch in der Auswahl der Themen vielseiting und anpassungsfähig: Ein Familienepos, Traktate über Tanz wie über die Kriegskunst entspringen ebenso seiner Feder, wie Poesie und religiöse Literatur.

Werke[Bearbeiten]

  • Libro sull'arte del danzatore, ca. 1455 (Rom, Biblioteca Vaticana, Codice Capponiano no. 203)
    • The book of the art of dancing. Dance Books, London 1981, ISBN 0-903102-63-3 (übers. und hrsg. u. a. Madeleine Inglehearn)
  • Commentarium liber de vita et gestis invictissimi bello principis Bartholomeo Colei, per Antonium Cornazzanum ad clarissimam Bergomensem Republicam
  • Anonym (Antonio Cornazzano zugeschrieben): De laudibus Antonii Martinengii, ca. 1470/74

Literatur[Bearbeiten]

  • Dante Bianchi: Antonio Cornazzano e le sue biografie. Mailand 1965
  • Claudia Bonavigo: Antonio Cornazzano, verso il nuovo letterato di Corte.
  • Roberto L. Bruni, Diego Zancani: Antonio Cornazzano. LA tradizioni testuale. Olschki, Florenz 1992, ISBN 88-222-3971-7
  • Andrea Comboni: Antonio Cornazzano e la Giostra de l’Amore del giugno 1478 a Ferrara. Testo e storia di una estravagante. In: Bollettino Storico Piacentino 73. Jg. (1988), Heft 2, S. 217–228.
  • Andrea Comboni: Per l’edizione delle rime di Antonio Cornazzano.
  • Giuliana Crevatin: Vita di Bartolomeo Colleoni. Vecchiarelli, Manziana 1990, ISBN 88-85316-16-6
  • Veronique Daniels: Antonio Cornazzano. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Directmedia, Berlin 2004, ISBN 3-89853-460-X (1 CD-ROM)
  • Nicoletta De Vecchi Pellati: Quattro elegie e una lettera di Antonio Cornazzano a Nicodemo Tranchedini. In: Bollettino Storico Piacentino 78. Jg. (1983), Heft 1, S. 80–96.
  • Giorgio Fiori: Notizie storiche e precisazioni biografiche su Antonio Cornazzano. In: Bollettino Storico Piacentino 74. Jg. (1979), Heft 2, S. 179ff.
  • Maria L. Gatti Perer: Codici e incunaboli miniati della Biblioteca Civica di Bergamo. Edizione promossa dal Credito Bergamasco. Credito Bergamasco, Bergamo 1989 (Katalog, Nr. 90 beschreibt das Manuskript von Antonio Cornazzanos Vita des Bartolomeo Colleoni)
  • Diego Zancani: Antonio Cornazzano e una lettera inedita di Nicodemo Tranchedini. In: Bollettino Storico Piacentino 81. Jg. (1986), Heft 1, S. 122–127.
  • Diego Zancani: Il «De Herculei filii ortu et urbis Ferrariae periculo ac liberatione» di Antonio Cornazzano. In: Bollettino Storico Piacentino 74. Jg. (1979), Heft 1, S. 60ff.
  • Diego Zancani: Una lettera di Antonio Cornazzano a Guglielmo Ongarello. In: Bollettino Storico Piacentino 73. Jg. (1978), Heft 2, S. 99ff.

Weblinks[Bearbeiten]