Bartolomeo Colleoni

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Reiterstandbild in Venedig
Burg Malpaga

Bartolomeo Colleoni (auch Coleone; * um 1400 in Solza bei Bergamo; † 4. November 1475 auf der Burg Malpaga in Cavernago) war ein italienischer Condottiere.

Leben[Bearbeiten]

Er entstammte dem alten Adelsgeschlecht derer von Colleoni aus Bergamo. Sein erster Kriegseinsatz war 1419 in Süditalien. Dort diente er nacheinander den Condottieri Braccio da Montone und Muzio Attendolo Sforza. 1431 ging er in den Diensten von Gattamelata nach Venedig und kämpfte auf Seiten der Serenissima in den Jahren 1431 bis 1438 gegen Mailand. Als Gattamelata 1443 starb, stellte sich Colleoni in die Dienste von Niccolò Piccinino.

In den Jahren 1446/47 lag Colleoni auf Befehl des Herzogs Filippo Maria Visconti in der Festung Monza im Kerker. Hierbei wurde er auch in einen Eisenkäfig gesperrt, in welchem man aufgrund der geringen Größe und der Tatsache, dass der Boden mit spitzen Steinen gepflastert war, weder richtig stehen, sitzen noch liegen konnte [1].

Als dieser 1447 starb, wurde Colleoni freigelassen und konnte nach Venedig zurückkehren. Die Serenissima ernannte ihn später zum Generalleutnant. 1467 stand er auf der Seite der Familie Albizzi, die ihre Rückkehr nach Florenz erkämpfen wollte.

Als Papst Paul II. zu einem Kreuzzug aufrief, wollte er Colleoni an der Spitze seines Heeres sehen. Doch Colleoni musste aus Altersgründen ablehnen. Bereits zu Lebzeiten wurde Colleoni von seiner Vaterstadt Bergamo geehrt. 1472 wurde Giovanni Antonio Amadeo mit dem Bau der Capella Colleoni beauftragt. Von 1468/69 bis 1475 lebte Antonio Cornazzano auf Colleonis Burg von Malpaga, um dessen Biographie zu verfassen: Commentarium liber de vita et gestis invictissimi bello principis Bartholomeo Colei, per Antonium Cornazzanum ad clarissimam Bergomensem Republicam.

Colleoni und seine Tochter Medea († 1470) wurden in der Cappella Colleoni in Bergamo bestattet.

Colleoni setzte die Serenissima, allerdings mit einer Auflage, als Erbin ein. Er bestimmte in seinem Testament, die Stadt bekomme sein Vermögen nur dann, wenn man sein Standbild vor der Basilika San Marco aufstelle. Die Venezianer waren dem Personenkult nicht sehr zugetan, was sich daran zeigt, dass man in der Stadt nur ganz wenige Statuen bedeutender Persönlichkeiten findet. Im Verlangen des Condottiere Colleoni sah die Stadt einen Affront sondergleichen, allerdings wollte man dennoch nicht auf das beträchtliche, zusammengeraubte Vermögen verzichten. Schlaue avvocati legten die testamentarischen Bestimmungen so aus, dass der Condottiere nicht die Basilika San Marco, sondern die Scuola di San Marco, das ist die Bruderschaft neben der Kirche SS. Giovanni e Paolo, im Venezianischen Zanipolo genannt, gemeint haben müsse.

Der Bildhauer Andrea Verrocchio wurde mit der Erstellung des Modells beauftragt. Nach dessen Tod erfolgte 1496 der Guss durch Alessandro Leopardi, der auch den Sockel errichtete. Das Standbild, neben der Reiterstatue Marc Aurels eines der berühmtesten Reiterstandbilder aller Zeiten, ist noch heute auf dem Campo Santi Giovanni e Paolo in Venedig zu sehen und die Stadt hat das Erbe Colleonis angetreten. Die Scuola di San Marco und zahlreiche daran angeschlossene Gebäude beherbergen heute das größte Krankenhaus Venedigs. Die Kirche Zanipolo ist die größte der Stadt und die Ruhestätte von Dogen und Künstlern.

Literatur[Bearbeiten]

  • Belotti, Bortolo: La vita di Bartolomeo Colleoni. - Bergamo: Ist. ital. d'arti grafiche, 1923
  • Cornazzano, Antonio: Vita di Bartolomeo Colleoni, a cura di Giuliana Crevatin. Manziana, Vecchiarelli ed., 1990, ISBN 88-85316-16-6.
  • Isermeyer, Christian A.: Verrocchio und Leopardi: das Reiterstandbild des Colleoni. - Stuttgart: s.n., 1963
  • Michael Edward MallettColleoni, Bartolomeo. In: Alberto M. Ghisalberti (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 27 (Collenuccio–Confortini), Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 1982 (italienisch).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bartolomeo Colleoni – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Joachim Brambach: Die Borgia - ISBN 3-424-01257-2, Seite 43