Ariel (Engel)

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Ariel (hebräisch אריאל: „Opferherd Gottes” oder „Löwe Gottes”) dient in der spätjüdischen Lehre als Bezeichnung des Engels der Landtiere. In der mittelalterlichen Literatur repräsentiert er hingegen einen Luftgeist.

Religionsgeschichte und Mythologie[Bearbeiten]

„Ariel“ taucht als Epitheton für Jerusalem in Jes 29,1 und 33,7 auf. Die später üblich werdende Etymologie deutet dies als Löwe (hebr. ari) Gottes (hebr. el). In Übersetzungen von Symmachus und Aquila wird „Ariel“ für die Stadt Ariopolis verwendet, wo „Ariel“ (Mars) verehrt wurde.[1]

Möglicherweise stammt der Name Ariel vom zoroastrischen Ahriman.

Nach Scholem ist Ariel der ältere Name Jaldabaoths.[2] Beide Namen finden sich zusammen auf einer Gemme mit einer löwengesichtigen Abbildung. Diese Deutung ist aber nicht unumstritten. Jaldabaoth jedenfalls wird in der Mythologie der Ophiten als oberster Archont (Sohn von Chaos und Sophia) verstanden.[3] (In Texten der Valentinianer dagegen ist „Jaldabaoth“ unwissend und nicht von geistiger, sondern „psychischer“ Natur.) Ariel findet sich auch in der koptischen Mythologie: In der Pistis Sophia bestraft Ariel die niedere Welt. Ariel wird mit dem Demiurgen identifiziert, sowie mit Jaldabaoth, Samael und Sakla.[4] Diese Bestraferrolle ähnelt jener des mandäischen עור ('Ur) ([Herr der] Finsternis, gebildet wohl als Umwertung von hebr. אור, 'or, Licht; vgl. babylonisch urru). (Möglicherweise rührt daher die Verbindung mit dem Erzengel Uriel). In dieser zerstörenden Funktion hat man Ariel in die Nähe von Nemesis, Sachmet oder Arioch gesetzt.[5]

In jüdisch-christlichen Kontexten ist Ariel als Zornesengel dagegen eher ein Herrscher und Bestrafer von Dämonen.[6] Sein Rang ist meist von der Stufe der Tugenden oder der Erzengel und wird dabei relativ hoch angesiedelt, so dass Ariel verschiedene Ordnungen beziehungsweise Chöre unterstellt sind. Er gilt als Engel der Gegenwart, des Gesichts, als Prinzregent der jüdischen Thronengelhierarchie, Arelim; Ariel wird auch als Cherub beschrieben. Darstellungen bildet Ariel mit Löwenkopf ab, oder als einen über die Erde herrschenden Dämon.

Der jüdisch-christliche Erzengel Uriel wird oft mit Ariel verbunden. Beider Verbindung wird gelegentlich „Auriel“ genannt. John Dee erklärt Ariel aber als Zusammensetzung von Anael und Uriel.

In Mythologien wird Ariel als Engel mit der Funktion einer Herrschaft über die Elemente, insbesondere der Erde beschrieben. Nach Thomas Heywood[7] herrscht Ariel als Prinz über Wasser und als Herr über die Erde. In anderen okkulten Schriften wird Ariel eine Herrschaft über Feuer oder Luft zugesprochen. In einigen mystischen Texten wird Ariel mit der Herrschaft über die Erde, mit Schöpfung, Elementen des Nordens, Elementargeistern und Tieren verbunden. Bei Moses Gaster[8] wird Ariel als Engel der Heilung aufgefasst und mit dem Erzengel Raphael verbunden.

Bei Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim ist Ariel dem Element der Erde zugeordnet als Löwe Gottes sowie von Aries (Sternbild Widder) abgeleitet.[9]

Literarische Rezeption[Bearbeiten]

In Miltons Paradise Lost ist Ariel ein rebellierender Engel.[10]

Bei Popes Rape of the Lock gibt es eine Sylphe namens Ariel.

Der als „Licht Gottes” aufgefasste Ariel wird in Shakespeares Der Sturm von Prospero befreit.

Eine Inspiration dafür war möglicherweise John Dee, der behauptete, von einem Engel namens Uriel besucht worden zu sein, der ihm einen magischen Kristall geschenkt habe, mit dessen Hilfe er die Sprache der Engel verstehen würde.[11] Auch andere Autoren haben behauptet, durch Ariel als Schutzengel bewacht worden zu sein, so etwa Percy Shelly, Julie Y. Tortora's[12], Linda Sue Nathanson[13], Steven J. Thayer.

Auch in der Novelle Der Engel vom westlichen Fenster von Gustav Meyrink gibt es einen solchen Ariel.

In Goethes Faust tritt Ariel als Luftgeist auf, welcher die Elfen führt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Robert H. West: Milton and the Angels. Athen 1955, 154
  2. Jewish Gnosticism, New York 1960, 71f.
  3. Simone Michel: Die magischen Gemmen. Zu Bildern und Zauberformeln auf geschnittenen Steinen der Antike und Neuzeit. Akademie Verlag 2004, ISBN 3-05-003849-7, 97f.111
  4. G. Quispel: The demiurge in the Apocryphon of John. in: Robert McLachlan Wilson (Hg.): Nag Hammadi and Gnosis: papers read at the First International Congress of Coptology (Cairo, December 1976), Brill 1976, ISBN 90-04-05760-9, S. 1-34, hier S. 21.23
  5. Schwab, Vocabulaire de l'Angélologie; De Plancy, Dictionaire Infernal, 1863
  6. So im Testament Salomons
  7. Hierarchy of the Blessed Angels
  8. Wisdom of the Chaldeans
  9. Okkulte Philosophie, Buch 3, Kap. 28; in der Übersetzung von James Freake, Llewellyn Worldwide 1993, ISBN 0-87542-832-0, S. 553 (mit nachfolgenden Anm. S. 555)
  10. Buch 6, Zeile 371
  11. Art. Angels, in: Encyclopedia of Religion, Bd. 1, 347f
  12. The way of Angels
  13. Interview With an Angel

Literatur[Bearbeiten]

  • Stefan Münger: Art. Ariel, in: K. van der Toorn; B. Becking; Pieter W. van der Horst (Hg.): Dictionary of Deities and Demons in the Bible. Leiden, Boston, Köln, 21999, 88-89.
  • Gustav Davidson: A Dictionary of Angels: Including the Fallen Angels. The Free Press 1967, ISBN 0-02-907052-X.
  • David Godwin: Godwin's Cabalistic Encyclopedia. Llewellyn Publications 1994, ISBN 1-56718-324-7
  • Constance Victoria Briggs: The Encyclopedia of Angels : An A-to-Z Guide with Nearly 4,000 Entries. Plume, 1997, ISBN 0-452-27921-6.