Erzengel

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum gleichnamigen Ortsteil von Berg/Oberfranken siehe Erzengel (Berg)

Als Erzengel (aus dem Griechischen ἀρχή archē (‚Anfang, Führung‘, in der abgeleiteten Bedeutung ‚Ober-‘) und άγγελος ángelos (‚Bote‘)) wird im Judentum, Christentum und im Islam einer der Engel bezeichnet, der in der Engelhierarchie und für den Glauben eine herausragende Rolle spielt. Nur Michael wird in der Bibel als Erzengel genannt,[1] und nur zwei Engel werden in der Bibel überhaupt mit Namen benannt. Der eine ist der Erzengel Michael (Daniel 10:13, 12:1; Judas 9; Offenbarung 12:7, 8), der andere Engel ist Gabriel (Daniel 8:16, 9:21; Lukas 1:11-20, 26-28). In Spätschriften findet zudem noch Raphael (Tobit 5:4-12:22) Erwähnung; jedoch werden auch andere Engel in der Glaubenstradition (Lehre der römisch katholischen Kirche) als Teil einer Gruppe von Erzengeln verstanden.

Erzengel in der jüdischen Religion[Bearbeiten]

Zwei Erzengel[Bearbeiten]

Mit der Zeit der Wegführung, dem Babylonischen Exil, beginnt in den heiligen Schriften der Juden eine namentliche Nennung von Engeln.[2] In der Interpretation des Tanach kommt zwei Engeln besondere Funktion zu:

  • Michael, hebr. מיכאל mîkā'ēl „Wer ist wie Gott?“
  • Gabriel, hebr. גַּבְרִיאֵל gavri'ēl „Gott ist mein Held“ bzw. „Meine Stärke ist Gott“

Nach jüdischer Auffassung ist gavri'ēl der Vorsteher der Cherubim und Seraphim.

Weitere Erzengel[Bearbeiten]

Die spätere jüdische Tradition zählte sieben Erzengel. Die Siebenzahl geht auf eine Stelle im Buch Tobit zurück, wo Raphael sagt, er sei „einer von den sieben heiligen Engeln, die das Gebet der Heiligen emportragen und mit ihm vor die Majestät des heiligen Gottes treten.“[3] Neben den zwei im Tanach enthaltenen Erzengelnamen Gabriel und Michael werden im Laufe der Zeit z. B. in den pseudepigraphischen und deuterokanonischen Schriften und in der Tradition der Kaballah Chamuel, Haniel, Jophiel, Raguel, Sariel, Ramiel, Zadkiel, Raphael und Uriel als Namen von Erzengeln genannt.

Francesco Botticini: Erzengel Michael, Raphael und Gabriel, 1470
Meister von Calamarca: Barachiel, Bolivien, ca. 1750

Erzengel in der christlichen Religion[Bearbeiten]

Hauptartikel: Engel#Engel im Christentum

Drei/Vier Erzengel[Bearbeiten]

Im Christentum wurde bis ins Mittelalter analog der jüdischen Tradition die Existenz von drei oder vier Erzengeln (mit bzw. ohne „Uriel“) gelehrt:

Vor allem Michael als Engel des „Weltgerichtes“ der Apokalypse und Gabriel als „Botschafter“-Engel der Verkündigung an Maria waren weit bekannt und beliebte Figuren in christlicher Kunst. Eine Vierergruppe mit Uriel wurde vor allem im ostchristlichen Raum geehrt. Von Theologen wurde bis ins späte Mittelalter auch die Stellung und „tatsächliche“ Zahl der Erzengel in der Angelologie diskutiert.

Weitere Namen von Erzengeln[Bearbeiten]

In Palermo entstand ab 1516 mit Wiederentdeckung eines Freskos mit sieben Erzengeln in der Kirche „Setti Angeli“ eine Verehrung von sieben Erzengeln und weitete sich weiter über Italien bis in die Niederlande und nach Russland und auch Südamerika aus. Drei weitere Erzengel wurden als Jehudiel, Sealtiel und Barachiel im Volksglauben bekannt. Die russische orthodoxe Kirche fügte einen achten Erzengel, Jeremiel hinzu. Auch im Westen wurde die Zahl der Erzengel weiter bis auf neun oder zwölf erhöht.

Stellung der Erzengel[Bearbeiten]

Ein Chor der Erzengel steht über den „normalen“ Engeln, die als Emanation der Erzengel betrachtet werden.

Vier Engel des Islam[Bearbeiten]

Israfil (Irak, 1280)

Der Glaube an die Engel ist einer der sechs Glaubensartikel des Islam. Der Koran erwähnt in besonderer Form vier Engel:

  • Azrael, (arabisch ‏عزرائیل‎, DMG ʿAzrāʾīl), der „Todesengel“, mālik al-maut
  • Israfil, (‏ إسرافيل‎, DMG Isrāfīl), der „Engel des Jüngsten Gerichts“
  • Dschibril (‏جبريل‎, DMG Ǧibrīl), der „Übermittler der göttlichen Weisheit“, zu deutsch Gabriel (Dies ist derselbe Erzengel, der bei der Verkündigung Maria erscheint)
  • Mika'il//Mikaal (‏ميكائيل/ميكال‎), der „Engel der Naturereignisse“ (zu Deutsch Michael)

Eine besondere Bedeutung hat Dschibril, denn nach islamischer Auffassung ist er der Überbringer des Korans (Heiliger Geist, ‏روح القدس‎ / Rūḥ al-Qudus) und gilt als der „Botschafter“ zwischen Gott und den Propheten.

Literatur[Bearbeiten]

  • Wolfgang Braunfels (Hrsg.): Lexikon der christlichen Ikonographie. Begr. von Engelbert Kirschbaum. 8 Bde. Herder Verlag, Freiburg im Breisgau u.a. 1968-1976, ISBN 3-451-22568-9.
  • Heinrich Kreuzer: Die Engel, unsere mächtigen Fürbitter und ihre unschätzbare Aufgabe im Dienste der Schöpfung. Trimbach 1983, ISBN 3-85795-001-7 (formal falsche ISBN).
  • Barbara Leicht (Red.): Engel – Boten zwischen Himmel und Erde. Kath. Bibelwerk, Ed. "Welt und Umwelt der Bibel", Stuttgart 2008, ISBN 978-3-940743-43-5.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Erzengel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Erzengel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. (Jud 9 EU)
  2. vgl. dazu H. Krauss: Die Engel - Überlieferung, Gestalt, Deutung. 3. Auflage. C.H. Beck, 2005, S. 27.
  3. (Tob 12,15 EU)