Paradise Lost

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Paradise Lost (Begriffsklärung) aufgeführt.
Titelblatt der Erstausgabe

Paradise Lost (engl. ‚Das verlorene Paradies‘), veröffentlicht 1667, ist ein episches Gedicht in Blankversen des englischen Dichters John Milton. Es erzählt die Geschichte des Höllensturzes der gefallenen Engel, der Versuchung von Adam und Eva durch Satan, des Sündenfalls und der Vertreibung aus dem Garten Eden. Der Inhalt ist in zwölf Bücher gegliedert, die jeweils zwischen 640 und 1200 Zeilen umfassen.

Inhalt[Bearbeiten]

Satan, Stich von Gustave Doré, in John Miltons Paradise Lost

Satan und sein Gefolge haben gegen Gott rebelliert, wurden besiegt und als Strafe in die Hölle gestürzt. Sie errichten dort das Pandämonium, die Heimstatt aller gefallenen Engel, und beschließen, Gott ab jetzt durch List und Tücke statt auf dem offenen Schlachtfeld zu bekämpfen. Nach einer Beratung über das weitere Vorgehen bietet Satan sich an, die noch unbekannte Erde aufzusuchen, um herauszufinden, ob Gott die Menschen schon erschaffen hat. Der Mensch gilt als Gottes Lieblingsgeschöpf, und Satan will ihn verführen, um sich so an Gott zu rächen.

Satan betritt den Garten Eden, wo er erfährt, dass es Adam und Eva verboten ist, die Frucht vom Baum der Erkenntnis zu essen. Er sucht daraufhin Eva im Schlaf auf, hockt sich einer Kröte gleich an ihr Ohr und versucht, in der schlafenden Eva durch einen Traum das Verlangen nach der verbotenen Frucht zu wecken. Er wird jedoch von Engeln gestellt und aus dem Garten Eden verjagt.

Am nächsten Morgen erzählt Eva Adam von ihrem Traum, woraufhin Gott den Erzengel Raphael in das Paradies schickt, um die Menschen zu warnen und Adam die Geschichte von der Rebellion und dem Fall Satans zu erzählen.

William Blake, The Temptation and Fall of Eve, 1808 (Illustration von Miltons Paradise Lost)

Satan schleicht sich erneut ins Paradies, wo er sich in eine Schlange verwandelt und Eva dazu bringt, den Apfel vom Baum der Erkenntnis zu kosten. Sie bringt den Apfel Adam, der aus Liebe zu ihr von dem Apfel isst, um ihre Schicksale aneinander zu binden. So verlieren sie ihre Unschuld. Die beiden Höllentorwächter Sünde und Tod erscheinen auf der Welt und Gott schickt den Erzengel Michael mit weiteren Engeln, um Adam und Eva aus dem Paradies zu vertreiben. Zum Trost erhält Adam von Michael einen Einblick in die Zukunft bis zum Jüngsten Gericht und Eva einen Traum, der besagt, dass das verlorene Paradies wiedergewonnen werden kann.

Adam und Eva verlassen das Paradies, das hinter ihnen in Flammen aufgeht.

Charaktere[Bearbeiten]

Hauptcharakter des Gedichtes ist Satan, der Anführer der gefallenen Engel. Ursprünglich war sein Name Luzifer und er war einer der höchstrangigen Engel Gottes, doch nach einer von ihm angeführten Rebellion wurden er und sein Gefolge aus dem Himmel verbannt. Er ist der Vater der Personifikationen von Sünde und Tod und der Gegenspieler Gottes. Er ist der komplexeste Charakter des Gedichtes und gilt als Vorläufer des Byronschen Helden.

weitere Charaktere:

Stil[Bearbeiten]

Milton schuf für Paradise Lost einen eigenen Sprachstil. Das Verb steht – untypisch für die englische Sprache – am Satzende. Groß- und Kleinschreibung und Rechtschreibung sind stark stilisiert. Das Gedicht enthält viele Wörter aus anderen Sprachen, die übernommen und angepasst wurden, insbesondere sind hier Latinizismen zu nennen, die in der von Milton verwendeten Form auch zu damaliger Zeit ungebräuchlich waren. Das Gedicht ist in reimlosen fünfhebigen Jamben geschrieben.

Beeinflussungen[Bearbeiten]

Der Text ist beeinflusst von der Bibel, von Miltons eigener puritanischer Erziehung und seinem religiösen Blickwinkel, von Edmund Spenser, Homer und dem römischen Dichter Vergil.

Geschichte[Bearbeiten]

Paradise Lost wurde in den Jahren 1658–1665 geschrieben. Am 27. April 1667 verkaufte der blinde und verarmte Milton das Urheberrecht von Paradise Lost für 10 Pfund Sterling. Zu dieser Zeit war das Werk in 10 als Bücher bezeichnete Kapitel unterteilt. In einer Überarbeitung 1674 wurden zwei der längeren Kapitel von Milton noch einmal unterteilt und jedem Kapitel eine Zusammenfassung der Ereignisse vorangestellt.

Titelblatt der Erstausgabe von Paradise Regained (1671)

Im Jahre 1671 erschien Paradise Regained, in dem Milton erzählt, wie Gott dem Menschen die Möglichkeit gibt, das Paradies wiederzugewinnen. Diese Fortsetzung errang nie ein dem früheren Gedicht vergleichbares Ansehen.

Inspirationsquelle für andere Werke[Bearbeiten]

The Marriage of Heaven and Hell

In The Marriage of Heaven and Hell kommentierte William Blake:

„The reason Milton wrote in fetters when he wrote of Angels & God, and at liberty when of Devils & Hell, is because he was a true Poet and of the Devil’s party without knowing it.“

„Der Grund, weshalb Milton in Fesseln über Engel und Gott, und in Freiheit über Teufel und Hölle schreibt, ist, dass er ein wahrer Dichter und auf der Seite des Teufels war, ohne es zu wissen.“

William Blake: The Marriage of Heaven and Hell

Ende des 18. Jahrhunderts fand Miltons Gedicht, zusammen mit den Psalmen und dem 1. Buch Mose, Eingang in Joseph Haydns Oratorium Die Schöpfung. Das Material war von einem ansonsten unbekannten Lidley (oder Linley) wohl ursprünglich für Georg Friedrich Händel zu einem Oratorien-Libretto verarbeitet worden, wurde aber von Händel nie in Musik umgesetzt. Haydns Gastgeber bei seiner Englandreise, Johann Peter Salomon, gelangte in den Besitz einer Kopie von Lidleys Libretto und gab es an Haydn weiter, der es wiederum nach seiner Rückkehr nach Wien seinem Freund und Gönner Baron Gottfried van Swieten aushändigte, der eine deutsche Übersetzung veranlasste sowie eine der Haydnschen Musik angepasste englische Rückübersetzung. Das Oratorium wurde auf dieser Basis 1800 bilingual veröffentlicht und wird auch heute noch in beiden Sprachen aufgeführt.

In den späten 1970er Jahren schrieb der polnische Komponist Krzysztof Penderecki eine Oper auf der Grundlage von Paradise Lost. Das Epos war darüber hinaus eine der Ideenquellen für Philip Pullmans Romantrilogie His Dark Materials. Der Roman Paradies verloren des niederländischen Schriftstellers Cees Nooteboom bezieht sich ebenfalls auf Miltons Werk.

Glenn Danzig veröffentlichte 1992 eine instrumentale Interpretation des Gedichts auf seinem Album Black Aria, welches auf Platz 1 der amerikanischen Billboard-Charts in der Kategorie der klassischen Musik stieg.

Populärkultur der Gegenwart[Bearbeiten]

Im Hollywood-Film Im Auftrag des Teufels von Taylor Hackford trägt der Teufel, gespielt von Al Pacino, den Namen des Verfassers von Paradise Lost, John Milton.

In der Fantasy-Trilogie (Lycidas, Lilith und Lumen) von Christoph Marzi spielt Satan als Lucifer eine wichtige Rolle; er tritt dort in verschiedenen Zeiten unter anderen Namen auf, auch als John Milton.

Die englische Band Paradise Lost benannte sich nach dem Gedicht.

Paradise Lost ist auch der Titel des 2007 erschienenen Albums der symphonischen Progressive-Metal-Band Symphony X, die das Konzept des Werks verarbeitet und das Nachfolgewerk Paradise Regained im Titelstück ihres Albums The Divine Wings of Tragedy erwähnt.

Der Titel der Futurama-Episode Parasites Lost, in deutscher Fassung Im Reich der Parasiten, ähnelt Paradise Lost stark, und auch die Handlung in dieser Episode zeigt viele Parallelen zum Gedicht.

Das fünfte Studioalbum der englischen Dark-Metal-Band Cradle of Filth, Damnation and a Day, basiert auf Paradise Lost.

Im Hollywood-Film Sieben wird John Miltons Werk zusammen mit z.B. Dante Alighieris Göttlicher Komödie als literarischer Hintergrund zitiert und genannt.

Im Hollywood-Film Große Erwartungen von 1998 ist „Paradiso Perduto“ der Name des Gartens der reichen Mrs. Nora Dinsmoor. Der Garten ist eine zentrale Handlungsstätte des Films und verkörpert aufgrund der dort handelnden schicksalshaften Begebenheiten im übertragenen Sinne ein „verlorenes Paradies“.

In dem Stück Song of Joy vom Album Murder Ballads zitieren Nick Cave and the Bad Seeds einige Verse aus Paradise Lost, ebenso ist der Titel ihres Stücks Red Right Hand vom Album Let Love In eine Anspielung auf Miltons Werk.

Das Hörspiel Lost & Found: Das Paradies (BR/intermedium 2009) von Andreas Ammer und FM Einheit ist eine moderne Interpretation des Gedichtes.

In Alex Proyas’ Film The Crow – Die Krähe mit Brandon Lee in der Hauptrolle wird eine Passage aus Paradise Lost von T-Bird beim Überfall vorgelesen.

Die kalifornische Nu Metal Band Hollywood Undead hat ihren Song „Paradise Lost“ nach dem Gedicht benannt.[1]

Übersetzungen in die deutsche Sprache (Auswahl)[Bearbeiten]

Sekundärliteratur[Bearbeiten]

  • J. B. Broadbent: Der Sündenfall in Miltons »Paradise Lost«. In: Willi Erzgräber (Hrsg.): Interpretationen Band 7 · Englische Literatur von Thomas Morus bis Laurence Sterne. Fischer Verlag, Frankfurt a. M. et al. 1970, S. 138-164.

Online-Texte[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hollywood Undead – Paradise Lost Lyrics. Auf: Rap Genius. Abgerufen am 2. März 2014.