Alexander Pope

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Alexander Pope um 1727
Alexander Pope

Alexander Pope (* 21. Mai 1688 in London; † 30. Mai 1744 in Twickenham, heute Teil Londons) war ein englischer Dichter, Übersetzer und Schriftsteller des Klassizismus in der Frühzeit der Aufklärung.

Leben[Bearbeiten]

Als Sohn eines Leinenhändlers in eine katholische Familie hineingeboren, konnte Alexander Pope seine Erziehung - als Ergebnis der Strafgesetze, die seinerzeit in Kraft waren, um den Status der etablierten anglikanischen Kirche nicht zu gefährden - fast nur außerhalb der "normalen" Schulen erlangen. Ein der Familie bekannter Priester unterrichtete ihn in den klassischen Sprachen Latein und Griechisch, später lernte er auch Französisch und Italienisch. Schon seit dem 15. Lebensjahr schrieb Alexander Pope auch eigene Gedichte.

Im Jahr 1700 zog seine Familie nach Binfield im Windsor Forest um. Pope erkrankte an Tuberkulose und Asthma und entwickelte in der Folge eine Rückgratverkrümmung, was ihm später des Öfteren vorgehalten wurde. Er wurde nur 1,38 Meter groß und trug ein Mieder als Rückenstütze.

Nach seiner Rückkehr nach London im Jahr 1711 veröffentlichte Pope sein erstes größeres Werk: An Essay On Criticism. Damit gelang ihm der erste Durchbruch und er fand Zutritt zu literarischen Zirkeln, zunächst aus der oppositionellen Whig-Partei. Im Jahr 1713 wechselte er jedoch zu den Tories und wurde Mitglied im Scriblerus Club, wo er auch Jonathan Swift, John Gay, William Congreve und Robert Harley kennenlernte. Die daraus resultierenden fiktiven Memoiren des Martinus Scriblerus wurden ihrerseits in der Satire The Scribleriad (1751) von Richard Owen Cambridge karikiert. Schon im Jahr zuvor hatte Pope eine Erstversion von The Rape of the Lock, einer Komödie über den Krieg der Geschlechter, herausgegeben, was seiner Popularität weiteren Auftrieb verliehen hatte.

Pope bewunderte klassische Autoren wie Horaz, Vergil, Homer und erwählte sie als literarische Vorbilder. Zu seinen größten Leistungen zählen englische Übersetzungen der Ilias (1715–1720, 6 Bände) und der Odyssee von Homer (1725–1726, 5 Bände). Dotiert mit den Einnahmen aus diesen Werken zog er ein weiteres Mal um, nunmehr nach Twickenham, womit er dem Druck der anti-katholischen Jakobiten entging.

In Twickenham verlegte sich Pope auch auf Gartenbau und Landschaftsarchitektur. Er ließ sich eine künstliche Grotte anlegen, für die William Borlase, ein Antiquar und Naturforscher, mit dem er eine langjährige Korrespondenz pflegte, Fossilien und Mineralien beibrachte.[1] Er freundete sich mit seiner Nachbarin Lady Mary Wortley Montagu an. Nach Abkühlung dieser Beziehung begann er ein lebenslanges Verhältnis mit einer gewissen Martha Blount. In Twickenham empfing er auch viele namhafte Besucher, unter anderem Jonathan Swift, dem er bei der Veröffentlichung von Gullivers Reisen half.

Als seine Edition William Shakespeares angegriffen wurde, antwortete er 1728 mit dem Spottgedicht The Dunciad, das er 1742 noch erweiterte.

Im Jahr 1731 veröffentlichte er Moral Essays, drei Jahre später An Essay on Man. Zeitgleich arbeitete er an einer Veröffentlichung seines Briefwechsels in literarischer Kunstform.

Pope schloss sich auch den Freimaurern an und wurde Mitglied der Lodge No. 16, die sich in der Taverne Goat at the Foot of the Haymarket in London traf. Sie konstituierte sich 1729 und löste sich 1745 wieder auf. Auch sein Freund Jonathan Swift war Mitglied dieser Loge.[2]

In seinen letzten Jahren entwarf Pope höchstpersönlich in seinem Anwesen eine romantische Grotte, d. h. einen mit Muscheln und Spiegeln verzierten Tunnel, der das Flussufer seines Grundstücks mit dem hinteren Gartenteil verband.

Pope starb schließlich am 30. Mai 1744. Seine Hinterlassenschaft fiel an Martha Blount.

William Warburton gab 1751 posthum Alexander Popes gesammelte Werke, 'The Works of Alexander Pope, heraus.

Tätigkeit als Übersetzer und Herausgeber[Bearbeiten]

Homer[Bearbeiten]

Titelseite von Alexander Pope's Übersetzung von Homer's Odyssee aus dem Jahre 1752.

Im Jahre 1713 kündigte Pope seinen Plan an, die Ilias zu übersetzen. Das Werke sollte als jährliche Subskription innerhalb von 6 Jahren erhältlich sein. Pope vereinbarte mit dem Verleger Bernard Lintot ein Honorar von 200 Guineen. Die Übersetzung erschien ab 1715 und war 1720 abgeschlossen. Danach beschloss Pope auch die Odyssee zu übersetzen, bediente sich aber heimlich der Hilfe von zwei Co-Autoren. Das Werk erschien 1726.[3][4]

Shakespeare[Bearbeiten]

Etwa zu dieser Zeit, bat der Verleger Jacob Tonson Pope, eine Neuausgabe der Rowe-Ausgabe der Werke von Shakespeare aus dem Jahre 1709 zu besorgen. Die 6-Bändige Ausgabe erschien 1725. In der Geschichte der Ausgaben der Werke von Shakespeare nimmt sie eine besondere Stellung ein, da von Pope erstmals eine Kollationierung der Shakespeare-Texte vorgenommen wurde, indem er die foliobasierte Rowe-Ausgabe mit den damals zugänglichen Quartos verglich. Allerdings benutzte Pope die Gelegenheit weniger für eine ausführliche Bereinigung von Fehlern, als vielmehr für eine ästhetische Korrektur der Texte. Er verbannte ganze Textteile, die er für misslungen hielt in Fußnoten und markierte nach seiner Meinung gute Passagen mit Anführungsstrichen und Sternchen. Während die Veränderungen des Textes dem Geschmack der Zeit geschuldet sind, gilt Pope's Vorwort der Ausgabe als bedeutendes Dokument der Literaturkritik des 18. Jahrhunderts.[5]

Wirkung[Bearbeiten]

Pope war einer der ersten Berufs-Schriftsteller nicht-dramatischer Werke. Die 1717 erfolgte Edition seiner gesammelten Werke machten ihn zum führenden Vertreter der Briefdichtung.

Das bis heute meistgelesene und vielfach zitierte Werk Popes ist An Essay on Man, in dem er in der Nachfolge griechischer Philosophie und Dichtung (Sophokles) Glanz und Elend der menschlichen Existenz mit hohem Pathos in streckenweise ergreifenden Versen besingt.

Popes Dichtung spiegelt auch die Kulturgeschichte seines Landes wider. Er schrieb pastorale Gedichte zur Zeit von Königin Anne, Homer-Übersetzungen unter König Georg I. sowie im dritten Abschnitt seiner schriftstellerischen Tätigkeit über die hauptsächlichen religiösen und intellektuellen Probleme seiner Zeit.

Pope wurde auch berühmt für seine hintergründig-satirischen und aggressiv-bitteren Auseinandersetzungen mit anderen Schriftstellern.

Im Übrigen war er der letzte große Dichter, der in traditionellen rhythmischen Reimpaaren schrieb, er entwickelte die sogenannten Heroic Couplets und schöpfte im Wesentlichen ihren Nutzen für spätere Dichter aus.

Die Einleitung der Erzählung "Der Unsterbliche" [6] von Jorge Luis Borges bildet der Erwerb eines antiquarischen Exemplars der Erstausgabe von Popes Homerübersetzung durch die Prinzessin Lucinge – wohl Anspielung auf Prinzessin Liliane Marie Mathilde, gen. Baba, de Faucigny-Lucinge, geb. Beaumont, baronne d'Erlanger (1902-1945), die einen berühmten Salon führte und deren Ehemann Jean-Louis Charles Marie Francois Guy Prinz Faucigny-Lucinge ein Enkel des Charles Ferdinand, Duc de Berry (1778-1820) war und damit die Erinnerung an den bibliophilen Jean de Valois, duc de Berry evoziert .[7] Im letzten der sechs Bände dieser Ausgabe, die die Prinzessin von dem wie Homer auf der Insel Ios bestatteten Antiquar Cartaphilus in Smyrna, dem angeblichen Geburtsort Homers, kurz vor dessen Tod erworben habe, soll sich das Manuskript der Erzählung gefunden haben.

Zitat[Bearbeiten]

Pope schrieb ein berühmtes Gedicht über Sir Isaac Newton:

Nature and nature's laws lay hid in night;
God said "Let Newton be!" and all was light.
Natur und der Natur Gesetze lagen in dunkler Nacht;
Gott sprach: Newton sei! Und sie strahlten voll Pracht.

Literarische Orte[Bearbeiten]

Heute können noch besichtigt werden:

  • Grotte und Villa Alexander Popes, Cross Deep, Twickenham, Middlesex
  • Manor House und Popes Tower, Stanton Harcourt nahe Withey (Pope übersetzte hier den 5. Band von Homers Ilias)

Werke[Bearbeiten]

  • Pastorals (1709)
  • An Essay on Criticism (1711)
  • The Rape of the Lock (1712)
  • Windsor Forest (1713)
  • Iliad (1715-20, Homer-Übersetzung)
  • Odyssey (1725-26, Homer-Übersetzung)
  • Miscellanies (1727, mit Jonathan Swift)
  • The Dunciad (erstmals 1728, danach mehrfach geändert und erweitert)
  • An Essay on Man (1732-34)
  • Imitations of Horace (1733-37)

Neuausgaben

Literatur[Bearbeiten]

  • Pat Rogers: A political biography of Alexander Pope, London : Pickering & Chatto, 2010, ISBN 978-1-85196-846-6

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Alexander Pope – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Alexander Pope – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise und Fußnoten[Bearbeiten]

  1. William Borlase - LoveToKnow 1911. 1911encyclopedia.org. 21. Oktober 2006. Abgerufen am 8. Oktober 2010.
  2. William R. Denslow, Harry S. Truman: 10,000 Famous Freemasons from K to Z, Part Two. Kessinger Publishing, ISBN 1-4179-7579-2.
  3. Fraser, George: Alexander Pope. Routledge 1978 S. 52.
  4. Damrosch, Leopold: The Imaginative World of Alexander Pope. University of California Press, 1987. S. 59.
  5. Michael Dobson and Stanley Wells: The Oxford Companion to Shakespeare. S. 350.
  6. Ursprünglich in dem Band El Aleph (1949), vgl. Jorge Luis Borges, Sämtliche Erzählungen. Das Aleph. Fiktionen. Universalgeschichte. Niedertracht. Hanser, München 1979, S. 7-23.
  7. fr:Baba de Faucigny-Lucinge. Ihr Vater war Emile Beaumont Baron d’Erlanger.