John Dee

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Ein Porträt von John Dee (16. Jahrhundert), Künstler unbekannt. Angeblich zeigt es Dee im Alter von 67 Jahren. Es gehörte seinem Enkel Rowland Dee und später Elias Ashmole, der es der Universität Oxford vermachte.

John Dee (* 13. Juli 1527 in London; † 1608 in Mortlake-Surrey) war ein englischer Mathematiker, Astronom, Astrologe, Geograph, Mystiker. Unter Königin Maria I. wurde Dee der schwarzen Magie und Zauberei angeklagt. Nach Marias Tod wurde er von der Thronfolgerin Elisabeths I. zum Hofastrologen und königlichen Berater ernannt. 1564 unterrichtete er Elisabeth I. in Astrologie und beriet ihre führenden Minister Francis Walsingham und William Cecil.

In seinem 1564 veröffentlichen Buch Monas Hieroglyphica führte er mithilfe der Mathematik, Kaballah und Alchemie die Schöpfung auf eine Einheit aus Punkt, Linie und Kreis zurück.

Dee widmete sich der judäo-christlichen Magie, Astrologie und hermetischen Philosophie und im Bemühen um Kontaktaufnahme mit Engeln assistierte ihm 1582–1587 das Medium Edward Kelley. Aus dieser Zusammenarbeit ging die henochische Sprache hervor.

Als berühmter Gelehrter widmete er sich technisch-naturwissenschaftlichen, philosophisch-neuplatonischen und esoterischen Studien und hielt bereits in jungen Jahren Vorlesungen an der Universität Paris. Er war führender Experte in Navigation und hat viele derjenigen Engländer ausgebildet, die Entdeckungsreisen über den Atlantik durchführen sollten. In einer von mehreren Abhandlungen, die Dee in den 1580er Jahren schrieb, um britische Erkundungsexpeditionen nach der Suche der Nordwestpassage anzuregen, prägte er den Ausdruck „Britisches Empire“.

Als Anhänger des Neuplatonismus der Renaissance (Hauptvertreter Marsilio Ficino) waren für Dee mathematische Forschungen und Untersuchungen in der hermetischen Magie sowie der Divination nicht unvereinbar, sondern er betrachtete diese Aktivitäten als unterschiedliche Aspekte einer konsistenten Weltanschauung mit der gleichen Aufgabe: der Suche nach einem transzendenten Verständnis der göttlichen Ideen, welche sich hinter der sichtbaren Welt befinden.

Den Gelehrten Frances Yates und Peter French zufolge besaß Dee zu seinen Lebzeiten die größte Bibliothek Englands und eine der größten von Europa.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Frühes Leben[Bearbeiten]

Dee wurde 1527 als Sohn des wohlhabenden und aus altem Adel stammenden Rowland Dee im Tower Ward (City of London) geboren. Der walisische Familienname Dee soll vom walisischen du (‚schwarz‘) abgeleitet worden sein. Dee besuchte die Chelmsford Chantry School und ab 1542 das St John’s College in Cambridge. 1545 erhielt er den Bachelor of Arts. Im Mai 1547 reiste er in die Niederlande, um bei dem Mathematiker und Astronomen Gemma Frisius und dessen Schüler, dem Kartografen Gerhard Mercator, zu studieren. Ausgestattet mit Mercators astronomischen Instrumenten, kehrte Dee wenige Monate später nach Cambridge zurück.

1548 wurde Dee zum Master of Arts ernannt. Er verließ Cambridge erneut, um in Löwen Alchemie und den damaligen Wissenschaftszweig magia naturalis zu studieren. Er erwarb sich einen ausgezeichneten wissenschaftlichen Ruf, der ihm Zugang zu höchsten Kreisen verschaffte. So pflegte er Kontakte zum Herzog von Mantua, zu Johann Capito, dem Leibarzt des dänischen Königs, zu Luis de la Cerda, dem späteren Herzog von Medinaceli, zu Sir William Pickering und dem Hofmathematiker Mathias Hacus. 1550 reiste Dee nach Paris, wo er Kontakte zu Adrianus Turnebus, Petrus Ramus, Amarus Ranconet, Jean Fernel und Petrus Nonius unterhielt.[1] 1552 traf er Gerolamo Cardano in London. Während ihrer Bekanntschaft arbeiteten sie an einem Perpetuum Mobile und untersuchten einen Edelstein, dem magische Eigenschaften nachgesagt wurden. Dee hielt Vorlesungen in Paris über Euklid.

Dee wurde 1554 in Oxford ein Lehrstuhl für Mathematik angeboten, den er ablehnte, da in seinen Augen die Englischen Universitäten zu sehr auf Rhetorik und Grammatik ausgerichtet seien – diese beiden Fächer bildeten zusammen mit Logik das akademische Trivium –, während die Fächer Philosophie und Wissenschaft vernachlässigt würden – das weiter fortgeschrittene Quadrivium, das Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie beinhaltete. Dee präsentierte Königin Maria I. einen visionären Plan für die Erhaltung alter Bücher, Manuskripte und Aufzeichnungen und schlug 1556 die Gründung einer Nationalbibliothek vor, doch sein Plan fand keine Unterstützung. Stattdessen baute er in seinem Haus in Mortlake eine private Bibliothek auf, indem er ständig Bücher aus England und dem europäischen Kontinent zukaufte. So wurde seine Bibliothek zur größten Sammlung Englands seiner Zeit und zog viele Gelehrte an.

1555 wurde Dee, wie bereits sein Vater, durch das System der Vererbung (Patrimonium) der Zunft Mitglied der Worshipful Company of Mercers (‚Ehrenwerte Zunft der Händler‘).

Dees Glyphe, deren Bedeutung in seinem Werk Monas Hieroglyphica erklärt wird

Im selben Jahr, 1555, wurde er unter der Herrschaft von Maria I. verhaftet und wegen der Ausübung von schwarzer Magie und Zauberei gegen die Königin angeklagt.[2] Der Anklage wurde später der Vorwurf des Verrats an Maria hinzugefügt. Dee erschien vor der Star Chamber und verteidigte sich selbst, wurde aber dem reaktionären katholischen Bischof Bonner zur religiösen Begutachtung zugewiesen. Dee wurde nach kurzer Haft freigelassen.[3] Später wurde Dee zu einem engen Freund Bonners.

Als Elisabeth I. 1558 den Thron bestieg, ernannte sie ihn zu ihrem engsten Berater in Sachen Astrologie und Wissenschaft. Er erhielt jedoch nie eine Anstellung, die ihm finanzielle Unabhängigkeit sicherte.[3] Er sei auch mit der Wahl von Elisabeths Krönungsdatum betraut gewesen. In den 1550er bis 1570er Jahren diente er als Berater bei Englands Entdeckungsreisen, bot technische Hilfe bei der Navigation und ideologische Unterstützung bei der Gründung des „Britischen Empires“. 1577 veröffentlichte Dee General and Rare Memorials pertayning to the Perfect Arte of Navigation, eine Arbeit, die seine Vision eines maritimen Weltreichs und angeblicher englischer Territorialsansprüche an die Neue Welt darlegt. Dee war mit Humphrey Gilbert bekannt und stand Sir Philip Sidney sowie dessen Kreis nahe. Es ist außerdem bekannt, dass Königin Elisabeth I. sein Haus in Mortlake mehrfach besuchte.

1564 schrieb Dee die hermetische Arbeit Monas Hieroglyphica (‚Die Hieroglyphische Monade‘), eine erschöpfende kabbalistische Interpretation einer Glyphe einzigartigen Aufbaus, mit der die mystische Einheit der gesamten Schöpfung zum Ausdruck gebracht werden sollte. Diese Arbeit wurde von vielen Zeitgenossen Dees hoch geschätzt, aber der Verlust der geheimen mündlichen Überlieferung in Dees Umfeld steht einer entschlüsselnden Deutung heute entgegen.

Er veröffentlichte 1570 ein Mathematical Preface (‚Mathematische Einleitung‘) zu Henry Billingsleys englischer Übersetzung von Euklids Elementen, worin er die zentrale Bedeutung der Mathematik, sowie deren Einfluss auf die anderen Künste und Wissenschaften, hervorhob. Obwohl eigentlich für den ungebildeten Leser gedacht, erwies es sich als Dees einflussreichstes Werk und wurde häufig nachgedruckt.

Späteres Leben[Bearbeiten]

In den frühen 1580er Jahren wurde Dee zunehmend unzufriedener, da er wenig Fortschritte beim Lernen der Geheimnisse der Natur machte und nur über wenig Einfluss und Bekanntheitsgrad verfügte. Er begann sich dem Übersinnlichen zuzuwenden, in dem Bemühen, Weisheit zu erlangen. Er suchte den Kontakt mit Engeln mithilfe eines „Scryers“, respektive Kristallsehers, der als Medium zwischen Dee und den Engeln fungierte.

Wie seine Büchersammlung belegt, hatte Dee mehr als ein beiläufiges Interesse an Engeln. Er beschäftigte sich sehr mit Angelologie und insbesondere mit der Kommunikation mit Engeln; so sammelte er alle schriftlich überlieferten Gespräche zwischen Mensch und Engel. Er studierte die Gemeinsamkeiten der Engels-Gespräche mit verschiedenen Texten, unter anderem von Ficino, Agrippa von Nettesheim und Johannes Trithemius sowie den weitverbreiteten biblischen Apokryphen und der Pseudepigraphie. Dee war vertraut mit einem der größten Mathematiker seiner Zeit, Girolamo Cardano, der des öfteren von seinem Schutzengel sprach. Agrippa ermutigte seine Leser „eine Stimme von oben, eine Stimme die von oben lehrt“ zu suchen. Agrippas Lehrer, Johannes Trithemius, diskutierte in De septem secundeis eine Fernkommunikation basierend auf den sieben klassischen Planeten und deren Engeln „gemäß der Tradition der Weisen des Altertums“. Dee besaß zudem mindestens 16 Werke von Robert Grosseteste, mit dem er ein synergistisches Interesse an Engeln, aber auch der Optik, Mathematik und Astronomie teilte. Alle diese Mathematiker, Kryptographen und Philosophen, die nach eigenen Angaben Offenbarungen durch Engel hatten, kamen darin überein, dass göttliche Boten, Begleiter bei Offenbarungsreisen und Engel der Apokalypse, gängige und vertrauenswürdige Informationsquellen der Patriarchen des Altertums waren.

Seine eigenen ersten Versuche in dieser Richtung stellten ihn nicht zufrieden, aber 1582 traf er auf Edward Kelley, der ihn mit seinen angeblichen Fähigkeiten in hohem Maße beeindruckte. Dee nahm Kelley in seine Dienste und begann sich ganz den übersinnlichen Zielen zu widmen. Diese „Engelsgespräche“ oder „spirituellen Konferenzen“ waren durchdrungen von intensiver christlicher Frömmigkeit und fortwährenden Perioden der Läuterung, des Gebets und Fastens. Dee war völlig davon überzeugt, dass sie mit den Ergebnissen der Menschheit helfen könnten. Dee sollen auf diese Weise mehrere Bücher von den Engeln diktiert worden sein, die ihm angeblich die henochische Sprache offenbarten und ein neues magisches System eröffneten.

1583 traf Dee auf den polnischen Edelmann Albert Laski, der die Engländer einlud, ihn auf seiner Rückreise nach Polen zu begleiten. Nach einigen Rückfragen bei den Engeln war Dee bereit, sich auf den Weg zu machen. Dee, Kelley und ihre Familien verließen England im September 1583, aber wie sich bald herausstellte, war Laski zahlungsunfähig und in seinem eigenen Land nicht willkommen. Dee und Kelley begannen ein Nomadenleben in Mitteleuropa, führten jedoch ihre spirituellen Konferenzen fort, die Dee sorgfältig aufzeichnete. Er hatte Audienzen bei Kaiser Rudolf II.[4] und König Stephan von Polen, in denen er ihnen ihre angebliche Gottlosigkeit vorwarf und sie von der Wichtigkeit seiner Engelsgespräche zu überzeugen versuchte. Er wurde von keinem der beiden Monarchen aufgenommen.

Während einer spirituellen Konferenz in Böhmen 1587 teilte ihm Kelley mit, der Engel Uriel habe angeordnet, die zwei Männer sollten ihre Frauen tauschen. Kelley war zu dieser Zeit gerade dabei, sich einen Namen als Alchemist zu machen und war weitaus gefragter als Dee; vielleicht versuchte er auf diesem Weg, die „spirituellen Konferenzen“ abzubrechen. Die Anordnung bereitete Dee große Qualen, aber er zweifelte die Echtheit derselben nicht an und ließ offenbar der Sache ihren Lauf, brach aber die Konferenzen kurz darauf unverzüglich ab und sah Kelley nie wieder.

Privatleben[Bearbeiten]

Dee war dreimal verheiratet und hatte acht Kinder. Sein ältester Sohn war Arthur Dee, über ihn schrieb Dee einen Brief an seinen Direktor in der Westminster School, der die Sorgen der Eltern über Internatsschüler wiedergibt; Arthur war ebenfalls ein Alchemist und hermetischer Autor. John Aubrey beschrieb Dee folgendermaßen: „Er war groß und schlank. Er trug einen Umhang ähnlich einem Künstlerumhang, mit hängenden Ärmeln und einem Schlitz […] Einen sehr schönen, klar lebendigen Teint […] einen langen Bart so weiß wie Milch. Ein sehr gutaussehender Mann.“

Die letzten Jahre[Bearbeiten]

1589 kehrte er nach England zurück, wo er seine Bibliothek ruiniert vorfand, viele seiner gepriesenen Bücher und Instrumente waren während seiner Abwesenheit gestohlen worden. Er ersuchte Elisabeth um Unterstützung, die ihn schließlich 1592 zum Rektor des Christ’s College in Manchester (inzwischen Manchester Grammar School) ernannte. Jedoch wurde er inzwischen weithin als Schwarzmagier verschmäht und hatte deshalb nur geringen Einfluss auf seine Untergebenen. Er verließ Manchester im Jahr 1605. In der Zwischenzeit war Elisabeth gestorben und Jakob I. ihr auf den Thron gefolgt, der nichts für das Übersinnliche übrig hatte und Dee keinerlei Hilfe gewährte. So verbrachte er seine letzten Jahre in Armut und verstarb Ende 1608 oder Anfang 1609 in Mortlake. Sowohl das Sterberegister als auch Dees Grabstein sind verloren gegangen.

Errungenschaften[Bearbeiten]

Im Denken[Bearbeiten]

Dee war ein intensiv frommer Christ, aber seine Religiosität wurde von den hermetischen und platonisch-pythagoräischen Doktrinen tiefgreifend beeinflusst, die in der Renaissance weitverbreitet waren. Er glaubte, die Basis aller Dinge und der Schlüssel zur Weisheit seien Zahlen; Gottes Schöpfung sei ein Akt des Zählens.

Der Hermetik entnahm er den Glauben an das Potential des Menschen, ein Gott zu sein, und er glaubte, die göttlichen Kräfte könnte man mit Mathematik kontrollieren. Seine kabbalistische Engelsmagie (die hochgradig numerologisch ist) und seine Arbeiten an praktischer Mathematik (etwa Navigation) sah er als verherrlichte und irdische Enden desselben Spektrums, und nicht als widersprüchliche Aktivitäten, für die man sie heute halten würde. Sein größtes Ziel war es, zu einer vereinigten Weltreligion beizutragen, durch die Überbrückung des Bruchs zwischen den katholischen und protestantischen Kirchen und die Wiedererlangung der reinen Theologie des Altertums.

Ruf und Bedeutung[Bearbeiten]

Titelblatt von Henry Billingsleys englischer Übersetzung der Elemente, mit einem Vorwort Dees (1570)

Seine eigene Bibliothek in Mortlake war die größte des Landes und galt als eine der auserlesensten in ganz Europa, vielleicht nur übertroffen von jener de Thous. Neben seinen Leistungen als astrologischer, wissenschaftlicher und geografischer Berater für Elisabeth I. und ihrem Hof war er auch ein früher Vertreter für die britische Kolonisierung Amerikas und ein Visionär eines sich über den Nordatlantik streckenden britischen Empires.

Dee förderte die Wissenschaft der Navigation und Kartografie. Er studierte mit Gerhard Mercator und besaß eine wichtige Sammlung von Landkarten, Globen und astronomischen Instrumenten. Er entwickelte sowohl neue Instrumente als auch spezielle Navigationstechniken für den Gebrauch in Polarregionen. Dee diente als Berater für Englands Entdeckungsreisen und wählte persönlich Piloten aus, um sie in Navigation auszubilden. Er prägte den Begriff Embadometrie.

Er glaubte, dass Mathematik (welche er als mystisch verstand) zentral war für den Fortschritt des menschlichen Lernens. Die Zentralität der Mathematik in seiner Vision lässt ihn in diesem Bereich anschlussfähiger an die Moderne erscheinen als den Gelehrten Francis Bacon, wenngleich Dees Verständnis der Mathematik radikal von der heutigen Auffassung abwich.

Seine vielleicht langanhaltendste praktische Errungenschaft war die Förderung der Mathematik außerhalb der Universitäten. Sein Mathematical Preface zu Euklid war dazu gedacht, das Studium und die Anwendung der Mathematik bei Menschen ohne universitäre Ausbildung zu fördern, und war sehr populär und einflussreich unter den „mecanicians“, der neuen und im Aufsteigen begriffene Klasse der technischen Meister und Handwerker. Dees Einleitung beinhaltete Demonstrationen von mathematischen Prinzipien, die die Leser selbst nachvollziehen konnten.

Dee war ein Freund von Tycho Brahe und war vertraut mit der Arbeit von Nicolaus Copernicus. Viele seiner astronomischen Kalkulationen basieren auf dem kopernikanischen Weltbild, aber er unterstützte die heliozentrische Theorie nie öffentlich. Zwar wandte Dee dieses Wissen bei dem Problem der Kalenderreform an, seine Empfehlungen wurden jedoch aus politischen Gründen verworfen.

Er wird manchmal im Zusammenhang mit dem Voynich-Manuskript genannt. Wilfrid M. Voynich, der das Manuskript 1912 kaufte, hat angedeutet, dass das Manuskript vielleicht in Dees Besitz war, und er es an Rudolf II. verkaufte. Jedoch hatte Dee weit weniger Kontakte mit Rudolf II. als früher angenommen, und Dees Tagebücher geben keinen Aufschluss über einen derartigen Verkauf. Es ist jedoch bekannt, dass Dee ein anderes verschlüsseltes Buch, das Buch Soyga, besaß.

Artefakte[Bearbeiten]

Objekte, die Dee bei seiner Magie verwendete, ausgestellt im Britischen Museum

Das Britische Museum beherbergt mehrere Gegenstände, die John Dee gehörten und in Verbindung gebracht werden mit seinen sogenannten Engelsgesprächen:

  • Dees Spiegel, ein Azteken-Kultobjekt aus hochpoliertem Obsidian (Vulkanglas), in der Form eines Handspiegels; im Durchmesser 18,4 cm, und nach Europa gebracht in den späten 1520er Jahren. Den Spiegel erwarb 1771 Horace Walpole.
  • Ein großes und gut erhaltenes Wachssiegel, das sogenannte Sigillum Dei Æmeth, welches als Sockel für den „Schaustein“ benutzt wurde.
  • Zwei kleinere Versionen des oben angesprochenen Wachssiegels, die die Beine seines „Heiligen Tisches“ stützten.
  • Ein goldenes Amulett in Form einer Scheibe, graviert mit einer Darstellung von Kelleys Vision der vier Wachtürme am 20. Juni 1584 in Krakau, die Dee für besonders wichtig erachtete. Die Scheibe wiegt 38,25 Gramm, hat einen Durchmesser von 8,8 cm und besteht aus einer Rotgold-Legierung (90 % Au und 10 % Cu). Die Scheibenoberfläche wurde durch einen chemischen Prozess hochwertig veredelt. In der Mitte der Scheibe wurde ein Loch ausgestanzt, was offenbar der leichteren Handhabung diente. Die Scheibe wurde aber erst nach Dees Rückkehr in seiner Heimat angefertigt, wie das Zeichen eines Londoner Goldschmiedes auf ihr belegt.
  • Eine Kristallkugel, sechs Zentimeter Durchmesser. Dieses Stück lag viele Jahre unbeachtet in der Mineraliensammlung; möglicherweise gehörte es Dee, aber die Herkunft dieses Objekts ist weniger gewiss als die der anderen.

Im Dezember 2004 wurde der Schaustein samt der dazugehörigen und mitausgestellten Anleitung für seinen Gebrauch (geschrieben von Nicholas Culpeper, Mitte 16. Jahrhundert) aus dem Science Museum in London entwendet. Die Ausstellungsstücke konnten kurz danach wiedererlangt werden.

Rezeption in Literatur und Musik[Bearbeiten]

John Dee und Edward Kelley, einen Geist herbeirufend (Fiktion)

John Dee soll William Shakespeare als Vorbild für die Figur des Prospero in Der Sturm gedient haben. In Das Foucaultsche Pendel von Umberto Eco kommt der Figur des John Dee eine besondere Bedeutung zu, und im Roman Maxie’s Demon von Michael Scott Rohan ist er eine der Hauptfiguren. Der Schriftstellerin Mary Hoffman diente Dee als Vorbild für den Naturphilosophen William Dethridge in ihrer Trilogie Stravaganza. Gustav Meyrink spürte dem Leben des John Dee in seinem esoterischen Schlüsselroman Der Engel vom westlichen Fenster auf ungewöhnliche Weise nach. In H. P. Lovecrafts Cthulhu-Mythos gilt Dee als derjenige, der das Necronomicon ins Englische übersetzte. In Rettet die Rundwelt von Terry Pratchett, Ian Stewart und Jack Cohen gelangen die Zauberer der Unsichtbaren Universität durch Dees Bibliothek, die durch den „L-Raum“ mit der Scheibenwelt verbunden ist, in unsere Welt, um uns vor dem Einfluss der Elfen zu schützen. In der Romanreihe des irischen Schriftstellers Michael Scott um den "unsterblichen Alchemysten" tritt John Dee als Gegenspieler Nicholas Flamels und dessen Frau auf. In In königlichem Auftrag und Im Haus des Zauberers von Mary Hooper spielt Dee eine der Hauptpersonen. Auch in deutschen Romanreihen, wie zum Beispiel der Lycidas-Reihe von Christoph Marzi, ist John Dee eine tragende Figur. In diesen Romanen unterstellt man John Dee, dass er niemals gestorben sei und unter anderem John Milton gewesen sei und in der heutigen Zeit Lycidas (=Luzifer / Lichtbringer) ein treuer Gehilfe sei. Auch wird er in der Reihe von Jugendromanen unter dem Titel Die Kronos-Geheimnisse von Marie Rutkoski erwähnt.

In dem Iron-Maiden-Lied The Alchemist von dem Album The Final Frontier wird über das Treffen von John Dee und Edward Kelley und den Übergang von Magie und Wissenschaft gesungen (2010, EMI-Records).

Literatur[Bearbeiten]

  • Ronny Baier: Dee, John. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 21, Bautz, Nordhausen 2003, ISBN 3-88309-110-3, Sp. 322–330.
  • I.R.F. Calder: John Dee Studied as an English Neo-Platonist. Warburg Institute, London 1952.
  • Nicholas H. Clulee: John Dee’s Natural Philosophy: Between Science and Religion. Routledge, London 1988, ISBN 0-415-00625-2.
  • Stephen Clucas (Hrsg.): John Dee: Interdisciplinary Studies in Renaissance Thought. Springer, Dordrecht 2006, ISBN 1-4020-4245-0.
  • Richard Deacon: John Dee: Scientist, Geographer, Astrologer and Secret Agent to Elizabeth I. Frederick Muller, London 1968.
  • John Heilbron: Essay zu John Dee, in: John Dee on Astronomy: Propaedeumata aphoristica. University of California Press 1978, (Herausgeber und Übersetzer Wayne Shumaker).
  • Charlotte Fell Smith: John Dee: 1527–1608. Constable, London 1909.
  • Peter J. French: John Dee: The World of an Elizabethan Magus. Routledge & Kegan Paul, London 1972, ISBN 0-7102-0385-3.
  • Martin Kugler: Astronomy in Elizabethan England, 1558 to 1585: John Dee, Thomas Digges, and Giordano Bruno. Université Paul Valéry, Montpellier 1982.
  • William Howard Sherman: John Dee: The Politics of Reading and Writing in the English Renaissance. University of Massachusetts Press, Amherst 1995, ISBN 1-55849-070-1.
  • Frances A. Yates: The Occult Philosophy in the Elizabethan Age. Routledge, London 2001, ISBN 0-415-25409-4 (freies Digitalisat; PDF; 6,0 MB).
  • Frances A. Yates: Renaissance Philosophers in Elizabethan England: John Dee and Giordano Bruno. In: Lull & Bruno. Collected Essays Vol. I. London: Routledge Kegan & Paul (1982) ISBN 0-7100-0952-6

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: John Dee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Karl R. H. Frick: Licht und Finsternis. Gnostisch-theosophische und freimaurerisch-okkulte Geheimgesellschaften bis zur Wende des 20. Jahrhunderts. Bd. 1, Marix, Wiesbaden 2005, ISBN 3-86539-044-7, S. 276-277.
  2. Frances A. Yates: Die okkulte Philosophie im elisabethanischen Zeitalter. Amsterdam 1991, S. 92.
  3. a b The British Museum: Dr John Dee (1527-1608/9). Abgerufen am 15. Dezember 2013.
  4. Ausführlich Joachim Telle: John Dee in Prag. Spuren eines elisabethanischen Magus in der deutschen Literatur. In: Peter-André Alt, Volkhard Wels (Hrsg.): Konzepte des Hermetismus in der Literatur der Frühen Neuzeit. (= Berliner Mittelalter- und Frühneuzeitforschung. Bd. 8). V&R unipress, Göttingen 2010, ISBN 978-3-89971-635-1, S. 259–296 (Vorschau bei Google Bücher).