John Dee

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Ein Porträt von John Dee (16. Jahrhundert), Künstler unbekannt. Angeblich zeigt es Dee im Alter von 67 Jahren. Es gehörte seinem Enkel Rowland Dee und später Elias Ashmole, der es der Universität Oxford vermachte.

John Dee (* 13. Juli 1527 in London; † 1608 in Mortlake-Surrey) war ein englischer Mathematiker, Astronom, Astrologe, Geograph, Mystiker. Unter Königin Maria I. wurde Dee der schwarzen Magie und Zauberei angeklagt. Nach Marias Tod wurde er von der Thronfolgerin Elisabeths I. zum Hofastrologen und königlichen Berater ernannt. 1564 unterrichtete er Elisabeth I. in Astrologie und beriet ihre führenden Minister Francis Walsingham und William Cecil.

In seinem 1564 veröffentlichen Buch Monas Hieroglyphica führte er mithilfe der Mathematik, Kaballah und Alchemie die Schöpfung auf eine Einheit aus Punkt, Linie und Kreis zurück.

Dee widmete sich der judäo-christlichen Magie, Astrologie und hermetischen Philosophie und im Bemühen um Kontaktaufnahme mit Engeln assistierte ihm 1582–1587 das Medium Edward Kelley. Aus dieser Zusammenarbeit ging angeblich die henochische Sprache hervor.

Als berühmter Gelehrter widmete er sich technisch-naturwissenschaftlichen, philosophisch-neuplatonischen und esoterischen Studien und hielt bereits in jungen Jahren Vorlesungen an der Universität Paris. Er war führender Experte in Navigation und hat viele derjenigen Engländer ausgebildet, die Entdeckungsreisen über den Atlantik durchführen sollten. In einer von mehreren Abhandlungen, die Dee in den 1580er Jahren schrieb, um britische Erkundungsexpeditionen nach der Suche der Nordwestpassage anzuregen, prägte er den Ausdruck „Britisches Empire“.

Als Anhänger des Neuplatonismus der Renaissance (Hauptvertreter Marsilio Ficino) waren für Dee mathematische Forschungen und Untersuchungen in der hermetischen Magie sowie der Divination nicht unvereinbar, sondern er betrachtete diese Aktivitäten als unterschiedliche Aspekte einer konsistenten Weltanschauung mit der gleichen Aufgabe: der Suche nach einem transzendenten Verständnis der göttlichen Ideen, welche sich hinter der sichtbaren Welt befinden.

Den Gelehrten Frances Yates und Peter French zufolge besaß Dee zu seinen Lebzeiten die größte Bibliothek Englands und eine der größten von Europa.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Frühes Leben[Bearbeiten]

Dee wurde 1527 als Sohn des wohlhabenden und aus altem Adel stammenden Rowland Dee im Tower Ward (City of London) geboren. Der walisische Familienname Dee soll vom walisischen du (‚schwarz‘) abgeleitet worden sein. Dee besuchte die Chelmsford Chantry School und ab 1542 das St John’s College in Cambridge. 1545 erhielt er den Bachelor of Arts. Im Mai 1547 reiste er in die Niederlande, um bei dem Mathematiker und Astronomen Gemma Frisius und dessen Schüler, dem Kartografen Gerhard Mercator, zu studieren. Ausgestattet mit Mercators astronomischen Instrumenten, die er für das Trinity College erwarb, kehrte Dee wenige Monate später nach Cambridge zurück. Der Erwerb solcher Geräte und Karten war von großer Bedeutung für Englands Rolle als aufstrebende Kolonialmacht in Konkurrenz zu Portugal und Spanien.

1548 wurde Dee zum Master of Arts ernannt. Er verließ Cambridge erneut, hielt sich in Frankreich und in Löwen auf. Er studierte in dieser Zeit auch unter anderem Alchemie und den damaligen Wissenschaftszweig magia naturalis und erwarb sich einen ausgezeichneten wissenschaftlichen Ruf, der ihm Zugang zu höchsten Kreisen verschaffte. So pflegte er Kontakte zum Herzog von Mantua, zu Johann Capito, dem Leibarzt des dänischen Königs, zu Luis de la Cerda, dem späteren Herzog von Medinaceli, zu Sir William Pickering und dem Hofmathematiker Mathias Hacus. 1550 reiste Dee nach Paris, wo er Kontakte zu Adrianus Turnebus, Petrus Ramus, Amarus Ranconet, Jean Fernel und Petrus Nonius unterhielt.[1] 1552 traf er Gerolamo Cardano in London. Während ihrer Bekanntschaft arbeiteten sie an einem Perpetuum Mobile und untersuchten einen Edelstein, dem magische Eigenschaften nachgesagt wurden. Dee hielt Vorlesungen in Paris über Euklid.

Dee wurde 1554 in Oxford ein Lehrstuhl für Mathematik angeboten, den er ablehnte, da in seinen Augen die Englischen Universitäten zu sehr auf Rhetorik und Grammatik ausgerichtet seien – diese beiden Fächer bildeten zusammen mit Logik das akademische Trivium –, während die Fächer Philosophie und Wissenschaft vernachlässigt würden – das weiter fortgeschrittene Quadrivium, das Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie beinhaltete. Dee präsentierte Königin Maria I. einen visionären Plan für die Erhaltung alter Bücher, Manuskripte und Aufzeichnungen und schlug 1556 die Gründung einer Nationalbibliothek vor, doch sein Plan fand keine Unterstützung. Stattdessen baute er in seinem Haus in Mortlake eine private Bibliothek auf, indem er ständig Bücher aus England und dem europäischen Kontinent zukaufte. So wurde seine Bibliothek mit rund 4000 Bänden zur größten Sammlung Englands seiner Zeit und zog viele Gelehrte an.

1555 wurde Dee, wie bereits sein Vater, durch das System der Vererbung (Patrimonium) der Zunft Mitglied der Worshipful Company of Mercers (‚Ehrenwerte Zunft der Händler‘).

Dees Glyphe, deren Bedeutung in seinem Werk Monas Hieroglyphica erklärt wird

Im selben Jahr, 1555, wurde er unter der Herrschaft von Maria I. verhaftet und wegen der Ausübung von schwarzer Magie und Zauberei gegen die Königin angeklagt.[2] Der Anklage wurde später der Vorwurf des Verrats an Maria hinzugefügt. Dee erschien vor der Star Chamber und verteidigte sich selbst, wurde aber dem reaktionären katholischen Bischof Bonner zur religiösen Begutachtung zugewiesen. Dee wurde nach kurzer Haft freigelassen.[3] Später wurde Dee zu einem engen Freund Bonners.

Als Elisabeth I. 1558 den Thron bestieg, ernannte sie ihn zu ihrem engsten Berater in Sachen Astrologie und Wissenschaft. Er erhielt jedoch nie eine Anstellung, die ihm finanzielle Unabhängigkeit sicherte.[3] Er sei auch mit der Wahl von Elisabeths Krönungsdatum betraut gewesen. In den 1550er bis 1570er Jahren diente er als Berater bei Englands Entdeckungsreisen, bot technische Hilfe bei der Navigation und ideologische Unterstützung bei der Gründung des „Britischen Empires“. 1577 veröffentlichte Dee General and Rare Memorials pertayning to the Perfect Arte of Navigation, eine Arbeit, die seine Vision eines maritimen Weltreichs und angeblicher englischer Territorialsansprüche an die Neue Welt darlegt. Dee war mit Humphrey Gilbert bekannt und stand Sir Philip Sidney sowie dessen Kreis nahe. Es ist außerdem bekannt, dass Königin Elisabeth I. sein Haus in Mortlake mehrfach besuchte, so 1574, wobei er ihr sein magisches Kristall zeigte. 1577 trug er ihr in Windsor seine Ansicht zu dem neu aufgetretenen Kometen vor und 1578 beriet er sie in Fragen ihrer Gesundheit und soll auch deshalb nach Deutschland gereist sein.[4] 1580 besuchte ihn die Königin erneut.

1564 veröffentlichte Dee die hermetische Arbeit Monas Hieroglyphica (‚Die Hieroglyphische Monade‘), eine erschöpfende kabbalistische Interpretation einer Glyphe einzigartigen Aufbaus, mit der die mystische Einheit der gesamten Schöpfung zum Ausdruck gebracht werden sollte. Diese Arbeit wurde von vielen Zeitgenossen Dees hoch geschätzt, aber der Verlust der geheimen mündlichen Überlieferung in Dees Umfeld steht einer entschlüsselnden Deutung heute entgegen. In Vorbereitung ihres Drucks soll er auch in Antwerpen gewesen sein.[5]

Er veröffentlichte 1570 ein Mathematical Preface (‚Mathematische Einleitung‘) zu Henry Billingsleys englischer Übersetzung von Euklids Elementen, worin er die zentrale Bedeutung der Mathematik, sowie deren Einfluss auf die anderen Künste und Wissenschaften, hervorhob. Obwohl eigentlich für den ungebildeten Leser gedacht, erwies es sich als Dees einflussreichstes Werk und wurde häufig nachgedruckt.

Späteres Leben[Bearbeiten]

In den frühen 1580er Jahren wurde Dee zunehmend unzufriedener, da er wenig Fortschritte beim Lernen der Geheimnisse der Natur machte, seine Pläne für Entdeckungsfahrten in Nordamerika nicht vorankamen und sein Einfluß am Hof schwand. Er begann sich dem Übersinnlichen zuzuwenden, in dem Bemühen, Weisheit zu erlangen. Er suchte den Kontakt mit Engeln mithilfe eines „Scryers“, respektive Kristallsehers, der als Medium zwischen Dee und den Engeln fungierte.

Wie seine Büchersammlung belegt (deren Katalog bekannt ist), hatte Dee mehr als ein beiläufiges Interesse an Engeln. Er beschäftigte sich sehr mit Angelologie und insbesondere mit der Kommunikation mit Engeln; so sammelte er alle schriftlich überlieferten Gespräche zwischen Mensch und Engel. Er studierte die Gemeinsamkeiten der Engels-Gespräche mit verschiedenen Texten, unter anderem von Ficino, Agrippa von Nettesheim und Johannes Trithemius sowie den weitverbreiteten biblischen Apokryphen und der Pseudepigraphie. Dee war vertraut mit einem der größten Mathematiker seiner Zeit, Girolamo Cardano, der des öfteren von seinem Schutzengel sprach. Agrippa ermutigte seine Leser „eine Stimme von oben, eine Stimme die von oben lehrt“ zu suchen. Agrippas Lehrer, Johannes Trithemius, diskutierte in De septem secundeis eine Fernkommunikation basierend auf den sieben klassischen Planeten und deren Engeln „gemäß der Tradition der Weisen des Altertums“. Dee besaß zudem mindestens 16 Werke von Robert Grosseteste, mit dem er ein synergistisches Interesse an Engeln, aber auch der Optik, Mathematik und Astronomie teilte. Alle diese Mathematiker, Kryptographen und Philosophen, die nach eigenen Angaben Offenbarungen durch Engel hatten, kamen darin überein, dass göttliche Boten, Begleiter bei Offenbarungsreisen und Engel der Apokalypse, gängige und vertrauenswürdige Informationsquellen der Patriarchen des Altertums waren.

Seine eigenen ersten Versuche in dieser Richtung stellten ihn nicht zufrieden, aber 1582 traf er auf das Medium Edward Kelley, ein Mann von zweifelhafter Vergangenheit und zweifelhaftem Charakter, der ihn aber mit seinen angeblichen Fähigkeiten in hohem Maße beeindruckte. Dee nahm Kelley in seine Dienste und begann sich ganz den übersinnlichen Zielen zu widmen. Diese „Engelsgespräche“ oder „spirituellen Konferenzen“ waren durchdrungen von intensiver christlicher Frömmigkeit und fortwährenden Perioden der Läuterung, des Gebets und Fastens. Dee war völlig davon überzeugt, dass sie mit den Ergebnissen der Menschheit helfen könnten. Dee sollen auf diese Weise mehrere Bücher von den Engeln diktiert worden sein, die ihm angeblich die henochische Sprache offenbarten und ein neues magisches System eröffneten. Über die Seancen mit Kelley und die folgenden Reisen mit ihm führte er ein Tagebuch, das erhalten ist. Die protokollierten Gespräche während der Seancen veröffentlichte Meric Casaubon 1659.

1583 traf Dee auf den polnischen Edelmann Albrecht Laski (1536-1605), der die Engländer einlud, ihn auf seiner Rückreise nach Polen zu begleiten. Nach einigen Rückfragen bei den Engeln über Kelley war Dee bereit, sich auf den Weg zu machen. Dee, Kelley und ihre Familien verließen England im September 1583, zunächst über die Niederlande und Lübeck nach Stettin zum Landgut von Laski und darauf nach Krakau. Laskis Mittel waren allerdings erschöpft und er schlug vor, dass Dee und Kelley sich zu Kaiser Rudolf II.[6] begeben, wo Dee, der einen europäischen Ruf genoss, auch günstig aufgenommen wurde. Kelley gegenüber war der Kaiser dagegen misstrauisch. Nach mehreren Monaten in Prag, wo sie immer noch auf Kosten Laskis lebten, mussten sie die Stadt auf Beschwerde der päpstlichen Gesandten Malaspina und Sega, die sie als Ketzer und Hexer der Inquisition überantworten wollten, hin verlassen. Er ging nach Erfurt und Kassel, wo sie aber keine gute Aufnahme fanden, dann wieder nach Krakau, wo sie in König Stephan von Polen anfangs gut aufgenommen wurden und ihm gute Chancen für die Nachfolge von Rudolph II. als Kaiser des Heiligen Römischen Reiches vorhersagten. Aufgrund immer neuer Geldforderungen wurde er ihrer aber bald überdrüssig und sie gingen wieder nach Böhmen, wo sie in Wilhelm von Rosenberg auf dessen Schloss Třeboň in Wittingau einen neuen Förderer fanden.

Zwischen Dee und Kelley war es zunehmend zu Spannungen gekommen. Hinzu kam, dass Kelley, der skrupelloser als der in seinem Glauben an Spritismus naive Dee war, auch selbständig als Alchemist und vorgeblicher Goldmacher bei Rosenberg und darüber hinaus Erfolg hatte - auch Königin Elisabeth I. und Rudolph II. interessierten sich für ihn - und möglicherweise Dee loswerden wollte. Zum Bruch kam es, nachdem ihm Kelley, nachdem er Dee zunächst mit vorgebrachten Trennungsabsichten beunruhigt hatte, während einer Seance in Wittingau 1587 mitteilte, der Engel Uriel habe angeordnet, die zwei Männer sollten ihre Frauen tauschen. Nach dem Tagebuch scheinen Dee und seine Frau auch zunächst widerstrebend eingewilligt zu haben, kurz darauf trennten sich aber ihre Wege und Dee ging zurück nach England.

Privatleben[Bearbeiten]

Dee war dreimal verheiratet und hatte acht Kinder. Sein ältester Sohn war Arthur Dee, über ihn schrieb Dee einen Brief an seinen Direktor in der Westminster School, der die Sorgen der Eltern über Internatsschüler wiedergibt; Arthur war ebenfalls ein Alchemist und hermetischer Autor. John Aubrey beschrieb Dee folgendermaßen: „Er war groß und schlank. Er trug einen Umhang ähnlich einem Künstlerumhang, mit hängenden Ärmeln und einem Schlitz […] Einen sehr schönen, klar lebendigen Teint […] einen langen Bart so weiß wie Milch. Ein sehr gutaussehender Mann.“

Die letzten Jahre[Bearbeiten]

1589 kehrte er nach England zurück, wo er seine Bibliothek ruiniert vorfand, viele seiner gepriesenen Bücher und Instrumente waren während seiner Abwesenheit gestohlen worden. Er ersuchte Elisabeth um Unterstützung, die ihn schließlich 1592 zum Rektor des Christ’s College in Manchester (inzwischen Manchester Grammar School) ernannte. Jedoch wurde er inzwischen weithin als Schwarzmagier verschmäht und hatte deshalb nur geringen Einfluss auf seine Untergebenen und man versuchte ihn abzusetzen. In der Zwischenzeit war Elisabeth gestorben und Jakob I. ihr auf den Thron gefolgt, der für seine Hexenverfolgungen bekannt war und von dem Dee keinerlei Hilfe zu erwarten hatte. Als Dee sich dennoch 1604 an ihn um Hilfe wegen der gegen ihn erhobenen Anklagen wandte, wies dieser ihn denn auch prompt ab. So verbrachte er seine letzten Jahre in Armut und verstarb Ende 1608 oder Anfang 1609 in Mortlake. Sowohl das Sterberegister als auch Dees Grabstein sind verloren gegangen.

Errungenschaften[Bearbeiten]

Im Denken[Bearbeiten]

Dee war ein intensiv frommer Christ, aber seine Religiosität wurde von den hermetischen und platonisch-pythagoräischen Doktrinen tiefgreifend beeinflusst, die in der Renaissance weitverbreitet waren. Er glaubte, die Basis aller Dinge und der Schlüssel zur Weisheit seien Zahlen; Gottes Schöpfung sei ein Akt des Zählens.

Der Hermetik entnahm er den Glauben an das Potential des Menschen, ein Gott zu sein, und er glaubte, die göttlichen Kräfte könnte man mit Mathematik kontrollieren. Seine kabbalistische Engelsmagie (die hochgradig numerologisch ist) und seine Arbeiten an praktischer Mathematik (etwa Navigation) sah er als verherrlichte und irdische Enden desselben Spektrums, und nicht als widersprüchliche Aktivitäten, für die man sie heute halten würde. Sein größtes Ziel war es, zu einer vereinigten Weltreligion beizutragen, durch die Überbrückung des Bruchs zwischen den katholischen und protestantischen Kirchen und die Wiedererlangung der reinen Theologie des Altertums.

Ruf und Bedeutung[Bearbeiten]

Titelblatt von Henry Billingsleys englischer Übersetzung der Elemente, mit einem Vorwort Dees (1570)

Seine eigene Bibliothek in Mortlake war die größte des Landes und galt als eine der auserlesensten in ganz Europa, vielleicht nur übertroffen von jener de Thous. Neben seinen Leistungen als astrologischer, wissenschaftlicher und geografischer Berater für Elisabeth I. und ihrem Hof war er auch ein früher Vertreter für die britische Kolonisierung Amerikas und ein Visionär eines sich über den Nordatlantik streckenden britischen Empires.

Dee förderte die Wissenschaft der Navigation und Kartografie. Er studierte mit Gerhard Mercator und besaß eine wichtige Sammlung von Landkarten, Globen und astronomischen Instrumenten. Er entwickelte sowohl neue Instrumente als auch spezielle Navigationstechniken für den Gebrauch in Polarregionen. Dee diente als Berater für Englands Entdeckungsreisen und wählte persönlich „Piloten“ (Navigatoren) aus, um sie in Navigation auszubilden. Er prägte den Begriff Embadometrie.

Er glaubte, dass Mathematik (welche er als mystisch verstand) zentral war für den Fortschritt des menschlichen Lernens. Die Zentralität der Mathematik in seiner Vision lässt ihn in diesem Bereich anschlussfähiger an die Moderne erscheinen als den Gelehrten Francis Bacon, wenngleich Dees Verständnis der Mathematik radikal von der heutigen Auffassung abwich.

Seine vielleicht langanhaltendste praktische Errungenschaft war die Förderung der Mathematik außerhalb der Universitäten. Sein Mathematical Preface zu Euklid war dazu gedacht, das Studium und die Anwendung der Mathematik bei Menschen ohne universitäre Ausbildung zu fördern, und war sehr populär und einflussreich unter den „mecanicians“, der neuen und im Aufsteigen begriffene Klasse der technischen Meister und Handwerker. Dees Einleitung beinhaltete Demonstrationen von mathematischen Prinzipien, die die Leser selbst nachvollziehen konnten.

Dee war ein Freund von Tycho Brahe und war vertraut mit der Arbeit von Nicolaus Copernicus. Viele seiner astronomischen Kalkulationen basieren auf dem kopernikanischen Weltbild, aber er unterstützte die heliozentrische Theorie nie öffentlich. Zwar wandte Dee dieses Wissen bei dem Problem der Kalenderreform an, seine Empfehlungen wurden jedoch aus politischen Gründen verworfen.

Er wird manchmal im Zusammenhang mit dem Voynich-Manuskript genannt. Wilfrid M. Voynich, der das Manuskript 1912 kaufte, hat angedeutet, dass das Manuskript vielleicht in Dees Besitz war, und er es an Rudolf II. verkaufte. Jedoch hatte Dee weit weniger Kontakte mit Rudolf II. als früher angenommen, und Dees Tagebücher geben keinen Aufschluss über einen derartigen Verkauf. Es ist jedoch bekannt, dass Dee ein anderes verschlüsseltes Buch, das Buch Soyga, besaß.

Artefakte[Bearbeiten]

Objekte, die Dee bei seiner Magie verwendete, ausgestellt im Britischen Museum

Das Britische Museum beherbergt mehrere Gegenstände, die John Dee gehörten und in Verbindung gebracht werden mit seinen sogenannten Engelsgesprächen:

  • Dees Spiegel, ein Azteken-Kultobjekt aus hochpoliertem Obsidian (Vulkanglas), in der Form eines Handspiegels; im Durchmesser 18,4 cm, und nach Europa gebracht in den späten 1520er Jahren. Den Spiegel erwarb 1771 Horace Walpole.
  • Ein großes und gut erhaltenes Wachssiegel, das sogenannte Sigillum Dei Æmeth, welches als Sockel für den „Schaustein“ benutzt wurde.
  • Zwei kleinere Versionen des oben angesprochenen Wachssiegels, die die Beine seines „Heiligen Tisches“ stützten.
  • Ein goldenes Amulett in Form einer Scheibe, graviert mit einer Darstellung von Kelleys Vision der vier Wachtürme am 20. Juni 1584 in Krakau, die Dee für besonders wichtig erachtete. Die Scheibe wiegt 38,25 Gramm, hat einen Durchmesser von 8,8 cm und besteht aus einer Rotgold-Legierung (90 % Au und 10 % Cu). Die Scheibenoberfläche wurde durch einen chemischen Prozess hochwertig veredelt. In der Mitte der Scheibe wurde ein Loch ausgestanzt, was offenbar der leichteren Handhabung diente. Die Scheibe wurde aber erst nach Dees Rückkehr in seiner Heimat angefertigt, wie das Zeichen eines Londoner Goldschmiedes auf ihr belegt.
  • Eine Kristallkugel, sechs Zentimeter Durchmesser. Dieses Stück lag viele Jahre unbeachtet in der Mineraliensammlung; möglicherweise gehörte es Dee, aber die Herkunft dieses Objekts ist weniger gewiss als die der anderen.

Im Dezember 2004 wurde der Schaustein samt der dazugehörigen und mitausgestellten Anleitung für seinen Gebrauch (geschrieben von Nicholas Culpeper, Mitte 16. Jahrhundert) aus dem Science Museum in London entwendet. Die Ausstellungsstücke konnten kurz danach wiedererlangt werden.

Rezeption in Literatur und Musik[Bearbeiten]

John Dee und Edward Kelley, einen Geist herbeirufend (Fiktion)

John Dee soll William Shakespeare als Vorbild für die Figur des Prospero in Der Sturm gedient haben. In Das Foucaultsche Pendel von Umberto Eco kommt der Figur des John Dee eine besondere Bedeutung zu, und im Roman Maxie’s Demon von Michael Scott Rohan ist er eine der Hauptfiguren. Der Schriftstellerin Mary Hoffman diente Dee als Vorbild für den Naturphilosophen William Dethridge in ihrer Trilogie Stravaganza. Gustav Meyrink spürte dem Leben des John Dee in seinem esoterischen Schlüsselroman Der Engel vom westlichen Fenster auf ungewöhnliche Weise nach. In H. P. Lovecrafts Cthulhu-Mythos gilt Dee als derjenige, der das Necronomicon ins Englische übersetzte. In Rettet die Rundwelt von Terry Pratchett, Ian Stewart und Jack Cohen gelangen die Zauberer der Unsichtbaren Universität durch Dees Bibliothek, die durch den „L-Raum“ mit der Scheibenwelt verbunden ist, in unsere Welt, um uns vor dem Einfluss der Elfen zu schützen. In der Romanreihe des irischen Schriftstellers Michael Scott um den "unsterblichen Alchemysten" tritt John Dee als Gegenspieler Nicholas Flamels und dessen Frau auf. In In königlichem Auftrag und Im Haus des Zauberers von Mary Hooper spielt Dee eine der Hauptpersonen. Auch in deutschen Romanreihen, wie zum Beispiel der Lycidas-Reihe von Christoph Marzi, ist John Dee eine tragende Figur. In diesen Romanen unterstellt man John Dee, dass er niemals gestorben sei und unter anderem John Milton gewesen sei und in der heutigen Zeit Lycidas (=Luzifer / Lichtbringer) ein treuer Gehilfe sei. Auch wird er in der Reihe von Jugendromanen unter dem Titel Die Kronos-Geheimnisse von Marie Rutkoski erwähnt.

In dem Iron-Maiden-Lied The Alchemist von dem Album The Final Frontier wird über das Treffen von John Dee und Edward Kelley und den Übergang von Magie und Wissenschaft gesungen (2010, EMI-Records).

Schriften[Bearbeiten]

  • Monas Hieroglyphica, Antwerpen: Gulielmus Silvius 1564, Nachdruck Frankfurt 1592
    • auch in Theatrum Chemicum 1659
    • Übersetzung von J. W. Hamilton Jones: The hieroglyphic monad, London 1847 und C. H. Josten A translation of John Dee´s "Monas Hieroglyphica", Ambix, Band 12, 1964, S. 83-221
  • De Trigono, 1565
  • Testamentum Johannis Dee Philosophi Summi ad Johannem Gwynn, transmissum 1568
  • Mathematical Preface, in Henry Billingsley (Übersetzer): The Elements ... of Euclide, 1570
  • An Account of the Manner in which a Certayn Copper-smith in the Land of Moores, and a Certayn Moore Transmuted Copper to Gold, 1576
  • Prefatory Verses to The Compound of Alychymy by George Ripley, set forth by Ralph Rabbards, London 1591

Postum erschienen:

  • Roger Baconis Epistola de Secretis operibus artis & naturæ, & de nullitate Magiæ. Opera Johannis Dee, è pluribus exemplaribus castigata olim, in Deutsches Theatrum Chemicum, Band 3, 1732 (Kommentar zu Roger Bacon, zuerst in Hamburg gedruckt[7])
  • A True and Faithful Relation of What Passed for Many Years Between Dr. John Dee … and Some Spirits…. London, 1659 (Meric Casaubon, Herausgeber). Reprint, Askin, 1974.
  • Edward Fenton (Hrsg.): The diaries of John Dee, Oxford, Day Books 1998
  • J. O. Halliwell (Hrsg.): The Private Diary of Dr. John Dee, and the Catalogue of His Library of Manuscripts. London: Camden Society, 1842.

Seine Schriften zu Navigation und Navigationsinstrumente wurden nicht veröffentlicht und sind größtenteils verschollen

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: John Dee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Karl R. H. Frick: Licht und Finsternis. Gnostisch-theosophische und freimaurerisch-okkulte Geheimgesellschaften bis zur Wende des 20. Jahrhunderts. Bd. 1, Marix, Wiesbaden 2005, ISBN 3-86539-044-7, S. 276-277.
  2. Frances A. Yates: Die okkulte Philosophie im elisabethanischen Zeitalter. Amsterdam 1991, S. 92.
  3. a b The British Museum: Dr John Dee (1527-1608/9). Abgerufen am 15. Dezember 2013.
  4. John Ferguson Bibliotheca Chemica, Band 1, 1906, S. 202
  5. John Ferguson, loc. cit.
  6. Ausführlich Joachim Telle: John Dee in Prag. Spuren eines elisabethanischen Magus in der deutschen Literatur. In: Peter-André Alt, Volkhard Wels (Hrsg.): Konzepte des Hermetismus in der Literatur der Frühen Neuzeit. (= Berliner Mittelalter- und Frühneuzeitforschung. Bd. 8). V&R unipress, Göttingen 2010, ISBN 978-3-89971-635-1, S. 259–296
  7. John Ferguson, Bibliotheca Chemica, Band 1, 1906, S. 202