Arturo Umberto Illia

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Arturo Illia zur Zeit seiner Präsidentschaft

Arturo Umberto Illia (* 4. August 1900 in Pergamino; † 18. Januar 1983 in Córdoba) war ein argentinischer Mediziner und Politiker (Unión Cívica Radical / UCR). Er war zwischen 1963 und 1966 demokratisch gewählter Präsident des Landes, wurde aber durch einen Staatsstreich vor Abschluss seiner Amtszeit abgesetzt.

Leben[Bearbeiten]

Illia verbrachte seine Kindheit in Pergamino, absolvierte die Sekundarstufe (secundaria) jedoch in Buenos Aires. Ab 1918 studierte er in derselben Stadt an der Universidad de Buenos Aires Medizin. Er erlangte den akademischen Grad 1927 und zog 1929 als vom Präsidenten Hipólito Yrigoyen unterstützter Landarzt in die Stadt Cruz del Eje (Provinz Córdoba) um. Dort arbeitete er mit kurzen Unterbrechungen bis zu seiner Präsidentschaft 1963. Seinem Engagement als Arzt in dieser Stadt verdankt er den Beinamen Apostel der Armen, den er von der dortigen Bevölkerung erhielt. 1939 heiratete er Silvia Elena Martorell, mit der er drei Kinder hatte.

Nach seiner Präsidentschaft zog er 1966 in die Stadt Martínez, einem Vorort von Buenos Aires im Partido San Isidro um, wo er bis zu seinem Tod politisch in der UCR aktiv war.

Politische Karriere[Bearbeiten]

Bereits 1918 trat Illia in die UCR ein, beeinflusst durch seinen ebenfalls dieser Partei angehörigen Vater und einem Bruder. Ab seinem Umzug 1929 nach Cruz del Eje wurde er intensiv politisch in dieser Stadt tätig. 1935 wurde er in den Provinzsenat von Córdoba gewählt. Zwischen 1940 und 1943 bekleidete er das Amt des Vizegouverneurs von Córdoba unter Santiago del Castillo. Unter der Präsidentschaft von Juan Perón war er zwischen 1948 und 1952 Abgeordneter der UCR im Bundesparlament Argentiniens (cámara de diputados).

In der Zeit nach der Abdankung Peróns ab 1955, einer Periode extremer politischer Instabilität mit zahlreichen Regierungswechseln, machte die UCR eine Spaltung durch. Illia trat in den linken Flügel, die Unión Cívica Radical del Pueblo ein und wurde 1963 von dieser Gruppierung zum Kandidaten für das Amt des Präsidenten gewählt. Er gewann die Wahl vor dem rechten Flügel der UCR (Unión Cívica Radical Intransigente) mit 51,3 % der gültigen Stimmen.

Präsidentschaft[Bearbeiten]

Am 12. Oktober 1963 trat Illia das Amt des Präsidenten an. Seine Regierungszeit ist vor allem für seine zahlreichen Versuche bekannt, den seit 1930 mehrfach eingeschränkten Rechtsstaat wiedereinzuführen.

Maßnahmen und politische Grundlinien[Bearbeiten]

Seine erste Maßnahme war die Aufhebung einiger nach 1955 dekretierten Parteienverbote, von denen vor allem die peronistische Partei (Partido Justicialista), aber auch die Kommunistische Partei betroffen waren. Begleitet wurde dies von einem Verbot der rassistischen Diskriminierung.

Noch 1963 annullierte Illia auch die Verträge zwischen der staatlichen Erdölgesellschaft YPF und privaten Unternehmen, die von seinem letzten demokratisch gewählten Vorgänger Arturo Frondizi mit der Ausbeutung der Vorkommen beauftragt worden waren. Diese Aktivität ging nach seinem Dekret wieder zu YPF über.

Am 15. Juni 1964 führte Illia einen gesetzlichen Mindestlohn ein, das Gesetz ist bis heute gültig. Begleitet wurde es von der Ley de Abastecimiento, einem Gesetz, das die Kontrolle der Preise des Warenkorbs canasta familiar, der in Argentinien die lebensnotwendigen Güter enthält, ermöglicht.

In Bezug auf die Erziehungs- und Bildungspolitik führte Illia 1964 einen Alphabetisierungsplan ein, um die damals mit 10 % noch recht hohe Analphabetenquote zu senken. Auch erhöhte er die staatlichen Ausgaben für Bildung während seiner Regierungszeit von 12 % (1964) auf 23 %.

Illias damals umstrittenste Maßnahme war das sogenannte Medikamentengesetz (Ley de medicamentos) von 1964. Es unterzog die Pharmaindustrie einer starken staatlichen Kontrolle und hatte vor allem eine Stabilisierung der Preise und eine bessere Kontrolle der Inhaltsstoffe zum Ziel. Eine zuvor durchgeführte Studie hatte ergeben, dass in vielen Fällen die von der Industrie verlangten Preise um 1000 % über den Produktionskosten lagen und die Inhaltsstoffe oft falsch deklariert wurden. Da mit diesem Gesetz die Interessen zahlreicher bedeutender Konzerne tangiert wurden, wird vermutet, das es stark auf die Bildung einer Front konservativer Gegner Illias Einfluss hatte und letztendlich mit zu seinem Sturz beitrug.

Bei Illias Amtsantritt befand sich die Wirtschaft Argentiniens in einer Rezession. Hier setzte die Regierung Illia auf die Stabilisierung des staatlichen Sektors und fuhr einen Sparkurs mit dem Ziel des Rückgangs der Staatsschulden. Die Maßnahmen waren sehr erfolgreich: so betrug das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes 1964 10,3 % und 1965 9,1 %, die Auslandsverschuldung ging von 3,4 Milliarden auf 2,6 Milliarden US-Dollar zurück und die Arbeitslosigkeit von 8,8 % (1963) auf 5,2 % (1966).

Niedergang und Sturz[Bearbeiten]

In den Parlamentswahlen 1965, in der die Hälfte der Sitze des Bundesparlaments erneuert wurden, siegte die peronistische Partei, die zum ersten Mal seit 1955 an landesweiten Wahlen zugelassen war, mit einem klaren Vorsprung vor Illias UCRP. Dieser Sieg der PJ führte zu Unruhen im argentinischen Militär und zur Idee eines Staatsstreiches gegen Illia. Geschwächt wurde die Regierung weiterhin durch zahlreiche regierungsfeindliche Tendenzen in einigen Massenmedien, die von konservativen Gruppen kontrolliert wurden. In ihnen wurde Illia als langsam und schwach bezeichnet wurde und mit dem Spitznamen tortuga (Schildkröte) bedacht.

Am 18. Juli 1966 wurde schließlich der Staatsstreich verübt und Illia von bewaffneten Polizisten gezwungen, zurückzutreten. Die Bevölkerung nahm die Nachricht mit Indifferenz auf, da sich die Beliebtheit der Illia-Regierung auf einem Tiefpunkt befand. Neuer Präsident wurde der General Juan Carlos Onganía, der einen konservativen Umschwung, die sogenannte Revolución Argentina einleitete.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ricardo Illía: Arturo Illia, su vida, principios y doctrina, Ediciones Corregidor (Biographie, spanisch)
  • Pedro Sánchez: La presidencia de Illia. CEAL (spanisch)
  • César Tcach: Arturo Illia. Un sueño breve. El rol del peronismo y de los Estados Unidos en el golpe militar de 1966. (spanisch)
Vorgänger Amt Nachfolger
José María Guido Präsident von Argentinien
19631966
Juan Carlos Onganía (de facto)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Arturo Umberto Illia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien