Assuan-Staudamm

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Assuan-Staudamm
Neuer Damm bei Assuan (Assuan-Hochdamm)
Neuer Damm bei Assuan (Assuan-Hochdamm)
Lage: Ägypten
Zuflüsse: Nil
Abflüsse: Nil
Größere Städte in der Nähe: Assuan
Assuan-Staudamm (Ägypten)
Assuan-Staudamm
Koordinaten 23° 58′ 14″ N, 32° 52′ 40″ O23.97055555555632.877777777778Koordinaten: 23° 58′ 14″ N, 32° 52′ 40″ O
Daten zum Bauwerk
Bauzeit: 1960–1971
Höhe des Absperrbauwerks: 111 m
Bauwerksvolumen: 44,3 Mio. m³
Kronenlänge: 3830 m
Kronenbreite: 40 m
Basisbreite: 980 m
Kraftwerksleistung: 2100 MW
Daten zum Stausee
Höhenlage (bei Stauziel) 183 m
Wasseroberfläche 5248 (5860 / 5500 / 6000?) km²dep1
Speicherraum 168,90 km³

Der Assuan-Staudamm (auch als Assuan-Hochdamm bekannt), genannt Sadd el-Ali (arabisch ‏السد العالي‎, „Hochdamm”), befindet sich im südlichen Ägypten (Oberägypten) etwa 13 Kilometer südlich bzw. stromaufwärts der Stadt Assuan und staut den Nil zum riesigen Nassersee auf, der sich bis in den Sudan erstreckt, wo er Nubia-See heißt. Der Stausee hat eine Kapazität von 135 bis 169 Kubikkilometer Wasser.

Alte Staumauer[Bearbeiten]

Alte Staumauer in Assuan
Hauptartikel: Assuan-Staumauer

Etwa sieben Kilometer südwestlich von Assuan befindet sich die alte Staumauer. Sie wurde zwischen 1898 und 1902 nach einem Entwurf von William Willcocks und nach Plänen von Benjamin Baker und William Edmund Garstin durch die Firma John Aird & Co. errichtet.[1] Ziel war es, die Wassermassen des Nils vor allem beim jährlichen Hochwasser so zu regulieren, dass in der anschließenden Niedrigwasserphase ausreichend Wasser für die bereits auf ganzjährige Kanalbewässerung umgestellten Felder verfügbar war. Am 10. Dezember 1902 wurde der alte Damm in Betrieb genommen.

Das Bauwerk besteht aus Granitblöcken und Bruchsteinmauerwerk, ist an der Sohle 35 Meter, an der Krone 9 Meter breit und etwa 1965 Meter lang. In den Jahren 1907–1912 und 1929–1933 wurde der Damm auf 36 Meter erhöht. Durch 180 Durchlässe konnte der Wasserstand reguliert werden und auch der für die ägyptische Landwirtschaft wichtige, sehr fruchtbare Nilschlamm konnte die Sperre passieren.

Der neue Staudamm[Bearbeiten]

Planung und Bau[Bearbeiten]

NASA-Satellitenbild des Hochdamms von Assuan

Adrian Daninos entwickelte 1947 die Idee für ein Projekt eines einzigen großen Staudammes oberhalb von Assuan und stellte dieses im Jahr darauf der ägyptischen Regierung unter König Faruq vor. Diese zeigte jedoch zunächst kein Interesse an einer Realisierung. Erst nach dem Sturz Faruqs im Jahre 1952 fanden die Vorschläge Beachtung.

Sieben Kilometer südlich der alten Mauer begannen am 9. Januar 1960 mit sowjetischer Hilfe und den Einnahmen aus dem Sueskanal die Bauarbeiten für den neuen Damm. Die offizielle Eröffnung des heutigen Assuan-Staudamms erfolgte am 15. Januar 1971.[2] Zunächst waren westliche Firmen an der Ausarbeitung der Pläne beteiligt, darunter Hochtief in Essen und Rheinstahl Union Brückenbau AG.

Nachdem die USA und die Weltbank ihre Zusage zur Mitfinanzierung des Dammbaus zurückgezogen hatten, weil die ägyptische Regierung 1956 die Volksrepublik China offiziell anerkannte, betrachteten es die Sowjetunion, die um Einfluss auf dem afrikanischen Kontinent bemüht war, ebenso wie die ägyptische Regierung unter dem damaligen Staatspräsidenten Gamal Abd el Nasser als ihr Prestigeprojekt.

Daher bauten 2.000 sowjetische Ingenieure und 30.000 Arbeiter an dem Projekt, das umgerechnet etwa 2,2 Milliarden Euro kostete. Das Absperrbauwerk besteht aus einer gewaltigen Schotteraufschüttung mit einem Lehmdichtungskern und einem Betonmantel. Der Staudamm ist mehr als 3800 Meter lang und 111 Meter hoch, an der Sohle 980 Meter und an der Krone etwa 40 Meter breit. Etwa 100.000 Menschen, hauptsächlich Nubier, mussten für das Projekt umgesiedelt werden. Die Füllung des Stausees begann schon im Jahr 1964, also noch während der Bauarbeiten, und war erst 1976 beendet. 451 Menschen verloren im Zusammenarbeit mit den Baumaßnahmen ihr Leben.

Am westlichen Ende des Damms ragt ein Beton-Denkmal in Form einer Lotusblüte mit einem zentral angeordneten Zahnrad in die Höhe – als Zeichen der ägyptisch-sowjetischen Freundschaft. Eine Aussichtsplattform befindet sich hier in 74 Meter Höhe.

Ziele[Bearbeiten]

Der Bau des Hochdamms hatte mehrere Gründe. Sowohl die Landwirtschaft als auch der Aufbau einer wirtschaftsstarken Industrie sollten durch den Staudamm gefördert werden. Der Damm sollte gleich mehreren Zwecken dienen:

  • Ausdehnung der landwirtschaftlichen Nutzflächen um 535.000 Hektar durch Bewässerung.
  • Umstellung von traditioneller (saisonweiser) Bewässerung auf Dauerbewässerung einer Fläche von ca. 3.100.000 Hektar.
  • Ausdehnung des Reisanbaus für den Export.
  • Kontrolle der abfließenden Wassermengen, um in Trockenperioden die Wasserversorgung sicherzustellen und bei starkem Hochwasser das Nilland zu schützen.
  • Verbesserung der Schiffbarkeit des Nils.
  • Stromerzeugung
  • Sicherung der Trinkwasserversorgung
  • Aufbau neuer Industrien
Panoramablick vom Staudamm in Richtung Norden

Stausee[Bearbeiten]

Der Stausee ist nach Inhalt der drittgrößte der Erde und nach Fläche der siebtgrößte (jeweils ohne Berücksichtigung des Viktoriasees). Da die Flächenangaben von 5248 über 5500 und 5860 bis 6000 km² variieren, könnte er auch der drittgrößte Stausee sein. Siehe hierzu Liste der größten Stauseen der Erde.

Wasserkraftwerk[Bearbeiten]

Blick auf die Kraftwerksanlage des Assuan-Hochdamms
Südseite des Hochdamms am Nassersee

Das Wasserkraftwerk verfügt über zwölf Francis-Turbinen mit einer maximalen Leistung von je 175 Megawatt, zusammen 2100 Megawatt. Der erzeugte Strom wird bis Kairo geleitet.

Probleme[Bearbeiten]

Da das aufgestaute Wasser des Nils bedeutende Kulturdenkmäler des alten Ägypten bedrohte, wurden einige mit Hilfe der Unesco in höhere Lagen umgesetzt. Berühmt wurde die Umsetzung der Tempel von Abu Simbel und Philae. Viele andere Kulturgüter versanken in den Fluten.

Durch die fehlenden Nährstoffe im Wasser ist der Fischbestand ab Assuan zudem drastisch zurückgegangen, und sogar im Mittelmeer sind die Effekte zu spüren: Besonders im östlichen Mittelmeer sanken die Fischfänge nach dem Bau des Damms um fast die Hälfte, scheinen sich aber langsam wieder zu erholen.

Der zurückgehaltene Nilschlamm fehlt nicht nur der Landwirtschaft flussabwärts, sondern ist auch für den Stausee selbst zum Problem geworden. Durch die zunehmende Versandung des Sees kann immer weniger Wasser gespeichert werden. Schätzungen zufolge wird der See in etwa 500 Jahren vollständig versandet und damit für die Wasserspeicherung nutzlos sein.

Flussabwärts und vor allem im Nildelta stellt auch Erosion ein großes Problem dar. Durch den Mangel an Nilschlamm, der sonst vom Fluss dorthin transportiert wurde, werden Ackerland weggespült und Uferbefestigungen beschädigt. Auch die Fischbestände im Brackwasser des Nildeltas, wo momentan ein Großteil des ägyptischen Fisches gefangen wird, werden durch das salzige Meerwasser geschädigt. Daneben gibt es eine signifikante Erosion entlang der Küsten des östlichen Mittelmeeres, da der vom Nil ins Meer gespülte Sand fehlt.

Durch die Umsiedlung der hauptsächlich nubischen Bauern ist viel von der nubischen Kultur verloren gegangen.

Auch von einer steigenden Bilharziose-Gefahr wird berichtet. Diese Krankheit wird von einer Wasserschneckenart übertragen, die sich im Nassersee sowie in den Bewässerungsgräben flussabwärts, die früher zumindest einmal jährlich austrockneten, stark vermehren konnte. Es wird versucht, die Schnecken mit Pestiziden zu bekämpfen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Günter Meyer: Der Hochstaudamm bei Assuan und seine Folgen: Klischee versus Realität. In: Günter Meyer (Hg.): Die arabische Welt im Spiegel der Kulturgeographie. Veröffentlichungen des Zentrums für Forschung zur arabischen Welt (ZEFAW) Band 1, Mainz 2004, S. 178–185

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Assuan-Staudamm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bau des Assuan Damms 1902
  2. Egypt State Information Service: Aswan High Dam, Project of the 20th Century