Azure Window

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Azure Window, Landseite
Das Azure Window nach einem partiellen Einsturz im April 2012
Riesiger Felsabbruch, der nach dem partiellen Einsturz im April 2012 fast bis zur Wasseroberfläche ragt
Azure Window, Seeseite
Wachturm in der Nähe des Azure Window
Schwarm Barrakudas
Großer Bärenkrebs
Cheirolophus crassifolius, die stark gefährdete Nationalpflanze Maltas

Das Azure Window (maltesisch Tieqa Żerqa, deutsch Blaues Fenster), ist ein durch Umwelteinflüsse entstandenes Felsentor im Westen der maltesischen Insel Gozo. Es ist etwa 100 m lang und 20 m hoch.

Entstehung[Bearbeiten]

Die Felsformationen wurden vor mehreren Millionen Jahren gebildet. Der Torbogen sowie die ganze umliegende Felsküste bestehen aus Korallen- und Globigerinenkalk. Das Azure Window und das vorgelagerte Blue Hole entstanden durch das Einstürzen zweier großer Höhlen. Die gesamte Steilküste der Insel stellt den letzten Teil einer ehemaligen Landbrücke zwischen Europa und Afrika dar, die vor etwa 13000 Jahren zum Ende der Würmeiszeit[1] unterbrochen wurde. Zu dieser Zeit bestand die Vegetation aus Misch- und Laubwald und entsprach somit der, die im heutigen Mitteleuropa vorherrscht. In unterschiedlichen Erdzeitaltern variierte der Wasserspiegel stark. Dies sieht man an fossilen Überresten der umliegenden Steilküste und in unmittelbarer Nähe des Azure Window. In der Umgebung des Azure Window kann man Versteinerungen alter Seegraswiesen besichtigen.

Erosion und Zerfall[Bearbeiten]

Das Azure Window ist permanent den teilweise sehr starken Umwelteinflüssen wie Wind und heftigen Wellenbrechern ausgesetzt. Die Auswirkungen sind fast jährlich durch eine Vergrößerung des Torbogens zu erkennen. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass der Bogen des Azure Window binnen weniger Jahre einstürzen wird. Auf älteren Postkarten und Motiven aus den 1960er und 1970er Jahren sieht man noch einen Torbogen, der eine stärkere Decke zeigt. Die teilweise sehr großen Abbruchstücke sind unter Wasser zu sehen. Der über das gesamte Jahr vorherrschende Nordwestwind (Mistral) wirkt sich sehr stark auf die Erosion der Steilküste aus.

Seit dem partiellen Einsturz im April 2012 ist das Betreten des Torbogens verboten.

Umwelt[Bearbeiten]

Das Azure Window sowie das ganze Gebiet Dwejra Point sind als Naturpark deklariert. Dabei erlangte Dwejra Point den Status "Special Area of Conservation (SAC)". Das Projekt wurde hauptsächlich von der EU finanziert. Die Gesamtkosten des Projekts lagen bei 321.000 €, wobei die Europäische Union 211.000 € beisteuerte. Der Rest wurde vom Nature Trust Malta und der MEPA (Malta Environment and Planning Authority) finanziert.[2] Die Ziele des Projekts sind noch nicht gänzlich umgesetzt. Nach wie vor wird im Park vereinzelt illegal harpuniert (auch mit Pressluftflaschen) und die Küstenfischerei ist ebenfalls noch nicht vollständig kontrolliert. 2010 wurde ein Teil der HBO-Serie Game of Thrones in unmittelbarer Nähe des Azure Window gedreht. Hierbei entstanden Schäden an fossilen Seegraswiesen, auf denen ein Filmset mit Sand und Zeltdorf aufgeschüttet wurde. Das ganze Set wurde von lokaler Polizei geregelt und geschützt. Nachträglich wurde der maltesische Koordinator und Subunternehmer der Filmaufnahmen zur Zahlung von 36.500 € verurteilt.[3] Die Summe wurde zur Reinigung des Areals und der Behebung der Schäden verwendet. Der starke touristische Andrang wirkt sich ebenfalls negativ auf die Vegetation sowie die fossilen Tier- und Pflanzenfunde aus.

Marines Leben[Bearbeiten]

Das Meer fällt auf der Rückseite des Azure Window abrupt auf Tiefen jenseits 60 m ab. Die großen Abbruchstücke des Torbogens und der umliegenden Steilküste bieten Versteckmöglichkeiten für eine Vielzahl von Meerestieren. Durch unzählige Spalten und Felsen bedingt, gibt es viele Langusten und Bärenkrebse. Es gibt es neben den küstenüblichen Tieren und Lebensformen auch pelagische Fische zu sehen. Typische Vertreter sind Arten wie Goldstriemen, Meerjunker, Mönchsfische und Kraken.[4] Eine Papageienfischart (Europäischer Papageifisch), die aus dem Atlantik hier ins zentrale Mittelmeer kam, ist hier häufig zu beobachten.[5] Der Europäische Papageifisch ist an den meisten anderen Mittelmeerküsten nicht so stark vertreten wie um den maltesischen Archipel. Der große Zackenbarsch[6] (Serranus Gigas) ist in den letzten Jahren nicht mehr so häufig anzutreffen wie noch vor einigen Jahren. Auf der Rückseite des Azure Window kann man pelagische Arten wie die große Bernsteinmakrele[7] (Seriola Dumerili), Barrakudas oder kleine Tunfische antreffen. Bei den niederen Tieren findet man viele große Kalkröhrenwürmer, die in der Größe tropische Vertreter der Art durchaus übertreffen. Die Steilwände sind an vielen Stellen mit bunten Krustenanemonen bewachsen. Häufig sind Kalkrotalgen und Schwämme zu finden.

Vegetation[Bearbeiten]

Durch das Fehlen nährstoffreicher Böden ist die Vegetation um das Azure Window äußerst spärlich, hinzu kommt der Einfluss des Mistrals und der daraus resultierenden Gischt. Somit wachsen in unmittelbarer Nähe nur wenige, widerstandsfähige Pflanzen. Auf dem Weg talwärts, von San Lawrenz kommend, kann man große Agaven (Agave americana) sehen. Relativ häufig ist die Kapernpflanze (Capparis Spinosa) in sonnigen geschützten Felsnischen zu finden. Vereinzelt findet man auch die Nizza-Fetthenne (Sedum sediforme), die auch in steinigen, kargen Böden überlebt. Als Besonderheit gilt die "Nationalpflanze Maltas" Cheirolophus crassifolius. Diese Pflanze ist ausschließlich auf Malta, Gozo und dem Fungus Rock zu finden. Leider ist diese Pflanze vom Aussterben bedroht.[8]

Tourismus[Bearbeiten]

Sonnenuntergang am Azure Window

Das Azure Window ist die touristische Hauptattraktion Gozos. Vor allem bei Tagestouristen aus Malta erfreut es sich einer großen Beliebtheit. Bedingt durch die große Mengen an Besuchern kommt es zu einem erhöhten Aufwand bei der Abfallentsorgung und einer Mehrbelastung des Areals.

Die lokalen Fischer bieten Bootsfahrten vom naheliegenden Inland Sea durch den Inland Sea Tunnel an. Dies stellt eine wichtige Nebenerwerbsquelle für die Fischer dar. In der Nähe bieten einheimische Händler verschiedene Waren und Erfrischungen an.

Durch seine Lage an der Westseite der Insel bietet das Azure Window eine beeindruckende Kulisse für Sonnenuntergänge.

Umgebung[Bearbeiten]

In unmittelbarer Nähe des Azure Window befindet sich der Fungus Rock, ein großer Fels im Meer, auf dem mehrere endemische Pflanzen- und Tierarten leben. Durch einen kurzen Fußmarsch ist das Inland-Meer (Inland Sea) zu erreichen. Zwischen Azure Window und Inland Sea gibt es eine kleine Kirche. Etwas höher gelegen steht ein alter Wachturm des Johanniterordens. Der als Dwejra Tower bezeichnete Turm wurde 1652 während der Herrschaft des Großmeisters Jean de Lascaris-Castellar fertiggestellt.[9][10] Der Turm sollte einen Küstenabschnitt, der für eine Landung feindlicher Truppen oder von Korsaren geeignet war, überwachen und die Garnison in Victoria alarmieren. Zu diesem Zweck wurde der Turm in Sichtweite anderer Türme errichtet. Die Alarmierung erfolgte tagsüber durch den Abschuss einer kleinen Kanone oder Muskete, nachts durch Entzünden eines Leuchtfeuers. Zur Verteidigung war der Dwejra Tower ebenso wie die anderen Lascaris Towers nur bedingt geeignet, da konstruktionsbedingt keine schweren Waffen aufgestellt werden konnten.[9][11][12]

Literatur[Bearbeiten]

  • Sea Fishes and Invertebrates of the maltese Islands and the Mediterranean Sea, Lawson Wood, 2002
  • The Fish Around Malta, Guido G. Lanfranco, 1993
  • Faszinierende Unterwasserwelt des Mittelmeeres, Claus Valentin, 1986
  • Ernle Bradford: Der Schild Europas – der Kampf der Malteserritter gegen die Türken 1565. Universitas-Verl., Berlin 1976
  • ADAC Reiseführer Plus Malta, ADAC Verlag DE

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Steinzeitung: Eiszeiten, abgerufen am 21. Februar 2013
  2. http://ec.europa.eu/environment/life/project/Projects/files/laymanReport/LIFE03_TCY_MT_0000047_LAYMAN.pdf
  3. http://www.timesofmalta.com/articles/view/20110425/local/Dwerja-sand-saga-cost-local-production-company-36-500.362121
  4. Faszinierende Unterwasserwelt des Mittelmeeres, Claus Valentin, 1986
  5. The Fish Around Malta, Guido G. Lanfranco, 1993, S. 43, Tafel 28
  6. Faszinierende Unterwasserwelt des Mittelmeeres, Claus Valentin, 1986, S. 137
  7. Sea Fishes and Invertebrates of the maltese Islands and the Mediterranean Sea, Lawson Wood, 2002, S. 100
  8. http://data.iucn.org/dbtw-wpd/html/2005-025/section37.html
  9. a b Stephen C. Spiteri: Mgarr ix-Xini Tower, Gozo auf Military Architecture (englisch)
  10. Dín l-Art Ħelwa, Dwejra Tower, Gozo (englisch)
  11. Stephen C. Spiteri: Naxxar and its fortifications auf Military Architecture (englisch)
  12. Stephen C. Spiteri: Madliena Tower - Malta’s ‘Martello’ Tower auf Military Architecture (englisch)

36.05388888888914.188611111111Koordinaten: 36° 3′ 14″ N, 14° 11′ 19″ O