Maltesische Sprache

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Maltesisch (Malti)

Gesprochen in

Malta
Sprecher 330.000
Linguistische
Klassifikation
Offizieller Status
Amtssprache von MaltaMalta Malta
Europaische UnionEuropäische Union Europäische Union
Sprachcodes
ISO 639-1:

mt

ISO 639-2:

mlt

ISO 639-3:

mlt

Maltesisch (Eigenbezeichnung: Malti) ist die Sprache Maltas. Sie ist ursprünglich aus einem arabischen Dialekt (Maghrebinisch) entstanden und gehört somit zu den semitischen Sprachen.
Das Maltesische ist einerseits die einzige autochthone semitische Sprache in Europa sowie andererseits auch die einzige semitische Sprache weltweit, die lateinische Buchstaben verwendet.

Geschichte[Bearbeiten]

Maltesisch ist aus dem maghrebinischen Arabisch entstanden und hat sich zu einer eigenständigen Sprache mit Besonderheiten in Syntax und Phonologie entwickelt, die es vom Arabischen abheben. Dennoch ist die Grundstruktur des Maltesischen, insbesondere die Formenbildung, semitisch. Der Wortschatz wurde ab der Frühen Neuzeit vom Italienischen (besonders vom Sizilianischen), aber auch vom Englischen beeinflusst. Es finden sich auch aramäische und Phönizisch-punische und sonstige vorarabische Wurzeln. Beispiele hierfür sind die Namen der beiden Hauptinseln „Malta“ und „Gozo“.

Nach der Eroberung und Neubesiedlung Maltas durch die Araber ab 870 entwickelte sich auf Malta aus dem Arabischen eine eigenständige lokale Umgangssprache. Handelte es sich zunächst noch um einen arabischen Dialekt, so löste sich das Maltesische durch die Christianisierung der Bevölkerung und ihre Anbindung an den katholisch-europäischen Kulturraum allmählich aus dem Einflussbereich der arabischen Hochsprache. Diese wurde von europäischen Sprachen abgelöst. Mit der Übernahme der Herrschaft durch den katholischen Johanniterorden 1530 wurde Italienisch dominierend. 1814 wurde Malta britische Kronkolonie und damit Englisch Amtssprache. Italienisch behielt daneben ebenfalls wichtige Funktionen, etwa als Gerichtssprache, und blieb die Sprache der einheimischen Oberschicht. Trotzdem ist Maltesisch in der Regel die Muttersprache und Alltagssprache der maltesischen Bevölkerung. 1924 wurden verbindliche Rechtschreibregeln erlassen. 1934 wurde Maltesisch Amtssprache neben dem Englischen, das heute vor allem in der höheren Schulbildung und der Hochschulbildung als Unterrichtssprache (neben dem Maltesischen) eine wichtige Rolle spielt, ebenso im Fernhandel und in technischen Berufen. Die italienische Sprache verlor ihren Status als offizielle Sprache Maltas 1934, wird aber noch von vielen Maltesern beherrscht.

Seit dem 1. Mai 2004 ist Maltesisch eine der Amtssprachen in der EU. Vielen der rund 1,5 Millionen maltesischstämmigen Menschen außerhalb Maltas dient das Maltesische auch fern der Heimat ihrer Vorfahren als Identifikationssymbol.

Alphabet und Aussprache[Bearbeiten]

Als einzige semitische Sprache wird Maltesisch mit lateinischen Buchstaben geschrieben, besitzt aber die Sonderzeichen Ċ/ċ, Ġ/ġ, Ħ und Ż/ż sowie den Digraphen Għ/għ, der ebenfalls als eigener Buchstabe behandelt wird. In Lehnworten werden die Buchstaben à, è, ì, ò und ù im Auslaut verwendet. Die Buchstaben c und y fehlen.

Bei der Aussprache ist zu beachten (IPA-Lautschrift):
ċ: [], wie tsch in deutsch
e: [ɛ], wie ä in Äpfel
ġ: [], wie dsch in Dschungel
għ: bezeichnete ursprünglich einen pharyngalen Konsonanten (aus arab. ع und غ hervorgegangen); heute ist es bei den meisten Sprechern stumm und äußert sich nur noch in einer Längung des vorangegangenen oder folgenden Vokals
h: stumm
ħ: [ħ], sehr deutlich gesprochenes h, keine Entsprechung im Deutschen (wie arab. ح)
o: [ɔ], wie o in Ort
q: [ʔ], sehr deutlicher Glottisschlag (wie z.B. ver'eisen statt verreisen)
r: [r], gerolltes r, bei manchen Sprechern auch retroflex und dem englischen r nahestehend
s: [s], immer stimmlos wie in Gras
v: [v], wie w in Wasser oder wie engl. v z.B. in vanilla
w: [w], wie engl. w, z.B. in water
x: [ʃ], wie sch in schön
z: [ts], wie z in Zunge
ż: [z], wie stimmhaftes s in Rose

aw: [], wie au in Haus
ew: [ɛʊ], etwa wie ein getrennt gesprochenes kurzes e-u bzw. ä-u, keine Entsprechung im Deutschen (entspricht etwa einem kurzen e wie in „hell“, auf das ein kurzes u wie in „Kuss“ folgt, kein Diphthong)
ie: [iɛ, iː], getrennt zu sprechen als i-ä; gelegentlich auch nur ein langes i mit leichter Neigung zum e

Wortschatz[Bearbeiten]

Beispiele für Wörter arabischen Ursprungs:

  • belt („Ort, Stadt“) < بلد balad
  • ħobż („Brot“) < خبز ḫubz
  • id („Hand“) < يد yad
  • kelma („Vokabel, Wort“) < كلمة kalima
  • kbir („groß“) < كبير kabīr
  • marid („krank“) < مريض marīḍ
  • marsa („Hafen“) < مرسى marsan („Ankerplatz“)
  • qamar („Mond“) < قمر qamar
  • raġel („Mann“) < رجل raǧul
  • saba' („Finger“) < إصبع ʾiṣbaʿ
  • sema („Himmel“) < سماء samāʾ'
  • tajjeb („gut“) < طيب ṭayyib
  • tifla („Mädchen“) < طفلة ṭifla („kleines Mädchen“)
  • tqil („schwer“) < ثقيل ṯaqīl
  • wieħed („eins“) < واحد wāḥid
  • xahar („Monat“) < شهر šahr

Beispiele für Wörter italienischen Ursprungs:

  • avukat (Rechtsanwalt) < avvocato, Sizil. abbucatu
  • frotta („Frucht“) < frutto
  • gravi („wichtig, bedeutend“) < grave, Sizil. gravi
  • griż („grau“) < grigio
  • kriżi („Krise“) < crisi
  • lvant („Osten“) < levante
  • natura („Natur“) < natura
  • parti („Anteil, Teil“) < parte, Sizil. parti
  • skola („Schule“) < scuola, Sizil. scola

Siehe auch:

Grammatik[Bearbeiten]

Die markanteste Besonderheit des Maltesischen im Unterschied zu den indoeuropäischen Sprachen ist das Prinzip des Trilitteru und Kwadrilitteru, das besagt, dass Wörter aus dem gleichen Bedeutungsfeld identische Wortwurzeln (Radikale) enthalten, die jeweils aus drei oder vier Konsonanten bestehen. Die Unterscheidung der Wörter eines Wortfeldes geschieht durch die zwischen die Wurzelkonsonanten gestellten Vokale sowie durch Morpheme, die der Wurzel voran- oder nachgestellt werden (Vor- und Nachsilben). Dieses Prinzip ist typisch für die semitische Sprachfamilie. Beispiel: aus der Wurzel ktb (Grundbedeutung: schreiben) abgeleitete Wörter: ktibt „ich schrieb“, kiteb „er schrieb“, kitbet „sie schrieb“, miktub „geschrieben“ (Partizip Perfekt), kittieb „Schreiber“, kitba „Dokument“, ktieb „Buch“, kotba „Bücher“, ktejjeb „Heft“.

Dieses besondere Prinzip der Wortbildung und Flexion wird auch auf die zahlreichen romanischen und englischen Lehnwörter angewandt. Vgl. etwa nitkellem / titkellem / jitkellem / titkellem (ich spreche / du sprichst / er spricht / sie spricht) von der semitischen Wurzel klm (Grundbedeutung: sprechen, Wort) mit dem aus dem Englischen entlehnten to book: Ich reserviere / du reservierst / er reserviert / sie reserviert heißt nibbukkja / tibbukkja / jibbukkja / tibbukkja. Die in den beiden Wortreihen erkennbaren Vorsilben ni- / ti- / ji- / ti- sind die in den semitischen Sprachen durchgängig auftretenden Morpheme, die das Verb im Imperfektstamm (= nicht abgeschlossene Handlung, Präsens/Futur) der 1., 2., 3. Person (ich/du/er/sie) zuordnen. In allen semitischen Sprachen werden Lehnwörter, insbesondere Verben, nach diesem Prinzip behandelt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ambros, Arne A.: Bonġornu, kif int? Einführung in die maltesische Sprache., Wiesbaden: Reichert 1998, ISBN 3-89500-085-X
  • Ambros, Arne A.:Bonġornu, kif int? Einführung in die maltesische Sprache. Schlüssel und Wörterverzeichnis., Wiesbaden: Reichert 2006, ISBN 3-89500-534-7
  • Moser, Manfred: Dizzjunarju Wörterbuch = Malti-Ġermaniż/Maltesisch-Deutsch; Deutsch-Maltesisch/Ġermaniż-Malti. Megħjun minn Christopher Meilak. – San Ġwann, Malta: Publisher Enterprises Group (PEG) Ltd 1999; ISBN 99909-0-176-7
  • Moser, Manfred: Malti-Ġermaniż – Dizzjunarju kbir / Deutsch-Maltesisch – Großes Wörterbuch. Unter Mitw. von Sharon Meyer und Joe Felice-Pace. – Wiesbaden: Reichert 2005, ISBN 3-89500-468-5;
  • Ohk, Brigitte: Sprechen Sie Maltesisch? Qormi: Kimmik, 1995.
  • Ohk, K.: Kauderwelsch Band 117. Maltesisch. Wort für Wort., Bielefeld: Reise Know-How Verlag Rump 2001, ISBN 3-89416-568-5

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikipedia auf Maltesisch