Backe, backe Kuchen

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Backe, backe Kuchen ist ein populäres deutschsprachiges Kinderlied. Der Ursprung wird in Sachsen und Thüringen vor dem Jahr 1840 vermutet. Es existieren verschiedene Varianten, die sich im Text und der Anzahl der Strophen unterscheiden. Der Reimtext wird zu einer einfachen, volkstümlichen und im Wesentlichen pentatonischen Melodie gesungen.

Text und Melodie[Bearbeiten]

Backe, backe Kuchen,
Der Bäcker hat gerufen.
Wer will guten Kuchen backen,
der muss haben sieben Sachen,
Eier und Schmalz,
Zucker und Salz,
Milch und Mehl,
Safran macht den Kuchen gehl!
Schieb, schieb in’n Ofen ’nein.

Die Melodie strukturiert den Text musikalisch im Sinne der Reprisenbarform. Die einrahmenden Zeilen (Stollen) sind dabei konventionelle viertaktige Perioden, in denen lediglich die melodische Variation im Nachsatz der Reprise (also in den letzten zwei Takten) den sonst eher monotonen Verlauf belebt. Interessant ist dagegen die dieser Symmetrie zuwiderlaufende Ungeradzahligkeit der Takte des Abgesangs (also des „Mittelteils“). Diese Unregelmäßigkeit ist in Volksliedern häufig anzutreffen, sobald litaneiartige Texte primär aufzählenden Inhalts vertont werden. Bekannte Lieder, die diesen Effekt noch bedeutend stärker nutzen als das mit seinem dreitaktigen Abgesang relativ schlichte Backe, backe Kuchen sind z.B. Der Bauer schickt den Jockel aus oder das englische Weihnachtslied The Twelve Days of Christmas.

Text und Varianten[Bearbeiten]

Der Bäcker stößt ins Horn, um 1681, Gemälde von J. A. Berckheyde

Der Text geht vermutlich auf einen verbreiteten Brauch zurück, dem zufolge die Bäcker nach dem Backen des Brotes mit einem Horn „riefen“, um den Frauen der Nachbarschaft zu signalisieren, dass die Restwärme des Backofens nun dazu genutzt werden konnte, ihre Kuchen zu backen.[1] Auch dort, wo das Brot an bestimmten Tagen im gemeinsamen Dorfbackofen gebacken wurde, gab es ein Signal, wenn das Brot herausgenommen und die Restwärme des Backofens zum Kuchenbacken verwendet werden konnte.

Die Urform des Textes mit dem gereimten Aufzählen der Zutaten findet sich bereits um 1450 in Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch Kochbuch, wo die Zubereitung eines Muses mitgeteilt wird:

Wer ein guot muos wil haben
das mach von sibennler sachen
du muost haben milch, saltz und schmaltz,
zugker, ayer und mel
saffran dar zu
So wirt es gell.[2]

Auffällig ist, dass der Text auf die gelbfärbende Wirkung des Safrans verweist. Keine der übrigen sechs erwähnten Zutaten bietet ein naheliegendes Reimwort für das standarddeutsche „gelb“. Der tradierte Liedtext schreibt daher „gehl“ (auch als „gel“), um einen annähernd plausiblen Endreim auf „Mehl“ zu gewährleisten. Es gibt oberdeutsche Mundarten, z. B. das Nordostbairische, die das auslautende „-b“ zu „-w“ aufweichen, so dass es dann schließlich nicht mehr gehört oder überhaupt nicht mehr gesprochen wurde. Zudem ist „geel“ das niederdeutsche und niederländische Wort für „gelb“.

Die letzte Zeile wird nur bei einigen Varianten angefügt, ebenso wird der Text auch ins Hochdeutsche übertragen als „Schieb ihn in den Ofen ’rein“ gesungen.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.diebackstube.de/themen/museum.htm# Von Backofen, Bäckern und Backstuben
  2. http://sauseschritt.net/?p=743&utm_source=buffer&buffer_share=1f3f6# Kochkunst im Spätmittelalter