Balthasar von Dernbach

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Fürstabt Balthasar von Dernbach gen. Graul
Wappen Balthasar von Dernbach gen. Graul, Fürstabt von Fulda

Balthasar von Dernbach gen. Graul (* 1548 in Wiesenfeld, Hessen; † 15. März 1606 in Fulda), war Benediktiner des Klosters Fulda und Fürstabt von Fulda 1570–1606.

Herkunft[Bearbeiten]

Er wurde als jüngster Sohn von Peter von Dernbach genannt Graul und dessen Frau Clara Klauer von und zu Wohra 1548 in Wiesenfeld (Landkreis Waldeck-Frankenberg) geboren und evangelisch-lutherisch getauft. Das Ehepaar hatte insgesamt 15 Kinder, 8 Söhne und 7 Töchter, wovon 4 im Kindesalter verstarben. Sein Vater war Burgmann der Grafen von Nassau in Herborn gewesen, danach Gefolgsmann des Landgrafen Philipp I. und bewohnte ab 1540 zusammen mit seinem Verwandten Philipp von Dernbach, hess. Stiftsvogt, die von Landgraf Philipp I. gepachtete ehemalige Johanniter-Kommende Wiesenfeld. Peter von Dernbach hatte 1540 seinen Anteil an der Stammburg Dernbach (Burg Neu-Dernbach), heute Gemeinde Bad Endbach im Landkreis Marburg-Biedenkopf, an den Landgrafen verkauft und war nach Wiesenfeld gezogen.

Die „von Dernbach gen. Graul“ (Genanntname), eine Nebenlinie des seit 1226 im Raum Gießen/Herborn nachweisbaren Rittergeschlechtes von Dernbach, das zum hessischen Uradel zählte, sind seit Mitte des 13. Jahrhunderts Gefolgsleute der thüringisch/hessischen Landgrafen. Die Nebenlinie wird mit Heidenrich von Dernbach gen. Grauel 1323 erstmals erwähnt. Balthasar schrieb seinen Namen selbst stets als „Der m bach“.

Balthasars Vater war strenger Lutheraner und als treuer Gefolgsmann Philipps des Großmütigen auch Mitkämpfer im Schmalkaldischen Krieg. Leinweber erwähnt dies nicht, führt hingegen - ohne Quellenangabe - aus: „Von seinem Vater sagte man um 1570, dass er in der Landgrafschaft Hessen zuletzt der „einzige Katholik“ war (wohl wegen seines Widerstandes gegen den Krieg). Damit stimmt überein, dass Peter von Dernbach 1546 in einem Schreiben an Landgraf Philipp von Hessen ernste Bedenken gegen den von ihm eingeschlagenen Weg in der Religionsfrage erhob“. (In diesem Schreiben vom 15. November 1546 aus dem Feldlager bei Giengen an der Brenz, das erhalten ist, nennt er sinngemäß den „Krieg, als eines Christenmenschen unwürdig“ und warnt vor dessen Folgen.)

Aufstieg in der Reichsabtei Fulda[Bearbeiten]

Als sein Vater 1560 starb, gab ihn seine Mutter mit knapp 12 Jahren zur weiteren Erziehung und Ausbildung zu ihrem Bruder, dem Abt Wilhelm Hartmann Klauer von und zu Wohra ins Stiftskapitel nach Fulda. Dort wurde er, von seiner Mutter getrennt, katholisch erzogen. Am 9. März 1566 wurde er in Würzburg zum Priester geweiht. Am 25. Januar 1570 im Alter von 22 Jahren als Nachfolger seines Onkels zum Fürstabt von Fulda gewählt. Seine Wahl wurde von Pius V. bestätigt.

Nach seiner Wahl zum Fürstabt holte er seine drei Brüder, Otto, Melchior und Wilhelm nach Fulda und verhalf ihnen zu hohen Ämtern. Wilhelm wurde Deutschordensritter und Kommandeur zu Kapfenburg und Oettingen. Otto wurde Marschall und Propst auf dem Petersberg und Melchior kaiserlicher Rat, Amtmann in Brückenau und Hofmarschall in Fulda. Sein Neffe Peter Philipp von Dernbach gen. Graul, Sohn von Melchior, wurde 1651 Vizedom des Bistums Bamberg in Kärnten, danach 1672 zum Fürstbischof von Bamberg und 1675 auch noch zum Fürstbischof von Würzburg gewählt. [1]

Gegenreformation[Bearbeiten]

Balthasar setzte sich sofort für die Gegenreformation ein und berief 1571 Jesuiten nach Fulda, um eine Schule und Kollegs zu gründen. Von seinen Kapitularen verlangte er, zum klösterlichen Leben zurückzukehren. Unter seinen Vorgängern war der Protestantismus geduldet worden, so dass sich die Einwohner der Stadt Fulda, die Ritterschaft und ein größerer Teil des Umlandes sich zur lutherischen Lehre bekannten. Balthasar forcierte die Rekatholisierung und wies alle, die nicht zum katholischen Glauben zurückkehren wollten, aus dem Gebiet der Reichsabtei Fulda aus.

Fuldaischer Handel[Bearbeiten]

Sein Vorgehen stieß auf Widerstand des Stiftskapitels, des Magistrats und der Ritterschaft. Wiederholt gab es Drohungen, ihn mit Gewalt abzusetzen. Schließlich verbündete sich die Ritterschaft mit dem Würzburger Bischof Julius Echter von Mespelbrunn. 1576 wurde Balthasar von Dernbach von Ritterschaft, Stiftskapitel und Bischof in Hammelburg gezwungen sein eigenes Abdankungsschreiben zu unterzeichnen. Der Würzburger Bischof wurde zum Administrator des Stifts gewählt mit der Vereinbarung, den Ritterständen Religionsfreiheit zu gewähren.

Balthasar flüchtet zum Erzbischof von Mainz, der ihm Burg Bieberstein als Residenz zuwies. Balthasar hatte sofort seine Abdankung widerrufen und versuchte nun durch Eingaben an den Papst und an Kaiser Maximilian II. seine Herrschaft zurückzugewinnen. Papst Gregor XIII. drohte dem Würzburger Bischof mit dem Kirchenbann, falls er Fulda nicht wieder herausgeben würde. Nach einem Prozess vor dem Reichshofrat, der sich 26 Jahre hinzog, erreichte er am 7. August 1602 die Rückgabe seines Territoriums. Das Fuldaer Domkapitel, die Ritterschaft und die Städte wurden zu einer Geldstrafe verurteilt. Sie und Würzburg mussten Schadensersatz und die Prozesskosten zahlen. Nach seiner Rückkehr setzte Balthasar seine Politik fort und erreichte die vollständige Wiederherstellung des Katholizismus in der Stadt und im Stift Fulda.

Hexenverfolgung[Bearbeiten]

In den Jahren 1602-1605 ließ er durch den Zentgrafen und Malefizmeister Balthasar Nuss Hexenprozesse durchführen, denen etwa 250 Menschen, weit überwiegend Frauen, zum Opfer fielen, d. h. verbrannt wurden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Friedrich Wilhelm Bautz: Balthasar von Dernbach. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 1, Bautz, Hamm 1975. 2., unveränderte Auflage Hamm 1990, ISBN 3-88309-013-1, Sp. 359.
  • Wolfgang Breul in: 200 Jahre evangelische Gemeinde in Fulda. = 200 Jahre evangelische Kirchengemeinde in Fulda. Evangelische Gemeinde, Fulda 2003, S. 15–26.
  • Karl Eder: Die Kirche im Zeitalter des konfessionellen Absolutismus. (1555–1648) (= Kirchengeschichte. Bd. 3, Hälfte 2). Herder, Freiburg 1949, S. 69, 295f.
  • Heinrich Heppe: Die Restauration des Katholizismus in Fulda, auf dem Eichsfelde und in Würzburg. Elwert, Marburg 1850, Digitalisat.
  • Josef Leinweber: Die Fuldaer Äbte und Bischöfe. Knecht, Frankfurt am Main 1989, ISBN 3-7820-0585-6.
  • Horst W. Müller: Dernbach und die „von Dernbach“. In: Hinterländer Geschichtsblätter. Bd. 84, Nr. 3, 2005, ISSN 0018-196X, S. 137–141, Nr. 4, S. 149–152; Bd. 85, 2006, Nr. 1, S. 153–155, Nr. 2, S. 162–167.
  • Otto Schaffrath: Fürstabt Balthasar von Dermbach und seine Zeit. Studien zur Geschichte der Gegenreformation in Fulda (= Veröffentlichung des Fuldaer Geschichtsvereins. Bd. 44, ZDB-ID 517272-x). Parzeller, Fulda 1967, mit umfangreicher Literaturübersicht.
  • Franz Xaver von WegeleBalthasar, Fürstabt von Fulda. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 2, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 24–27.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Horst W. Müller: Dernbach und die „von Dernbach“. 2005–2006.
Vorgänger Amt Nachfolger
Wilhelm Hartmann Klauer zu Wohra Fürstabt von Fulda
15701606
Johann Friedrich von Schwalbach