Landkreis Waldeck-Frankenberg
| Wappen | Deutschlandkarte |
|---|---|
| Basisdaten | |
| Bundesland: | Hessen |
| Regierungsbezirk: | Kassel |
| Verwaltungssitz: | Korbach |
| Fläche: | 1.848,58 km² |
| Einwohner: |
160.571 (31. Dez. 2011)[1] |
| Bevölkerungsdichte: | 87 Einwohner je km² |
| Kfz-Kennzeichen: | KB |
| Kreisschlüssel: | 06 6 35 |
| NUTS: | DE736 |
| Kreisgliederung: | 22 Gemeinden |
| Adresse der Kreisverwaltung: |
Südring 2 34497 Korbach |
| Webpräsenz: | |
| Landrat: | Reinhard Kubat (SPD) |
| Lage des Landkreises Waldeck-Frankenberg in Hessen | |
Der Landkreis Waldeck-Frankenberg ist ein Landkreis im Regierungsbezirk Kassel in Nordwest-Hessen. Nachbarkreise sind im Westen und Norden der nordrhein-westfälische Hochsauerlandkreis, im Norden der ebenfalls westfälische Kreis Höxter, im Osten der Landkreis Kassel und der Schwalm-Eder-Kreis, im Süden der Landkreis Marburg-Biedenkopf und im Südwesten der westfälische Kreis Siegen-Wittgenstein. Die Bevölkerung des Kreises ist zu etwa 76 % evangelisch und zu etwa 15 % katholisch. Der Ausländeranteil beträgt ca. 5,1 %. Mit über 1848 km² ist er der flächenmäßig größte Landkreis in Hessen vor dem Schwalm-Eder-Kreis und dem Vogelsbergkreis.
Inhaltsverzeichnis |
Geografie [Bearbeiten]
Der Landkreis liegt am Übergang des Rheinischen Schiefergebirges ins Hessische Bergland und damit vollständig im Bereich der deutschen Mittelgebirge. Größere Ebenen finden sich im Kreisgebiet nur im Nordosten um Volkmarsen, in der Kreismitte (Korbacher Hochebene) und im oberen Edertal (Battenberg-Frankenberg (Eder)) und unteren Edertal (Gemeinde Edertal). Die höchste Erhebung ist der 843,2 m hohe Langenberg im Upland bei Willingen. Neben dem Upland sind weitere Mittelgebirge die oberhessischen Anteile am Rothaargebirge um Battenberg herum, der Burgwald und der Kellerwald.
Die wichtigsten Flüsse sind die Eder, ein Nebenfluss der Fulda, und die Diemel, welche direkt in die Weser mündet. Die Twiste, ein Nebenfluss der Diemel, und die Itter und die Orke, Nebenflüsse der Eder, sind weitere Flüsse. Es gibt keine größeren natürlichen Seen im Kreisgebiet, jedoch mehrere Stauseen, von denen der Edersee der größte ist und auch der größte See Hessens überhaupt. Der Diemelsee und der Twistesee spielen ebenfalls eine wichtige Rolle.
Fast das gesamte Kreisgebiet entwässert über die Weser in die Nordsee, lediglich im Südosten fließt die Wohra über Ohm, Lahn und Rhein in die Nordsee.
Korbacher Spalte [Bearbeiten]
Eine geologische Besonderheit ist die Korbacher Spalte, eine 20 Meter tiefe, bis zu 3,50 m breite und ca. einen Kilometer lange verfüllte Erdspalte. Sie ist eine wichtige Fossillagerstätte aus der Permzeit, ca. zwei Kilometer südlich der Korbacher Innenstadt entfernt.
Geschichte [Bearbeiten]
Der Landkreis Waldeck-Frankenberg entstand am 1. Januar 1974 im Rahmen der hessischen Gebietsreform aus den bisherigen Landkreisen Waldeck im Norden und Frankenberg im Süden.
Der größere Landkreis Waldeck war bis 1929 ein eigener Freistaat im Deutschen Reich und zuvor ein eigenes Fürstentum, Arolsen war die Hauptstadt. 1929 wurde Waldeck in die preußische Provinz Hessen-Nassau eingegliedert und in drei Kreise eingeteilt: Kreis der Eder (Kreisstadt Bad Wildungen), Kreis des Eisenbergs (Kreisstadt Korbach) und Kreis der Twiste (Kreisstadt Arolsen). Nach 1942 wurden diese drei Kreise zum Kreis Waldeck vereinigt mit Korbach als Kreisstadt.
Der Altkreis Frankenberg, gehörte bis auf die westlichen Teile des ehemaligen Amtes Battenberg, welche zusammen mit dem Amt Gladenbach den Kreis Biedenkopf in der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt bildete, sowie das Amt Itter zu Hessen-Kassel. 1932 wurde das Amt Battenberg in den Kreis Frankenberg eingegliedert.
Diese beiden Altkreise wurden im Rahmen der Gebietsreform vereinigt, zudem wurden weitere Grenzkorrekturen durchgeführt. So wurden Volkmarsen aus dem Landkreis Wolfhagen und Schiffelbach aus dem Landkreis Marburg eingemeindet, die waldeckische Stadt Züschen wurde ein Stadtteil der Stadt Fritzlar im heutigen Schwalm-Eder-Kreis.[2]
Die Grenze zwischen den beiden Altkreisen stellt jedoch auch heute noch eine kleine kulturelle Grenze dar. Die Benrather Linie verläuft annähernd zwischen den beiden Altkreisen und teilt den Kreis in einen niederdeutschen (waldeckischen) und einen mitteldeutschen (hessischen) Teil. Bei den evangelischen Kirchen ist der Kreis zwischen der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (Altkreise Waldeck und Frankenberg) und der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (Teile des Altkreises Frankenberg) geteilt, bei den katholischen Kirchen zwischen dem Erzbistum Paderborn (Altkreis Waldeck) und dem Bistum Fulda (Altkreis Frankenberg).
Politik [Bearbeiten]
Kreistag [Bearbeiten]
Die Kommunalwahl am 27. März 2011 lieferte folgendes Ergebnis:[3]
| Parteien und Wählergemeinschaften | % 2011 |
Sitze 2011 |
% 2006 |
Sitze 2006 |
|
| SPD | Sozialdemokratische Partei Deutschlands | 34,5 | 24 | 36,0 | 26 |
| CDU | Christlich Demokratische Union Deutschlands | 30,6 | 22 | 35,1 | 25 |
| GRÜNE | Bündnis 90/Die Grünen | 14,3 | 10 | 6,0 | 4 |
| FWG | Freie Wählergemeinschaft Waldeck-Frankenberg | 10,0 | 7 | 11,6 | 8 |
| FDP | Freie Demokratische Partei | 5,9 | 4 | 7,3 | 5 |
| Linke | Die Linke | 2,3 | 2 | 1,7 | 1 |
| REP | Die Republikaner | 1,4 | 1 | 2,3 | 2 |
| PIRATEN | Piratenpartei Deutschland | 1,1 | 1 | – | – |
| Gesamt | 100,0 | 71 | 100,0 | 71 | |
| Wahlbeteiligung in % | 51,1 | 50,7 | |||
Landrat [Bearbeiten]
Amtierender Landrat ist seit 1. Januar 2010 Reinhard Kubat (Marienhagen). Er wurde in einer Stichwahl am 19. Juli 2009 mit 54,3 Prozent der Stimmen gewählt.[4]
Wappen [Bearbeiten]
Blasonierung: „Von Blau und Gold schräglinks geteilt; oben der wachsende, von Silber und Rot geteilte hessische Löwe, unten der schwarze achtstrahlige Waldecker Stern“ (Wappen-Verleihung 21. Juni 1974)
Der Löwe als Wappentier der Stadt Frankenberg und der Landgrafschaft Hessen bzw. deren Nachfolgestaaten symbolisiert den südlichen Teil des Kreises, den ehemaligen Landkreis Frankenberg. Der Stern ist das Wappensymbol des ehemaligen Fürstentums Waldeck und wurde bereits im Wappen des Altkreises Waldeck geführt.
Wirtschaft [Bearbeiten]
Der Landkreis gehörte und gehört heute teilweise immer noch zu den traditionell eher strukturschwächeren Gegenden Deutschlands, was sich auch in der Gegenwart durch die verhältnismäßig geringe Bevölkerungsdichte von 88 Einwohnern /km² ausdrückt; nach dem Vogelsbergkreis die zweitniedrigste im Bundesland, wobei allerdings zu berücksichtigen ist, dass Waldeck-Frankenberg der mit Abstand größte Landkreis in Hessen ist. Speziell die abgelegenen Bergregionen des Uplandes waren bis zur Hälfte des 20. Jahrhunderts noch von Armut betroffen. Insbesondere im Südkreis haben sich jedoch ab den 1950er Jahren diverse Industriezweige prosperierend entwickelt. Unter anderem der Heiztechnikhersteller Viessmann mit Hauptsitz in Allendorf (Eder), welcher weltweit über 10.000 Mitarbeiter beschäftigt oder der international bekannte Möbelhersteller Thonet und die Hettich Unternehmensgruppe in Frankenberg (Eder) sowie einige führende mittelständische Unternehmen im Bereich der Kunststofftechnik.
Land- und Forstwirtschaft spielen in dem ländlich geprägten Kreis immer noch eine große Rolle: 784 km² der Kreisfläche werden landwirtschaftlich genutzt, 843 km² sind Waldflächen. Damit beträgt dieser Anteil insgesamt 88 % der gesamten Kreisfläche. In der Landwirtschaft sind allerdings nur noch 572 Einwohner als Angestellte beschäftigt bei insgesamt 2220 landwirtschaftlichen Betrieben, was nur etwas mehr als ein Prozent der Gesamtangstellten darstellt (Stand 2008).[5] Industrie hat sich außerhalb der Mittelstädte nur wenig ansiedeln können, dennoch gibt es einige Großbetriebe in Korbach, Bad Arolsen und im oberen Edertal, die zu den wichtigsten Arbeitgebern gehören. Wichtige Betriebszweige sind die Möbelindustrie, kunststoffverarbeitende Betreibe sowie die Gummiindustrie. Der größte Arbeitgeber im Kreis ist das Reifenwerk der Continental AG in Korbach mit rund 3400 Mitarbeitern am Standort (Stand 2012)[6]. Insgesamt arbeiten im Kreis 42 % der Beschäftigten im produzierenden Gewerbe.[7]
Die vier Mittelzentren Korbach, Bad Arolsen, Bad Wildungen und Frankenberg sind auch wichtige Standorte für das Dienstleistungsgewerbe; ein weiterer wichtiger Bestandteil hiervon ist der Tourismus. Die Ferienregion "Waldecker Land" (unter der auch der Altkreis Frankenberg mitvermarktet wird) zählt zu den wichtigsten Urlaubsregionen Hessens und lockt Besucher aus dem ganzen Bundesgebiet, vor allem aus dem benachbarten Nordrhein-Westfalen, sowie auch aus historischen Gründen aus den Niederlanden an (Die Urgroßmutter der aktuellen niederländischen Königen Beatrix, Emma, stammt aus dem waldeckischen Fürstenhaus.) Im hessischen Upland spielt Wintersport eine große Rolle, insbesondere Willingen kommt als Austragungsort des Skispring-Weltcups eine wichtige Rolle zu. Das übrige Kreisgebiet, vor allem aber die Orte an den großen Stauseen, wird vor allem im Sommer besucht, der Edersee spielt eine wichtige Rolle als Naherholungsgebiet für das 40 km entfernte Kassel und Marburg. Aufgewertet wurde dies noch durch die Einrichtung des Nationalparks Kellerwald-Edersee 2004. Darüber hinaus sind auch die historischen Innenstädte mit vielen Fachwerkbauten von Interesse (Korbach und Bad Arolsen liegen an der Deutschen Fachwerkstraße). Ergänzt wird dieses Angebot durch die Möglichkeit, die vielen Burgen und Schlösser vor allem im Altkreis Waldeck zu besichtigen, allen voran das Residenzschloss in Bad Arolsen, welches im 18. Jahrhundert nach dem Vorbild von Versailles errichtet wurde.
Verkehr [Bearbeiten]
Bis auf einen kleinen Abschnitt der Bundesautobahn 44 (A 44) von Kassel nach Dortmund im nördlichsten Teil des Landkreises in der Gemeinde Diemelstadt hat der Landkreis Waldeck-Frankenberg keinen direkten Anschluss an das Autobahnnetz. Im Südosten verläuft die A 49 in der Nähe des Kreisgebietes. Der geplante Lückenschluss der A 4 zwischen dem westlichen und östlichen Teil soll durch den Südteil des Landkreises verlaufen. Bis in die 1970er Jahre war zudem eine Verlängerung der A 5 von Gießen nach Bremen im Gespräch, die den Landkreis in Nord-Süd-Richtung erschlossen hätte. Diese Aufgabe übernimmt heute die B 252, die Marburg über Frankenberg, Korbach und Bad Arolsen mit Warburg und Paderborn verbindet und dabei im Kreisgebiet, insbesondere im Vergleich zum weiteren Verlauf im Landkreis Marburg-Biedenkopf, mit aktuell nur noch sechs Ortsdurchfahrten (Ernsthausen, Bottendorf, Herzhausen, Dorfitter, Berndorf und Twiste) auf dem gesamten Verlauf im Kreis verhältnismäßig gut ausgebaut ist. Anfang 2013 stellte das Bundesverkehrsministerium nach jahrzehntelanger Planung zur Freude vieler Anwohner endlich Mittel für den Bau einer B252neu zur Verfügung, welche langfristig sämtliche Ortsdurchfahrten zwischen Marburg und Frankenberg umgehen wird und somit zum einen die Bevölkerung entlasten, aber auch eine bessere Anbindung an Mittel- und Südhessen gewährleisten sowie der Wirtschaft in der Region zugutekommen soll.[8] Das Projekt wird von Hessen Mobil durchgeführt. Weitere Bundesstraßen im Kreisgebiet sind die B 236, die von Münchhausen beginnend über Battenberg und Bromskirchen den Kreis durchquert, die B 251 von Kassel über Waldeck-Sachsenhausen, Korbach, Willingen nach Brilon, die B 253 von Bad Wildungen über Frankenberg, Battenberg nach Dillenburg, die B 450 von Fritzlar und Wolfhagen nach Bad Arolsen, die B 485 von Bad Wildungen nach Bad Arolsen.
Der Landkreis wird durch die Bahnstrecken Korbach - Bad Arolsen - Volkmarsen mit weiterem Anschluss Richtung Kassel, die Strecke Korbach - Willingen - Brilon Wald, die Strecke Frankenberg - Marburg und die Strecke Bad Wildungen - Wabern erschlossen. Es wurde beschlossen die Bahnstrecke Korbach-Frankenberg (Untere Edertalbahn) wieder in Betrieb zu nehmen. Voraussichtlich ab Herbst 2014 wird der Streckenabschnitt wieder fahrplanmäßig bedient. Momentan finden auf dem Streckenabschnitt Frankenberg (Eder)- Herzhausen in den Sommermonaten zum Nationalparkzentrum Sonderfahrten statt. Zwischen Korbach Süd und Herzhausen ruht der Verkehr momentan, da zwei Brücken und zwei Tunnel nicht befahrbar sind und für eine Sanierung umfangreich saniert werden müssen. Weitere stillgelegte Strecken sind die Obere Edertalbahn von Allendorf (Eder) nach Bad Berleburg, die Bahnstrecke Nuttlar–Frankenberg sowie die Ederseebahn von Korbach nach Bad Wildungen. Die Bahnstrecke von Korbach nach Bad Wildungen wurde 1995 aufgrund der Sanierungsbedürftigkeit des Buhlener Viadukts stillgelegt. Heute befindet sich auf Teilen dieser Bahnstrecke ein Radweg.
Neben dem Linienbusverkehr im Landkreis Waldeck-Frankenberg ergänzt das AnrufSammelTaxi (AST) Waldeck-Frankenberg[9] den öffentlichen Personennahverkehr. Im Landkreis fährt das AnrufSammelTaxi nach telefonischer Anmeldung wie der Linienbus von Haltestelle zu Haltestelle[10].
Städte und Gemeinden [Bearbeiten]
(Einwohner am 31. Dezember 2011[11])
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Waldeck-Frankenberg hat insgesamt 161.871 Einwohner.
Literatur [Bearbeiten]
- Hartmut Wecker: Landkreis Waldeck-Frankenberg. Verlag Kommunikation & Wirtschaft, Oldenburg, 2007. ISBN 3-88363-283-X
Weblinks [Bearbeiten]
- Links zum Thema Landkreis Waldeck-Frankenberg im Open Directory Project
- www.waldecker-land.de Offizielle touristische Website der Ferienregion Waldecker Land
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Bevölkerung der hessischen Gemeinden am 31. Dezember 2011 (Hilfe dazu)
- ↑ Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Frankenberg und Waldeck vom 28. September 1973 GVBl. I S. 359
- ↑ Wahlergebnis auf hsl.de
- ↑ Landrats-Stichwahl: Kubat gewinnt mit 54,3 Prozent. Hessische/Niedersächsische Allgemeine, 19. Juli 2009, abgerufen am 19. Juli 2009.
- ↑ Zahlen, Daten und Fakten des Landkreises Waldeck-Frankenberg
- ↑ WLZ/FZ-online.de
- ↑ Wirtschaft & Finanzen Kreis Waldeck-Frankenberg
- ↑ Bund stellt erstes Geld für Umgehung bereit
- ↑ Wie kann ich das „Anruf-Sammel-Taxi“ (AST) nutzen? [1]
- ↑ AST-Linenübersicht im Landkreis Waldeck-Frankenberg [2] (PDF; 849 kB) Stand 24. März 2011
- ↑ Bevölkerung der hessischen Gemeinden am 31. Dezember 2011
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