Bambus

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Bambus (Begriffsklärung) aufgeführt.
Bambus
Bambus im Schlosspark von Richelieu in Frankreich

Bambus im Schlosspark von Richelieu in Frankreich

Systematik
Klasse: Bedecktsamer (Magnoliopsida)
Monokotyledonen
Commeliniden
Ordnung: Süßgrasartige (Poales)
Familie: Süßgräser (Poaceae)
Unterfamilie: Bambus
Wissenschaftlicher Name
Bambusoideae
Luerss.

Bambus (Bambusoideae) ist eine der zwölf Unterfamilien aus der Familie der Süßgräser (Poaceae), der etwa 116 Gattungen zugerechnet werden. Die Unterfamilie wird in drei Tribus geteilt, wobei Arundinarieae und Bambuseae verholzende Arten beinhalten und Olyreae krautig wachsende Pflanzen. Bambusarten treten auf allen Erdteilen auf mit Ausnahme von Europa und der Antarktis.

Beschreibung[Bearbeiten]

Die Vertreter der Unterfamilie sind ausdauernde, in der Tribus Olyreae möglicherweise vereinzelt auch einjährige, krautige oder verholzende Gräser. Die Halme sind hohl oder gefüllt und verzweigen sich bei vielen Arten. Die Laubblätter sind in zwei Reihen angeordnet. Die Blätter sind in die Blattscheide und Blattspreite unterteilt. Am Ende der Blattscheide werden häufig ausgefranste Blatthäutchen (Ligula) gebildet, in den Tribus Arundinarieae und Bambuseae sowohl vor als auch hinter dem Ansatz der Blattspreite, in der Tribus Olyreae nur hinter dem Ansatz der Blattspreite. Die Scheiden tragen häufig Öhrchen und/oder sind bewimpert (oral setae). Die Blattspreite ist meist breit und parallel geadert. Der Ansatzpunkt zur Blattscheide ist wie ein Blattstiel ausgebildet.[1]

Die Blütenstände sind ährig, traubig oder rispig, wobei zwei Wuchsformen unterschieden werden: Alle Ährchen reifen in einer Wachstumsphase, wobei basal liegende Tragblätter und Vorblätter meist fehlen, oder die Ährchen bilden an der Basis Knospen, Tragblätter und Vorblätter, wobei aus den Knospen wieder Ährchen gebildet werden können, die unterschiedliche Reifegrade aufweisen. Die Ährchen mit an der Basis liegenden Knospen, die weitere Ährchen bilden können, werden auch als Scheinährchen bezeichnet. Die Ährchen sind bei den Arundinarieae und Bambuseae zweigeschlechtig, bei den Olyreae eingeschlechtig. Je Ährchen werde keine, eine, zwei oder mehrere Hüllspelzen und ein bis viele Blütchen gebildet. Die Deckspelzen können einfach begrannt sein, die Vorspelzen sind deutlich ausgebildet. Meist werden drei, selten kein oder sechs, häutige und häufig bewimperte Schwellkörper (Lodiculae) gebildet. Meist werden zwei, drei oder sechs Staubblätter gebildet, in der Gattung Pariana zwei bis 40, und bei den Ochlandra sechs bis 120. Der Fruchtknoten ist kahl oder behaart und trägt zwei oder drei Griffel und zwei oder drei Narben. Die Früchte sind Karyopse mit linealischem, selten punktförmigen Hilum.[1]

Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 7, 9, 10, 11 oder 12.[1]

Die Vertreter der Unterfamilie sind C3-Pflanzen.[1]

Rhizome[Bearbeiten]

Die Rhizome wachsen unterirdisch und bestehen wie die Halme und Halmäste aus Knoten und Internodien. Jedes Rhizom entwickelt sich aus einer Knospe eines anderen Rhizomes, oder sehr selten aus der Knaospe an der Basis eines Halms. Weiters unterscheidet man den Rhizomkörper (rhizome proper) und den sich früher entickelnden Rhizomhals (rhizome neck). Der Rhizomhals ist für gewöhnlich eher kurz und verbreitert sich zum Rhizomkörper hin. Man unterscheidet prinzipiell zwei Wuchsformen, die auch die Ausbreitung des Bambus bestimmen: pachymorphe Rhizome und leptomorphe Rhizome.[2]

Pachymorphe Rhizome[Bearbeiten]

Pachymorphe Rhizome mit abgeschnittenen Halmen

Pachymorphe Rhizomkörper sind eher kurz und dick, spindelförmig bis beinahe rund, meist mehr oder weniger gekrümmt, und an der dicksten Stelle meist dicker als der Halm, in dem das Rhizom typischerweise endet. Die Internodien sind meist breiter als lang, nicht hohl und meist asymmetrisch auf der Seite mit der Knospe länger. Seitliche Knospen können nur wieder als Rhizome auswachsen, Halme bilden sich nur an den Enden der Rhizome. Die Rhizomhälse können kurz oder lang sein. Diese Art von Rhizomen werden auch als „sympodial“ bezeichnet.[3]

Leptomorphe Rhizome[Bearbeiten]

Leptomorphes Rhizom mit Halm von Phyllostachys bambusoides

Leptomorphe Rhizomkörper sind lang und dünn, zylindrisch oder beinahe zylindrisch mit einem Durchmesser der meist kleiner als der, der sich bildenden Halme ist. Die Internodien sind symmetrisch oder beinahe symmetrisch, länger als breit und haben alle etwa die gleiche Länge. schlafende seitliche Knospen sind meist bootsförmig. An jedem Knoten gibt es einen einzelnen Knoten und eine Wurzel-Anlage. Eine Ausnahmen können Vertreter der Arundinarieae bilden, bei denen Knospen oder Wurzelanlagen fehlen können. Die meisten seitlichen Knospen bleibend schlafend, entwickeln sie sich, entstehen meist Halme, seltener werden weitere Rhizome gebildet. Die terminale Knospe wächst meist horizontal weiter, seltener richten sich die Rhizome zur Oberfläche und bilden eine Halm. Die Rhizomhälse sind immer kurz. Leptomorphe Rhizome werden auch als „monopodial“ bezeichnet.[4]

Verbreitung[Bearbeiten]

Verbreitungskarte der Unterfamilie

Die etwa 1000 bis 1500 Bambusarten sind auf allen Kontinenten mit Ausnahme von Europa und der Antarktis beheimatet und ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von 46° nördliche bis 47° südliche Breite. Sie wachsen von Meereshöhe bis in eine Höhe von etwa 4000 Metern. Dabei können die Arten bezüglich ihres Verbreitungsgebiets (Biogeographie) zwei Gruppen zugeordnet werden, nämlich in Bambusarten der Tropen und Subtropen (Tribus Bambuseae und Olyreae) und in Arten der gemäßigten Zone (Tribus Arundinarieae).[5]

Systematik[Bearbeiten]

Die Bambusoideae sind eine der zwölf Unterfamilien der Süßgräser[6] und werden mit den nahe verwandten Ehrhartoideae und den Pooideae zur sogenannten BEP-Klade zusammengefasst. Der Name leitet sich aus den Anfangsbuchstaben der Unterfamilien ab. Dabei bilden die Pooideae das Schwestertaxon zu den Bambusoideae.[5]

Die Bambusoideae werden in drei Tribus gegliedert:[7]

Die Olyreae bilden das Schwestertaxon zu den Bambuseae, damit ergibt sich folgendes Kladogramm:[9]

Bambus (Bambusoideae)

Arundinarieae


     

Bambuseae


     

Olyreae




Fälschlich als „Bambus“ bezeichnete Arten anderer Taxa[Bearbeiten]

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Kein Bambus: „Glücksbambus“

Unter der aus botanischer Sicht abwegigen Bezeichnung „Glücksbambus“ oder der englischsprachig anmutenden Benennung „Lucky Bamboo“ kommen Sorten der pflanzensystematisch von Bambus weit entfernten Drachenbaumarten Dracaena sanderiana und Dracaena fragrans in den Handel. Der Name „Glücksbambus“ ist ein eingetragenes Warenzeichen. Er wird in Europa in vielen Möbelhäusern, Baumärkten, Supermärkten, Gartencentern und Blumengeschäften angeboten.

Ebenfalls kein echter Bambus ist das Seychellengras, das als „Zwergbambus“ oder auch „Bonsai-Bambus“ angeboten wird. Der „Hängebaumbambus“ ist ebenso ein Gras, das sogenannte Flechtstraußgras. Weitere fälschlicherweise als Bambus bezeichnete Pflanzen sind „Himmelsbambus“ und „Mittelmeerbambus“.

Verwendung[Bearbeiten]

Hauptartikel: Bambusnutzung

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Bamboo Phylogeny Group: An Updated Tribal and Subtribal Classification of the Bamboos (Poaceae: Bambusoideae), The Journal of the American Bamboo Society, 2012, S. 3.
  2. McClure: The Bamboos, S. 17.
  3. McClure: The Bamboos, S. 24, 25.
  4. McClure: The Bamboos, S. 25.
  5. a b Sungkaew et al.: Non-monophyly of the woody bamboos (Bambuseae; Poaceae): a multi-gene region phylogenetic analysis of Bambusoideae s.s., 2009, S. 95.
  6. Bamboo Phylogeny Group: An Updated Tribal and Subtribal Classification of the Bamboos (Poaceae: Bambusoideae), The Journal of the American Bamboo Society, 2012, S. 1.
  7. Bambusoideae im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.
  8. Bamboo Phylogeny Group: An Updated Tribal and Subtribal Classification of the Bamboos (Poaceae: Bambusoideae), The Journal of the American Bamboo Society, 2012, S. 2.
  9. Sungkaew et al.: Non-monophyly of the woody bamboos (Bambuseae; Poaceae): a multi-gene region phylogenetic analysis of Bambusoideae s.s., 2009, S. 103.

Literatur[Bearbeiten]

  •  F. A. McClure: The Bamboos. Smithsonian Institution Press, Washington and London 1993, ISBN 156098323X.
  •  Bamboo Phylogeny Group: An Updated Tribal and Subtribal Classification of the Bamboos (Poaceae: Bambusoideae). In: The Journal of the American Bamboo Society. 24, Nr. 1, 2012, ISSN 01973789, S. 1–10 (bei www.bamboo.org, abgerufen am 17. Januar 2015).
  •  Bamboo Phylogeny Group: An Updated Tribal and Subtribal Classification of the Bamboos (Poaceae: Bambusoideae). In: 9th World Bamboo Congress. 2012, ISSN 2150-1165 (bei worldbamboo.net, abgerufen am 17. Januar 2015).
  • Yun-Jie Zhang, Peng-Fei Ma & De-Zhu Li: High-Throughput Sequencing of Six Bamboo Chloroplast Genomes: Phylogenetic Implications for Temperate Woody Bamboos (Poaceae: Bambusoideae), In: PLoS ONE, Volume 6, Issue 5, 2011, e20596. ISSN 19326203 doi:10.1371/journal.pone.0020596
  • Sarawood Sungkaew, Chris M. A. Stapleton, Nicolas Salamin & Trevor R. Hodkinson: Non-monophyly of the woody bamboos (Bambuseae; Poaceae): a multi-gene region phylogenetic analysis of Bambusoideae s.s., In: Journal of Plant Research, Volume 122, 2008/2009, S. 95–108. doi:10.1007/s10265-008-0192-6 Fulltext-Online.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bambusoideae – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien