Bartholomäus Keckermann

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Bartholomäus Keckermann

Bartholomäus Keckermann (* um 1572 in Danzig; † 25. August (oder Juli) 1608 ebenda) war ein deutscher reformierter Theologe und Philosoph. Er wurde bekannt für seine Analytische Methode.

Leben[Bearbeiten]

Keckermann war als Kaufmannssohn in den konfessionellen Auseinandersetzungen seiner Heimatstadt auf Seiten der Reformierten aufgewachsen. Er studierte seit dem 4. Mai 1590 an der Universität Wittenberg, schrieb sich im Sommersemester 1592 an der Universität Leipzig ein und wechselt am 22. Oktober 1592 an die Universität Heidelberg, wo er sich am 17. Februar 1595 den akademischen Grad eines Magisters erwarb. Im Anschluss wirkte er als Lehrer am Heidelberger Pädagogium, wechselte 1597 an Heidelberger Collegium Sapientiae und bereitete in dieser Aufgabe die Jugend auf den Besuch von Kollegien vor. Er las über Logik und ihm wurde 1600 an der Heidelberger Universität der Lehrstuhl für hebräische Sprache übertragen. Zudem hielt er Privatvorlesungen über Dogmatik. Nachdem er am 23. März 1602 zum Lizentiaten promoviert hatte, folgt er einem Ruf an das Akademische Gymnasium Danzig, wo er sich als Konrektor wissenschaftlichen Themen widmete.

Keckermann gilt als Begründer der „analytischen Methode“, die auf enzyklopädische Ordnung des verfügbaren Wissens, in der Symbiose von Theologie und Philosophie zielt. Dabei griff er die Wissenstheorien von Rudolf Agricola, von Philipp Melanchthon, von Giacomo Zabarella und des Petrus Ramus auf, indem er sie in ein rational definiertes System zusammenfasste. Die analytische Methode bildete sich als Grundlagenwissenschaft für alle Wissenschaften aus und war der damalige Prototyp von Wissenschaft überhaupt. Die Verbindung methodischen Bewusstseins und der empirischen Wissensakkumulation übte auf das enzyklopädische Schrifttum der Folgezeit einen bedeutenden Einfluss aus.

Werkauswahl[Bearbeiten]

Keckermann Scientiae Metaphysicae compendiosum 1609.jpg
  • Systema compendiosum totius mathematices, 1602;
  • Systema disciplinae politicae, 1606;
  • Systema logicae minus, 1606;
  • Contemplatio gemina de loco et terra motu, 16o7;
  • Systema politicae et oeconomiae, 1607;
  • Disputationes politicae, 1608;
  • Apparatus practicus sive idea methodica et plena totius philosophiae practicae, 1609;
  • Scientiae Metaphysicae Systema, 1609;
  • Systema Ethicum, 1610;
  • Systema astronomiae compendiosum, 1611;
  • Systema geographicum, 1612, 21616;
  • Systema logicae plenioris, 1612, 21625, 31628;
  • Systema physicum, 1612;
  • Systema praeceptorum logicorum, 1613;
  • Systema systematum, 2 Bd., 1613;

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinrich HoltzmannKeckermann, Bartholomäus. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 15, Duncker & Humblot, Leipzig 1882, S. 518.
  • Joachim Staedtke: Keckermann, Bartholomäus. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 11, Duncker & Humblot, Berlin 1977, ISBN 3-428-00192-3, S. 388 f. (Digitalisat).
  • Keckermann, Barthol. In: Johann Heinrich Zedler: Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste. Band 15, Leipzig 1737, Spalte 373 f.
  • Erich Wenneker: KECKERMANN, Bartholomäus. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 3, Bautz, Herzberg 1992, ISBN 3-88309-035-2, Sp. 1280–1283.
  • Emil Menke-Glückert: Die Geschichtsschreibung der Reformation und Gegenreformation. Bodin und die Begründung der Geschichtsmethodologic durch Bartholomäus Keckermann. Osterwieck 1912. Neudruck Leipzig 1971
  • Paul Althaus: Die Prinzipien der deutschen reformierten Dogmatik im Zeitalter der aristotelischen Scholastik. Leipzig 1916. Neudruck Darmstadt 1967
  • W. H. van Zuylen: Bartholomäus Keckermann – Sein Leben und Wirken. Borna-Leipzig 1934.
  • Theodor Schieder: Briefliche Quellen zur politischen Geistesgeschichte Westpreußens
  • 9 Briefe Keckermanns. In: Altpreußische Forschungen Jg. 18 (1941), S. 262–275
  • Otto Weber: Die Treue Gottes. Gesammelte Aufsätze. Neunkirchen 1968, S. 138–141
  • F. Goedcking: Die Politik des …, Bartholomäus Keckermann Dissertation. Heidelberg 1972
  • Manfred Büttner: Die Geographia Generalis vor Varenius. Wiesbaden 1973, S. 172–205
  • Arno Seifert: Cognitio Historica. Die Geschichte als Namensgeberin der frühneuzeitlichen Empirie. Berlin 1976, S. 96
  • Walter Spam: Wiederkehr der Metaphysik. Die ontologische Frage in der lutherischen Theologie des frühen 17. Jh. Stuttgart 1976
  • Wilhelm Kühlmann: Gelehrtenrepublik und Fürstenstaat. Tübingen 1982.
  • Wilhelm Schmidt-Biggemann: Topica Universalis. Hamburg 1983, S. 89
  • Walther Killy (Hrsg.): Literaturlexikon. Autoren und Werke deutscher Sprache (15 Bände). Bertelsmann-Lexikon-Verlag, Gütersloh / München: 1988–1991 (CD-ROM: Berlin 1998, ISBN 3-932544-13-7)
  • Danilo Facca: Bartłomiej Keckerman i filozofia. Wydawnictwo PAN, Warszawa 2005, 285 S. (Habilitationsschrift).

Weblinks[Bearbeiten]