Bei Ling

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Bei Ling (chinesisch 貝嶺, vollständiger Name Huáng Bèi Lǐng 黄貝嶺; * 28. Dezember 1959 in Shanghai) ist ein chinesischer Schriftsteller, Poet, Essayist und Dissident. Er wurde 2000 von chinesischen Sicherheitsbehörden verhaftet, nachdem er zuvor regimekritische Literatur veröffentlicht hatte. Bei Ling wurde jedoch relativ schnell wieder freigelassen, da sich sowohl namhafte Schriftstellerkollegen wie Susan Sontag und Günter Grass als auch die amerikanische Regierung für seine Freilassung starkmachten.[1] Im Jahr 2009 rückte Bei Ling im Rahmen der Frankfurter Buchmesse in das Interesse der deutschen Medien. Dort war es zu einem Konflikt bezüglich seiner Teilnahme an einem Symposium gekommen, zu dessen Teilnehmerkreis auch chinesische Regierungsvertreter gehört hatten.[2]

Leben[Bearbeiten]

Bei Ling wurde in Shanghai geboren und verbrachte dort vor der Kulturrevolution einige Jahre bei seinen Großeltern. Später holten ihn seine Eltern nach Peking, wo er die Schule und Universität besuchte. Ende 1988 reiste Bei Ling erstmals in die USA, dort lernte er auch Ai Weiwei kennen.[3] Als sich 1989 in China die Studentenbewegung formierte, geriet Bei Ling in einen Gewissenskonflikt: In die Heimat zurückkehren, um sich den Demonstrationen anzuschließen oder im sicheren New York bleiben? Während sich Liu Xiaobo, der spätere Friedensnobelpreisträger, mit dem sich Bei Ling zu jener Zeit ein Apartment teilte, zur Rückkehr entschloss, blieb Bei Ling vorerst in den USA.[4] 1992 gründete er in Boston das Literaturjournal Tendency und unternahm seither massive Anstrengungen, es auch in China zu veröffentlichen. Im August 2000 wurde die 13. Tendency-Ausgabe schließlich in Peking gedruckt, Bei Ling wegen illegaler Publikation verhaftet. Interventionen internationaler Schriftstellerkollegen, allen voran Susan Sontag, und der amerikanischen Regierung führten zwei Wochen darauf zu seiner Freilassung und - sofortigen Ausweisung aus China.[5] Seit dem Ende seines Haftaufenthalts in China lebt Bei Ling im ausländischen Exil. Die Vereinigten Staaten und Taiwan wurden in dieser Zeit zu seiner neuen Wahlheimat. Im Jahr 2001 gründete Bei Ling gemeinsam mit Liu Xiaobo den unabhängigen chinesischen PEN-Klub.[6]

Publikationen[Bearbeiten]

Bei Lings Poesie, Essays und Buchrezensionen wurden unter anderem in der New York Times, Los Angeles Times, Los Angeles Times Book Review und dem Harvard Review veröffentlicht. Er selbst war Begründer und Redakteur der Literaturzeitschrift Tendency, die als Hauptzielgruppe vor allem chinesische Exilanten erreichte. Im Verlag Tendenzen gibt er die Werke internationaler Autoren der Moderne, wie Susan Sontag, Václav Havel und Paul Celan in chinesischer Sprache heraus. Seit der Frankfurter Buchmesse 2009 werden seine Essays auch vermehrt in deutscher Übersetzung publiziert. Anlässlich der Verleihung des Friedensnobelpreises 2010 an den inhaftierten Liu Xiaobo veröffentlichte Bei Ling das Buch Der Freiheit geopfert – Die Biografie des Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo.[7] Im Frühjahr 2012 erscheinen seine Erinnerungen "Ausgewiesen. Über China" bei Suhrkamp, die Bei Ling im Rahmen der Frankfurter Buchmesse 2011 der Öffentlichkeit vorgestellt hat.

Bücher[Bearbeiten]

Essays[Bearbeiten]

Lyrik[Bearbeiten]

  • Old Days. Bei Ling Selected Poems 1980-1995, Tendency Inc.(傾向出版), Taiwan, März 2006 (chinesisch-englisch)
  • Themes and Variation, Li-Ming Cultural Enterprise Co(黎明出版), Taiwan, Jänner 1994 (chinesisch)
  • Today and Tomorrow, Lijiang Publishing House, Guangxi Province, China, März 1988 (chinesisch)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Autoren auf der Abschussliste sueddeutsche.de 10. September 2009
  2. Eklat beim China-Symposium – Es ging doch hier um Literatur, oder? FAZ.net 18. September 2009
  3. Der nackte Bürger Ai Weiwei FAZ 14. Mai 2011
  4. Der Freiheit geopfert. Die Biografie des Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo.
  5. Under the aura of saturn.
  6. Independent Chinese Pen Center ICPC.
  7. Bei Ling: Der Freiheit geopfert – Die Biografie des Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo. 2010, ISBN 978-3-86883-134-4.